BGH · VIII ZR 167/59
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Zum Eintritt einesGrundstückserwerbers in einen (laufenden oder ruhenden) 'Elektrizitätsversorgungsvertrag : bedarf es einer Vereinbarung mit dem Grund-stUckveräußerer und der.Zustimmung des ElekiriZitats-Versorgungsunternehmens zu dieser, die das Ünterneh-men nicht zu erteilen braucht. Erteilt dieses seine; Zustimmung nicht, so kann sich der Erwerber eines, irUmmergrundstückes, bei , einem., späteren Wiederaufbau der Borderung des Unternehmens auf Bezahlung der Anschlußkosten gegenüber im allgemeinen nicht darauf berufen, daß der Anschluß noch erhalten.war. hat der VIII, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 9» November I960 unter Mit- ; Wirkung des Senatspräsidenten Br» Pagendarm sowie der Bundesrichter Artl, Br» Dorschei, Dr» Mezger und Dp»Messner für Recht erkannt: Dem Zahlungsbefehl ging ein Schriftwechsel in den Jahren 1953 bis 1955 voraus» Das letzte Schreiben des Beklagten datiert vom 22September 1955» In -ihm erbat er eine ihm gesetzte Frist bis 20» Oktober 1955 zu verlängern für seine "abschließende Prüfung, ob er sich zur Zahlung des Betrages von 1060,49 DM rechtlich für verpflichtet erachte; bejahendenfalls werde der Betrag natürlich alsdann sofort von ihm gezahlt". Juni und 19» September .1953 durch-die Klägerin mit ihr Stromlieferungsverträge geschlossen, hat diese in der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht ausdrücklich nicht weiter verfolgt» I• Das Berufungsgericht meint, die Anschlußkosten könne die Klägerin nicht ersetzt verlangen, weil sie sich die Bezahlung dieser Kosten durch den Voreigentümer anläßlich des ersten Aufbaues■des Gebäudes auf Grund ihrer Allgemeinen Bedingungen entgegenhalten lassen müsse«, Es ent nimmt dem Abschnitt IV Kr» 4 Buchstabe a dieser Bedingungen in Verbindung mit der entsprechenden Zusatzbestimmung aus der Anlage I? . Es meint, auch Abschnitt; IX Nr. 3 der Bedingungen, wonach das Elektrizitätswerk nicht verpflichtet sei, ein bestehendes Vertragsverhältnis mit einem Abnehmer auf einen Dritten zu übertragen, st ehe'seiner Auffassung nicht entgegen. III» ’ Eine Beendigung des bisherigen Vertragsverhältnisses sieht das Berufungsgericht auch nicht in der Umstellung des Stromnetzes der Klägerin auf Drehstrom, • bevor die Wiederherstellung des Hauptanschlusses erfolgte,- und eben-" sowenig in der Ausfüllung der neuen Antragsformulare durch den Beklagten im Jahre 1953» Darin erblickt es nur die in Abschnitt IX Nr. 3 Satz ;1 der Bedingungen vorgesehene und auch aus verwaltungstechnischen Gründen erforderliche Anzeige über den Wechsel in der Person des Abnehmers. IX der Allgemeinen Bedingungen, der §§ 242, 414, 415, 677 und des sonstigen materiellen Rechtes rügt, auch Verfahrensrügen aus § 286 ZPO erhebt, ist darin beizutreten, daß sich die.Klagabweisüng mit der durch das Berufungsgericht gegebenen Begründung aus Rechtsgründen nicht aufrecht erhalten lä£ S. 9 ff) ausgesprochen, der Wied er an s ehluß e ines einschließ-lieh Hausanschlusses zerstörten Hauses nach dessen Wiederaufbau falle nicht in den Rahmen der Unterhaltungspflicht des Elektrizitätsversorgungsunternehmens, sondern sei als Erstellung eines Hausanschlusses im Sinne von Abschnitt IV Nr» 4 der Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit elektrischer Arbeit aus dem.Riederspannungsnetz desElektrizitätsversorgungsunternehmens (AVB) anzusehen und deshalb vom Abnehmer zu bezahlen. Es kann insbesondere dem Abschnitt IV Nr» 4a AVB in Verbindung mit der entsprechenden Zusatzbestimmung aus Anlage I nicht entnommen werden, daß die Kosten für die Erstellung eines Hausanschlusses auch dann nur einmal zu erstatten sind,.wenn in dem Wiederaufbau^eines kriegszer- / störten Hauses ein - abgesehen vom Bauplatz - unabhängiger Neubau zu erblicken