BGH · VIII ZR 120/66 vom 10.07.1968
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bio Klägerin vermietete dem Beklagten durch aehri£t-2: liehen Vertrag vom 1» Februar I960 in ihrem Hause DJflflHMh HfH Straße 15 für die Zeit vom 1» Februar I960 bis 31» Januar 1970 das Brdgeschoß zu dem Betriebe einer Gaststätte und das erste Obergeschoß zu Wohnzwecken» Ber Mietzins wurde auf insgesamt monatlich I 100 DM vereinbart» Weiter war der Beklagte verpflichtet, auf seine Kosten die Mietsache in erheblichem Umfang auszubauen und auszustatten» Hinsichtlich des Srdgesehosses hat er diese Verpflichtung unstreitig erfüllt» Auch im ersteh Obergeschoß ließ er Arbeiten verrichten» Ob und inwieweit er verpflichtet ist, das erste Obergeschoß über die bereits erbrachten Leistungen hinaus umsubauen, ist streitig» §■§ 553, 554 BGB -in der hier einschlägigen alten Fassung nicht eiiigriffenn Das sei hier der Pall, yroll die Klägerin den Rücktritt weder mit vertragswidrigem Gebrauch der Mieträmae noch ; .:1 mit'Zahlungsverzug dea Beklagten' begründe» Im Übrigen*!/' Für die Annahme einer Kündigung ist aber dann kein Raum',iwenii w ;• die Klägerin wirksam zurückgetreten und der Mietvertrag rückwirkend auf den Zeitpunkt seines Abschlusses aufgelöst worden ist. ä h: .-1-) hie Rechtsprechung',' nach der bei Mietverträgen ..auch na eh Überlassung der Mietsache ein auf § 326 bgBA'bV' .gestützter Rücktritt zulässig ist, geht auf die Entschei- f dung 1G2 105, 16? Das Reichsgericht hat -ausgcführt, die §§ 553, 554 BGB erschöpftön nicht den -Kreis .der möglichen Vertragsverletzungen des Mieters odörög fa eh tors. Der Gedanke, das Eüektrittsrecht des Vermieters sei für die von den §§ 553, 554 BGB nicht erfaßten Vertragä-1; g ...Verletzungen des Mietern nicht au entbehren, ist auch in den Entscheidungen RG LZ 1929, 1198, RGZ 1495i 88, 92 und JW 1938, 943 klar herauogostellt worden« Er wird ergänzt durch die Schlußfolgerung, daß die Anwendung der allgemeinen Rücktrittsvorschrifton nicht in-Betracht kommt, soweit der Tatbestand der mietreohtlichen Sonder-bestimmungen {§§ 553 f BGB) gegeben Iota In diesem Zusammenhang verweist sehen die Entscheidung RGZ 105, 187 auf die Rechtslage auf den Gebiet des Lienstvortrags-if und des Gesollschaftoreehts, wo in den §§ 626, 723 BGB ein allgemeines Kündigungerecht aus wichtigem Grunde i gegeben ist» Las war bereits in früheren Urteilen des Reichsgerichts für die Auffassung entscheidend, bei Bienst- und 'Gesellechaft aver trügen, sei .ein Rücktrittsrecht, ganz allgemein ausgeschlossen (RGZ 81, "'303? September 1965 - VIII 2E 143/63 = BGH Warn 1965: Ur»•183) » Sic ist'stets dann gegeben, wenn einem Toil-trügsteil unter Berücksichtigung aller Umstände nach freu und Glauben nicht zugomutet werden kann, das Schtildver-hältnis fortzusetzen. Als Umstand, auf den hierbei' Rück- i sieht'"zu nehmen ist, kommt insbesondere das Verhalten des : Vortragsgdgnora in .Betracht,' wobei aber" nicht allein da» V; "rauf öbgostollt werden darf, ob das VertrauensVerhältnis •/ zwischen den Parteien zerstört worden ist» Maßgebend 1 bleibt irn Boomen der insoweit vorzunehmendon Geeamtv/ürdi-gung vielmehr stets, ob die Fortsetzung 'des Mietverhült-nissos noch zu demutbar ist (ScnV Urt. vom 15. Im Anschluß an die bisherige Rechtsprechung ' ist der Rücktritt nach § 326 BGB jedenfalls dann zu versagen, wenn und soweit eine Auflösung des Vertrages durch fristlose Kündigung möglich ist» Das ist, wie noch aus- , zuführen sein wird, hier der Pall« :weil diese Vorschrift, die in wesentlichen die bisherige ;; Rechtsprechung zur Kündigung aus wichtigem Grunde wieder- 1; gibt, in Duisburg erst nach der Erklärung des lüoktrltts seitens der Klägerin in Kraft getreten ist, III „ Es kommt demnach darauf an, ob die Klägerin durch Kündigung aus wichtigem Grunde fristlos sich vom Mietvertrag losen konnte» Das hat das Berufungsgericht mit Recht bejaht» • 1) Es bestehen keine Bedenken, der Rücktrittserklärung der Klägerin die Wirkung einer fristlosen Kündigung beizulegen» Ihr Wille, das Mietverhä11nis auf jeden Pall für die Zukunft sofort zu dem Erlöschen zu bringen, ist eindeutig zun Ausdruck.gekommen» Da ein Rücktritt aus den darge-1egten Gründen bei Vorlicgon eines wichtigen Grundes zur Kündigung nicht in Betracht kommt, hatte