BGH · VIII ZB 8/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Burch Urteil der Kammer für Handelssachen des Landgerichts in Wiesbaden vom 17c Bezember 1956 ist die Beklagte verurteilt worden, an die Klägerin 1«952,68 BM zu zahlen« Bie Beklagte hat gegen dieses Urteil fristgerecht am 19® -Januar 1957 Berufung eingelegt. satz begründet und gleichzeitig beantragt; ihr die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist zu gewähren» Das Oberlandesgericht hat durch den angefochtenen Beschluß den Wiedereinsetzungsantrag zurückgewiesen und die Berufung als unzulässig verworfen. Die Beklagte hat den Antrag auf Wiedereinsetzung wie folgt begründete Ihr Prozeßbevollmächtigter des ersten Bechtszuges habe eine mit Gründen versehene Ausfertigung des Urteils des Landgerichts dem .Brozeßbevollmäch-tigten des zweiten Kecittszuges erst am 16 T* Februar 1957 übersandt. Das Berufungsgericht ist der Auffassung, daß die Beklagte nicht durch einen unabwendbaren Zufall verhindert worden sei, die Frist zur Begründung der Berufung einzuhalten» Ihr Prozeßbevollmächtigter des zweiten Bechts zuges hätte für Fälle plötzlicher Erkrankung gerade der einzigen und wichtigen Hilfskraft Vorsorge treffen müssen» Ferner wäre die Fristversäumnis abwendbar- gewesen, wenn ihm nicht der Fristablauf am 19« Februar 1957 entgangen wäre. ergab, daß an diesem Tage die erforderlichen Kanzlei-arbeiten nicht ausgeführt werden könnten0 War es nicht möglich, daß die diktierte Berufungsbegründung noch an diesem Tage in Reinschrift übertragen wurde, so war er verpflichtet, eine Verlängerung der Frist zur Berufungsbegründung zu beantragen* Dafür, daß einem solchen Antrag, wenn der Prozeßbevollmächtigte ihn rechtzeitig am 19« Februar 1957 bei dem Oberlandesgericht - notfalls persönlich - angebracht hätte, nicht an diesem Tage stat^gege-ben worden wäre, liegt nicht der geringste Anhalt vor* Zur Wirksamkeit einer solchen Verfügung genügt die formlose Mitteilung (BGHZ 14*148,150)» Der Prozeßbevollmäch’-tigte der Beklagten hätte daher darauf hinwirken müssen* daß ihm die Verfügung persönlich oder zu dem mindesten durch Fernsprecher (vgl BGH aaO) noch im Laufe des 19* Februar 1957 bekannt gegeben werde» Hatte der Prozeßbevollmächtigte beabsichtigt, die Berufung erst am letzten Tag der Frist zu begründen, und erwies sich der Antrag auf Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist als notwendig, so war er verpflichtet, besondere Sorgfalt au'fzuwenden,. Recht hat der angefochtene Beschluß es dem Prozeßbevoil-mächtigten der Beklagten als Verschulden ungerechnet, daß er den Ablauf der Frist am 19* Februar 1957 übersehen und deshalb die genannten Maßnahmen, die zur Wah-. Der Beklagten ist daher zutreffend die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand versagt worden* Ihre Berufung hat das Oberlandesgericht mit Recht als unzulässig verworfen*