BGH · VIII ZR 150/65 vom 15.11.1967
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2* I»äßt der Mieter die danach notwendigen Schönheitsreparaturen nicht ausführen3 so kann der Vermieter die Zahlung des dafür erforderlichen Betrages grundsätzlich auch dann verlangen, wenn der nachfolgende * vom Vermieter beigebrachte Mieter aufgrund seines Mietvertrages die Räume auf eigene Kosten hat renovieren lassen* Io Das Berufungsgericht hat entsprechend dem Klagevortrag den geltend gemachten Zahlungsanspruch als Schadenersatzanspruch wegen Nichterfüllung zuerkannt0 Es ist der Auffassung, § 5 Nr«, 5 des Mietverträges0 der der Klägerin bei fruchtloser schriftlicher Aufforderung zur Leistung das Hecht auf Vornahme der Schönheitsreparaturen auf Kosten der Beklagten gewährte, ihr also, jedenfalls wahlweise, einen Erfüllungsanspruch in Geld gab, komme als Klagegrundlage nicht in Betracht0 Ob das richtig ist, bedarf keiner Entscheidung; denn das angefoch-tene Urteil ist auch dann im Ergebnis zutreffend, wenn man davon ausgeht, die Klägerin habe gegen die Beklagten keinen Schadenersatzanspruch, sondern einen Erfül-lungsansprucho Renovierung, d.h. es waren Schönheitsreparaturen notwendig, um sie in einen zu Wohnzwecken geeigneten vertragsmäßigen Zustand zu versetzeno Bei dieser Sachlage ergab sich die Pflicht der Beklagten, spätestens bei ihrem Auszug die notwendigen Instandsetzungen vornehmen zu lassen, aus § 5 Nr» 2 des Mietvertrages; denn die Vereinbarung, durch die ein Mieter die Schönheitsreparaturen übernimmt, dient nicht nur dazu, die während der Vertragszeit insoweit anfallenden Kosten entgegen der gesetzlichen Regelung des § 536 BGB vom Vermieter auf den Mieter abzuwälzen, sondern sie verfolgt auch den Zweck, den Vermieter bei Begründung eines neuen Mietverhältnisses mit einem nachfolgenden Mieter der Notwendigkeit zu entheben, Schönheitsreparaturen auf seine, des Vermieters, Kosten vornehmen zu lassen» .Tie besagt nichts anderes, als daß der Mieter anstelle des Vermieters die Räume in vertragsgemäßem Zustand zu erhalten hat (Roquette, Bas Mietrecht des BGB § 536 Anm» 38), und diese Verpflichtung wird auch nicht dadurch eingeschränkt oder beseitigt, daß der bisherige Mieter selbst sich mit einem geringeren Grad der v ;:,Vfohnlichkeit des Mietobjekts zu begnügen bereit wäre» Bas gilt jedenfalls dann, wenn, wie hier, der Vermieter nach dem Vertrag berechtigt ist, den Mieter auch während der Mietzeit zur Burchführung von Schönheitsreparaturen anzuhalten (§ 5 Nr«, 2 S» 3), und notfalls nach fruchtloser schriftlicher Aufforderung die Renovierung auf Kosten des Mieters vornehmen lassen kann (§5 Nro5)° Die Verpflichtung des Mieters-, Schönheitsreparaturen durchzuführen, hat allerdings keineswegs ohne v/eiteres zur Folge, daß er beim Auszug stets die vollständige Instandsetzung der Wohnung ausführen lassen müßo Ber Zweck der Abwälzung der Schönheitsreparaturen ist er- reicht und der daraus sich ergehenden Verpflichtung des Mieters genügt, v/enn der Vermieter bei Beendigung des Mietverhältnisses in der Lage ist, dem neuen Mieter die Räume in einem zu Wohnzwecken geeigneten vertragsmäßigen Zustand anzubieten» Dazu braucht die Wohnung, jedenfalls grundsätzlich, nicht völlig neu hergerichtet zu sein«, Im Einzelfall kann zweifelhaft sein, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang der Mieter bei seinem Auszug Schönheitsinstandsetzungen vornehmen lassen muß«, Steht aber, wie hier, fest, daß in über sechsjähriger Mietzeit überhaupt keine Schönheitsreparaturen vorgenommen worden und die Mieträume deshalb dringend instandsetzungsbedürftig sind, so kann der Mieter sich nicht durch den Auszug seiner während der Vertragszeit vernachlässigten Instandsetzungspflicht entziehen«, Er muß dann bei Vertragsende die Kosten aufwenden, die er bei vertragsgemäßem Verhalten schon vorher gehabt hätte«, 2, Das Landgericht stellt eingangs der Entscheidungsgründe fest, die Beklagten hätten es abgelehnt, ihre Verpflichtung aus § 5 Nr- 2 des Mietvertrages zu erfüllen o Hiervon geht auch das Berufungsgericht aus» Tatbestandsberichtigung