BGH · VIII ZR 110/65 vom 16.03.1965
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Ber Kläger zu 2 und der Bauunternehmer Karl H0, der im laufe des Rechtsstreits verstarb und von seiner Tochter, der Klägerin zu 1, beerbt wurde (im folgenden werden der Kläger zu 2 und H0 weiter als "die Kläger" bezeichnet ), verpachteten durch Vertrag vom 51o Januar 1957 ein Filmtheater, das sie in das ihnen gehörige Gebäude Bra^BHHB9 9? Diese wandten sich darauf an die Beklagte» die jedoch Zahlung mit der Begründung ablehnte» daß sie keine Verpflichtungen mehr aus dem Pachtverträge träfen» weil die Eheleute Ni^p an ihrer Stelle in den Vertrag eingetreten seien. Die Kläger haben mit der Klage rückständigen Pachtzins und die Feststellung begehrt» daß das Pachtverhältnis zwischen ihnen und der Beklagten fortbestehe. Nachdem die Eheleute Ni^^ und nach dem Tode des Ehemannes Nieper dessen Witwe die rückständige Pacht bezahlt hatten, haben die Kläger den Anspruch auf Zahlung rückständiger Pachtzinsraten für in der Hauptsache erledigt erklärt und außer der Feststellung lediglich Zahlung von 229»43 DM verlangt. Das Landgericht hat die Beklagte entsprechend diesen Anträgen verurteilt* Las Berufungsgericht hat die Eerufung der Beklagten mit der Maßgabe zur lickgewiesen, daß der Anspruch auf Zahlung von 229,43 LM ebenfalls in der Hauptsache erledigt ist. Vertrages übersehen haben könnte» Daß es sie in den Sntscheidungsgründen nicht behandelt und keine der Revision günstigen Schlüsse aus dieser Vereinbarung gezogen hat, wäre nur dann ein Rechtsfehler, wenn sich aus ihr zwingend ergeben oder sie doch jedenfalls eine Auslegung dahin nahelegen würde, daß sie, wie die Revision meint, der Beklagten die Möglichkeit eröffnetc, den Pachtvertrag an einen beliebigen Dritten abzugoben» b) Diese Auffassung hat zwar die Beklagte bereits im ersten Rechtszug unter Widerspruch der Kläger vertreten» Sie ist aber, obwohl das Landgericht in den Entscheidungsgründen seines Urteils auf dieses Vorbringen nicht eingegangen war, hierauf im Berufungsrechtszuge nicht mehr zurückgekommen» Wie die Revisionserwiderung zutreffend geltend macht, läßt sich dem Wortlaut des § 10 de3 Zusatzvertrages vom 20» September 1957 entgegen den Darlegungen der Revision nicht zwingend entnehmen, daß die Beklagte das Recht haben sollte, die Pächterstellung auf "ungewiß wen” zu übertragen» Vielmehr spricht die gewählte Y/ortfassung eher dafür, daß die Beklagte oder der hinter ihr stehende Kaufmann Heinrich SflB in einer nach ihrem Belieben zu wählenden Rechtsform Pächter der Kläger bleiben sollten» Daß die Parteien bei Vertragschluß beabsichtigt hätten, dieser Bestimmung einen anderen Sinn zu geben und sie so zu verstehen, wie sie nach dem Vortrag der Revision verstanden werden muß, ist nicht einmal von der Beklagten selbst behauptet worden» Bei dieser Sachlage ist deshalb dem Berufungsgericht kein Vorwurf daraus zu machen, daß es auf die erwähnte Bestimmung nicht eingegangen ist und ihr nicht die Bedeutung beigemessen hat, die ihr die Revision beilegen möchte» c) Es unterliegt deshalb auch keinen Bedenken, daß das Berufungsgericht bei seiner rechtlichen Würdigung davon ausgeht, der Eintritt gänzlich anderer Personen anstelle der Beklagten als Pächter in den Vertrag habe der Zustimmung der Kläger bedurft* Diese Annahme des Berufungsgerichts wird von der Revision daher zu Unrecht als unzutreffend bezeichnet* Nach Sinn und Wortlaut des Vertrages, wie er vom Berufungsgericht ausgelegt wird, war es der Beklagten gerade nicht gestattet, den Pachtvertrag mit allen Rechten und Pflichten an beliebige Dritte abzugeben* Letzten Endes kann aber diese Frage dahingestellt bleiben, denn die Beklagte hat nicht den ihr nach § 10 des Zusatzvertrages vom 20* Dezember 1957 vermeintlich offenstehenden Weg der Übertragung der Pachtverträge auf die Eheleute durch Gründung einer Gesellschaft mit diesen gewählt, sondern sie hat sich um die Zustimmung der Kläger bemüht und sich in den Tatsachenrechtszügen darauf berufen, daß sie diese auch erhalten habe* Die Revision wendet sich mit den von ihr angestellten Erwägungen demgemäß nur gegen die vom Berufungsgericht vorgenommene Beweislastverteilung, die Beklagte müsse dartun und beweisen, daß die Eheleute Nflpp an ihrer Stelle als verpflichtete Partner, d.h* als Pächter, in den Vertrag eingetreten seien* Indes ist es nicht zu beanstanden, daß das Berufungsgericht die Beklagte als beweispflichtig für die Erteilung der Zustimmung der Kläger angesehen hat* Y/ie die Revision nicht verkennt, ist derjenige, der sich darauf beruft, daß eine erforderliche Zustimmung erteilt ist, dafür beweispflichtig, daß der Berechtigte eine entsprechende Erklärung abgegeben hatte* Dieser Grund- a) Daß die Beklagte nur aus kaufmännischer Vorsicht