BGH · VIII ZR 135/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Für Leistungen des Architekten, die in dem Leistungsbild des § 19 GOA 195o nicht enthalten sind (hier: Mitwirkung des Architekten bei der Finanzierung des Bauvorhabens) schuldet der Auftraggeber nur dann eine besondere Vergütung, we?nn zwischen ihm und dem Architekten Einvernehmen darüber bestand, daß die Leistung entgeltlich erfolgen sollte0 Ein solches Einvernehmen kann sich auch aus den Umständen ergebene Bauvorhabens des Beklagten versagt, läßt keinen Rechts-Irrtum erkennen» Die Beschaffung der für das Bauvorhaben erforderlichen Gelder, die Finanzierung eines Neubaues, gehört nicht zu dem in § 19 GOA 19?o aufgestellten "Leistungsbilde" des Architekten» Deshalb ist in der Gebührenordnung für Architekten, die nach dem A^chitektenvertrage vom 19» November 1956 Inhalt der Vertragsbeziehungen der Parteien geworden ist, eine Gebühr für eine solche gele--gentlich vom Architekten mitübernommene Tätigkeit nicht festgesetzt» Diese Tätigkeit kann jedoch als Sonderleistung im Sinne des § 3 GOA 195o zu vergüten sein, dann nämlich, wenn sie, wie es in § 3 GOA 195o wörtlich heißt, im "Einvernehmen mit dem Bauherrn über die Leistungen des § 19 GOA 195o hinausgeht"» Die Gebühr ist in einem solchen Falle nach § 3 Abs» 2 GOA 195o auf der Grundlage derjenigen Gruppe zu berechnen, der die Leistungen nach Art und Umfang am nächsten stehen» Das bedeutet, daß der Architekt, der in der angeführten Weise die Finanzierung besorgt oder doch bei der Finanzierung des Bauvorhabens mitwirkt, Provision wie ein Finanzierungsmakle* verlangen kann» Voraussetzung für einen Anspruch auf eine derartige Vergütung ist das Zustandeskommen eines "Einvernehmens" mit dem Bauherrn, daß es sich um eine Leistung handeln soll, die nicht schon durch die in §§ lo, 19 GOA 195o angesetzten Gebühren abgegolten wird» Der Anspruch des Architekten auf Vergütung seiner Finanzierungstätigkeit hängt deshalb davon ab, daß sich die Parteien nicht nur über die Einschaltung des Architekten in die Durchführung der Finanzierung, sondern auch über die Entgeltlichkeit dieser Maklerleistung des Architekten einig sind (Fabricius/Novden-f ly cht./Mohne, vornehmenM mit dem Bauherrn verlangt, läßt erkennen, daß hier eine andere rechtliche Beurteilung geboten ist als in dem Falle, daß jemand die Dienste eines gewerbsmäßigen Finanzierungsmaklers in Anspruch nimmt oder duldet» Für das Verhältnis des gewerbsmäßigen Maklers zu seinem Auftraggeber hat die Rechtsprechung den Grundsatz entwickelt, daß die Entgeltlichkeit seiner Leistung für jedermann selbstverständlich ist und daß daher derjenige, der eine in seinem Interesse entfaltete Tätigkeit eines Maklers duldet, auch das Zustandekommen eines entgeltlichen Maklervertrages hinnehmen muß (vgl» RGZ 95, 137, l*fo; LZ 1921, 615; BGH Urt. v. Das Fehlen einer ausdrücklichen Vereinbarung und das Unterlassen eines Hinweises auf die Entgeltlichkeit der Tätigkeit des Architekten steht jedoch dem Anspruch auf eine Vergütung nicht in allen Fällen entgegen, denn das Einvernehmen kann sich auch aus den näheren Umständen des Einzelfalles ergeben. tekt, der schuldhafterweise einen Hinweis auf die Berechnung einer besonderen Vergütung unterlassen habe, müsse sieh, wenn er gleichwohl mit einem solchen Anspruch hervortvete, den Ein-wand der unzulässigen Rechtsausübung entgegenhalten lassen (vgl» OLG Köln, Der Architekt 1959 5 163; Roth/Gaber, aaO)„ Diese Erwägungen lassen das Bestreben erkennen, den Bauherrn vor solchen Forderungen des Architekten zu schützen, mit denen er nach Lage der Sache nicht gerechnet hat und auch nicht zu rechnen brauchte» Ob und unter welchen Umständen der Bauherr im Einzelfalle auf eine solche auf §§ 2*+2, 276 BGB gestützte Einwendung zurückgreifen kann, braucht indes nicht entschieden zu werden« Ergeben nämlich die näheren Umstände des Falles, daß sich die Parteien auch nicht stillschweigend Uber die Entgeltlichkeit der Finanzierungstätigkeit des Architekten einig geworden sind, so steht dem Architekten eine über sein Architektenhonorar hinausgehende Vergütung für seine Tätigkeit mangels "Einvernehmens" mit dem Auftraggeber nicht zu» Das Berufungsgericht hat hier die einzelnen Umstände gewürdigt und ist zu dem Ergebnis gekommen, die