BGH · VIII ZR 149/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Beklagten, Berufungsbeklagten und Revisionsbeklagten, Prozeßbevollmächtigterj Rechtsanwalt hat der VIII® Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 29® April 1958 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br» Großmann sowie der Bundesrichter Br„ Gelhaar, Artl, Br» Spieler und Br® Borschel für Recht erkannt? Das Berufungsgericht ist davon auBgegaangen, daß nach dem Wunsche der Klägerin der Kaufvertrag mit der Zusicherung geschlossen werden sollte, daß die ursprüngliche Beklagte der Klägerin gleisfähige Schienen im Sinne der besonderen Bestimmung dieses Begriffes durch den Inhaber der Klägerin verkaufe« Bs hat danach geprüft, ob die Parteien sich im Verlaufe ihrer Vertragsverhandlungen zuletzt doch darauf geeini/gt hatten, daß die Schienen als gleisfähig in dem von der Klägerin näher bestimmten Sinne verkauft werden sollten« Das Berufungsgericht hat gedoch auf Grund der weiteren Beweisaufnahme nicht die Überzeugung gewinnen können, daß der Inhaber der ursprünglich beklagten Firma zuletzt die Bezeichnung Gleisfähigkeit dem Inhaber der Klägerin gegenüber akzeptiert habe«. Dies wird von der Revision nicht angegriffen« Sie meint aber, das Berufungsgericht habe übersehen, daß nach seinen nunmehr getroffenen Feststellungen versteckter Dissens im Sinne des § 155 BGB vorliege« Es hätte deshalb prüfen müssen, ob der Vertrag auch geschlossen sein würde, ohne daß die frühere Beklagte eine verbindliche Kennzeichnung des Vertragsgegenstandes als gleisfähige Schienen anerkannte« Angesichts des Einvernehmens beider Parteien bei dem Ferngespräch am 13o Hai 1952 darüber, daß lediglich die mangelhaften Schienen ausgeschieden werden sollten, und angesichts des Umstandes, daß der damalige Inhaber der Firma sich auf den Begriff der Gleisfähigkeit wegen seiner Mehrdeutigkeit nicht festlegen wollte, sei die Annahme begründet, der Vertrag würde von beiden Seiten auch geschlossen sein, wenn in dem Bestätigungsschreiben der Klägerin vom 15 o Mai 1952 statt des wertes "Gleisfähigkeit" lediglich der Ausschluß der "lädierten und verrosteten" Schienen enthalten gewesen wäre. net gewesen, wie es den Erklärungen des verstorbenen Inhabers der zunächst Beklagten in dem Ferngespräch vom 13a Mai 1952 entsprochen hätte* Biese Erwägungen können der Revision nicht zu dem Erfolg verhelfen* Bach den Feststellungen des Berufungsgerichts umfaßt der Begriff Gleisfähigkeit Schienen verschiedener Güteklassen, nämlich sowohl die für den Buhdesbahnbetrieb geeigneten Schienen wie auch die Schienen, die wegen einer gewissen Abnutzung am Schienenkopf nicht mehr für den Betrieb der Bundesbahn, wohl aber für langsamen Bahnbetrieb auf Baustellen und in anderen Betrieben geeignet sind«, Die hier zu verkaufenden Schienen entsprachen seiner Auffassung nach allenfalls der unteren Güteklasse* Der Inhaber der ursprünglichen Beklagten habe sich deshalb, so führt das Berufungsgericht aus, offenbar zur Vermeidung von Verwechslungen und sonstigen Schwierigkeiten gegen die Aufnahme einer Kennzeichnung seiner Ware in den Vertrag zur Wehr gesetzt, die in ihrer Gütebezeichnüng über den Gütegrad hinausging, der seiner Ware beizu demessen war«» Er' sei zwar nach seinen Erklärungen schließlich zu der zunächst auch abgelehnten AusSortierung geschädigter Schienen bereit gewesen und habe der Klägerin Schienen, die nicht »verrostet** und nicht »lädiert** waren? verkaufen, sich aber auch zuletzt nicht dem Verlangen der Klägerin unterwerfen wollen, sie als gleisfähig zu verkaufen und diese Kennzeichnung Vertragsbestandteil werden zu lassen* Gegenüber diesen Feststellungen kann die Klägerin, die noch in ihrem Bestätigungsschreiben vom 15* Mai 1952 auf diese Kennzeichnung Wert gelegt hat, nicht mit der Behauptung durchdrungen, sie hätte sich mit einer anderen Benennung des Vertragsgegenstandes begnügt und der Vertrag würde auch ohne Verwendung des Begriffs der Gleisfähigkeit abgeschlossen worden sein*