BGH · VIII ZR 155/61 vom 07.11.1962
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Xm Juni 1955 schlossen deshalb die Beklagte und ihre Mutter, Frau Käthe NMB, einen Vertrag über ■die Errichtung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma NflHH 3b Co. GmbH ab, die ein Nahverkehr suntcrnehmen betreiben sollte und zu deren alleiniger Geschäftsführerin die Beklagte bestellt wurde« Die Futter der Beklagten leistete eine Bareinlage von 3 000 DM und brachte eine von ihrem verstorbenen Ehemann herrührende Nahverkehrskonzession ein, während die Beklagte der Gesellschaft in Anrechnung auf die von ihr übernommene Stammeinlage verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung stellte, die vorher zu dem Nahverkehrs-Unternehmen des Klägers gehört hatten, darunter die mit der Klage herausverlangte Langeisenbrücke. Ende 1956 verließ die Beklagte den Kläger und reichte die Ehescheidungsklage ein* Durch alsbald rechtskräftig gewordenes Urteil des Landgerichts D^^HHB vom 14 * November 1957 wurde die Ehe der Parteien geschieden. 1, Das Berufungsgericht hat angenommen, der Kläger sei Eigentümer der Langeisenbrücke geblieben, er habe sein Eigentum nicht durch Übertragung auf die Beklagte und die Umschreibung auf die "Firma” & Co. verloren, denn es fehle an der erforderlichen Übergabe. Nach dem im Tatbestand des Berufungsgerichts mitgeteilten unstreitigen Sachverhalt hat die Beklagte im Einverständnis mit dem Kläger in die mit ihrer Mutter begründete Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die sich als Spedition "NMBB & Co.” bezeichnete und zu deren Geschäftsführerin die Beklagte bestellt war - im folgenden "die Gesellschaft” genannt - die früher zu dem Nahverkehrsunternehmen des Klägers gehörige Langeisenbrücke eingebracht. Wie sich aus dem Zusammenhang der Entsoheidungsgründe ergibt, hat das Berufungsgericht in diesem Vorgang eine stillschweigende Einigung zwischen dem Kläger und der die Gesellschaft vertretenden Beklagten über den Übergang des Eigentums an der Langeisenbrücke von dem Kläger auf die Gesellschaft erblickt. Allerdings muß sich die Einigung im Sinne des § 854 Abs, 2 BGB gerade auf den Besitziibergang beziehen, sie kann jedoch mit der Einigung über den .Eigentumsübergang zusammenfallen (Pothe bei Soergel, aaO § 854 Nr. 15) und ebenso wie diese in schlüssigem Handeln erblickt werden. Es war also für einen Veräußerer in dem hier gegebenen Falle, daß nur das Fern-verkehrsunternehmen mit den dazugehörigen Fahrzeugen übertragen wurde, nicht möglich, das Nshverkehrsunter-r.ehmen in eigenem Kamen fortzusetzen, denn in diesem Falle hätte der Erwerber des Fernverkehrsunternehmens eine Genehmigung trotz Kontingentüberschreitung, die ersichtlich vorlog, nicht erhalten können (Hein/Eichhoff/ Pukall/Krien, GüKG § 9 Erläuterungen 2 S« 6 und 7)» Der Kläger mußte daher, wenn er nur das Fernverkehrsunternehmen veräußern wollte und der Erwerber die Genehmigung trotz Kontingentsüberechreitung erhalten sollte, seine Fahrzeuge für den Nahverkehr auf jemand übertragen, der eine Genehmigung für den Nahverkehr besaß. Hier war der Gesellschaft von der Mutter der Beklagten die KahVerkehrsgenehmigung ihres verstorbenen Ehemannes zur Verfügung gestellt worden« Es lag deshalb durchaus im Sinne des Klägers, sich seiner Nahverkehrsfahrzeuge, Bei dieser Sachlage kann der wirkliche ’.Villc des Klägers nur auf eine ernstliche und wirksame Veräußerung der Fahrzeuge an die Gesellschaft gerichtet gewesen sein* Fr durfte mit den Fahrzeugen nicht selbst den Güternahverkehr betreiben und wollte sie, wie dos •Berufungsgericht angenommen hat, auch nicht als Eigentümer behalten, sondern sein ganzes Verhalten ist vom Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß dahin gedeutet worden,; daß er die Fahrzeuge auf die Gesellschaft übertragen wollte. meiner Tätigkeit nichts änderte, nicht mehr für sich reibst, sondern für die Gesellschaft als deren Besitzdiener aus» Diese Änderung wurde nach außen dadurch deutlich, daß er nicht mehr für seinen eigenen Betrieb, der überhaupt nicht mehr bestand, vielmehr völlig zu dem Erliegen gekommen war, sondern für die Gesellschaft die Geschäfte abschloß und den Einsatz der