BGH · VIII ZR 174/66
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision gegen das Urteil dos 3- Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgcrichts in Hamburg vom 23 o Januar 1964 v/ird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen, Von Rechts wegen Tatbestand: Wir haben Sio gestern gebeten, statt des vereinbarten Proisos von US Bollar 22,00 per into aus (ein Wort unleserlich) Gründen einen Preis von US Bollar 25«,CO per mto für unsere Bank zu akzeptieren o Wir vnirden Ihnen also in diesem Pall eine Rechnung über US Bollar 25,00 per mto aucstcllen, die auch kassiert wird, Ben Bifferenzbetrag erhalten Sio von uns zurück, Bieso Maßnahme ist aus dem Grunde notwendig geworden, weil wir an dem Anfangsge-schäft Gold verlieren, und das zweito Geschäft wohl schwierig zu finanzieren ist, wenn dieser Verlust der Bank in der ganzen Höhe zur Kenntnis gelangt. Bie Klägerin behauptet9 die Parteien seien darüber einig gewesen., daß der von ihr erteilten Gutschrift kein Zahlungsversprechen über 60 000 BM zugrunde liege» Viel-mehr habe die Klägerin dem Geschäftsführer der Beklagten nur einen Scheinbolcg geben wollen,, damit er seine Viertel Jahresbilanz per 30»9o verschönern konnte» Bio Beklagte behauptet demgegenüber, die Gutschrift stelle ein echtes Zahlungsvorsprechen dar» Burch dieses habe sie ihre Bilanz nicht frisieren9 sondern materiell verbessern wollen» Bie Klägerin habe sich bereit gefunden., eine Zahlungsverpflichtung von 60 000 BM zu übernehmen,, einerseits9 weil die Beklagte bei früheren Ölgeschäften zwischen den Parteien im Jahre 1961 infolge ungünstiger Marktentwicklung beträchtliche Verluste habe hinnchmcn müssen9 andererseits weil sie der Klägerin bei dom Israel-Geschäft be-hiflich gewesen und sich auf den großen Abschluß für 1962 eingelassen habe» Io Das Berufungsgericht läßt unentschieden, ob die ür-toilung der Gutschrift per 30* September 1961 nur ein Schoin-geschäft war« Es hält dieses Rechtsgeschäft auf jeden Fall für sittonv/idrig und deshalb (§ 138 BGB) nichtig,, Es stellt dazu fest: Die Klägerin habe bei Geschäften, die über Bank abgewickelt wurden, Verluste erlitten und befürchtet, daß ihre Geschäftsbeziehungen zur Bank hierdurch ungünstig beeinflußt v/ürdene Um das Interosso der Bank und deren Kro-ditbereitschaft gleichwohl aufrecht zu erhalten, hätten beide Partoion für die gerade laufende Partie einen höheren Kaufpreis vorgetäuscht, so daß sich der Bank die finanzielle Lage der Klägerin wieder als günstiger dargestellt habe« Darin liege ein Betrug oder Betrugsversuch der Klägerin und eine Beihilfe dazu seitens der Beklagten0 Die Gutschrift sei demnach - wenn sie nicht nur zu dem Schoin gegeben sei -der Lohn, den der Betrüger seinem Gehilfen für die Beteiligung an dem Betrug gewährt habe0 Die Vereinbarung eines solchen Lohnes sei wegen Verstoßes gegen § 134 oder jedenfalls gegen § 138 BGB nichtige Bank vor, Bio Interessen der Bank seien überhaupt nicht gefährdet gewesen; jedenfalls habe die Beklagte dies annchmcn dürfen9 weil es sich nach den für die Beklagte glaubhaften Angaben der Klägerin für diese nur darum gehandelt habCo den Anschluß an die zweito Verarbeitungsporiode zu gewinnen3 in der die Verluste aus der ersten wieder aufgoholt werden sollten» Es fehle deshalb jedenfalls auf seiten der Beklagten ein - auch nur eventueller - Betrugsvorsatz, Dieser Hovisionsangriff hat keinen Erfolg, Es braucht nicht entschieden zu werden, ob die strafrechtliche Y/ürdi-gung dos Berufungsgerichts, das den Parteien bezüglich des Israel-Geschäfts einen (versuchten) Betrug zu dem Nachteil der? 3o Wie sich schon aus dem Schreiben der Klägerin an die Beklagte vom 10, November 1961 ergibt, ging es der Klägerin darum, beim Israel-Geschäft der Bank einen höheren Abnchmerprois vcrzuspiegeln als die Klägerin in Wirklichkeit erzielt hatte« Auf diese Weise sollte die geschäftliche läge der Klägerin als günstiger erscheinen als sie in Wirklichkeit war, und die Bank sollte sich von diesem unrichtigen Bild bei der Gestaltung ihrer Geschäftobeziehungen zur Klägerin leiten lassen. zweifelhaft aber ist es, daß jede absichtliche Täuschung des Geschäftspartners über Umstände, die für dessen geschäftliche "Entschlüsse maßgeblich sind, unredlich ist und auch von allon redlichen Kaufleuten als anstößig,doh« als sittenv/idrig angesehen v/irdo Demgemäß hat das Berufungsgericht das Täuschungsmanöver der Parteien gegenüber der Bank zu Recht als sittenv/idrig gewertet* Dieses Werturteil gilt auch für die Vereinbarung der Parteien, daß die Klägerin der Beklagten für ihre "Gefälligkeit" eine Gutschrift, d»h0 ein Schuldversprechen über 60 000 DII erteilte oIst es schon anstößig, sich an einem Täuschungsmanöver der hier in Redo stehenden Art aus Gefälligkeit zu beteiligen, so ist es erst recht zu mißbilligen, wenn für diese Beteiligung ein Entgelt gefordert und entgegengenommen v/irdo Demgegenüber macht die Revision geltend, das Berufungsgericht habe nicht berücksichtigt, daß für die Ertoilung der Gutschrift die von der Beklagten der Klägerin erwiesene Gefälligkeit nur oinor von mehreren Gründen gewesen seio In Wirklichkeit soi die Gutschrift auch als Gegenleistung für das Zustandekommen der Verträge über 10 000 t Benzin aus Israel und übor 50 000 t Gasöl für 1962 gewesen o Ferner habe bei dem Israel-Geschäft die Beklagte dadurch, daß sie für dio Rückvergütung in Höhe von 42 000 DU ein Drcinonatcakzept von der Klägerin entgegengenommen habe, der Klägerin in dieser Höhe oinen dreimonatigen V/echsolkre-dit gewährt« Schließlich habe die Klägerin auch einen Anlaß für die Erteilung der Gutschrift gehabt, die praktisch ein Mengenrabatt vertretbaren Umfangs auf bereits abgewickelte Geschäfte gev/esen soi, weil die Beklagte bei diesen Geschäften infolge der Marktentwicklung einen Verlust in Höhe von 120 000 DM gehabt habe« Ihrem Gesamtcharakter