BGH · VIII ZR 105/65 vom 22.03.1967
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dor VIIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat auf die mündliche Verhandlung vom 22, März 1967 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr, Haidinger sowie der Bundesrichter Dr, Gelhaar, Dr, Mezger, Dr. Messner und Braxcaier für Höcht erkännt: Im Prozeß hat der Kläger von der Beklagten Rechnungs legung über die Höhe der War e ne in gangs s urnmc der gelie-ferten Rauchwaren verlangt und außerdem beantragt fest-zustollen, daß er der Beklagten für ihre Lieferungon nichts mehr schulde. Durch das ange-fochtene Urteil hat es unter Zurückweisung der Widerklage im übrigen den Kläger schließlich zur Zahlung weiterer4 449*02 DM und zur Zahlung von Zinsen aus den gesamten der Klägerin in beiden Instanzen zugesprochenen Beträgen verurteilt. Die Revision der Beklagten, die sich gegen die To;i,l-abweisung ihres Zahlungsanspruchs richtet, ist zulässig» Die Beklagte war jedoch im Termin zur mündlichen Verhandlung, zu dem sie ordnungsmäßig und rechtzeitig geladen worden war, nicht vertreten» Auf Antrag des Klägers war die Revision deshalb durch Versäumnisurteil nach §§ 557, 330 ZPO zurückzuweisen» Der Kläger hält es für rechtlich bedenklich, daß das Berufungsgericht die Geschäftsbeziehungen der Parteien als Kaufverträge gewürdigt hat» In Wirklichkeit liege, so meint sie, ein Kommissionsvortrag vor» Die Beklagte habe ihm daher alle Vorteile aus den in Ausführung des Kommisoionsvertrages geschlossenen Geschäften herausgeben müssen» Händlerrabattc und offene oder Darin liegt indessen kein Hechtsfehlero Beide Parteien sind während des gesamten Rechtsstreits stets und übereinstimmend davon ausgegangen, daß der Kläger die von der Beklagten gelieferten Rauchwaren gekauft und daß er demgemäß einen Kaufpreis zu entrichten habe0 Streitig war allein die Höhe dieses Preisesp Außerdem ist im Tatbestand des angefochtenen Urteils die Beklagte ausdrücklich als Großhändlerin bezeichneto Biese Peststellung ist von der Revision nicht angegriffen worden. Die Beklagte hat wiederholt vorgetragen, die Veräußerung der Rauchwaren habe sich in der Form abgespielt, daß der Kläger bei ihr die Ware ausgesucht habe, daß der Preis vereinbart, nach Lieferung in Rechnung gestollt und später - jedenfalls bis zu Beginn der im vorliegenden Rechtsstreit zu entscheidenden Zwistigkeiten - auch bezahlt worden sei* Der Kläger hat dem nicht widersprochen* Damit steht aber fest, daß entgegen der jetzt von der Anschlußrevision vertretenen Auffassung für jede einzolno Lieferung feste Preise vereinbart v/orden sind, die nach der vom Berufungsgericht festgestellton Abrede der Parteien auf der Grundlage eines Aufschlags von 17 5^ zu dem Einstandspreis der Beklagten zu berechnen waren* Im Gegensatz zur Ansicht der Anschlußrevision sprechen somit gerade die jeweiligen Preisabsprachen der Parteien dafür, daß es sich um Kaufverträge und nicht um die Ausführung von Einkaufskomnis-sionsvorträgen handelte* Die Anschlußrevision meint, der Wortlaut der Vereinbarung deute auf ein Kommissionsgeschäft hin, weil danach die Rauchwaren nicht von der Beklagten, sondern über die Beklagte bezogen worden seien» Der Wortlaut der Vereinbarung steht indessen nicht fest, sondern nur ihr Inhalt, den das Berufungsgericht aufgrund der Aussagen der Zeugen und festgestollt hat» Ledig- lich der die Streitigkeiten der Parteien einleitende Brief des Klägers vom 8» Juli 1961 spricht davon, daß die Rauchwaron über die Beklagte gekauft worden seien» Bei der gegebenen Sachlage läßt sich hieraus jedoch nichts Entscheidendes zugunsten der Anschlußrevision gewinnen; denn diese Formulierung berücksichtigt lediglich zutreffend die Tatsacho, daß die Beklagte als Lieferantin der Pelze derjenigen Großhandlungen aufgetreten war, die früher, vertreten durch die Beklagte, direkt an den Kläger geliefert hat» mm ^ mm Schließlich spricht sogar gegen die Annahme von Kommissionsgeschäften, daß nicht nur keine Auskunftspflicht der Beklagten vereinbart worden ist, sondern daß der Kläger während der gesamten Lieferzeit niemals Auskünfte über die Ausführungsgeschäfte, die die Beklagte nach seiner heutigen Auffassung getätigt haben soll, verlangt hat» Soweit er nach seiner Behauptung zweimal die Preise als Überhöht beanstandet hat, ist