BGH · VIII ZR 123/66
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Geht der Prozeßbevollraächtigte des Revisionsldägers irrigerweise davon aus, die Revisionshegründungsfrist laufe noch, und beantragt er die Verlängerung der in seiner Vorstellung noch nicht abgelaufenen Revisionnbegründungsfrist, so kann in dem Anträge auf Verlängerung der Revisionsbegründungsfrist kein stillschweigender Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Revisionsbegründungsfrist gesehen werden (Ergänzung zu BGHZ 7, 194)» Der VIIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 24« Juni 1968 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr0 Gelhaar, Dr0 Mezgor, Dr, Messner, Mormann und Braxmaier für Rocht erkannt: Die Revision der Kläger gegen das Urteil des 9o Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom 14o Dezember 1965 wird auf ihre Kosten als unzulässig verv/or-fen» I* I* Das klageabweisende Urteil des Oberlandesgerichts München ist den Klagern am 10* Januar 1966 zugestellt worden* Sie haben mit Schriftsatz vom 9» Februar 1966 beim Bayerische: Obersten Landesgericht rechtzeitig das Armenrecht für die Einlegung der Revision beantragt und dem Anträge den Entwurf einer Revisionsbegründung beigefügt * Das Bayerische Oberste Landeogericht hat mit Beschluß vom 13o April 1966 den Klägern das nachgesuchte Armenrecht versagt* Die Kläger haben sodann mit Schriftsatz von 11* Mai 1966 beim Bayerischen Obersten Landesgericht Revision eingelegt und die Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Revisionsfrist beantragt* Das Bayerische Oberste Landesgericht hat mit Beschluß vom 3* Juni 1966 ausgesprochen, daß zur Verhandlung und Entscheidung übei'1 die Revision der Bundesgerichtshof zuständig ist* Dieser Beschluß ist den Klägern am 8* Juni 1966 zugestellt worden* Der erkennende Senat hat mit Beschluß vom 6* Juli 196£ den Klägern gegen die Versäumung der Frist zur Einlegung der Revision die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt,. 21 * Juli 1966 zugegangen* Bereits mit Schriftsatz vom 20* Juli 1966, der am selben Tage beim Bundesgerichtshof eingegangen war, zeigte Rechtsanwalt Dr* an, daß er die Vertretung der Kläger übernommen habe, und bat, möglichst umgehend über das Armenrechtsgesuch zu entscheiden* Gleichzeitig bat er, falls es sich um eine Feriensache han- gestellte Die Revision wurde am 11« November 1966 begründeto Der Prozeßbevollmächtigte der Kläger hat in der mündlichen Verhandlung die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Revisionsbegründungsfrist beantragt und versichert, daß er erst durch den Anruf des Berichterstatters vom 210 Juni 1968 von der möglicherweise versäumten Revisionsbegründungsfrist erfahren habe« Br hat weiter versichert, daß er die Handakten der Prozeßbevollmächtigten der Kläger des zweiten Rechtszuges erst am 21o Juli 1966 erhalten habe» Der Prozeßbevollmächtigte der Kläger hat weiter erklärt, in dem Auftragsschreiben der zweitinstanzlichen Prozeßbevollraächtigten der Kläger, das er am 15» Juli 1966 erhalten habe, sei angegeben, daß der Verweisungobeschluß des Bayerischen Obersten I»an-deogerichts am 3o Juni 1966 ergangen sei» Über die Zustellung des Beschlusses enthalte das Schreiben nichts« Die Kläger sind im übrigen der Ansicht, daß schon die Eingabe des Rechtsanwalts Dr« N^P vom 20« Juli 1966 als Wiedereinsetzungsantrag aufzufassen gewesen sei und von dem Vorsitzenden des IIo Ferienzivilsenats auch in diesem Sinne aufgefaßt worden sei« Sie berufen sich hierfür auf eine dienstliche Äußerung des Vorsitzenden« Klägern am 80 Juni 1966 zugestellt worden ist^ "begann nach § 7 AbSo 5 EGZPQ der lauf der Frist für die Revisionsbegrün dung mit der Zustellung des Beschlusses » Bas gilt auch dann wenn ein Revisionskläger vor Ablauf der Frist um das Armen-rocht nachgesucht hat und ihm das Arraenrecht bewilligt worden isto Entgegen der Auffassung der Revision hat der Grund satz der Gleichbehandlung einer unbemittelten Partei mit einer vermögenden nicht zur Folge, daß die Revisionsbegründungsfrist erst mit Zugang des das Armenrecht bewilligenden Beschlusses beginnt» Biese Auffassung ist auch nicht dem Beschluß des Bundesverfassungsgerichts vom 6» Juni 1967 (BVerfGE 22, 83 = 1TJW 1967, 1267) zu entnehmen» Bieser Beschluß setzt im Gegenteil voraus5 daß auch gegenüber einer unbemittelten Partei die Rechtsmittelfristen mit der Zustellung der Entscheidung zu laufen beginnen, gegen die das Rechtsmittel eingelegt werden soll» Bas Bundesverfassungsgericht nimmt lediglich an, es verstoße gegen Art» 3 Abo» 1 in Verbindung mit Art» 20 Abs» 1 GG, im Zivil prozeß einem unbemittelten Rechtsmittelkläger, der nach Bewilligung des Armenrechts die Frist für den Wiedereinsetzungsantrag versäumt hat, keine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung dieser Frist zu gewähren» 1» Nach der Auffassung des Ib-Zivilsenats (Urteil vom 4o Dezember 1964 - Ib ZR 151/63 - DM ZPO § 236 (D) Nr, 2 = BGHWarn 1965 Nr» 3) genügt zwar, wenn dem Revisionsklä-ger im Amrenrechtsverfahren ein Prozeßbevollmächtigter erst nach Ablauf der Revisionsbegründungsfrist beigeordnet v/or~ den ist und dieser die Wiedereinsetzung beantragt hat, für die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand statt der Nachholung der Revisionsbegründung in Ausnahmefällen auch ein Gesuch um Verlängerung der Begründungsfrist» Aus dieser Entscheidung ist jedoch nicht zu entnehmen, daß es eines Antrags auf YJiedereinsetzung nicht bedarf» Vielmehr ist ein solches Gesuch unbedingt erforderlich, um die Wiedereinsetzung zu erreichen (§ 234 Abs» 1 ZPO)» 2, Wiedereinsetzung kann den Klägern auch nicht auf Grund des in der mündlichen Verhandlung vom 24» Juni 1968 gestellten Antrages gewährt werden» Es kann dahin gestellt bleiben, ob dieser Antrag nicht schon auf Grund der Frist-bestimmung des § 234 Abs» 3 ZPO unzulässig ist» Auf jeden Pall haben die Kläger nichts dafür vorgetragen, daß eine Unkenntnis vom Ablauf der Revisionsbegründungsfrist weder von den Prozeßbevollmächtigten des zweiten Rechtszuges noch von dem des dritten Rechtszuges verschuldet war» Der bloße Umstand, daß der Prozeßbevollmächtigte des Revisionsrechtszuges erst durch einen Anruf des Berichterstatters vom 21o Juni 1968 auf die möglicherweise eingetretene Versäumung der Revisionsbegründungsfrist hingev^iesen worden ist, genügt nicht zur Begründung, daß die Versäumung auf unabwendbarem Zufall beruht»