BGH · VIII ZR 127/58
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
auf diesem Grundstück alsbald wieder ein Gebäude zu errichten und eine Gaststätte in der gleichen Weise einzurichten und zu führen, wie sie in der gepachteten Gaststätte "Bierhaus FflHP1 eingerichtet und geführt wird«, Getränke und Speisen sollten zu den gleichen Preisen verabfolgt werden wie im Bierhaus Fischl* Die Klägerin verpflichtete sich ferner in § 6 Abs«l des Vertrages, den gesamten Bedarf an Bier, Limonaden, Branntwein und Likören außer Spezialspirituosen für die zu errichtende Gaststätte bis zur Begleichung des RestkaufPreises, mindestens aber auf die Dauer von 30 Jahren von der Inbetriebnahme der Gaststätte an gerechnet, ausschließlich von der Brauerei DmB^-HoflB-GrnbH oder deren Rechtsnachfolger zu beziehen® In § 6 Abs®5 ist die lange Pauer der Bezugsverpflichtung mit dem außergewöhnlich niedrigen Kaufpreis für das Grundstück begründet worden; ferner ist vereinbart, daß die Bezugsverpflichtung be- In dem Betrieb A hat die Klägerin nur Bier der Beklagten und zwar DfllHHP^Hefli ausgegeben« In dem Betrieb B hat sie zunächst nur dunkles bayerisches nicht von der Beklagten geliefertes Bier ausgeschenkt« Hierüber kam es zu Streitigkeiten zwischen den Parteieai« In einem Zwiscben-vergleich vom 14« Dezember 1995 - 16 Q 32/55 LG Düsseldorf der bis zur rechtskräftigen Entscheidung des Hauptprozesses gelten soll, hat sich die Klägerin verpflichtet, außer in dem ursprünglichen Gaststättenteil Nr«®7 in den Gaststättenteilen Kr «^® und B5 das Bier der Antragstellerin ( jetzigen Beklagten) auszuschenken; diese hat der Klägerin das Recht zugestanden, in dem Gaststättenteil B auch ein dunkles bayerisches Bier zu dem Ausschank zu bringen« Die Beklagte verlangt in dem Hauptprozeß, der zu dem Teil ebenfalls bei dem erkennenden Senat anhängig geworden ist (VIII ZR 136/*58), daß die jetzige Klägerin in den Gaststättenbetrieben A und B keine anderen Biere als die der Beklagten zu dem Ausschank bringe * Die Klägerin vertritt dagegen den Standpunkt, daß ihre Bierabnahmepflicht auch fUr den Ga st stättenteil FrflBBpstraße ®7 erloschen sei, sich jedenfalls nicht auf den Betrieb in den Grundstücken Fr^HBBstraße 4P und B5 erstrecke „ Sie hat während des Schwabens des Hauptprozesses> in welchem die dortige Klägerin mit einer auf Unterlassung gerichteten Klage ihren Anspruch auf Erfüllung der Bierbezugspflicht für die Betriebe A und B durchsetzen will, in dem vorliegenden Bechtsstreit eine negative Peststellungsklage erhoben und mit ihr zunächst nur beantragt, festzustellen, daß sie ab 1® August 1956 nicht verpfMehret sei, auf Grund des Vertrages vom Oktober 1950 DflHHH^-Bier der Beklagten zu dem Ausschank in dem Gaststättenbetrieb A auf dem Grundstück Frflm^straße m abzimoiimen® Sie hat zur Begründung dieses Anspruchs vorgetragen, eine weitere Bindung an die vertraglich vereinbarte Bierbezugsverpflichtung bestehe mindestens seit dem 1© August 1956 schon deshalb nicht mehr, weil sie bis zu diesem Zeitpunkt weit mehr an Bier bezogen habe, als die Vertragsparteien sich bei Vertragsschluß für die ganze Vertragszeit als möglich vorgestellt hätten» In der Zeit vom 10o Juli 1951 bis zu dem November 1955 habe die Beklagte mehr als 16 000 hl Bier an die Klägerin geliefert® Durch die Bierbezugsvereinbarung werde sie in der Führung der Gaststätte sowie in ihrer wirtschaftlichen Betätigung in unzulässiger Weise behindert» Die Leistungen der Beklagten bei der Überlassung des Grundstücks seien durch den bezahlten angemessenen Kaufpreis und den bisherigen Bierbezug längst abgegolten® Damit sei die Geschäftsgrundlage für das Bierbezugsabkommen weggefallen» Diese habe sich aber auch deshalb geändert, weil nach Abschluß des Vertrages auf Grund der Hechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die Bedürfnisprüfung