BGH · VIII ZB 19/67 vom 14.03.1967
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der VIIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat in der Sitzung vom 10* Mai 1967 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Br. Haidinger sowie der Bundesrichter Artl, Br. Weber, Mormann und Braxmaier beschlossen; Er führte zur Begründung des Antrages durch seinen Prozeßbevollmächtigten aus, dieser habe noch vor der Mittagspause am 20* Februar den von ihm unterschriebenen Schriftsatz seiner Sekretärin mit dem ausdrücklichen Hinweis übergeben, daß die Berufungsfrist noch heute ablaufe und "der Schriftsatz deshalb sofort zu dem Landgericht" getragen werden müsse. Die Sekretärin habe nach ihren Angaben den Schriftsatz etwa gegen 12 Uhr ins Schließfach "beim Landgericht Stuttgart" geworfen. Zur Glaubhaftmachung bezog sich der Beklagte ferner auf die gleichzeitig eingereichte eidesstattliche Versicherung der Anwaltssekretärin Frl« WfllHHB und die der Anwaltssekretärin Frau Fräulein bestätigte die Darstellung dahin, sie habe Auftrag erhalten, den Schriftsatz, den sie gegen 11.45 Uhr zur Unterschrift vorgelegt habe, unmittelbar darauf zu dem Gericht zu bringen« Sie habe ihn dort in das Schließfach geworfen. Auf die dienstliche Äußerung des Leiters der Registratur des Oberlandesgerichts, der dabei die Vermutung äußerte, Fräulein W||B habe den Schriftsatz nicht zu dem Oberlandesgericht, sondern zu dem Landgericht gebracht und dort in das Schließfach eingeworfen, ergänzte der Prozeßbevollmächtigte des Beklagten die Begründung des Wiedereinsetzungsantrages dahin, daß seine Sekretärin die Berufungsschrift, wie sie nochmals versichert habe, in das Schließfach des Oberlandesgerichts eingeworfen und vor dem Einwurf erneut überprüft habe, an welche Adresse der Schriftsatz gerichtet sei, um ihn in das richtige Schließfach zu werfen. Den Wiedereinsetzungsantrag hielt es deshalb für unbegründet, weil den Prozeßbevollmächtigten des Beklagten ein eigenes Verschulden an der Versäumung der Frist treffe« Er habe nämlich seine Sekretärin direkt angewiesen, den Schriftsatz zu dem Landgericht zu bringen. Durch die ergänzenden Ausführungen des Beschwerdeführers in der Beschwerdebegründung ist fclargestelit worden, daß die Annahme des Berufungsgerichts, der Prozeßbevollmächtigte des Beklagten habe die Sekretärin angewiesen, die Berufungsschrift, die an das Oberlandesgericht adressiert v/ar, beim Landgericht einzureichen, nicht haltbar ist. Grundlage für die Annahme des Berufungsgerichts, der Prozeßbevollmächtigte des Beklagten habe die Sekretärin angewiesen, den Schriftsatz beim Landgericht abzugebeno Der Beschwerdeführer hat zudem durch die eidesstattliche Versicherung der Sekretärin vom 23. glaubhaft gemacht, daß sie ausdrücklich angewiesen worden war, den BerufungsSchriftsatz in das Fach des Oberlandes-gerichts Stuttgart einzuv/erfen• Sie hat ferner versichert, ihr sei auch bekannt gewesen, daß eine Berufungsschrift in Zivilsachen dem Oberlandesgericht zugehen müsse und der Schriftsatz deshalb in das Schließfach des Oberlandesgerichts einzuwerfen gewesen sei«. Ob ihre weitere Versicherung, sie habe dies getan, die Feststellung rechtfertigt, daß die Berufung rechtzeitig eingelegt worden ist, kann dahingestellt bleiben« Denn es v/ar jedenfalls in Anbetracht der aufgetretenen Zweifel zulässig, vorsorglich die Berufung mit dem Wied er eins et zungsantrag zu wiederholen« Da dieser Antrag gerechtfertigt ist, bedarf es keiner Entscheidung darüber, ob die Berufungsfrist bereits durch die erste Berufung gewahrt worden war«