BGH · VIII ZR 182/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zur Lieferung kan es indes nicht» Am 21o März 1966 begann bei der Firma Chris ein Streik, der bis 21» Juni 1966 dauerte« Der Beklagte berief sich darauf, daß er für die Überschreitung dos vereinbarten Liefertermins nicht einzustehen habOo In den Verkaufsbedingungen des Beklagten, auf die bei dem Kaufvertrag Bezug genommen worden v/ar, heißt es: Der Kläger hatte dem Beklagten bereits in einem Schreiben vom 11» März 1966 vorgeworfen, er habe die Abwicklung des am 22» Januar 1966 erteilten Auftrages verzögert, und ihm gleichzeitig angekündigt, mit einer Überschreitung des vereinbarten Liefertermins werde er, der Kläger, sich nicht einverstanden erklären» Mit Schreiben vom 4» Mai 1966 erklärte der Kläger dann den Rücktritt vom Vertrage mit der Begründung, daß die Verzögerung der Ablieferung des Bootes nicht an dem Streik, sondern an Versäumnissen des Beklagten liege» Nach weiterem Schriftwechsel zwischen den Parteien hielt der Kläger durch Anwaltschreiben vom 20 o Juni 1966 dem Beklagten vor, da*3 er das Boot weder jetzt noch bis zu dem 14« Juli 1966 liefern könne« Unter diesen Umständen sei er jedenfalls zur Rückgewähr der geleisteten Anzahlung von 21 000 DM nebst Zinsen verpflichtet« Am 21o Juni 1966 telegrafierte der Beklagte an den Kläger: Streik bei Chris 'beendet;0 Versand des Bootes wird vorbereitet« In einem Ferngespräch mit dem Vater des Klägers am 13« Juli 1966 erklärte der Beklagte dann aber, er müsse sich nunmehr doch "ergeben", weil es ihm nicht möglich sei, das Boot bis zu dem 14« Juli zu liefern« Bei diesem Gespräch schlug der Beklagte vor, dem Kläger ein anderes Boot zu liefern. Der Beklagte trat diesem Verlangen entgegen« Im Schriftsatz vom 11« November 1966 lieil er vortragen, er halte noch an dem Vertrage fest und sei bereit, für die nächste Saison das vom Kläger bestellte Boot zu liefern« Auf den entgangenen Gewinn von 7 150 DM könne er keinesfalls verzichten« Auf die Auslegung der allgemeinen Verkaufsbedingungen über vereinbarte Liefertermine und Lieferverzögerungen kommt es nicht an» Denn das Berufungsgericht hat bei seiner Würdigung des zur Beurteilung stehenden Sachverhalts nicht darauf abgestellt, wie die Lieferungsbedingungen zu verstehen seien, sondern hervorgehoben, daß der Kläger sich in seinem Schreiben vom 20 „ Juni 1966 auf den Standpunkt gestellt hat, der Beklagte müsse spätestens bis zu dem 14» Juli 1966 liefern,und daß sich der Beklagte dem gefügt hat« Dieser Ausgangspunkt des Berufungsgerichts ist rechtlich nicht zu beanstanden o 2, Die Revision macht ferner geltend, der Beklagte habe die Bemerkung, wonach er am 13p Juli erklärt haben soll, er müsse sich "ergeben”, weil er das Boot nicht in den nächsten Tagen liefern könne, bestritten» Jedenfalls hätte das Berufungsgericht Zweifel haben müssen, wie die Einlassung des Beklagten zu diesem Punkt zu verstehen sei» Bei Ausübung der Fragepflicht nach § 139 ZPO hätte der Beklagte klarstellen lassen oder im Falle einer persönlichen Vernehmung durch das Gericht gern» § 141 ZPO selbst erklärt, daß auch die Behauptung bestritten werden sollte, er habe erklärt, er müsse sich nunmehr dem Kläger "ergeben"» Der von der Revision behauptete Verfahrensfehler liegt nicht vor» Es war, wie sich aus dem Tatbestand des Urteils des Landgerichts ergibt, bereits im ersten Rechtszuge unstreitig, daß der Beklagte die nunmehr von der Revision in Frage gestellte Erklärung abgegeben hat« Darauf hat der Kläger in der Berufungsbegründung ausdrücklich hingewiesen 0 ijenn der Beklagte dann in der Berufungserv/iderung vom 10«, Mai 1967 die Feststellung des Landgerichts hätte in Zweifel ziehen wollen, so hätte er das klar zu dem Ausdruck bringen müssen» Das ist nicht geschehen■ Unter diesen Umständen hatte das Berufungsgericht keine Veranlassung, auf eine weitere Erklärung des Beklagten zu diesem Punkt hinzuwirken» 3» Die Revision meint ferner, selbst wenn man von der Erklärung des Beklagten bei dem Telefongespräch am 13o Juli 1966 ausgehe, die er abgegeben haben soll, seien die Schlußfolgerungen des Berufungsgerichts nicht gerechtfertigte Sie beruhten auf Rechtsirrtum» Das Schreiben der Prozeßbevollmächtigten des Klägers vom 20 e Juni 1966s in dem auch die Auffassung vertreten worden sei* das Boot müßte jedenfalls bis zu dem 14» Juli 1966 geliefert werden, enthalte kein klares und eindeutiges An-^ gebot für einen Rücktritt vom Vertrage; denn in dem Schreiben sei auch die Auffassung des Klägers wiederholt worden, der bereits mit Schreiben vom 4» Mai 1966 erklärte -.Rücktritt sei rechtswirksam«, Entgegen der Auffassung der Revision durfte das Berufungsgericht das Schreiben dahin würdigen, daß der Kläger hiermit eine einverständliche Lösung vom Kaufvertrag für den Fall anstrebte, daß die vorhergehenden Rücktrittserklärungen nicht wirksam waren» Wenn dann der Beklagte in dem Telefongespräch vom 13» Juli 1966 erklärt hat, or müsse sich nun doch ergeben, so durfte unter