haben die Beklagten nicht beantragt» Vielmehr legt auch die Revision ihren Ausführungen zugrunde, daß die Beklagten die Erfüllung ihrer Verpflichtung zpr^ Vornahme ordnungsgemäßer Schönheitsreparaturen^ha^ten und daß die Klägerin deswegen keine Frist zur Bewirkung der Leistung zu setzen brauchte» Bei dieser Sachund Rechtslage vermißt die Revision ohne Grund als Voraussetzung eines Schadenersatzanspruchs die Erklärung der Klägerin nach § 326 BGB«, sie lehne die Annahme der Leistung ab«, Es kann dahingestellt bleiben«, ob § 326 BGB«, auf den die Recht sprechung in diesem Zusammenhang im allgemeinen abstellt (vglo die Zusammenstellung bei Schmitz MDR 1966«, 283, 284)5 überhaupt zur Anwendung kommt, oder ob dem entgegensteht, daß die Übernahme der Schön-heitsreparaturen möglicherweise keine HauptverpfLichtung des Mieters ist (Roquette, aaO § 536 An. 44)» Auch wenn man dem Berufungsgericht und der Revision folgt, die beide § 326 BGB für anwendbar halten, so bedurfte es hier keiner Erklärung der Klägerin, nunmehr werde die Leistung der Beklagten abgelehnt* Die endgültige Erfüllungsverweigerung ist kein Sonderfall des Verzugs, sondern eine positive Forderungsver-letzung (BGB RGRK 11. Dasselbe gilt, wie keiner weiteren Erörterung bedarf, erst recht, wenn man in der Übernahme der Schönheitsreparaturen keine Hauptverpflichtung des Mieters sieht und deshalb eine entsprechende Anwendung des § 326 BGB nicht in Betracht kommt. 3. a) Der Schaden, den die Klägerin durch die positive Vertragsverletzung der Beklagten erlitten hat, besteht darin, daß nach Beendigung des Mietverhältnisses Schönheitsreparaturen erforderlich waren, um entsprechend dem mit § 5 des Mietvertrages verfolgten Zweck die Wohnung zu dem vollen Marktwert anbieten zu können, den sie bei vertragsgemäßer Ausführung der Schönheitsreparaturen gehabt hätte, um also eine Schmälerung der Aussichten der Klägerin zu vermeiden, bei der Neuvermietung das wirtschaftlich angemessene Entgelt voll zu erhaltene Trotz der noch immer angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt widerspricht es jeder Erfahrung, daß der neue Mieter eine renovierungsbedürftige Wohnung auf eigene Kosten instandsetzt und sich gleichwohl auf den Mietzins für eine mangelfreie Wohnung einläßt0 Ob eine andere Beurteilung am Platze wäre, wenn es sich um eine preisgebundene Wohnung handelte, die angesichts der Marktlage in jedem Palle auch in erneuerungsbe-dürftigera Zustand zu dem höchst zulässigen Preis zu vermieten war, kann dahinstehen; denn hier ist nicht einmal behauptet, daß die Wohnung, die Gegenstand des Rechtsstreits ist, der Preisbindung unterlag* Der Umstand, daß die Klägerin an die Eheleute Rieger zu einem wesentlich höheren Mietzins (200 DM) als an die Beklagten (100 DM) vermietete, spricht nicht gegen die Entstehung des erörterten Schadens* Denn einmal hatte der Mietvertrag mit den Beklagten im Gegensatz zu dem Vertrag Rieger eine Werkv/ohnung zu dem Gegenstand, bei der die Höhe des Mietzinses regelmäßig durch die Tatsache des zwischen den Vertragschlies-senden bestehenden Arbeitsverhältnisses beeinflußt wird, zu dem anderen waren seit dem Mietvertrag mit den ser Auffassung in Übereinstimmung mit einem Teil der Rechtsprechung und des Schrifttums, die einen Schadenersatzanspruch dann versagen, v/enn, wie hier, der neue Mieter die Schönheitsreparaturen vertraglich übernommen und ausgeführt hat (LG Duisburg ZMR 1964» Das Berufungsgericht hat einen solchen ursächlichen Zusammenhang verneint und dazu ausgeführt, nicht die pflichtwidrige Unterlassung der Beklagten habe die Mietnachfolger zur Vornahme der Schönheitsreparaturen veranlaßt, sondern deren eigene, im Mietvertrag übernommene Verpflichtung, Ob diese Begründung hinreicht, um die Auffassung des Berufungsgerichts zu stützen, bedarf keiner Entscheidung; denn das Vorliegen eines adäquaten ursächlichen Zusammenhangs zwischen dem Schadensereignis und dem Umstand, der zur Beseitigung des Schadens geführt hat, ist nur die Mindestvoraussetzung für dessen Beachtlichkeit bei der Beantwortung der Präge, ob ein Schaden im