BGH · VIII ZR 127/63 vom 05.06.1963
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Antrag der Beklagten, ihnen die Wiedereinsetzung indbn vorigen Stand gegen die Versäumung der Prist zur Einlegung der Revision gegen das Urteil des 8c Zivilsenats des Kammergerichts in Berlin vom 18o März 1963 zu gewähren, wird zurückgewiesenc Gründe: Am 6«, Mai 1963 - der 5o Mai war ein Sonntag - ging ein dessen Unterschrift tragender Schriftsatz beim Bundesgerichtshof ein, durch den namens der Beklagten Revision eingelegt wurde Am 20c Mai 1963 hat namens der Beklagten ihr jetziger als Hecht anv/alt beim Bundesgerichtshof zugelassener Prozeßbevollmächtigter erneut Revision eingelegt und die 7/iedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Revisionsfrist beantragt Zur Begründung des Antrags hat er vorgetragen: Der vorinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Beklagten habe erst kurz vor Fristablauf Auftrag zur Einlegung der Revision erhalten und habe darauf seine bereits seit 14 Jahren ohne Beanstandung bei ihm tätige Büroangestellte Frau »mp angewiesen, den Vorgang mit dem Urteil des Kammergerichts an den jetzigen Prozeßbevollmächtigten zwecks Revisionseinlegung zu übersendeno Der vorinstanzliche Prozeßbevollmächtigte habe alsdann das Büro sofort verlassen müssen» Aus diesem Grunde habe die Büroangestellte für das Schreiben einen der von ihr unter Verschluß gehaltenen, mit Blankounterschrift versehenen Briefbogen des vorinstanzlichen ProzeßbevoLlmächtigten benutzen sollen. ist zwar rechtzeitig ein-kann jedoch keinen Erfolg ui Die Versäumung der Frist zur Einlegung der Revision beruht hier nicht auf einem unabwendbaren Zufall (§ 233 sondern auf einem Verschulden des vorinstanzlichen Prozeß-bevollmächtigten der Beklagten, das diese sich gemäß § 232 entgegenhalten lassen müssen« Nach seiner eigenen dienstlichen Erklärung hat der vorinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Beklagten die Beauftragung des Rechtsmittelanwalts mit der Einlegung des Rechtsmittels völlig seiner Büroangestellten überlassen» Er selbst hat lediglich die Anordnung erteilt, einem bestimmten beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt den Vorgang mit dem Urteil des Kammergerichts zu übersenden« Damit ist er aber seiner Pflicht, die ordnungsmäßige Durchführung dieses Auftrags zu überwuchert (vgl« IfVieczorek ZPO § 233 Anm« B II d 3), nicht naöhgekom-men« Das Auftragsschreiben mit den ihm beigefügten Anlagen ist für den Rechtsmittelanwalt in der Regel die einzige Grundlage für die Anfertigung der Rcchtöinitteleohriftr An eine solche Schrift werden von der Rechtsprechung mit Recht- scharfe Anforderungen gestellt, Z.B. hat der Bundesgerichtshof verlangt, daß sie eindeutig ergeben muß, für welche Partei daß Rechtsmittel eingelegt werden soll» Gerade deshalb hat der Bundesgerichtshof es dem Rechtsmittelanwalt zur Pflicht gemacht, eine Berufungs- oder Revisionsschrift persönlich auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit zu prüfen (BGH Urt. vom 28. Juni 1956 - III ZR 527/54 - LM ZPO § 553 Hr, 2), Für den Rechtsmittelauftrag durch den Frozeßbevol3mächtigten des durch Urteil abgeschlossenen Rechtszuges an den beim Rcchtsmittclgericht zugelassenen Rechtsanwalt kann nichts anderes gelten. Ein Schreiben, das einen solchen Auftrag enthält, darf der beauftragende Rechtsanwalt nicht ungeprüft hinausgehen lassen. Februar 1957 - VIII ZR 284/56 - LM ZPO 233 3Ir. 72 ausgesprochen, daß die Anweisung eines Rechtsanwalts, der mehrere Tage seinem Büro fern blieb, an seinen Bürovorsteher, bei Eingang eines erwarteten Auftrags einen bestimmten beim Berufungsgericht zugelassenen Rechtsanwalt mit der Einlegung der Berufung zu beauftragen, nicht ausreicht, um den Rechtsanwalt von jedem Vorwurf freizustellen, wenn der Auftrag infolge Versagens des Bürovorstehers nicht-rechtzeitig beim Berufungsanwalt eingeht. Hier kommt außerdem noch hinzu, daß der Auftrag zur Einlegung des Rechtsmittels im letzten Augenblick erteilt werden^sollte und daher der vorinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Be- Bas gilt umsomehr, als er nicht einmal das Auftragsschreiben fc diktiert, sondern sich mit einer kurzen Anordnung begnügt hat, go daß unter den gegebenen Umständen die Gefahr eine:: Mißverständnisses besonders groß war. Auch die Eile, in der der vorinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Beklagten nach seiner Darstellung gewesen ist, kann ihn bei dieser Sachlage nicht ausreichend entschuldigen Der BGrH-Beschluß vom 11, Dezember 1958 - II ZB '19/53 -IM ZPO § 232 Nr» 41 steht der hier vertretenen Auffassung nicht entgegen. Dort hat der Rechtsanwalt nicht seinem Büro, sondern einem Referendar, der bereits eine anderhalbjährige Ausbildungszeit hinter sich hatte und der von dem Rechtsanwalt besonders belehrt worden war, den Auftrag erteilt, die Einlegung der Berufung zu veranlassen.