BGH · VIII ZR 140/67 vom 28.05.1969
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Jahreskontingente waren nach dem Vertrag bis jeweils 31» März des folgenden Jahres abzurufen» Die Klägerin verpflichtete sich, die erforderlichen Mengen auf Lager zu nehmen und auf Abruf für die Vertriebsgesellschaft bereitzuhalteno Die Lagerzeit der \7are bis zur Lieferung mußte mindestens 6 Monate betragen» Die jährliche Abnahme Verpflichtung wurde unter IV Abs«. Die Vertriebsgesellschaft bat darauf mit Schreiben vom 30„ Dezember 19639 diesen Preis näher aufzuschlüsscln und zu begründen» Durch Schreiben des beauftragten Rechtsanwalts in BflHHHIfc vom 14» Februar 1964* der die Beklagten und die Vertriebsgesollschaft schon bei den Vorverhandlungen über den Vertriebsvertrag beraten und hierbei auch einen Vertragsentwurf gefertigt hatte* machte die Vertriebsgesellschaft geltend* aus den Unterlagen des Rechtsanwalts ergebe sich* daß aus Anlaß einer Besprechung vom Februar 1963 ein Übernahmepreis von 4*80 DM einschließlich der von der Klägerin geforderten Sonderverdienste je l/l Flasche für die Vertragsabwicklung zugrunde gelegt worden sei» Auf Grund dieser Kalkulation sei dann der Vertrag vom 22 o März 1965 abgeschlossen und der Vertrieb der M^BHB^-Produkte auf genommen worden» Hach dem einhelligen und nachweisbaren Parteiwillen sei der Selbstkostenpreis mit 4*80 DM erarbeitet und nach reiflicher Überlegung "als Bestandteil" festgelegt worden» Deshalb könne die Vertriebsgesellschaft ohne nähere Begründung und Aufklärung die unerwartete und ungerechtfertigte Erhöhung des Selbstkostenpreises auf 5*95 DM nicht hinnehmeno Für Besprechungen über den Selbstkostenpreis stehe seine Partei zur Verfügung» In dem vorliegenden Rechtsstreit verlangte die Klägerin von den beiden Beklagten 22 344 DM nebst Zinsen für entgangenen Gewinn von 0,45 DM pro 1/1 Flasche auf eine Menge von 19 654 l/l Flaschen, die von der Vertriebsgesellschaft auf das Jahreskontingent 1963 nicht abgenommen worden waren, in Höhe von 8 844,30 DM und darüber hinaus für im Jätoe 1964 nicht abgenommene 30 000 Flaschen in Höhe von 13 500 DM» Das Landgericht hat über die Behauptung der Beklagten, bei Abschluß des Vertrages vom 22» März 1963 sei ausdrücklich vereinbart worden, daß der Übernah-mepreis bis auf weiteres 4,80 DM je Flasche betragen solle, den von den Beklagten hierfür beantragten Beweis durch Vernehmung des Kaufmanns Hans erho- ben und sodann nach Klageantrag erkannte In der BerufungsBegründung vom 27 <> September 1966 beantragten die Beklagten, Hechtsanwalt als Zeugen über die Behauptung, der übernahmepreis gemäß Hr0 VI sei beim Abschluß des Vertrages verbindlich mit 4p80 DM pro l/l Flasche vereinbart worden, zu vernehmen» Er sei auch beim Abschluß des Vertrages und bei der Vereinbarung über den Preis zugegen gewesene Das Oberlandesgericht hat diesen Beweisantrag nicht zugelassen und die Berufung zurückgev/iesen„ Dagegen richtet sich die Revision der Beklagten, deren Zurückweisung die Klägerin beantragt« Entscheidungsgründe Io Der Anspruch der Klägerin setzt voraus, daß die Vertriebsgesellschaft zu dem Abruf der vertraglich vereinbarten Warenmenge aus den Jahreskontingenten 1963 und 1964 noch verpflichtet war, nachdem die Klägerin im Dezember 1963 für bereits gelieferte Ware einen Preis von 5*95 DM pro l/l Flasche verlangt hatte ? und die Vertragsparteien über die Berechtigung dieses Preises in Streit gekommen waren» Die Preisklausel des Vertrages wird von dem Berufungsgericht dahin ausgelegt, daß die Klägerin einen Übernahmepreis, bestehend aus den Selbstkosten zuzüglich eines Aufschlages von 0,45 DM pro Flasche fordern durfte o Ob sie diesen Preis auch nachträglich für bereits gelieferte Ware verlangen Iconnte, bedarf für diesen Hechtsstreit keiner Entscheidung» verhalt jedoch nicht auch in der Richtung geprüft, inwieweit die Klägerin lieferbereit war, falls der Streit über die Höhe des berechtigten Preises zunächst offengehalten würde, und ob der Vertriebsgesellschaft für diesen Fall weitere Abrufe zuzu demu-ten waren» Es hat vielmehr darauf abgestellt, daß die Beklagten ihre Behauptung, es sei bei Abschluß des Vertrages ein fester Preis von 4,80 DM pro Flasche für die abzurufende Ware aus der Produktion der Klägerin vereinbart worden, nicht bewiesen hätten» kann nur dahin verstanden werden, daß der Wortlaut der im Vertrag getroffenen Preisvereinbarung - Selbstkosten zuzüglich eines Aufschlages - als Vertragsinhalt nicht in Zweifel gezogen, sondern nur geltend gemacht wurde, die dieser Vereinbarung zugrunde liegende Preiskalkulation sei dahin gegangen, der Selbstkostenpreis pro Flasche werde 4,80 DM betragen„ Deshalb hätte es einer näheren Darlegung in der Beru-fungsbegründung dafür bedurft, aus welchen Unterlagen des Hechtsanwalt3 sich ergeben soll, daß der künftig zu zahlende Übernahmepreis abweichend von dem Wortlaut des Vertrages bei dessen Abschluß mit 4,30 DM pro Flasche vereinbart worden sei» An dieser Darlegung fehlt es in der Berufungsbegründung» Deshalb ist der Entscheidung nur zugrunde zu legen, daß beim Abschluß des Vertrages eine Kalkulation mit einem Selbstkostenpreis von 4,80 DM zugrunde gelegt worden ist, die Klägerin aber einen höheren Preis berechnen durfte, wenn dieser dem tatsächlichen Selbstkostenpreis entsprach» Das Berufungsgericht hat festgestellt, die Klägerin sei bereit gev/esen, ihren Selbstkostenpreis der Vertriebsgesellschaft gegenüber näher aufzuschlüsseln, und sei mit ihr übereingekommen, daß die Vertriebsgesellschaft sich durch einen Vertreter bei der Klägerin hierüber und die dazu vorhandenen Unterlagen unterrichten lasse» Ein Vertreter sei aber zu dem vereinbarten Besprechungstermin nicht erschienen»