BGH · VIII ZR 162/65 vom 17.01.1968
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Mietverhältnisse, die nach Ablauf der Grundsteuerver-günstigung begründet werden, genießen keinen Mieterschutz . Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 17c Januar I960 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Haidinger und der Bundes-richter Artl, Dr« Mezger, Dr. Weber und Braxraaier für Recht erkannt: August 1962 im Namen des Beklagten einen schriftlichen Mietvertrag über die Erdgeschoßwohnung links im Hause K^Hpstraße B gegen Hingabe der 81 Punkte und des LAG-ycheines• Außerdem zahlte der Kläger einen einmaligen Betrag von 2 200,- DM. PeBIBfc habe die 81 Punkte und den LAGr-Schein für eine noch bewirtschaftete Wohnung in einem anderen Hause des Klägers, yd^straße B benötigt, deren Mieterin vom Wohnungsamt die erforderliche Bezugsgenehmigung sonst nicht erhalten konnte. tragt; den Beklagten zur Zahlung von 400,- BK nebst Zinsen zu verurteilen«, Der Beklagte, der die Bestimmungen des Mieterschutzgesetzes nicht für anwendbar hält, hat behauptet, dem Kläger sei bei Abschluß des Mietvertrages bekannt gewesen, daß die 81 Punkte und der LAG-Schein nicht für seine Wohnung, «sondern für die Wohnung OflIBstraBe S benötigt wurden» IIo Das Berufungsgericht hat ausgeführt, das Mietverhältnis der Parteien unterliege dem Mieterschutzgesetz» Das sei dem § 31 a Abs» 2 a MSchG zu entnehmen, wonach die in Absc 1 dieser Vorschrift angeordnete Befreiung freifinanzierter und steuerbegünstigter Y/ohnungen und Wohnräume vom Mieterschutz nicht gilt, wenn GrundsteuerVergünstigung in Anspruch genommen wird«, Hach Auffassung des Berufungsgerichts gilt diese Bestimmung auch für Mietverhältnisse, die, wie hier, erst nach dem Ablauf der Grundsteuervergünstigung begründet worden sind» Es meint, das ergebe sich aus dem Halbsatz 2 des Abs» 2 a, der dom § 31 a durch das Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Gewährung von Miet- und Lastenbeihilfen und des Mieterschutzgesetzes vom 10, April 1961 (BGBl I 421) angefügt worden ist, und der wie folgt lautet: "Die Vorschriften der §§ 1 bis 19 und der §§ 24 bis 31 sind nicht anzuwenden auf Mietverhältnisso über Wohnungen und Wohn-räume im Sinne von § 23 des I. § 31 a Abs» 1 MSchG hat demnach in seiner ursprünglichen Fassung grundsätzlich alle steuerbegünstigten Wohnungen und Wohnräume aus dem Mieterschutz herausgenommen, also auch die grundsteuerbegünstigtenc Wenn demgegenüber nach Abso 2 a der Vorschrift - gleichfalls in ihrer ursprünglichen Fassung - Abs» 1 nicht gilt für Mietverhältnisse über Wohnungen oder Wohnräume, für die Grundsteuervergünstigung nach §§ 73 11 I. Wo3auG a.P. gewährt wird, so kann das entgegen der Auffassung von Roquette (MSchG Anm» 26 zu § 31 a) insoweit keine völlige Aufhebung der in Abs» 1 ausgesprochenen Befreiung vom Mieterschutz bedeuten o Hätten grundsteuerbegünstigte Wohnungen im Gegensatz zu den einkoramensteuerbegünstigten weiterhin uneingeschränkt dem Mieterschutz unterliegen sollen, so hätte nichts näher gelegen, als das in Abs» 1 zu dem Ausdruck zu bringen und den Grundsatz der Aufhebung des Bestandschutzes dort von vornherein auf freifinanzierte und einkommen-steuerbegünstigte Wohnungen zu beschränken» § 31 a Abs» 2 a bringt daher lediglich eine Einschränkung des in Abs» 1 aufgestellten Grundsatzes der Beseitigung des Mieterschutzes für grundsteuerbegünstigte Wohnungen und Wohnräume» Der