für die Zulassung von Gaststättenbetrieben weggefallen sei und infolgedessen zahlreiche Konkurrenzbetriebe entstanden seien, wodurch sich die Wettbewerbsverhältnisse grundlegend gewandelt hätten« Auch die Geschmacksrichtung und die Bedürfnisse des Publikums hätten eine wesentliche Änderung erfahren, so daß die Beklagte gegen Treu und Glauben verstoße* wenn sie die Klägerin an der Bierbezugsverpflichtung für das Grundstück Pr^HIMstraße Nr»tf7 weiter festhalten wolle» Hilf santräge, zurückgewiesen© Es hat sich die Entscheidung Vorbehalten, soweit die Klage die Abnahmepflicht für die Zeit vom 1» August 1961 betriffto Gegen dieses Urteil richtet sich die Revision der Klägerin, mit der sie die im zweiten Rechtszuge gestellten Anträge insoweit weiter verfolgt, als das Berufungsgericht hierüber entschieden hat« Io Die Revision macht geltend, die von der Klägerin in dem Vertrag vom 7* Oktober 1950 übernommene ausschließliche Bierbezugsverpflichtung habe nach Inhalt und Zeitdauer zu einer untragbaren Belastung der Klägerin geführt so daß sie nach Treu und Glauben jedenfalls schon ab lo August 1956 nicht mehr daran gebunden sei, mindestens aber verlangen könne/ daß die Beklagte ihr gestatte, in der Gaststätte ErflHHlstraße Nr*#7 ein anderes Bier mit-zuführen® Die Revision hat hierzu in der mündlichen Verhandlung vor dem erkennenden Senat ausdrücklich erklärt, daß sie die Gültigkeit der Bierabnahmeverpflichtung nicht im ganzen etwa wegen Verstoßes gegen die guten Sitten in Präge stellen wolle, sondern im Hinblick auf die Recht- sprechung des Reichsgerichts (vglo RGZ 152,251} und des Bundesgerichtshofs (BGH Urt* v, 23, November 1951 - I ZR 24/51 - SolO MDR 1952,222 = BB 1952,68) eine Überprüfung des 3erufungsurteils nur in der Richtung erstrebe, ob die Klägerin eine Einschränkung der vereinbarten Bierbezugsverpflichtung verlangen könne*, Hiernach ist in Anwendung des § 242 BGB zu prüfen, ob das Beharren der Beklagten auf der Vereinbarung sich als Verstoß gegen Treu und Glauben darsteilt und ob die Vereinbarung aus diesem Grunde einer Einschränkung ihrer Bauer oder ihrer Ausschließlichkeit nach unterliegt* Biese Präge kann nur unter Berücksichtigung aller Umstände des einzelnen Palles entschieden werden* Bas Oberlandesgericht hat unter diesem rechtlichen Gesichtspunkt den Sachverhalt geprüft und dazu folgendes erwogeno Bie Beklagte sei bereit und in der Lage, verschiedene Sorten Bier zu liefern, nämlich außer BflHHB-HeA, das die Klägerin aus freier Entschließung allein führe, noch BflHHB^Pils, Bock, Alt, Obergärig, Märzen und Malzbier* Bas Bier werde der Klägerin zu dem jeweiligen Tagespreis berechnet, nämlich zu Preisen, welche die Be- klagte allgemein den Rauerabnehmem in RüfllHB in Rechnung stelle* Ras Berufungsgericht hat weiter in Betracht gezogen» daß die Beklagte der Klägerin das Grundstück, auf dem früher schon eine Gaststätte betrieben worden sei* zu einem für sie vorteilhaften Px^eise üben' „ lassen und der Klägerin auch den Gebrauch des Namens eingeräumt habe, der als Bezeichnung des verpachteten Bierhauses in der Bm^straße seit Jahrzehnten bekannt sei* Ein weiteres Entgegenkommen hat das Berufungsgericht darin gesehen, daß der Klägerin die Einrichtung und Führung einer eigenen Gaststätte erlaubt wurde, obwohl nach § 6 des Pachtvertrages über die Gaststätte B^~ flfcstraße von ihr keine andere Gaststätte betrieben wer-den durfte* Unter diesen Umständen sei die Vereinbarung einer ausschließlichen Bierbezugsverpflichtung für wenigstens zehn Jahre nach vernünftigen und anständigen kaufmännischen Grundsätzen nicht unangemessen* Bie Entwicklung der Verhältnisse seit dem Vertragsschluß lasse das Pesthalten an dieser Vereinbarung bis Juli 1961 nicht unbillig erscheinen* daß das Berufungsgericht die in der Veräußerung des Grundstücks liegende Leistung unrichtig oder jedenfalls