ist. Um einen solchen Neubau handelt es sich auch im vorliegenden Palle, in dem der Beklagte das Haus, wie im Tatbestand des angefochtenen Urteils ausdrücklich festgehalten worden ist, nach neuen Plänen errichtet hat Der Sachverhaltiigv ist hier auch sonst, abgesehen davon, daß hier auch noch ein Eigentümerwechsel eingetreterr ist,.nicht wesentlich anders, als er der angeführten Entscheidung des erkennenden Senates zugrunde lag. Peststellungen darüber, ob der alte Gleichstromanschluß im Jahre 1953 noch für die Belieferung mit Gleichstrom geeignet gewesen ist, hat das.Berufungsgericht nicht getroffen. Solche Ansprüche'würden dann jedenfalls kraft Vertrages nicht mehr bestehen, wenn der alte-Vertrag durch die lange Zeit, während der Strom nxht abganommen ’worden ist, sein Ende gefunden hätte« Der Senät hat in seiner bereits angeführten Entscheidung ausdrücklich dahingestellt sein lassen," ob der Vertrag - nach damals 12 Jahren - noch als solcher bestehen geblieben ist oder ob die beiderseitigen Verpflichtungen aus ihm nur solange ruhten. Auch für den vorliegenden Pall braucht diese Präge nicht abschließend entschieden zu werden; denn es 'kommt hier darauf schon deshalb nicht an, weil der Senat der Auffassung des Berufungsgerichts, der Beklagte könne sich auf die Rechtsstellung berufen, die sein Voreigentümer an seiner Stelle-eingenommen haben würde, wenn die Veräußerung nicht erfolgt wäre, aus Rechtsgründen nicht zu folgen vermag. Es'ist jedenfalls ein gegenseitiger Vertrag, der beiderseits RecHte und Pflichten begründet 0 Nach bürgerlichem Recht sind aber im Schuldrecht nur Forderungen abtretbar, jedoch nicht die Stellung in einem ganzen Schuldverhältnis, da dieses nicht nur Rechte, sondern auch; Pflichten begründet° Das Gesetz erkennt allerdings einen solchen Übergang als Folge anderer Rechtsgeschäfte an, z.B. in den §§ 571, Das setzt die Einigung des bisherigen Mieters mit dem neuen Mieter darüber voraus, dieser Übernehme von einem gewissen Zeitpunkt an alle Rechte und Pflichten des bisherigen Mieters und eine Zustimmung des Vermieters zu dieser Vereinbarung (Roquette, Mietrecht, 4° Auf 1 ° S'. 2. Dem Berufungsgericht ist danach zuzugeben, daß auch ■ ein Eintritt in einen laufenden oder auch ruhenden Versorgungsvertrag auf.diese Weise möglich ist» Das setzt aber, wie soeben ausgeführt worden ist * zunächst voraus, daß eine Abtretung vom alten an den neuen Grundeigentümer (hier den Beklagten) erfolgt ist. Es.kann bereits zweifelhaft sein, ob man Vertragspartnern, welche, wovon das Berifungsgericht nach dem insoweit unstreitigen Sachverhalt ausgeht, überhaupt kein Wort darüber verloren haben, solche Erwägungen ohne jeder tatsächlichen Anhalt einfach'unterstellen darf» Soweit das Berufungsgericht dem Abschnitt III Nr. 5 AVB einen Anhaltspunkt für eine solche Übertragung von Ansprüchen deshalo entnimmti weil der Voreigentüraer danach verpflichtet sei, dem Erwerber "die? 3» Die Präge, ob eine Einigung zwischen dem Beklagten und dem Voreigentümer über den "Eintritt" des Beklagten in den alten Versorgungsvertrag angenommen werden kann, bedarf jedoch,keiner abschließenden Entscheidung; denn.keinesfalls kann die Auffassung des Berufungsgerichts, die Bestimmung in Abschnitt-IX Nr. 3 Satz 2 AVB, wonach das Versogungsun-ternehnien' nicht verpflichtet ist, ein bestehendes Vertrags** ‘Verhältnis mit einem Abnehmer auf einen Dritten zu übertragen, stehe seiner rechtlichen Konstruktion nicht entgegen, nicht anerkannt werden. Das Berufungsgericht verkennt zwar nicht, daß diese Bestimmung bedeutet, das Versorgungsunternehmen sei nicht verpflichtet, einer Übertragung von Hechten und Pflichten des;Vorgängers auf den Nachfolger zuzustimmen, meint aber, auf eine:solche Zustimmung könne es trotz des scheinbar entgegenstehenden Wortlauts nur in Hinblick auf die Verpflichtungen des Stromabnehmers ankommen» Das ist in diesem Zusammenhang ebensowenig eine schlüssige Begründung für seine Auffassung wie seine weiteren Ausführungen, für die Klägerin habe ein besonderes schützwürdiges Interesse an dem Ausschluß des Übergangs nicht bestanden, zu demal sie nach dem Vorspruch der AVB zur Lieferung elektrischer Arbeit an jedermann verpflichtet und überdies jederzeit zur Kündigung des - übertragenen !