BGH · VIII ZR 133/62
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Löst der Pächter eines Landgutes seinen Betrieb durch Einzelverwertung des Inventars auf, so behält das Pachtkreditinstitut, dem das Inventar verpfändet ist, dös Pfandrecht an den Wirtschaftsfrüchten, die bei Entstehung seines Pfandrechts zur Fortführung des Betriebes erforderlich waren» Der Lieferant’von Saatgut oder Düngemitteln erv/irbt insoweit kein gesetzliches Pfandrecht» Die klagende Bank, ein Pachtkreditinstitut im Sinne des § 1 des Pachtkreditgesotzes (PKrG) vom 5» August 1951 (BGBl 1951 I *+9'-*), gewährte den Eheleuten LflU) Pächtern eines Landgutes, in den Jahren 195^/55 einen Kredit von 39 5oo EM und ließ sich durch schriftliche Verträge zur Sicherung ihrer Darlehensforderung gemäß § 1 PKrG ein Pfandrecht an dem Inventar des Pachtgutes bestellen. 1. Das Pfandrecht der Pächterbank erstreckt sich nach § 3 PKrG auf das Inventar« Die Grundstücksfrüchte gehören zu dem Inventar nur insoweit, als sie zur Fortführung der Wirtschaft bis zu der Zeit erforderlich sind, zu der gleiche oder ähnliche Früchte voraussichtlich gewonnen werden (§ 98 Ziff.2 BGB). Pfandrecht des Lieferanten ist deshalb in der Regel unproblematisch, weil jedes Pfandrecht nur an den Früchten bestehen kann, auf die das andere sich nicht erstreckt-. a) Das Inventarpfandrecht der Pächterbank entsteht an den Früchten erst mit deren Trennung, weil das Pachtkreditgesetz (anders als § 1 FPG) insoweit keine besondere Regelung trifft und deshalb gemäß § 93 BGB die Früchte als wesentliche Bestandteile des Grundstücks erst mit der Trennung Gegenstand besonderer Rechte sein können» Im vorliegenden Fall war das Heu und das Getreide längst geerntet, als die Pächter im November den Betrieb aufgaben? Das am Heu und Getreide bereits entstandene Pfandrecht der Klägerin wurde durch die Aufgabe des Betriebes im November 1959 nicht beeinträchtigt. b) Das Früchtepfandrecht der Beklagten bestand bis zur Aufgabe der Pachtung durch die Pächter im November 1959 lediglich an dem Ernteüberschuß, also nicht an den später von ihr verwerteten Wirtschaftsfrüchten. Das Berufungsgericht nimmt on, durch die Aufgabe der Pachtung sei mit den Voraussetzungen des § 811 Ziff» k- ZPO auch die Beschränkung des Pfandrechts der Beklagten auf die Verkaufsfrlichte weggefallen j und deshalb habe sich ihr Pfandrecht von diesem Zeitpunkt an auch auf die (bisherigen) Wirtschaft sfrlichte ausgedehnt, und zwar gemäß § 2 Abs» b- FPG mit dem Range vor einem etwaigen Inventarpfandrecht der Klägerin» Dem kann nicht gefolgt werden» § 811 ZPO verbietet die Kahlpfändung» Die einzelnen Bestimmungen dieser Vorschrift dienen in erster Linie dem Schutz des Schuldners} damit zugleich allerdings auch dem öffentlichen Interesse} den Schuldner nicht der Fürsorge anheimfallen zu lassen» Durch Ziff» b sollen speziell die Landwirte als Schuldner davor geschützt werden, daß ihnen durch eine Vollstreckung in das Inventar die Weiterführung der Landwirtschaft unmöglich gemacht wird» Der Schuldner bedarf dieses Schutzes nicht mehr, und auch das öffentliche Interesse wird nicht mehr berührt, wenn der Schuldner selbst seinen landwirtschaftlichen Betrieb auflöst« In der Tat entfiel deshalb, wie das Berufungsgericht mit Recht angenommen hat, im November 1959 fUr die (bisherigen) Wirtschaftsfrüchte das Pfändungsverbot des § 811 Ziff» b ZPO (vgl» RG in JW 35, 113 f)° Daraus ergibt sich aber noch nicht, was das Berufungsgericht anscheinend als selbstverständlich ansieht, daß mit der Aufgabe des Betriebes durch die Pächter sich das Pfandrecht der Beklagten auf die bisherigen Wirtschaftsfrüchte erweiterte» Wenn § 1 Abs» 1 Satz 2 FPG das Pfandrecht des Lieferanten auf die der Pfändung unterworfenen Früchte beschränkt, so liegt darin eine Bezugnahme auf die Bestimmungen der Zivilprozeßordnung, welche die Pfändbarkeit von Sachen regeln; in Betracht kommen hier die §§ 811 und 865 Abs« 2 Satz 1 ZPO» Eine solche Bezugnahme auf ein anderes Gesetz ist an sich nicht mehr als ein technisches Hilfsmittel der Gesetzesformulierung» Seine Anwendung besagt nichts dafür.; 1 Satz 2 PPG ist allerdings anzunehmen, daß der Zweck des § 811 Ziff.If ZPO, dem Schuldner gegenüber den Vollstrek-kungsgläubigern die Möglichkeit zu sichern, seinen landwirtschaftlichen Betrieb fortzuführen, auch für die Beschränkung des Früchtepfandrechts auf die Verkaufsfrüchte in § 1 FPG maßgeblich war: Ebensowenig ’wie der Vollstrek-kungsgläubiger sollte auch der Lieferant von Düngemitteln und Saatgut