Parteien seien sich nicht darüber einig geworden, daß die Tätigkeit des Klägers bei der Finanzierung des Bauvorhabens besonders zu vergüten sei« Bereits bei den ersten Besprechungen über die Bebauung des Grundstücks im Jahre 1955 habe festgestanden, daß der Kläger das geplante Bauvorhaben des Beklagten nebst 3 weiteren damit zusammenhängenden Bauvorhaben aus-fUhren sollte» Es sei daher davon auszugehen, daß der Kläger, der mit jedem der Bauherren ein festes Architektenhonorar von 22 000 DM vereinbart gehabt habe und für den als Bauunternehmer und Verputzer weitere erhebliche Gewinne zu erwarten gewesen seien, ein eigenes Interesse an dem die sogar mit einem Guthaben für den Bauherrn abschloß, habe der Kläger eine Provision nicht aufgenommen, obwohl, wie er selbst einräume, seine Maklertätigkeit Ende 1956 bereits im wesentlichen beendet gewesen sei» Schließlich habe der Kläger in dem Architektenvertrag vom 19» November 1956 einen Festpreis vereinbart, ohne daß für die Mitwirkung bei der Finanzierung Sonderkosten in Rechnung gestellt wurden» II« Es kann dahingestellt bleiben, ob die vom Berufungsgericht angeführten Umstände, wie dieses ausführt, gegen eine entgeltliche Maklertätigkeit des Klägers sprechen» Seine Ansicht, daß sie auf alle Fälle der Annahme entgegenstehen, es sei eine stillschweigende Vereinbarung über die Entgeltlichkeit zustandegekommen, ist jedenfalls aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden» Insbesondere ist es nicht rechtsfehlerhaft, wenn sich das Berufungsgericht entscheidend davon leiten läßt, bei der Tätigkeit des Klägers zur Finanzierung des Baues sei ein besonders starkes Eigeninteresse des Klägers sichtbar geworden, weil er die Verhandlungen zugleich für b Bauherren geführt habe und hierdurch die Voraussetzungen zur Durchführung von *+ großen Bauvorhaben habe schaffen können, die ihm als Architekt, Bauunternehmer und Verputzunternehmer übertragen gewesen seien» Es ist nicht rechtsirrtümlich, wenn das Berufungsgericht schon aus dieser Sachlage den Schluß zieht, der Kläger hätte, um den Anschein zu vermeiden, die Finanzierung aus eigenem Interesse ohne Sondervergütung zu fördern, auf seine andersgeartete Absicht hinweisen müssen« Ohne Erfolg rügt die Revision auch, das Berufungsgericht habe den vorgelegten Schriftwechsel nicht genügend berücksichtigt, andernfalls hätte es feststellen müssen, daß de” Kläger eine ausgedehnte Reisetätigkeit entfaltet habe« DaB das Berufungsgericht diesen Umstand nicht ausdrücklich würdigt, ist indes kein Rechtsfehler« Daß es ihn außer acht gelassen hat, ist umso weniger anzunehmen, als es davon aus-geht, daß der Kläger bei der Beschaffung der Baugelder eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet hat« Wenn es kein besonderes Gewicht darauf legt, daß dem Kläger auch Reisespeson entstanden sind, so ist das angesichts der Bedeutung der übrigen von ihm in den Vordergrund gerückten Umstände aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden* Das Berufungsgericht brauchte sich nicht mit allen Einzelheiten des Vorbringens des Klägers auseinandersetzen« Es genügt, daß das Urteil eine sachgerechte Würdigung des Streitstoffes erkennen läßt« Soweit die Revision die Ansicht vertritt, die Verwertung der Aussage des Beklagten, der Kläger habe bei den Verhandlungen im Jahre 1955 zugesichert, daß Nebenkosten neben dem Architektenhonorar nicht entstehen würden, sei unzulässig, geht die Rüge ins Leere» Das Berufungsgericht stützt seine Entscheidung nicht auf diese Aussage» Kein Rechtsfehler ist es ferner, wenn das Berufungsgericht auch die übriaen von ihm angeführten Umstände als Beweisanzeichen dafür verwertet, daß sich die Parteien über die Entgeltlichkeit der Maklertätigkeit des Klägers nicht einig geworden sind. Juli 1956 konnte sich das Berufungsgericht als auf ein ßeweisanzeichen der oben gekennzeichneten Art stützen« Sein Gedankengang ist rechtlich nicht zu beanstanden« Selbst vc-nn man dem Kläger folgend in dieser Rechnung keine Schlußabrechnung sieht, so bot doch die Errechnung eines Guthabens des Beklagten ohne jeden Hinweis darauf, daß dieses Guthaben im Hinblick auf die Maklerprovision des Klägers nur ein vorläufiges sein könne, dem Berufungsgericht immer noch eine v/eitere Unterläge für seine Beurteilungo