BGH · VIII ZB 10/72
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ZPO § 233 Pc Ein Verkehrsanwalt, der wenige Tage vor Ablauf der Rechtsmittelfrist den beim Rechtsmittelgericht nicht zugelassenen Prozeßbevollmächtigten der Partei bittet, einen beim Rechtsmittelgericht zugelassenen Rechtsanwalt mit der Einlegung eines Rechtsmittels zu beauftragen, wahrt nicht die äußerste Sorgfalt, wenn er sich vor Ablauf der Rechtsmittelfrist nicht vergewissert, daß das Auftragsschreiben eingegangen ist (Abweichung von BGH vom 19. Dezember 1971 Berufung beim Oberlandesgericht Köln ein und beantragte gleichzeitig die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die Versäumung der Berufungsfrist. der Beklagten, an die erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Beklagten, Rechtsanwältin Br. in Bf^, daß Rechtsanwalt Br. PfB in Ef^l gebeten werden solle, Berufung gegen das Urteil des Landgerichts Bonn einzulegen. Juni 1964 - VIII ZB 15/64 = VersR 1964, 1079 der Ansicht, der Voranwalt, der einen beim Rechtsmittelgericht zugelassenen Anwalt mit der Einlegung eines Rechtsmittels beauftragt, sei gerade dann, wenn der Auftrag zur Rechtsmitteleinlegung kurz vor Ablauf der Rechtsmittelfrist erteilt worden war, erst zu Nachforschungen verpflichtet, wenn die Umstände den Verdacht erregen müßten, daß "etwas nicht in Ordnung ist". Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat hingegen die Auffassung vertreten, ein Rechtsanwalt, der einen anderen Rechtsanwalt brieflich mit der Einlegung eines Rechtsmittels beauftrage, müsse innerhalb der Rechtsmittelfrist insbesondere dann überwachen, ob das Auftragsschreiben bei dem beauftragten Rechtsanwalt eingegangen ist, wenn der Auftrag kurz vor Fristablauf erteilt wurde (BGHZ 50, 82). Januar 1971 - VIII ZR 179/70 = VersR 1971, 468 offen gelassen, ob die Nachforschungspflicht des Rechtsanwaltes, der einen anderen Rechtsanwalt mit der Einlegung eines Rechtsmittels beauftragt, erst dann einsetze, wenn er aus dem Ausbleiben einer Bestätigung den Schluß ziehen müsse, daß irgendetwas nicht in Ordnung ist. April 1967 (aaO) angewandt hat, auf den hier zu beurteilenden Sachverhalt übertragen, so würde in dem Unterbleiben einer Rückfrage der Rechtsanwälte Dr. und Bfimi bei Rechtsanwalt Er. P^flHB Dezember 1971 nicht den Verdacht haben, daß etwas nicht in Ordnung ist, weil die Bestätigung des Auftrags, Berufung einzulegen, an die erstinstanzliche Prozeßbevollmächtigte der Beklagten gegangen wäre und sie vor dem 14. Zivilsenats spricht die Erwägung, daß gerade dann, wenn der Auftrag zur Rechtsmitteleinlegung erst kurz vor Ablauf der Rechtsmittelfrist erteilt wird, besondere Sorgfalt geboten und eine Überwachung, ob das Auftragsschreiben rechtzeitig eingetroffen ist, notwendig ist (BGHZ aaO). Es bedarf aber auch hier keiner Entscheidung, ob ein Rechtsanwalt, der einen anderen Rechtsanwalt kurze Zeit vor Ablauf der Rechtsmittelfrist mit der Einlegung eines Rechtsmittels beauftragt, in jedem Falle überwachen muß, ob das Auftragsschreiben vor Fristablauf eingegangen ist. c) Eine derartige Pflicht ist zu demindest dann anzunehmen, wenn ein Verkehrsanwalt wenige Tage vor Ablauf der Rechtsmittelfrist nicht einen beim Rechtsmittelgericht zugelassenen Rechtsanwalt mit der Einlegung des Rechtsmittels beauftragt, sondern den erstinstanzlichen Prozeßbevollmächtigten bittet, für die Einlegung des Rechtsmittels durch einen beim Rechtsmittelgericht zugelassenen Rechtsanwalt zu sorgen. Unter diesen Umständen ist die Gefahr, daß in den wenigen Tagen bis zu dem Ablauf der Prist irgendetwas nicht in Ordnung geht, besonders groß und daher eine besondere Sorgfalt und Vorsicht geboten. Wenn er von dem Prozeßanwalt den Ablauf der Rechtsmittelfrist erfahren hat, ist es seine Sache, mit der Partei zu erörtern, ob ein Rechtsmittel eingelegt werden soll, und gegebenenfalls rechtzeitig einen beim Rechtsmittelgericht zugelassenen Rechtsanwalt mit der Einlegung eines Rechtsmittels zu beauftragen oder dem Voranwalt einen entsprechenden Auftrag zu erteilen. Hat er bis zu dem Ablauf der Rechtsmittelfrist keine« Bestätigung seines Auftrags erhalten, so kann er sich unschwer am Tage des Ablaufs der Rechtsmittelfrist fernmündlich vergewissern, ob ein Rechtsmittel eingelegt wurde. kann nicht damit entschuldigt werden, daß der beschließende Senat geringere Anforderungen an die Überwachungspflicht eines Rechtsanwalts gestellt hatte. Die Rechtsanwälte Dr. V{^| und mußten daher damit rechnen, daß nunmehr ein strengerer Maßstab an die Überwachungspflicht hinsichtlich der Einhaltung der Rechtsmittelfrist angelegt werden würde.