BGH · VIII ZR 130/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIII* Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 29» April 1968 unter Mitwirkung des Senatopräsidenten Dr0 Haidinger sowie der Bundcsrichter Artl, Drn Messner9 Mormann und Braxmaier für Recht erkannt? Von Rechts wegen Tatbestands Die Klägerin hat in Krefeld einen Fertigungsbe-trieh für Maioprodukto (Maisarin und Maisklebei')» Die Fertigprodukte wurden in Bagerhäusern der Firmen und in Krefeld-Uerdingen gelagerte Zum Bagerhaus hatte die Klägerin einen Angestellten als Fertigwaren-Bagerverwalter abgc stellte Dieser hatte keine selbständige Weisungsbefugnis o Br hatte u,a«, die Aufgabe9 nach Rücksprache mit dem Fertigungobetrieb beschädigte ’Ware auszuson-dern und an den Fertigungobetrieb zurückzuschickeno Dort wurde die Menge der zurückgocandten Ware nicht überprüfto Dies machte sich der Angestellte zunutze» In den Jahren I960 bis 1963 zweigte er rd» Den Beklagten zu 1 haben die Vorinstanzen zunächst durch Teilurteil zur Zahlung von 42 502,10 DM nebst Zinsen verurteilt, und zwar das Landgericht aufgrund dos § 816 Abs, 1 Satz 1 BGB, das Berufungsgericht durch Teilurteil vom 25, November 1965 aufgrund der §§ 989? Durch Schlußurteil vom 24° November 1966 hat das Berufungsgericht aufgrund des § 816 BGB den Beklagten zu 1 zur Zahlung von weiteren 18 550,79 DM nebst Zinsen verurteilt. Der Bclclagte zu 1 habe durch den Beklagten zu 2 als seinen Vertreter die gestohlenen Maisproduktc in seinen Geschäft ungesetzt» Biese Veräußerungen seien zunächst gemäß § 935 Abs» 1 Satz 1 BGB unwirksam gewesen o Bie Klägerin habe aber dadurch, daß sie im Prozeß die Klage auch auf $ 816 BGB gestützt habe, die Veräußerungen gemäß § 185 Abo» 2 BGB genehmigt und sie wirksam gemacht» Sie könne nunmehr vom Beklagten zu 1 gemäß § 816 BGB den Erlös heraueverlangen0 Ber Beklagte zu 1 habe an seinen Lieferanten für die gestohlene Ware 67 502,10 DM gezahlt» Es sei anzunehmen, daß sein eigener Erlös jedenfalls nicht geringer gewesen sei» Bie Klageforderung von 61 657,49 Bit sei deshalb nach Abzug von 804?60 2» Bie Hevison rügt in erster Linie, das .I^orufungs gericht habe ohne nähere Begründung angenommen, daß die im Geschäft des Beklagten zu 1 ungeschlagene Ware gestohlenes Gut gewesen sei; außerdem habe es sich nicht mit der Gut- oder Bösgläubigkoit der Beklagten ausein-andergesetzt» Biese Rügen sind unbegründet» Gegenstand der mündlichen Verhandlung in den Vorinstanzen war auch das Urteil der 2» Großen Strafkammer des Landgerichts in Krefeld in 5 KI a 5/64 vom 2» November 1964, durch das der Angestellte wegen fortgesetzten Diebstahls des Maisarin und des üaisklebcrsircchtskräftig zu Gefängnis verurteilt worden ist» Baß insoweit Diebstahl vorlag, war in den Tatsacheninstanzcn unstreitig» Bas Strafurteil läßt bei der rechtlichen Bewertung des fest- Willenserklärung lot, ist sic, ebenso v/ie diese, unwiderruflich (EGHZ 13,179 = HJW 1954, 1155; BGH WU 1964, B7B)o Das Berufungsgericht hat hier jedoch ohne Rechts-fehler verneint9 daß die Klägerin eine Genehmigung der Veräußerung des Diebesgutes durch die Beklagten schon endgültig verweigert hatte, als sie in diesen Rechtsstreit ihre Klage auch auf § 816 BGB stützte» zurückerhaltCHo Die Klägerin hat diesen Betrag von ihrer Forderung abgeootzt» Damit ist diesem Vorgang in rechtlicher Hinsicht Genüge getane Wenn bei einem Diebstahl größerer Warenmengen der Eigentümer eine verhältnismäßig kleine Partie bei einem der vielen Abnehmer sicherstellt, so begibt er sich damit noch nicht des Rechts, die Veräußerung durch den Lieferanten im übrigen zu genehmigen und so diesem gegenüber die Voraussetzungen für einen Anspruch aus § 816 Abs„ 1 Satz 1 BOB zu schaffen» d) Es ist aktenkundig und unstreitig, daß die Klägerin sowohl in einen Arrestverfahren (3 Q 2/64 DG Krefeld) ,v/ie zunächst in diesen Streitverfahren ihre Forderungen gegen die Beklagten als Schadensersatzan- Sprüche begründet und die Klage auf § 816 BGB erst gestützt hat, als dao Landgericht in einen Parallelprozcß (3 0 23/64 LG Krefeld) den Beklagten zu 1 unter diesen Gesichtspunkt verurteilt hattee In dieser Art der Prozeßführung brauchte dao Berufungsgericht ebenfalls nicht eine Verweigerung der Genehmigung seitens der Klägerin zu der Veräußerung der Ware durch die Beklagtcn zu erblicken o Ein solches Vorgehen eines Bestohlenen kann vielerlei Gründe haben: Etv/a den, daß dem Kläger § 016 BGB als mögliche Anspruchogrundlage entgangen ist, oder daß ihm die tatsächlichen Voraussetzungen oder die Realisierbarkeit eines Anspruchs nach § 816 BGB zunächst zweifelhaft waren<, Ein auf Schadensersatz in Anspruch genommener Beklagter kann sich deshalb in der Regel nicht darauf verlassen, daß der aus §§ 989, 990 BGB klagende Kläger die ursprüngliche Klagegrundlagc unverändert bei-beihalten und nicht noch auf den Anspruch aus § 816 PGB zurückgreifcn wird, wenn ihm dies günstiger erscheinto Keinesfalls zwang schon die Tatsache, daß hier die Klage ursprünglich nur auf §§ 989, 990 BGB gestützt wurde, dao Berufungsgericht zu der Annahme, die Klägerin habe damit endgültig eine Genehmigung der Weiterveräußorung dos Diebesgutes durch die Beklagten verweigert0 Auch insoweit ist dem Berufungsgericht ein PwCchtsfchlor nicht anzulasten o