Inhalt dieser Beschränkung ergibt sich aus der Formulierung der Ausnahmebestimmung» Nach ihr bleibt der Mieterschutz für Mietverhältnisse über Wohnungen erhalten, für die Grundstouervergünstigung gewährt wird, mit anderen Worten, der Bostandschutz bleibt bestehen, wenn und so lange die Grundsteuervergünstigung besteht» Diese aber wurde in §7 1« V/oBauG a.Fc auf die Dauer von 10 Jahren begrenzt» 2» Am materiellen Inhalt des § 31 a MSchG, soweit er hier in Betracht kommt, haben auch die späteren Neufassungen der Vorschrift nichts geändert» Sie ist lediglich hinsicht- Juni 1956, BGBl I 523)» Jedoch brachte bereits die erste Änderung eine Verdeutlichung des Grundsatzes der Befreiung auch des grundsteuerbegünstigten Wohn-rauras vom Mieterschutz dadurch, daß in Abs. 1 nunmehr der steuerbegünstigte '.Vohnraum ausdrücklich und nicht nur wie bisher durch Verweisung auf die einschlägigen Begriffsbestimmungen der Wohnungsbaugesetze genannt wurde. 3. Im Einklang mit Wortlaut und Passung des § 31 a Abs. 1 und Abs. 2 a MSchG ist daher auch, soweit ersichtlich, nie bezweifelt worden, daß die Aufrechterhaltung des Mieterschutzes bei grundsteuerbegünstigten Wohnungen und Wohn-räumen nur während des Zeitraums der Inanspruchnahme der Vergünstigung gilt, so daß jedenfalls solche Mietverhältnisse, die nach dieser Zeit begründet werden, keinen Mieterschutz genießen (vgl, dieybei Pergande, BBauBl. 1961, 351 zitierten Entscheidungen; Wessel, Blätter für Grundstücks-, Bau- und Wohnungsrecht 1962, 37)« Unklarheiten bestanden bis zu dem Erlaß des Gesetzes vom 10. 4» Die dadurch aufgekommene Reehtsunoicherheit zu beseitigen, die sich ab 1961 durch den nunmehr einsetzenden Ablauf der Grundsteuervergünstigung für jährlich etwa 20G 000 Wohnungen zunehmend zu verschärfen drohte, war u«a, das Anliegen des Gesetzes vom 10» April 1961 (Pergande aaO)o Durch Beifügung eines neuen Halbsatzes in § 31 a Abs. 2 a stellte es klar, daß die Ausnahme von der Befreiung vom Mieterschutz hinsichtlich grundsteuerbegünstigter Wohnungen und Wohnräume.i auch nach Ablauf der Grundsteuervergünstigung gilt» Damit wurde der Bestandsschutz bereits unter das Mieterschutzgesetz fallender Mietverhaltnisse aufrechterhalten, nicht aber der Mieterschutz für erst nach Beendigung der Grundsteuervergünstigung geschlossene Mietverträge begründet, den es bis dahin nicht gegeben hatte• Dem entspricht auch, daß der Wortlaut des Kalbsatzeo 1 nicht geändert worden ist- Vielmehr blieb es dabei, daß der Mieterschutz nur gilt für Wohnungen oder Wohnräume, für die Grundsteuer Vergünstigung gewährt wird. Eine abweichende Auslegung rechtfertigen auch nicht die Materialien zu dem Gesetz vom 10, April 1961, die schon deswegen unergiebig sind, weil weder bei den Beratungen im Ausschuß für Wohnungswesen, Bau- und Bodenrecht, noch bei der Behandlung des Gesetzes im Plenum des Deutschen Bundestages die Frage des Mieterschutzes für nach Ablauf der Grundsteuervergünstigung geschlossene Mietverhältnisse behandelt worden ist (Kurz-Protokoll des Ausschusses für Wohnungswesen, Bau- und Bodenrecht über die 85» Sitzung vom 2o März 1961; BT-Drucks. neu geschaffen worden ist, bestimmt im ersten Halbsatz die entsprechende Anwendung des Abs. 1 auf öffentlich geförderten Wohnraum, der wegen vorzeitiger Rückzahlung der gewährten öffentlichen Baudarlehen von den Bindungen der Wohnungsbau-gesetze freigestellt worden ist. WoBauG am Ende des zweiten