BGH · VIII ZB 31/80 vom 08.10.1980
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Juni 1980 legte der Beklagte formgerecht Berufung ein und beantragte, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist zu gewähren. 1. Der Wiedereinsetzung steht nicht entgegen, daß sie erst nach Ablauf eines Jahres ab Ende der Berufungsfrist beantragt wurde, weil der Zweitbeklagte das Armenrecht zur Durchführung der Berufung innerhalb der Berufungsfrist beantragt hatte, das Berufungsgericht aber erst nach Ablauf der Jahresfrist des § 234 Abs.3 ZPO über das Armenrechtsgesuch entschied (vgl. a) Ein Rechtsmittelkläger kann zwar Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Rechtsmittelfrist auch dann beanspruchen, wenn er ohne Verschulden annehmen durfte, durch Armut an der Einlegung des Rechtsmittels gehindert zu sein. Auch in diesem Falle ist aber erforderlich, daß er innerhalb der Rechtsmittelfrist nicht nur das Armenrecht beantragt, sondern auch die erforderlichen Unterlagen beibringt (BGH Beschl. b) Hier legte der Zweitbeklagte in der Berufungsfrist ein Armutszeugnis nicht vor, sondern nahm auf das in erster Instanz am 13. Dezember 1978 überholt war, weil der Zweitbeklagte zwar im Dezember 1978 ohne Verdienst gewesen war, bei Einreichung des Armenrechtsgesuchs in der Berufungsinstanz aber eine gut bezahlte Stelle gefunden hatte und vor Ablauf der Berufungsfrist einen monatlichen Nettolohn von 2 050,06 DM zu erwarten hatte. Eine Partei darf indessen, wenn sie um das Armenrecht nachsucht, eine erhebliche Änderung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht verschweigen, sondern hat in einem derartigen Falle ein neues Armutszeugnis vorzulegen oder zu demindest die Änderung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse dem Gericht mitzuteilen, damit dieses sich bei der Entscheidung über das Armenrechtsgesuch ein zutreffendes Bild von den Vermögensund Einkommensverhältnissen machen kann. Ob der Zweitbeklagte seinen Prozeßbevollmächtigten, der für ihn das Armenrecht beantragte, nicht unterrichtet hatte oder ob dieser eine Mitteilung des Zweitbeklagten über die Änderung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse nicht an das Gericht weitergegeben hatte, kann dahingestellt bleiben. Hätte der Zweitbeklagte seinen Prozeßbevollmächtigten nicht unterrichtet, so trifft ihn ein Verschulden, weil er - er ist Bauingenieur -sich im klaren darüber sein mußte, daß die Änderung seiner Hätte der Prozeßbevollmächtigte des Zweitbeklagten dessen Mitteilung über die Änderung der Einkommensverhältnisse nicht an das Gericht weitergegeben,so fällt ihm ein Verschulden zur Last, das sich der Zweitbeklagte gemäß § 85 Abs. 2 ZPO zurechnen lassen muß. c) Das Berufungsgericht hat auch darin recht, daß der Zweitbeklagte im Hinblick auf seinen Verdienst ab Februar 1979 Zweifel an seiner Armut haben mußte. Wenn der Zweitbeklagte oder sein Prozeßbevollmächtigter nicht mit der Ablehnung des Armenrechtsgesuchs gerechnet haben sollten, so ließen sie auch insoweit die gebotene Sorgfalt außer acht.