unzulänglich beurteilt habe« Es hat den Grundstückspreis uiit 35 0007—DM deshalb als vorteilhaft angesehen, weil Grundstücke zu dem damaligen Stopppreis im allgemeinen nur ungern abgegeben worden seien und der vereinbarte Preis noch unter dem 'Stopppreis liege? sion diese Leistung der Beklagten auch zu Art und Dauer der Bierbezugspflicht in Beziehung gesetzt* und zwar .jedenfalls hinsichtlich des Zeitraumes» für den es in dem Teilurteil die Klägerin für verpflichtet gehalten hat» die uneingeschränkte Bierabnahmepflicht für das Grundstück FrflHi^fcstraße Hr zu erfüllen«, einem günstigen Preise von der Beklagten für das Grundstück der Klägerin etwa gewährt worden sei» bei weitem» Diese Abwägung hätte vom Berufungsgericht vorgenoramen werden müssen» bevor es zu der Schlußfolgerung hätte gelangen dürfen, daß die Vorteile der Klägerin aus dem Bierbezug angesichts der eigenen Vorteile der Beklagten nicht so groß seien? Entgegen der Behauptung der Revision hat das Berufungsgericht die von ihr hervorgehobenen Umstände ausreichend berücksichtigte Jedenfalls ist insoweit dem Berufungsgericht nicht vorzuwerfen, daß es wesentliche Gesichtspunkte außer acht gelassen habe» Wenn es diesen Umständen nicht die Bedeutung beigemessen hat, die die Revision ihnen beigelegt haben möchte, so ist das im Rahmen der rechtlichen Überprüfung des Berufungsurteils nicht zu beanstanden« Der erkennende Senat tritt auch in der Rechtsfrage, ob die Klägerin rechtsmißbräuchlich von der Beklagten an der Bierabnahmepflicht festvgehalten wird, den Erwägungen des Berufungsgerichts bei« Es hat in tatsächlicher Hinsicht ohne Hechtsverstoß ausgeführt, es sei nicht anzunehmen, daß die Vertragsteile nur einen Bierumsatz des Umfangs ins Auge gefaßt hätten, wie er bis zur Zerstörung des Gebäudes in der Gaststätte "Efl^ IHp” erzielt worden war. Gaststätte auf dem Grundstück FrflHBfcstraße §7 auf gewendet hat«, Wenn sie darüber hinaus Grundstücke erwerben und auf diesen eine Erweiterung vorgenommen hat;so kann sie da raus jedenfalls für die hier zu beurteilende Zeit nicht herleiten, daß die für den Gaststättenbetrieb auf dem Grundstück FrflHDstraße 87 vereinbarte ausschließliche Bierbezugspflicht hinsichtlich der Dauer oder der Ausschließlichkeit einzuschränken sei* Das Berufungsgericht hat deshalb diesen Umständen keine Bedeutung beizu demessen braucheno 2o Die während der Vertragszeit eingetretenen sonstigen Veränderungen der Verhältnisse begründen entgegen der Auffassung der Revision ebenfalls keine Abkürzung der Dauer der Bi erb ezugspf lieht aoph eine Einschränkung ihrer Ausschließlichkeit für die vom Berufungsgericht beurteilte Zeit von zehn Jahreno In dieser Hinsicht macht die Revision geltendv das Berufungsgericht gehe zutreffend von einer Änderung des Geschmacks der Kunden von 1950 aus« Außerdem seien im Umkreise der Gaststätte seit der Beseitigung der Bedürf-nisprüfung infolge des Grundgesetzes, von deren Erfordernis im Jahre 1950 noch auszugehen gewesen sei, nach der Feststellung des Berufungsgerichts weitere zahlreiche Gaststätten entstanden und erweitert worden«. es sei nicht festzusteilen, daß infolge der geänderten Verhältnisse eine weitere einträgliche Fortführung der Gaststätte auf dem Grundstück FrflHBBfcstraße #7 übermäßig erschwert oder beeinträchtigt sei, wenn die Klägerin das Bier für diesen Betrieb bis einschließlich Juli 1961 weiterhin nur von der Beklagten beziehe® Bach ihren eigenen Angaben habe die Klägerin in dieser Gaststätte in den Jahren 1956 und 1957 1373,73 hl und 1231,88 hl Bier ausgegeben und im Jahre 1956 einen Umsatz von Xi.564 schäftliche Bewegungsfreiheit der Klägerin in Anbetracht der Veränderung der Verhältnisse durch die uneingeschränkte Bierbezugspflicht unangemessen eingeschränkt worden ist; es durfte bei Beurteilung dieser Frage als wesentlichen Umstand auch den