- Stromlieferungsvertrages in der Lage gewesen sei, wenn besondere in der Person des - neuen -Abnehmers liegende Umstände dies als notwendig erscheinen ließen» Abschnitt IX Kr» 3 Satz 2 AVB bestimmt eindeutig, daß die Stromversorgungsunternehmen nicht verpflichtet sein sol“ len, ihre Stromversorgungsverträge einfach fortzusetzeno Diese Regelung wird'nicht durch die'im Energiewirischaftsge-setz ausgesprochenen Kontrahierungszwang des Stromversorgungs-Unternehmens mit jedem neuen Abnehmer, eingeschränkte Das Unternehmen ist zwar verpflichtet,, jedem neuen Abnehmer Strom zu lieferno Dieser Verpflichtung kann es aber auch dadurch genügen, daß es mit dem neuen Abnehmer einen neuen Vertrag abschließt« Sei dieser Sachlage spricht nichts dafür, daß Abschnitt IX Nr« 3 Satz 2 AVB, wie das Berufungsgericht meint, nur die Übernahme von Verpflichtungen des alten Abnehmers durch den neuen von der Zustimmung des Unternehmens abhängig ma Entscheidend ist aber, daß wie oben ausgeführt worden ist, ein Eintritt in ein altes Schuldverhältnis nur bei Mitv^irkung beider Partner des- alten Vertrages zu erreichen ist, zu der aber die Klägerin weder aus dem ihr obliegenden Xontrahierungs-zwang noch sonst gezwungen werden kann« Es kommt deshalb auch nicht daraufran, ob ein Stromversorgungsunternehmen im Einzelfall ein besonderes schutzwürdiges Interesse an dem Ausschluß des Übergangs hat oder nicht« Es könnte sich allen- ■ falls die Präge stellen, ob die Ablehnung des Eintritts eines neuen Abnehmers in den Alten Vertrag ausnahmsweise einmal als unzulässige Rechtsausübung gewertet werden müßte; Dafür bietet aber der Sachverhalt hier keinen Anhalt«, Von einer solchen unzulässigen Rechtsausübung würde auch;dann nicht ohne weiteres*auszugehen sein, wenn es der Klägerin darauf angekommen sein sollte, zu verhindern, daß sich der Beklagte auf etwaige Rechte des Voreigentümers aus dem alten Vertrag berief.'Das war nach dem Ausgeführten ihr'gutes Recht, 4° Es hätte daher der Zustimmung der Klägerin zu einem etv?aigen Eintritt, des Beklagten in den alten Stromversorgungsvertrag bedurft, wenn der Beklagte Rechte aus dem Vertrage seines Vorgängers hätte erwerben sollen<> Das Berufungsgericht nimmt eine solche* Zustimmung an und will sie der Entgegennahme der von dem Beklagten Unterzeichneten Antragsformulare ; durch die Klägerin entnehmen«, Diese Auffassung ist jedoch aus Rechtsgründen'nicht haltbare Das Berufungsgericht legt hie: nicht mehr Willenserklärungen aus, sondern unterstellt ohne hinreichenden Anhalt das Einverständnis der Klägerin?.., Der festgestellte Sachverhalt bietet, nämlich nicht nur keinen Anhalt dafür, daß die Klägerin auf den Gedan&Qn gekommen sein könnte, der Beklagte habe sich mit seinem.Rechtsvorgänger ^ stillschweigend" dahin geeinigt, er solle in den Versorgungsvertrag mit seinen Rechten und Pflichten eintreten und die Klägerin solle dem zustimmen« Ihm ist vielmehr im Gegentdl zu entnehmen, daß die Klägerin einen solchen Übergang nicht wollte« Es würde jeder Lebenserfahrung wider -sprechen und wäre im vorliegenden Falle geradezu unverständlich gewesen, wenn die Klägerin zugestimmt hätte; denn nach, dem festgestellten Sachverhalt wußte sie, .daß der Beklagte wegen der Bezahlung der Anschlußkosten im Hinblick darauf, daß sein Rechtsvorgänger im Eigentum am Grundstück früher schon einmal entsprechende Kosten bezahlt-hatte, Schwierigkeiten