diese Erklärung, ;; das Bestehen eines Kündigungsgrundes vorausgesetzt, die Wirkung, daß das Mietverhältnis mit sofortiger Wiritüng beendet wurde» der Beklagte sei nicht nur mit den Ausbau des ersten Obergeschosses in Verzug gewesen, sondern habe endgültig und beharrlich die Ausführung der hierfür erforderlichen Arbeiten verweigert. Mb Berufungsgericht hat also geprüft, ob die Bestimmung der Leistung durch die Klägerin gegen § 315 BGB vor st ie 13. Es ist in tatsächlicherWürdigung" unter "Verwertung deo Wortlauts des Mietvertrages und des Bewoioergebnicnoy zu der Fest Stellung gelangt, daß die Klägerin sieh im Hahmen dessen geholten hat, was bei Abschluß des ■ Vertfages'L' voreinbart war. 4) fraglich'"könnto dann nur soin, ob gegen den Verw trag selbst» etwa unter dem Gesichtspunkt de© § 1^6 BGB* Bedenken bestehen» Bas hat das Berufungsgericht hinsichtlich des Vfuehör cinwan&e o zutreffend mit der Erwägung verneint, daß für' eine Ausbeutung der Notlage, des Leicht-.Pinna" oder der Unerfahrenheit des Beklagten" nichts dar-..getan' sei» "Basselbe gilt"aber auch für eine Sittonwidrigkeit „nach § 130 Abc» 1 BGB» ln der Übernahme von Bauleiatungcn .; heitons des Mieter © neben der' Verpflichtung ©ur 'Zahlung dos Mietzinses kann, auch wenn diese Leistungen erheblich .sind» noch kein Verstoß gegen die guten Sitten gesehen werden» Der Beklagte hat nicht einmal greifbare Anhaltspunkte für ein auffälliges-Mißverhältnis' zwischen der Leistung der Klägerin und seiner.-'.Gegenleistung vfergeträgen 5) Unerheblich ist, daß die Klägerin in dem Schreiben vom 60 Dezember 1963 auch den Einbau einer Zentralheizung Vom Beklagten verlangt hat, obgleich diese Verpflichtung unstreitig durch einen Nachtrag zu dem Mietvertrag aufge-hoben worden war» Eo kann dahinstehen, ob diese Zuviel-Forderung, wie die Klägerin behauptet, auf einem Verschon beruht» Einen Verzug oder einer unberechtigten Erfüllungovorweigerung seitens des Beklagten steht sie schon deshalb nicht entgegen, weil dieser sieh schlechthin geweigert hat, das erste Obergeschoß über die von ihtr ■: ,? war seine Ausbauvorpflichtung fcstgolegt und die Klägerin hat nach den Feststellungen des Berufungsgerichts die nähere Bestimmung dieser Verpflichtung in Einklang mit ä v -dem vertraglich Vereinharten getroffen« Bei dieser Sachlage -Begegnet die Auffassung deo Berufungsgerichts keine Bedenken, der Beklagte hahe keinesfalls darauf hauen dürfen, daß sein Rechtsstandpunkt, er brauche keine weiteren Arbeiten mehr ausführen 2U lassen, richtig sei« 7) Der Beklagte bringt selbst vor, der Ausbau dos ersten Obergeschosses erfordere einen Aufwand von mindestens 25 000 BM« Bor Umfang der Leistung, deren Erfüllung er verweigert, ist also erheblich« Außerdem hingr u wie das Berufungsgericht feststellt, die von der Klägerin 1 geplante einheitliche Fassadengcstaltung des Hauses davon ab, daß'die'-Arbeiten im ersten Obergeschoß vom Beklagten durchgeführt wurden« V/enn das Berufungsgericht im Rahmen der ihn suotehenden tatrichterliehen \7ürdigung angesichts dieser Umstände hu den Ergebnis gelangt ist, bei■einem ni-a solchen Vertragsverstoß sei die Fortsetzung des Miotver^ hältnisses für die Klägerin unzu demutbar, so :ist dasVaus''''■:' BechtsgrUnden nicht zu beanstanden« Ob, wie'die Revision meint, der’Ehemann der Klägerin es darauf angelegt hat, den Beklagten aus dem Mi et Objekt zu entfernen, kann dahin-;"' gestellt bleiben« Bas der Klägerin nach den Bebtatellüngöh; des Berufungsgerichts sustchcndo Kündigungsrecht ging nicht dadurch verloren, daß - möglicherweise - ihr Ehemann in Verfolg der Ausübung dieses Rechts in die Lago vor- /; setzt worden wird, anstelle des Beklagten in den frei-werdenden Räumen eine eigene Gastwirtschaft zu führen« ■■■■ 8} Ohne 'Bechtsfehlor hat das Berufungsgericht eine'-'V hk| Verwirkung deo Kündigungsrechte verneint„ Es hat ausgeführt, die Klägerin habe nicht etwa jahrelang zugowartet, bis sie. Wenn die Parteien .das Verabredete formlos wirkoan vereinbaren wollen, so steht auch eine Behriftfornklausel der Wirksamkeit des: Gewollten nicht entgegen.' Auch für die Klägerin handelte cs sich um ein einheitliches Mietobjekt, fohlt cs aber, an der Möglichkeit einer fellung des Mi ot Verhältnisses,: so ist für eine Kündigung nur hinsichtlich eines fei] er.