BGH · VIII ZB 6/59
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Abänderung dee angefochtenen Urteils nach dem Klageantrag zu erkennen* Anschließend heißt es dann« "Zur Begründung der Berufung werden die Ausführungen aus Io Instanz wiederholt% eine Ergänzung durch eine weitere Begründung3schrift bleibt Vorbehalten«w Am 15* Oktober 1958 bat der Prozeßbevollmächtigte des Klägers um Verlängerung der Prist für die in Aussicht gestellte wei-tere Berufungsbegründung um eine Woche« Der Vorsitzende des Senats verfügte am 16* Oktober 1958 die Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist bis zu dem 23» Oktober 1958« Biese Verfügung wurde am gleichen $age zur Zustellung durch die Post abgefertigt« Ber Prozeßbevollmächtigte des Klägers hat sie am 17* Oktober 1958 erhalten und am 22« Oktober 1958 einen Schriftsatz zur weiteren Begründung der Berufung eingereicht« Er hat sodann auf Grund des Hinweises des Berichterstatters vom 15« Dezember 1958, daß Bedenken gegen die Zulässigkeit der Berufung bestünden, am 22« Bezember 1958 vorsorglich um Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gebeten und den Antrag unter Hinweis auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs für die Britische Zone OGHZ 1,174 =* HJW 1949,264 damit begründet, er habe sich auf eine sofortige Benachrichtigung verlassen können, falls seinem ♦ Frisivorlängerungsantrag nicht, wie erwartet, rechtzei-• tig entsprochen würde* Bas Oberlandesgericht hat in der allgemeinen Bezugnahme in der Berufungsschrift auf die Ausführungen im ersten Hecht szuge keine zulässige Berufungsbegründung gesehen und die Berufung unter Ablehnung des Antrages auf Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Berufungsbegründungsfrist als unzulässig verworfen« Gegen diesen Beschluß hat der Berufungskläger fristgemäß sofortige Beschwerde eingelegt* In ihr wird die Ansicht vertreten, die Prist zur Begründung der Berufung sei erst mit dem 16« Oktober 1958•abgelaufen und daher die Fristverlängerung wirksam verfügt worden» Abgesehen davon sei die Berufung mit der Berufungsschrift bereits ausreichend begründet gewesen» Denn es gehe im vorliegenden Rechtsstreit im Grunde um eine einzige Rechts-, frage» In solchem Falle werde man nicht mehr verlangen können,, als daß auf die entgegenstehende Ansicht des Berufungsklägers verwiesen werde» Der Prozeßbevollmächtigte des Berufungsklägers könne sich für diesen Standpunkt auf Entscheidungen des Reichsgerichts berufen und somit auf eine höchstrichterliche Rechtsprechung , gegen die später zwar Bedenken geäußert worden seien, die jedoch weder vom Reichsgericht noch vom Bundesgerichtshof ausdrücklich geändert worden sei» Bes* halb, so meint die Beschwerdebegründung, müsse der Kläger die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand bewilligt erhalten» ■ Die sofortige Beschwerde ist gemäß § 519 b Abs»2 ZPO in Verbindung mit § 547 Abs»l Hr»l ZPO zulässig, weil nach dieser Vorschrift, gegen ein Urteil gleichen Inhalts die Revision ohne Rücksicht auf den Wert des Beschwerdegegenstandes zulässig wäre» Die Beschwerde konnte jedoch keinen Erfolg haben» Recht szuge nur ein Tabsachenpunkt oder eine Rechtsfrage streitig gewesen wäre* hie© hat das Reichsgericht bereits früher ausgesprochen (RG2 145,1315 RAG- 14,50) o Eine Berufungsbegründung genügt den gesetzlichen Erfordernissen nur dann* wenn sie auf den zur Entscheidung stehenden Streitfall zugeschnitten ist und erkennen läßt, welche* besonderen Gründe tatsächlicher oder rechtlicher Art nach der Meinung des Berufungsführers das an-gefochtene Urteil als unrichtig kennzeichnen« Es muß also in der Begründung klar kundgegeben werden, gegen welche An- und Ausführungen dieses Urteils der Angriff sich richtet und wie er begründet wird« Nun hat allerdings das Reichsgericht in.einem Beschluß vom 27* Mai 1936 - V B 12/36 - (JW 1936,2654) für einen Fall, in dem die Sachlage nach Ansicht des Unterlegenen geklärt und nur die rechtliohe Beurteilung zweifelhaft war, es für genügend angesehen, daß der