machte« Bei dieser Sachlage kann die Entgegennahme der ausgefüllten Formularanträge, die, worauf die Revision Ho) Bei der gegebenen Sachund Rechtslage, wie sie sich nach den Ausführungen zu I•und II stellt, kommt es auf die weiteren Ausführungen des Berufungsgerichts, insbesondere zur Frage der Umstellung der Versorgungseinrichtungen von Gleichauf Drehstrom und deren Einwirkung auf einen v etwa fortbestehenden Versorgungsvertrag nicht an. 2.) Unerheblich ist ferner, ob etwa der alte Gleichstromanschluß, wie der Beklagte behauptet hat, unbeschädigt geblieben war und deshalb für einen neuen Gleichstromanschluß ohne besondere oder unter Aufwendung erheblich geringerer Kosten hätte verwendet werden können; denn mit Rücksicht da~ ' rauf, daß die Klägerin, als der Beklagte seinen Anschluß beantragte, ihr Stromnetz bereits auf Drehstrom umgestellt hatte oder, doch umzustellen im Begriff war, hatte er jedenfalls keinen Anspruch darauf, noch mit Gleichstrom angeschlossen zu werden. Stromart oder Anschlußärt ändert, so wird der, Anschluß auf Kosten des EW aus g ew e c h s el t", trotz der Kriegszerstörung seines Hauses und der jahrelangen Nichtabnahme von Strom nunmehr doch noch die kostenlose Auswechslung eines unbeschädigt gebliebenen Gleichstroman-schlusses und seine unentgeltliche Ersetzung durch einen Fechselstromanschluß hätte verlangen können. Soweit der frühere Eigentümer; solche Rechte aus dem Fortbestehen des ruhenden alten Vertrages herleiten würde, könnte der Beklagte sich darauf.nur berufen, wenn das Vertragsverhältnis auf ihn übergegangen .'wäre; das ist aber nach den obigen Ausführungen weder hinsichtlich "des ganzen Vertrages"noch hinsichtlich "einzelner Rechte" der Fall* Ob der frühere Eigentümer solche Rechte auch bei Beendigung des alten Vertrages allein aus den Tatsachen, daß noch ein gebrauchsfähiger Anschluß für Gleichstrom vorhanden ist, mit Rücksicht auf den Inhalt der Allgemeinen Bedingungen herleiten könnte, wonach die Kosten einer Stromumstellung zu Lasten des Energieversorgungsunternehmens gehen, kann offen bleiben. von diesem Ermessen hier aber einen unangemessenen Gebrauch, gemacht .hatte,: ist nicht:einmal vorgetragen» Weil es auch schon 1953 der Lebenserfahrung , entsprach, daß im Laufe der Zeit immer mehr stromverbrauchende Geräte und Einrichtungen selbst in Gebäuden, die ausschließlich als Wohnräume benutzt werden, in Betrieb genommen werden, durfte sich das Elektrizitätswerk der Klägerin auch darauf einstellen und bei Neuanschlüssen, von vornherein entsprechend starke Anschlüsse verlegen» Es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn es das auch hier getan hat « Ob. etwas anderes gelten würde, wenn der Beklagte ausdrücklich nur einen Anschluß im Rahmen des damaligen tatsächlichen Verbrauchs gewünscht hätte, kann unentschieden bleiben, weil davon nach dem festgestellten Sachverhalt nicht ausgegangen werden kann. Der Anspruch der Klägerin auf Bezahlung der Stroman-schlußkosten ist danach dem Grunde nach und auch hinsichtlich ihrer Höhe berechtigt, jedoch-abgesehen von der Frage, ob der Beklagte nicht<die Leistung verweigern„kann, weil der 1953 entstandene.; wozu allerdings zu bemerken ist, daß der Beklagte als Rechts“ anv/alt nicht Gewerbetreibender im Sinne des § 196 Abs. 1 Ziffo 1 Halbsatz 2 BGB ist und daß die Vermietung von Woh- ' nungen nur ausnahmsweise gewerbsmäßig betrieben werden wird (RGZ 94, 162). Was die Frage der unzulässigen Rechtsausübung angeht, so wird es darauf ankommen, ob das Verhalten des Beklagten insgesamt einschließlich seines letzten Schreibens von der Klägerin dahin aufgefaßt werden mußte, es käme ihm als Rechtsanwalt nur auf eine objektive Klärungg der Rechtsfragen an und er" werde 3ich, auchwenn mit der Klage noch etwas gewartet werde, nicht: auf Verjährung:berufen»