Bierurasatz berücksichtigen, den die Klägerin in den Jahren 1955 und 1957 erzielt hat, sowie den in der Gaststätte überhaupt erzielten Umsatz und diesen Umständen entnehmen, daß das Festhalten der Beklagten an der uneingeschränkten Bierbezugspflicht für die Klägerin keine unangemessene Härte darsteilto 3*> Der Ansicht der Revision, daß jedenfalls die Festlegung der Klägerin auf eine ausschließliche *‘Brauerei-sorte” mit den Bedürfnissen des Verkehrs und des Gastwirts nicht mehr vereinbar sei und daß deshalb das Beru-’fungsgericht mindestens den Hilfsantrag auf Freigabe eines anderen« insbesondere bayerischen Bieres hätte entsprechen müssen, kann aus Rechtsgrüiiden nicht beigetreten werden,, Auch insoweit ist dem Berufungsgericht darin zuzu-stimmen, daß das Festhalten an dieser Bindung für die Klägerin keine ihr nicht zu demutbare Härte darstellt«, Das Berufungsgericht hat zusätzlich noch bemerkt, die Zulassung eines fremden Bieres würde auch deshalb zu keiner angemessenen Lösung führen, weil in diesem Falle der Bierabsatz der Beklagten aller Voraussicht nach auf einen Bruchteil des gesamten Bierausstoßes in dieser Gaststätte zurückgehen würde „ Das sei aus der Entwicklung des Bierabsatzes in dem Gaststättenbetrieb B auf den Grundstücken FrflHUpstraße ■/*> zu entnehmen, in dem auf Grund der vorläufigen Regelung, die die Parteien in dem Swisehenvergleich vom 14o Dezember 1955 getroffen haben, seit Ende 1955 das Bier der Beklagten neben einem fremden Bier ausgegeben wirdo Die Revision meint dazu* diese Erwägung zeige, daß für die Kunden ein Bedürfnis nach dem Ausschank eines anderen Bieres bestehe, und das Berufungs- gericht hätte die Befriedigung dieses Bedürfnisses zu der Tatsache in Beziehung setzen müssen, daß die Klägerin über Erwarten große Umsätze bisher schon erzielt habe und daher ihre Umsätze, wenn sie einen Rückgang erfahren würden- noch durchaus über der bei Vertragsschluß gehegten Erwartung liegen würden® Es ist jedoch kein Rechts-verstoß, wenn das Berufungsgericht eine solche Abwägung nicht ausdrücklich vorgenommen hat* Baß es in diesem Zusammenhang den verhältnismäßig hohen Umsatz mit Bieren der Beklagten, wie er bisher erzielt worden ist* überhaupt außer Betracht gelassen hätte, kann nach dem Inhalt des Berufungsurteils, das diesen Umstand an anderer Stelle ausdrücklich erwähnt hat, als ausgeschlossen bezeichnet werden® Jedenfalls ist dieser Umstand nicht geeignet, eine andere rechtliche Beurteilung für die Anwendung des § 242 BGB zu rechtfertigen® Schließlich hat die Revision in der mündlichen Verhandlung noch darauf hingewiesen, daaß die Brauerei in dem Pachtverträge über die Gaststätte in der Blumenstraße sich das Recht ausbedungen hat, auch die Bierausschankpreise zu bestimmen,, und daß dies auch für die Eigengaststätte der Klägerin in der Priedrichstraße gelte» die ebenso zu führen sei wie die Pachtgaststätte« Dieser Gesichtspunkt ist für die hier zu treffende Entscheidung ohne Bedeutung, denn es fehlt schon an einem ausreichenden tatsächlichen Vorbringen der Klägerin dafür, daß ihr gerade durch diese Bindung unzu demutbare Beschränkungen auferlegt seien und daß sie ein Interesse daran habe* hiervon freigestellt zu werden« Sie hat auch in der schriftlichen Revisionsbegründung nicht gerügt, daß das Berufungsgericht sich mit dieser Präge nicht befaßt hat« Somit kann auch in der etwaigen Bindung der Klägerin an von der Beklagten bestimmte Aus-bchankpreise keine übermäßige Härte gesehen werden* wobei auch hier dahingestellt bleiben kann, ob diese Bindung aus kartellrechtliehen Gesichtspunkten beanstandet werden könnte« Eie Kartellbehörde könnte auf Grund des § 18 GWB eine ausschließliche Bierbezugsvereinbarung frühestens mit sofortiger Wirkung, also von dem Ei'laß ihrer Entscheidung ab, für unwirksam erklären0 Eie Klägerin hat aber nicht geltend gemacht?