BGH · VIII ZR 121/62 vom 28.01.1963
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Die Beklagte zu 2 vermietete den Klägern am 9* April i960 in ihrem damals noch im Bau begriffenen in gelegenen Hausgrundstuck Wohnräume und Geschäftsräume«* die zu dem Betriebe eines Nachtlokals dienen sollten» Nach § 3o des schriftlichen Mietvertrages hing die Gültigkeit des Vertrages davon ab, daß den Klägern eine sog» Nachtkonzession erteilt würde» Die Beklagte zu 1, deren persönlich haftende Gesellschafterin die Beklagte zu 2 ist, ließ sich für die Vermittlung des Mietvertrages von den Klägern eine Maklergebühr von 16 000 DM zahlen*» Als Einzugstermin war der Monat Oktober i960 vorgesehen» Am ibo September i960 suchte die Klägerin zu 2 bei der Stadt um die Nachterlaubnis nach» Der Antrag wurde durch den Bescheid der Stadt vom 2^» Oktober i960 abgelehnt» Die Kläger setzten die Beklagten von der Ablehnung ihres Gesuches in Kenntnis» Die Beklagten beantworteten diese Mitteilung ebensowenig wie das vorangegangene Schreiben der Kläger vom 2» Oktober 1960, in welchem diese mitgeteilt hatten, daß mit der Nachtkonzession nicht zu rechnen sei und in dem sie die Beklagten gebeten hatten, sich ihrerseits um die Gewährung der Nacht er laubnis zu bemühen» Die Kläger haben die gemieteten Räume nicht bezogen» Erst am 1» April 1961 gelang es den Beklagten, die Räume anderweit an eine Bank zu vermieten« I« Die in dem Mietvertrag vom 9« April i960 enthaltene Bedingung, daß der Vertrag erst Wirksamkeit erlange, wenn den Klägern von der Stadt die sogenannte Nacht Konzession erteilt werde, ist nach den rechtlich einwandfreien Feststellungen des Berufungsgerichts ausgefallen* Die von der Revision aufgeworfene Frage, ob es sich bei dem Schreiben der Stadt E^B^vom 2*t* Oktober 1960, weil es keine Rechtsmittelbelehrung enthalte, überhaupt um die formelle Ablehnung eines Antrags oder nur um die Beantwortung einer Anfrage d«r Kläger handelt, braucht nicht entschieden zu werden* Selbst wenn es an einem formellen Bescheid fehlen sollte, so würde das nichts daran ändern, daß das Ordnungsamt der Stadt BBIBnach den von der Revision insoweit nicht angegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts, die sich auf die Vernehmung der zuständigen Verwaltungsbeamten stützen, unter keinen Umständen gewillt war, die N^chterlaubnis zu erteilen» Der Mietver trag der Parteien ist daher unwirksam, so daß die von den Klägern gezahlte Maklerprovision ohne Rechtsgrund geleistet worden ist» Die Kläger können sie gemäß § 812 BGB zurückfordern» Der Anspruch richtet sich in erster Reihe gegen die Beklagte zu 1, die den Maklervertrag abgeschlossen hat» Nach §§ l6l, 128 BGB haftet aber auch die Beklagte zu 2 als persönlich haftende Gesellschafterin der Beklagten zu 1 für deren Verpflichtung» Die Kläger hätten sich nur dann nicht auf die Unwirksamkeit des Mietvertrages berufen können, wenn sie der Vorwurf träfe, den Eintritt der Bedingung wider Treu und Glauben verhindert zu haben(§ 162 BGB)» Ums ist, wie das Berufungsgericht ohne Rechtsirrtum angenommen hat, nicht der Fall» reiche ließt das streitige Grundstück - zu erteilen« An diese Anweisung hat sich das Amt für öffentliche Ordnung gehalten5 und dementsprechend hat es bereits seit Anfang i960 keine Nachtkonzessionen mehr in dem angegebenen Stadtteil erteilte Weiter hat das Berufungsgericht auf Grund der Aussage des Oberverwaltungsrats KyJP festgestellt, daß die Kläger auch im Rechtsmittelverfahren bei der Stadt keine Aussicht auf Erfolg gehabt hätten« Ist aber mit dem Berufungsgericht von einer solchen Sachlage auszugehen, so kommt es nicht darauf an, daß die Kläger ihren Antrag erst im September i960 und nicht schon, wie die Revision fordert, sofort nach Abschluß des Mietvertrages im April i960 eingereicht haben, und daß sie nicht schon in diesem Zeitpunkte auf dem Amt für öffentliche Ordnung vorgesprochen haben« geht auch die Ansicht der Revision, es seien aus dem Umstande, daß die Kläger den Standpunkt der Stadt Em 0/^ nicht im VerwäLtungsstreitverfahren bekämpft haben, für sie ungünstige Schlüsse zu ziehen« Es mag davon ausgegangen werden, daß die Voraussetzungen des § b2 VerwGO für eine Verpflichtungsklage vor dem Verwaltungsgericht Vorgelegen haben« Die Klage hätte indes keine Aussicht auf Erfolg gehabt« Sie hätte darauf gestützt werden müssen, der Stadt Essen sei bei der Ablehnung des Antrages auf Hinausschiebung der Sperrstunde ein Ermessensfehler unterlaufen (Eyermann-Fröhler VerwGO 3. Die Revision rügt, das Berufungsgericht