Berufungsführer in der Berufungsschrift nur auf seinen früheren aus der angefochtenen Entscheidung selbst ersichtlichen gegenteiligen rechtlichen Standpunkt hingewiesen und diesen damit zur Nachprüfung gestellt hat« Ein solcher Hinweis auf nur einen mit dem Rechtsmittel ergriffenen Punkt ist jedoch in der bloß formelmäßigen Bezugnahme auf das gesamte frühere Vorbringen nicht enthalten» Darin liegt auch keine Beschränkung der Anfechtung auf die rechtliche Nachprüfung einer bestimmten Recht sauf fas-sung» Der objektive Sachverhalt war nicht unstreitig» Die vorliegende Sache liegt daher* schon insoweit anders, als der in der soeben erwähnten Entscheidung des Reichsgerichts behandelte Fall und auch anders als die Sachlage bei der EntScheidung des Reichsgerichts JW 1938,966, auf die sich die Beschwerde ebenfalls bezogen hat« In dieser Entscheidung hat das Reichsgericht es als genügend bezeichnet, wenn der Rechtsmittelkläger zur Begründung der Berufung auf seine im landgerioht- in dem der Rechtsstandpunkt des Berufungsklägers eingehend dargelegt worden war* Somit kann sich die Beschwerde für die vorliegende Sache nicht auf diese beiden’ Entscheidungen des Reichsgerichts berufen« Abgesehen davon ist aber darauf hinzuweisen? daß das Reichsgericht gegen Ausführungen in diesen beiden Entscheidungen unter Hinweis auf den Zweck der Vorschrift des § 519 AbSo3 Nr«2 ZPO Bedenken geäußert hat (RGZ 164, 390,392)• Auch der Bundesgerichtshof hat sich diesen Bedenken angeschlossen (BGHZ 7*170,172) o Dazu ist grundsätzlich folgendes zu bemerken» aus welchem Grunde das angefochtene Urteil für unrichtig gehalten wird?, eo daß Berufungsgericht und Gegner möglichst schnell und sicher darüber unterrichtet werden* wie der Berufungsführer den Streitfall beurteilt wissen will, damit sie sich auf diese Angriffe erschöpfend vorbereiten können und eine überflüssige Arbeit erspart wird (BAG 14,124$ BGZ 164,390,393$ BGHZ 7,170,173). 3» Bas Berufungsgericht hat angenommen, daß die Versäumung der Frist zur Begründung der Berufung für den Kläger deshalb nicht auf einem unabwendbaren Zufall, beruhe, weil er nach § 252 Abs.2 ZPO für das Verschulden seines Prozeßbevollmächtigten einzustehen habe/ Dieser habe, so führt das Berufungsgericht aus, erkennen müssen, daß das Berufungsgericht die in der Berufungsschrift enthaltene Begründung nicht für ausreichend an-sehen werde, er habe auch nicht ohne weiteres damit rechnen können, daß die noch innerhalb der Frist zur Begründung der Berufung am letzten $ age morgens etwa um 9 Uhr schriftlich gestellte Bitte um Fristverlängerung noch an diesem Tage in einem ihm günstigen Sinne beschieden v/erden würde» Deshalb hatte er sich noch im laufe des 15. Diese Beurteilung ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden«, Der Bundesgerichtshof hat mehrfach ausgesprochen, daß der Anwalt, der eine Fri st Verlängerung beantragt, sich vergewissern muß, ob seinem Anträge entsprochen worden ist (BGHZ 12,161,166)* Das muß hier umsomein? gelten, als der Antrag am letzten Tage der Frist eingereicht worden ist und der Prozeßbevollraäoh-tigte des Klägers nach allgemeiner Erfahrung damit rechnen mußte, daß sein Antrag aus irgend einem Grunde an diesem Sage unbearbeitet bleiben könnte* Begnügte er sich nur mit der Einreichung des Antrages, ohne sich Uber die Erledigung an diesem $age zu vergewissern, so hat er das Risiko einer Kichtbearbeitung des Antrages in Kauf genommen® Das ist schuldhaft® Ein der Wahrung der Erist entgegenstehendes unabwendbares Ereignis ist für die kichtwahrung der Erist nicht mehr ursächlich, wenn der Pristableuf auf Antrag hinausgeschoben werden kann und die Partei von dieser Möglichkeit schuldhaft keinen Gebrauch machta Insoweit werden von der Beschwerde auch keine Bedenken gegen dio Ablehnung der Wiedereinsetzung vorgebracht® Sie meint jedoch, der Prozeßbevollmächtigte des Klägers habe ohne Verschulden die Bezugnahme in der Berufungsschrift als ausreichende Begründung der Berufung ansehen dürfen® Dazu ist zu bemerken?