Halbsatzes ferner bestimmt, daß die Herausnahme aus dem Mieterschutz nicht für Mietverhältnisse gilt, die vor der Freistellung begründet worden sind. Diese Regelung war im Hinblick auf den im ersten Halbsatz aufgestellten Grundsatz der Aufhebung des Mieterschutzes freigestellter Wohnräume ebensowenig selbstverständlich, wie in. in Abs. 2 a aufzunehmen, wenn er wie bei der Freistellung öffentlich geförderter Wohnungen hinsichtlich des Mieterschutzes eine unterschiedliche Behandlung der vor oder nach Beendigung der Grundsteuervergünstigung begründeten Mietverhältnisse gewollt hätte. Wenn der Gesetzgeber von der Aufhebung des Mieterschutzes für diejenigen Mietverhältnisse ausgeht, die nach der Freistellung von den Bindungen der Wohnungsbaugesetze begründet worden sind, so wäre es rechtspolitisch nicht zu rechtfertigen, im Gegensatz dazu bei Beendigung der Grundsteuervergünstigung einen Mieterschutz auch für erst danach geschlossene Mietverträge zu gewähren. Öirm und 2weck des § 31 a ist es, den Bauherrn, der Wohnraum teilweise auf Kosten der Allgemeinheit schafft, sei es, daß er sich Öffentliche Mittel gewähren läßt, sei es, daß er su lasten der Allgemeinheit Steuern nicht zu zahlen braucht, hinsichtlich des geschaffenen Wohn-raums weiterhin sozialen Bindungen zu unterworfene Gleichzeitig wurde für die Herstellung von Wohnungen ohne Inanspruchnahme öffentlicher Mittel dadurch ein Anreiz geschaffen, daß die sofortige, bei Grundsteuervergünstigung zeitlich jedenfalls absehbare Befreiung vom Mieterschutz und eine gleichgünstige Regelung für den Pall der vorzeitigen Rückzahlung der öffentlichen Mittel geschaffen wurde, Es ist nicht einzusehen, warum die Rückzahlung öffentlicher Baudarlehen zur Versagung des Mieterschutzes für nach der Freistellung begründete Mietverhältnisse führen soll, nicht aber der Ablauf der Grundsteuervergünstigung, die, jedenfalls regelmäßig, zu einer wesentlich geringeren Belastung der Allgemeinheit führt als die Inanspruchnahme öffentlicher Wohnungsbaumittel. Dem kann auch nicht entgegengehalten werden, die vorzeitige Rückzahlung eines Baudarlehens führe zur Erhöhung der Wohnungsbauförderungsmittel, während der Bauherr nach Ablauf von 10 Jahren unwiderruflich in den vollen Genuß'der Grundsteuervergünstigung gekommen sei. ■■Juni I960 über den Abbau der Wohungszwangswirt3ehaft und über ein soziales Miet- und Wohnrecht (BGBl I 389) die endgültige, wenn auch nur schrittweise zu vollziehende Beseitigung des Mieterschutzes angeordnet. BMG), nach der Auslegung des Senats bei ehemals grund-steuerbegünstigten Wohnraumen unter Umständen eine Befreiung vom Mieterschutz eintritt, ohne daß gleichzeitig die neuen Bestimmungen des allgemeinen Mietrechts, insbesondere die Kernstücke des neuen sozialen Mietrechts die §§ 556 a, 565 BGB in Kraft sind. Dieses Ergebnis ist vom Gesetzgeber für frei finanzierte und einkommensteuerbegünstigte Wohnräume von Anfang an und seit Erlaß des Zweiten Wohnungsbaugesetzes auch für öffentlich geförderte, aber von der Bindung der Yt’ohnungsbaugesetze freigestellte Wohnräume in Kauf genommen worden. Ob, wie der Kläger meint, angesichts der Umstände vor und beim Zustandekommen des Mietvertrages möglicherweise ein Mietverhältnis begründet worden ist, das der Beklagte trotz Pehlens eines gesetzlichen Mieterschutzes nur kündigen kann, wenn die Voraussetzungen der §§ 2 ff MSchG vorliegen, hat das Berufungsgericht nicht geprüft.