durch einen Zugriff auf das Inventar dem Landwirt die Weiterführung des Betriebes unmöglich machen können* Damit erschöpft sich aber nicht die Bedeutung des § 1 Abs» 1 Satz 2 FPG» Diese Bestimmung begrenzt nicht nur negativ den Umfang des Früchtepfandrechts, legt ihn vielmehr auch positiv in der Weise fest, daß sein Gegenstand die Verkaufsfrüchte (der Ernteüberschuß) sind» Damit ordnet das Gesetz das Früchtepfandrecht seinem Gegenstand nach in bestimmter Weise in das System der dinglichen Hechte ein, die an den Früchten sonst noch bestehen können» Als solche kommen insbesondere in Frage das Verpachterpfand-recht und das Inventarpfandrecht der Pächterbank» Das Verpächterpfandrecht erstreckte sich von jeher (§ 585 BGB) auf Inventar und Ernteuberschuß des Pächters» Das InventarPfandrecht der Pächterbank wurde nicht erst durch das Pachtkreditgesetz von 1951 geschaffen, sondern geht zurück auf das Gesetz betreffend die Ermöglichung der Kapitalkredit beschaffurig für landwirtschaftliche Pächter vom 9« Juli 1926 (RGBl I 399)» Es sollte als eine Art Mobiliarhypothek dem Pächter - an Stelle der ihm versagten Inunobiliarhypothek - die Möglichkeit geben, durch Beleihung der Substanz seines Pachtbetriebes, nämlich des Inventars, sich langfristigen Kredit zu beschaffen, ähnlich wie der Grundstückseigentümer durch hypothekarische Belastung seines Grundstücks (vgl- dazu: Wagemann, Inventarpfandrechtsgesetz, 3erlin 1926, A 1 Entstehungsgeschichte Sc 9 ff)» Es bestand von jeher (vgl» Inventarpfandrechtsgesetz 1926 § 3) grundsätzlich am gesamten Inventar des Pächters, nicht aber am Ernteüberschuss»• Das Früchtepfandrecht des Lieferanten von Saatgut und Düngemitteln geht zurück auf die Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Frühjahrsdüngung und Saatgutversorgung vom 23» Januar 1932 (RGBl I ;:. Danach hängt die Antwort auf die Frage, welche Wirkung die Aufgabe des Betriebes durch den Pächter auf die Pfandrechte an dem Ernteüberschussihat , nicht nur und nicht einmal in erster Linie davon ab, ob sich nunmehr.das Problem des Schuldner schütz es (§ 811 Ziff.L- ZPO) anders stellt, sondern davon, wie die gesetzliche Ordnung der Pfandrechte nach Gegenstand und Rangverhältnis durch die Aufgabe der Pachtung betroffen wird» Würde man mit dem Berufungsgericht auf Grund wörtlicher Gesetzesauslegung die Wirtschaftsfruchte bei der Liquidierung des Pachtbetriebes dem Früchtepfandrecht des Düngemittel- oder Saatgutlieferanten zuordnen, so würde damit die aufeinander obgestinmte Ordnung der Pfandrechte empfindlich gestört» Zs würden dann das Inventarpfandrecht der Pächterbank, das durch die Auflösung des Pachtbetriebes nicht betroffen wird (siehe oben zu 2 a), und das Pfandrecht des Lieferanten miteinander konkurrieren, was nach der gesetzlichen Zuordnung von Pfandrecht und Pfandrechtsgegenstand im Gesetz nicht vorgesehen ist» Diese Konkurrenz auf Grund des § 2 Abs» U- PPG zu Gunsten des Pfandrechts des Lieferanten zu entscheiden, hieße diese Bestimmung überfordern: Da das Gesetz überhaupt nicht die Möglichkeit einer Konkurrenz zwischen dem Inventarpfandrecht der Pächterbank und dem Pfandrecht des Lieferanten vorsieht, kann nicht an genommen werden, daß § 2 Abs» *+ PPG gleichwohl auch diese Konkurrenz entscheiden sollte» Bei richtiger Auslegung des § 1 Abs» 1 Satz 2 FPG, die dem Wortlaut des Gesetzes nur die ihr zukommende, der aus der. oben 2 a), sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht Degr’lindet j daß bei der Liquidierung des Pachtbetriebes das InventarPfandrecht der Pächterbank an den (bisherigen) Wirtschaftsfrüchten bestehen bleibtc Ebenso zwingend ist aber auch, daß in diesem Falle das Früchtepfandrecht des Lieferanten sich nicht auf die Wirtschaftsfrüchte ausdehnt: Denn diese werden durch die Liquidierung nicht Betriebsüberschuß, auf den allein das Pfandrecht des Lieferanten angewiesen ist. Die Beklagte hatte demnach an den von ihr veräußerten Früchten kein gesetzliches Pfandrecht, ihr Pfändungspfandrecht aber ging im Bange dem schon bestehenden Inventarpfandrecht der Klägerin nach» Da durch die Veräußerung das Pfandrecht der Klägerin untergegangen ist, hat ihr die Beklagte gemäß § 8l6 Abs. 1 Satz 1 BGB den Erlös herauszugeben. Auf die Revision war deshalb gemäß §§ 56k, 565 Abs« 3 Ziff« 1 ZPO das angefochtene Urteil aufzuheben und die Beklagte unter Abänderung des Urteils des Landgerichts antragsgemäß zu verurteilen« Die Zinsxorderüng der Klägerin ist aus § 291 BGB gerechtfertigte Die Kostenentscheidung beruht auf § '91 ZPO«