Fahrzeuge regelte« Bach Lage der Sache ist also entgegen der Ansicht d£S Berufungsgerichts nicht der Kläger Eigentümer der Langeisenbrücke geblieben, sondern das Eigentum an ihr ist nuf die Gesellschaft übergegangen, von der es die Beklagte erworben hat« Ein Eigentumsherausgabeanspruch des Klägers aus § 985 BGB scheidet daher aus« 2« Nichte anderes gilt auch für den inzwischen verschrotteten Büssing-Lastkraftwagen« Dieser Lastkraftwagen ist nach der Annahme des Berufungsgerichts offensichtlich vom Kläger durch Einigung und Übergabe von einem Dritten für sich selbst erworben worden. schaftliche Existenz beider Parteien sichern sollte- In dem Verhalten des Beklagten muß deshalb auch hinsichtlich des Lastkraftwagens eine Einigung über den Eigen-turns- und Bcsitzübergang von dem Klager auf die Gesellschaft erblickt werden, die unter den gegebenen Umständen dazu führte, daß die Gesellschaft Eigentümerin des Lastkraftwagens wurde- Damit entfällt aber ein Schadensersätzen Spruch wegen Verletzung des Eigentums des Klägers, denn nicht dieser, sondern die Gesellschaft ist Eigentümerin des Lastkraftwagens in der ganzen Zeit zwischen seiner Einbringung in die Gesellschaft und seiner Verschrottung gewesene 3. An den Eigentumsverhältnissen hinsichtlich der Fahrzeuge änderte sich auch dadurch nichts, daß der Kläger nach der Trennung der Parteien den unmittelbaren Besitz über sie ausübte• Dadurch wurde er nicht Eigentümer der Fahrzeuge, denn es fehlt an einer Einigung über den Eigentumsübergang von der Gesellschaft auf den Kläger, die dieser nicht einmal behauptet hat. Ebenso kann dahinstehen, ob die Beklagte dadurch, daß sie den Fahrer der Fahrzeuge veranlaßte, ab August 1957 nur noch mit ihr abzurechnen und die Fahrzeuge lediglich nach ihren Weisungen zu verwenden, eine verbotene Eigenmacht gegenüber dem Kläger im Sinne des § 858 Aba. 1 BGB beging, dem Kläger stehen nämlich schon deshalb keine Besitzschutzansprüche zu, weil er sich seinerseits gegenüber der Gesellschaft einer verbotenen Eigenmacht schuldig gemacht hatte (§ 861 Abs. 2 BGB), denn der Kläger war zu dem Eigenfcesitz der Fahrzeuge nicht berechtigt. 'IMit der von ihm gebetenen Begründung, daß dem Klüger Anevriicho sachenrechtlicher Matur gegen die Beklagte zustünden, kann somit das angefochtene Urteil nicht aufrecht erhalten Bleiben, denn derartige Ansprüche sind von dem Berufungsgericht zu Unrecht bejaht worden, Uic Entscheidung stellt sich auch nicht aus anderen Or linden als richtig dar, so daß sie aufgehoben werden 2ur Endentscheidung ist die Sache noch nicht reif» wenn nach dem Ausgeführten auch sachenrechtliche Ansprüche gegen die Beklagte ausscheiden, so besteht doch nach dorn vom Kläger vorgetragenen Sachverhalt.die Möglichkeit, daß ihm schuldrechtliche Ansprüche auf Herausgabe der lanreisenfcriicke und auf Wertersatz für den Biiesing-lns kraftragen zustehen, der von der Beklagten in ihrem Betrieb benutzt und erst nach Einlegung der Berufung in diesem Rechtsstreit verschrottet wurde«. Derartige Ansprüche können sich einmal aus dem vom Kläger behaupteten TreuhandVerhältnis ergeben, mit dem sich das Berufungsgericht nicht abschließend beschäftigt hat, denn auf Seite 14 der Urteilsabschrift wird lediglich festgestellt, daß eine Vereinbarung des Inhalts, die Übertragung der Fahrzeuge habe nur für die Dauer eines Jahres als Treuhandeigentum erfolgen sollen, nicht erwiesen ist. Außerdem kann auch ein Bereicherungsanspruch in Frage kommen, da der vom Kläger vorgetragene Sachverhalt Anhaltspunkte dafür erkennen läßt, daß der rechtliche Grund für die Übertragung des Eigentums an den Fahrzeugen später weggefallen sein 30o Januar 1933 - V ZR 145/51 ~ IM EGB 5 242 ‘lit) Nr. 137* Ba alle diese auf Grund des dem Berufungsgericht unterbreite ten Sachverhalts möglichen Anspruch:--Grundlagen weitere tatsächliche Feststellungen vornus-gietzcn, die der erkennende Senat nicht selbst treffen kann, muß die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden* Dieses wird den Parteien Gelegenheit geben müssen, ihr Vorbringen ira Hinblick auf die neuen rechtlichen Gesichtspunkte zu ergänzen und zu vertiefen, und gegebenenfalls von seiner Fragepflicht Gebrauch zu machen haben.