Rechtssinne noch vorliegt, Das schadenmindernde oder schadenbeseitigende Ereignis kann vielmehr als zureichender Grund für die Befreiung des Schädigers von der Ersatzpflicht nur anerkannt werden, wenn seine Berücksichtigung bei Würdigung aller Umstände den Schädiger nicht unbillig entlasten würde (BGHZ 10, 107, 108; 30, 29, 33)o Zu einer nicht gerechtfertigten Begünstigung des Schädigers käme es aber dann, wenn die Schadenbeseitigung eines Dritten berücksichtigt würde, der eine vertragliche Abmachung mit dem Geschädigten zugrunde liegt, die den Schädiger nichts angeht (BGHZ 7, 30, 49; BGH Urt,v, 5oPebruar 1963 - VI ZR 33/62 = NJW 1963, 1051), So liegt der Fall hier*, Die Klägerin - und nicht die Beklagten -hat die neuen Mieter beigebrachto Wie das Berufungsgericht ausdrücklich feststellt, haben die Eheleute R||^^ die Schönheitsreparaturen auch nur in ihrem eigenen Interesse übernommen und ihre Leistung gerade nicht den Beklagten zugute kommen lassen wollen (vglo § 267 BGB)«, Nichts anderes gilt für die Klägerin, die mit ihrer Vereinbarung mit den Eheleuten Rieger nicht etwa die Entlastung der Beklagten im Auge hatteo Die vertragliche Übernahme der Schön-heitsreparaturen, die die Klägerin mit den Nachfolgemietern ausgehandelt hat, kann, auch wenn sie im wirtschaftlichen Ergebnis zu einer Beseitigung der Mindertauglichkeit der Wohnung geführt hat, deshalb den Beklagten nicht zugute kommen0 Eine andere Lösung wäre für die Klägerin auch deshalb unzu demutbar, weil sich ihre die Schönheitsreparaturen betreffende Vereinbarung mit den Eheleuten Rieger als eine überpflichtmäßige schadenmindernde Handlung dar stellt (Enneccerus/Lehmann, Recht der Schuldverhältnisse, 15* Auflo § 17 II 1a)3 Sie setzte voraus, daß die Klägerin einen nach dem Zustand der Wohnung nicht gerechtfertigten Mietzins und darüber hinaus zugleich die Renovierung der Wohnung auf Kosten des neuen Mieters verlangte „ Daß sich hierauf ein Mietbewerber nicht ohne weiteres einläßt, wurde bereits ausgeführt* Die Klägerin mußte sich daher, wenn sie die Übernahme der Schönheitsreparaturen bei ungeschmälertem Mietzins durchsetzen wollte, von vornherein bei der Auswahl ihrer Mieter auf diejenigen beschränken, die mit einer solchen, ihnen nachteiligen Regelung einverstanden waren.. Die vorstehenden Ausführungen ergeben auch, daß der Vermieter, wenn es ihm gelingt, im neuen Mietvertrag die Übernahme der erforderlichen Instandsetzungen auf Kosten des Mietnachfolgers durchzusetzen, nicht etwa nur eine ihm nach § 254 Abs«, 2 BGB ohnehin obliegende Schadenminderungspflicht erfüllt» Die Zumutbarkeit der Anrechnung der Leistung des neuen Mieters kann deshalb auch nicht mit dieser Vorschrift begründet werden» IIIo Der Rechtsstreit würde nicht anders zu entscheiden sein, wenn der von der Klägerin in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat vertretene Standpunkt richtig wäre, ihr stehe schon aufgrund des § 5 Nr. 5 des Mietvertrages ein auf Zahlung in Geld gerichteter Erfüllungsanspruch zu, und wenn dieser Anspruch sich nicht in einen Schadenersatzanspruch verwandelt hätte; denn der Erfüllungsanspruch würde nicht durch sogenannte Zweckerreichung wegen Wegfalls des Gläubigerinteresses untergegangen sein (vgl» Enneccerus/Lehmann, aaO § 77; Esser, Schuldrecht 2. Auf1» § 85; Staudinger BGB 9o Aufl, Einleitung 0 III vor § 362)» Unter welchen Voraussetzungen ein Anspruch wegen anderweitiger Erreichung des Obligationszwecks erlischt, ist im einzelnen streitig» Mit Recht führt Lehmann (aaO) aber au3, daß der Anspruch des Gläubigers auf jeden Pall nur dann untergeht, wenn der von anderer Seite bewirkte Erfolg wirklich der gleiche ist, wie wenn der Schuldner selbst ordnungsgemäß erfüllt hätte. Da die Klägerin ihre eigene vertragliche Leistung, nämlich die langjährige Gewährung des Gebrauchs der Räume, vollständig erbracht hatte, würde eine Zweckerreichung in diesem Sinne allenfalls dann eingetreten sein, wenn Dritte die Wohnung, auf deren Instandsetzung durch die Beklagten als deren vertraglicher Leistung die Klägerin Anspruch hatte, unentgeltlich renoviert hätten.