dazu veranlaßt wurde, sich um Zustimmung der Kläger zu bemühen, wie die Revision sich darzulegen bemüht, ist nicht richtigo Ging die Beklagte nicht den ihr nach ihrer Ansicht offenstehenden - bei objektiver Betrachtung jedenfalls nicht unbedenklichen - Weg, die Rechte und Pflichten aus den mit den Klägern abgeschlossenen Pachtverträgen auf die Eheleute NiflBP dadurch zu übertragen, daß die Beklagte mit ihnen eine Gesellschaft gründete, in diese gemäß § 10 des Zusatzvertrages vom 20« Dezember 1957 die Pachtverträge einbrachte und dann aus der Gesellschaft aussebied, sondern schloß sie mit den Eheleuten NfBP einen entsprechenden Über nähme vertrag, so bedurfte sie der Zustimmung der Kläger, wie die Revision auch nicht verkennt« aus diesem Vertrage klar ergab, daß die Eheleute anstelle der Beklagten als Pächter in den Vertrag ein-treten sollten, was aus der Erklärung vom 27o April 1961? die von den Klägern auf Wunsch der Beklagten unterschrieben worden war, gerade nicht eindeutig hervorgingo Das Berufungsgericht war daher nicht gehindert, Schlüsse zuungunsten der Beklagten aus der Tatsache zu ziehen, daß der Vertragsentwurf den Klägern nicht vorgelegt wurde, als die Vertreter der Beklagten zwecks Unterzeichnung der Erklärung vom 27° April 1961 bei den Klägern erschienen» c) Die von der Revision beanstandeten Schlüsse des Berufungsgerichts, die es aus dem eigenartigen und unklaren Verhalten der Beauftragten der Beklagten bei ihren Verhandlungen mit den Klägern vor Unterzeichnung der Urkunde vom 27* April 1961 und insbesondere daraus zieht, daß die Beklagte eine zureichende Unterrichtung der Kläger über die von ihr in Wahrheit verfolgten Absichten unterließ, lassen keinen Rechtsirrtum erkennen» Das Berufungsgericht war nicht gehindert, diesen Umstand zu dem Nachteil der Beklagten zu verwerten und zu dem Ergebnis zu gelangen, die Beklagte habe nicht den Beweis dafür erbracht, daß die Kläger ihre Zustimmung zu dem Eintritt der Eheleuto als Pächter in die Vertragsbeziehungen zwischen den Parteien unter Entlassung der Beklagten aus ihren Verpflichtungen erteilt hätteno bereit gefunden haben sollten, ein Ehepaar zu Vertragspartnern zu machen, das ihnen persönlich völlig unbekannt war, von dessen wirtschaftlicher Lage und unternehmerischen Fähigkeiten sie nichts wußten und Uber das sie keinerlei Erkundigungen eingezogen hatten« Die Beklagte hatte, was die Revision außer acht läßt, gerade nicht den ihr vermeintlich offenstehenden Weg Uber § 10 des Zusatzvertrages vom 20» Dezember 1957 gewählt, um einen neuen Pächter an ihrer Stelle in den Vertrag ein-treten zu lassen, sondern sie hatte sich um die Zustimmung der Kläger hierzu bemüht» Bei der Prüfung, ob die Beklagte den Beweis erbracht hatte, daß die Zustimmung erteilt war, konnte das Berufungsgericht die erwähnten Umstände ohne Rechtsverstoß zu dem Nachteil der Beklagten verwerten» Die Beauftragten der Beklagten S0/0 und die in deren Namen die Verhandlungen mit den Klägern geführt hatten, die zur Unterzeichnung der Erklärung vom 27* April 1961 durch diese führten, sind von Landgericht als Zeugen über diese Vorgänge vernommen worden» Die wiederholte Vernehmung der Zeugen stand im Ermessen des Berufungsgerichts (§ 398 ZPO)« Es ist deshalb kein Rechtsfehler, wenn das Berufungsgericht es abgelehnt bat, diese Zeugen nochmals zu vernehmen. Nicht zugegeben werden kann der Revision, daß das Berufungsgericht bei der Auslegung der Urkunde allein den Wortlaut berücksichtigt und weitere Umstände nicht in Betracht gezogen habe. Daß es nicht auf alle Einzelheiten eingegangen ist, die von der Revision hervorgehoben werden, ist kein Rechtsfehler, denn hierzu war das Berufungs gericht nicht verpflichtet (EGHZ 3, 162, 175)» Daß die Re vision der Vorschrift des § 10 des Zusatzvertrages vom 20. g) Nach Ansicht des Berufungsgerichts hätte es nahe gelegen, wenn ein vollständiges Ausscheiden der Beklagten geplant war, darüber zu sprechen, was mit der für die Beklagte eingetragenen Dienstbarkeit geschehen sollte« Auch diese Erwägung verstößt entgegen der Ansicht der Revision nicht gegen Denkgesetze« Es mag sein, daß die Beklagte auch im Palle ihres Ausscheidens ein Interesse an dem Weiterbestehen der Dienstbarkeit zu ihren Gunsten hatte« Dann konnte aber erwartet werden, daß sie gegenüber den Klägern hierauf hinwies« Die Tatsache, daß über die Dienstbarkeit überhaupt nicht gesprochen wurde, erscheint in der Tat auffällig« Im übrigen hat das Berufungsgericht es lediglich abgelehnt, aus dem übergehen dieses Punktes durch die Unterhändler der Beklagten Schlüsse gegen die Richtigkeit der Darstellung der Kläger zu ziehen, und sich mit dem Hinweis begnügt, das erwähnte Verhalten der Unterhändler der Beklagten spreche eher für als gegen die Darstellung der Kläger«