habe unberücksichtigt gelassen, daß die Kläger ihrem Gesuch um Gewährung der Nachterlaubnis noch nicht einmal den nach §§ 1 ff GaststG allgemein erforderlichen Antrag auf Erteilung der Betriebserlaubnis vorangeschickt haben» Die Revision vertritt die Ansicht, die Entscheidung des Ordnungsamtes der Stadt EflHF wäre anders ausgefallen, wenn ein solcher Antrag Vorgelegen hätte und die gemäß § 19 GaststG zur Begutachtung einzuschaltende örtliche Polizeibehörde gehört worden wäre» Sie meint, in diesem Falle wäre den Beklagten zu demindest die Nachterlaub-nis mit einer Auflage erteilt v/orden (§ 11 GaststG), nämlich dahingehend, die entsprechenden baulichen Maßnahmen zu treffen, daß ein übermäßiger Lärm während der Nacht vermieden werde» Das Berufungsgericht hat die Bekundung des beim Ordnungsamt der Stadt EBB für die hier streitige Konzesöionsfra-ge zuständigen Oberyerwaltungsrats v# Ey® als maßgebend angesehen» Diese Bekundung bietet aber nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür, daß die Entscheidung der Stadt EBB anders ausgefallen wäre, wenn die Kläger vorher um die Betriebserlaubnis nachgesucht hätten» Die Bekundung dieses Beamten läßt im Gegenteil erkennen - und das hat das Berufungsgericht auch als ausschlaggebend angesehen -, daß das Ordnungsamt die Nacht erlaubnis aus grundsätzlichen Erwägungen - nämlich im Hinblick auf den Beschluß des Ältestenrates - versagt hat« Die Beklagten sind der Ansicht, daß ihnen ein Schadensersatzanspruch wegen Verschuldens heim Vertragsschluß zustehe, weil die Kläger während des Bauens mit großen Kosten verbundene Änderung sv/ün sehe geäußert hätten, denen entsprochen worden sei» Ebenso wie die durch das spätere Leerstehen der Räume und die bei der Neuvermietung erwachsenen Umbaukosten wären auch diese Mehrkosten nach Meinung der Beklagten nicht entstanden, wenn die Kläger ihre Sorgfaltspflicht bei der Beantragung der Nachtkonzession nicht verletzt hätteno Das Berufungsgericht hat ein Verschulden der Kläger verneint, weil sie sich bei der Äußerung ihrer. Wie die Revision nicht verkennt, hatten die Beklagten im Hinblick auf die Zweckbestimmung der Geschäftsräume die Verpflichtung übernommen, die Räume so zu gestalten, daß diese als Nachtlokal verwendbar waren« Im Hinblick auf die in § 30 des schriftlichen Mietvertrages vereinbarte aufschiebende Bedingung war diese Verpflichtung wie alle Verpflichtungen aus dem Mietverträge schwebend unwirksam« Die Beklagten waren sich also im klaren, bei dieser besonderen Gestaltung des Mietvertrages ein nicht unerhebliches Risiko einzugehen» Wenn nämlich, wie das denn auch tatsächlich eingetreten ist, den Klägern die Nachterlaubnis nicht gewährt wurde, standen sie vor der Notwendigkeit einer anderweiten Vermietung« Wenn es ihnen nicht gelang, einen Mieter zu gewinnen, der das Nachtlokal auch ohne die Nachterlaubnis übernahm, war die Vermietung für andere Zwecke und damit eine Umgestaltung der Mieträume unvermeidbar« Wegen dieser notwendigen Umarbeiten war es auch nicht zu verhindern, daß sich die Neuvermietung der Räume hinauszögern würde« Was das finanzielle Risiko anlangt, liegen die Dinge auch hinsichtlich der vom Berufungsgericht unterstellten Mehrkosten nicht anders, die dadurch entstanden sind, daß die Beklagtenden besonderen Baugestaltungs-wlinschen der Kläger entsprochen haben sollen« Wie bereits unter I erörtert, sind den Klägern durch den Abschluß des schwebend unwirksamen Vertrages Sorgfaltspflichten erwachsen, zu denen auch die Verpflichtung zu zählen ist, dieses finanzielle Risiko der Beklagten möglichst klein zu halten« Wie aber das Berufungsgericht zutreffend ausführt, konnte nur eine schuldhafte Pflichtverletzung der Kläger eine Verpflichtung zu dem Schadensersatz auslösen» Nach dem unstreitigen Vortrag der Kläger hatte ihnen die Beklagte zu 1 bei Abschluß des Mietvertrages erklärt, daß man wegen der Erteilung der Nachtkonzession nicht die geringsten Bedenken zu haben brauche» Diese werde mit Sicherheit erteilt werden» Die Beklagte zu 1 habe auch die besten Beziehungen zu den die Konzession erteilenden Behörden und Beamten» Unter diesen Umständen können die Beklagten gegen die Kläger keinen Schuldvorwurf daraus erheben, daß sich diese hierauf verlassen und deshalb nicht schon früher eine Klärung der Konzessionsfrage herbeigeführt haben» Hinzu kommt, daß sich die Beklagten eine solche Klärung bei der Konzessionsbehörde, zu der sie nach ihren Angaben die besten Beziehungen hatten, ebensogut jederzeit selbst hätten verschaffen können.