es dabei geblieben» Er hat aber nicht etwa Aufschluß über den Einkauf der Beklagten verlangt, um daraus ersehen zu können, was an ihn herauszugeben war, und was - gegebenenfalls - der Beklagten als Provision zustand (§§ 383, 396 HGB)» 2» Ist danach die Auffassung des Berufungsgerichts, die Lieferungen der Beklagten seien aufgrund von Kaufverträgen erfolgt, frei von Hechtsirrtum, so ist nicht einzusehen, warum, wie die Anschlußrevision meint, auf diese Verträge deshalb das Recht des Kommissionsvertrages entsprechend anzuwenden sein soll, v/eil der Kaufpreis hier durch einen Zuschlag bestimmt worden ist, den die Parteien in Höhe des vereinbarten Prozentsatzes festgelegt haben» Ein Kaufpreis kann sehr wohl in der Weise vereinbart werden, daß zu dem Einstandspreis des Verkäufers ein Zuschlag als Entgelt für die jedem Handelsgeschäft innewohnende Verraittlertätigkeit bewilligt wird (RGZ 101, 380)» 21, Februar 1963 war der Sachverständige* Steuerberater irrtümlich davon ausgegangen* daß die Beklagte für jede Hauchv/aronlieferung eine Vormittlergebühr habe zahlen müsson, In seinem zweiten Gutachten vorn 30, Januar 1964 hat er dagegen zutreffend nur diejenigen Vermittler-gebühron berücksichtigt* die der Beklagten laut vorgeleg-ten Rechnungen tatsächlich berechnet v/orden sind«, Zu dem sich hiernach ergebenden Botrage von 1 129*40 DM hat da3 Berufungsgericht noch die 364*50 DM aus der Rechnung vom 9o Oktober 1959 und 76 BK aus der Rechnung vom 5* April I960 hinzugeschlagen, Bas beanstandet dio Anschlußrevi-sion im Ergebnis mit Recht, Denn aus dem Zusammenhang der Nr, IV und V 5* und 6, des Gutachtens vom 30, Januar 1964 ergibt sich zweifelsfrei* daß der Sachverständige in die Summe von 1 129*40 DM alle durch Rechnungen belegten Vermittlergobühren* also auch die vom Berufungsgericht zusätzlich berücksichtigten* aufgenommen hat. 4o Zu Unrecht bemängelt die Anschlußrevision3 daß das Berufungsgericht der Beklagten Zinsen aus der Forderung aus Warenlieferungen seit Rechtshängigkeit der Widerklage zugesprochen hat» Diese Zinspflicht ergibt sich aus § 291 BGBo Daß die Schuld bei Rechtshängigkeit noch nicht fällig gewesen sei, weil die Beklagte es abgelehnt habe, Rechnung zu logen, kann nicht anerkannt werden„ Eine Iflicht der Beklagten zur Rechnungslegung haben die Parteien nicht vereinbarto 5o Mit Recht beanstandet die Anschlußrevision aber die Kostenentscheidung des Berufungsgerichts, Die Beklagte war bov/eispflichtig dafür, daß sie die Preisvereinbarung von Frühjahr 1959 eingehalten, also nicht mehr als 17 $> Aufschlag auf ihren Einstandspreis genommen hat» Nachdem die Beweisaufnahme im ersten Rechtszuge Über die Frage, ob diese bestrittene Vereinbarung getroffen worden war, zu ihren Ungunsten ausgegangen war, hätte sie für ihre Behauptung, sie habe nie mohr als 17 i> Aufschlag verlangt. Beweis antreten müsseno Hierauf ist sie durch Beschluß des ^Landgerichts vom 9» März 1962 auch ausdrücklich hingewiesen worden 0 Sie hat diesen Beweis gleichwohl erst in zweiter Instanz angetreten und aufgrund der danach durchgeführten Beweisaufnahme schließlich in dem aus dem Urteil des Senats ersichtlichen Umfange obsiegte Sie wäre aber, was keiner weiteren Erörterung bedarf, schon in erster Instanz in der Dago gewesen, anzubieten, ihre Preisgestaltung durch einon Sachverständigen nachprüfen zu lassen, der Zugang zu ihren Geschäftsunterlagen hatte0 Die Beklagte muß daher, soweit sie gegenüber dem ersten Rechtszuge aufgrund der Beweisaufnahme in zweiter Instanz Erfolg gohaht hat, nach § 97 Abs0 2 ZPO die Kosten des Berufungsverfahrens tragen« Daran ändert auch nichts, daß nach §§ 1449 272 b Abs« 2 Nr„ 5 ZPO das Berufungsgericht von sich aus einen Sachverständigen zuziehen konnte« Denn hier konnte der Sachverständige mit Aussicht auf Erfolg nur tätig worden, wenn die Beklagte bereit war, ihm ihre Geschäftsunterlagen zur Verfügung zu stelleno Das hat sie aber erst im zvroiton Rechtszuge getano Die Entscheidung über die Koston des Revisionsverfahrens ergibt sich aus § 92 ZPO« - Prozeßbevollmächtigter; Rechtsanwalt straßo Der VIII* Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat in der Sitzung vom 24* Mai 1967 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Haidinger und der Bundesrichter Dr* Mezger, Dr. Weber, Mormann und Braxmaier beschlossen: