BGH · Ib ZR 3/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ist gegen den Beklagten wegen «ettbewerbswidriger Äußerungen, die einem seiner Angestellten zur Last gelegt werden, eine einstweilige Verfügung erlassen worden, so ist die Wiederholungsgefahr nicht beseitigt, wenn der Beklagte zwar den betreffenden Angestellten auf Verdacht entläßt, aber gleichwohl gegen den Kläger Fristsetzung zur Klageerhebung beantragt (§§ 936, 926 ZPO) und im Verfahren zur Hauptsache das wett-bewerbswidrige Verhalten des Angestellten bestreitetD hat der Ib- Zivilsenat des Bundesgerichtshofes auf die mündliche Verhandlung vom 4= November 1964 unter Mitwirkung der Bundesrichter Jungbluth, Fehle, Uro Sprenkmann, Dr° Mösl und AIff für Recht erkannt: daß Werbefahrer der Beklagten, insbesondere der Fahrer gegenüber Kunden der Klägerin deren Erzeugnisse wettbewerbswidrig herabgesetzt hätten» Sie hat unter dem 29o August 1961 gegen die Beklagte eine einstweilige Verfügung erwirkt, durch die dieser verboten wurde, die von der Klägerin hergestellten und vertriebenen Waren in näher bestimmter Weise herabzuwürdigen» Nach Zustellung der einstweiligen Verfügung Anfang September 1961 entließ die Beklagte ihren Verkaufsfahrer fristlos, obwohl dieser bestritt, die ihm zur Last gelegten Äußerungen über die Klägerin getan zu haben, die zu dem Erlaß der einstweiligen Verfügung geführt hatten» Auf Antrag der Beklagten vom 11. Sie hat bereits in der Klagebeantwortung geltend gemacht, es bestehe keine Wiederholungsgefahr mehrsund darauf hingewiesen, daß eie die beiden für die beanstandeten Äußerungen in Betracht kommenden Fahrer St^^ und fristlos entlassen habe; ferner hat sie bestritten, daß die von der Klägerin behaupteten, den Gegenstand des Klageantrags bildenden Behauptungen von ihren Fahrern aufgestellt worden seien. 1« Zutreffend ist das Berufungsgericht davon ausgegangen, daß die in dem Klageantrag wiedergegebenen, gegen die Klägerin gerichteten Behausungen gegen die guten Sitten im Wettbewerb verstoßen (§ 1 UWG) und daher, wenn sie von einem Angestellten der Beklagten aufgestellt wurden, einen ünterlassungsanspruch gegen deren Inhaber begründen (§13 Abs* 3 UWG)» Zweck der Vorschrift ist es, zu verhindern, daß der Betriebsinhaber, dem beanstandete Wettbewerbshandlungen zugute kommen, sich bei Verstößen hinter mehr oder minder auf dem in Betracht kommenden besonderen Gebiet von ihm abhängige Dritte versteckt (RGZ 151? Angestellten nach den genannten Vorschriften hinsichtlich des Unterlassungsanspruchs ohne Entlastungsmöglichkeit als eigene Verstöße zuzurechnen sind, der Anspruch gegen die Beklagte also in den Verstößen selbst, nicht etwa nur in der Versäumung einer sorgfältigen Auswahl oder ausreichenden Belehrung der Angestellten seine Grundlage hat, ist die Wiederholungsgefahr nicht nur aus der Person der in Betracht kommenden Angestellten zu beurteilen, sondern es ist auch zu prüfen, ob das eigene Verhaltender Beklagten weitere Rechtsverletzungen besorgen läßt (RGZ 116, 28, 33* 151, 287, 295s BGH GRUR 1964, 263, 269 -Unterkunde).» sor ihr gegenüber geleugnet hatte, d.ie den Gegenstand des damaligen Verfahrens bildenden Äußerungen get]a'n zu haben» Sie hat die Tatsache dieser Entlassung aber der Klägerin nicht mitgeteilt, sondern gemäß §§ 936, 926 ZPO beantragt, der Klägerin eine »Frist zur Klagerhebung zu setzen, und sie hat im Hauptprozeß die Wiederholungsgefahr; mit der Begründung in Abrede gestellt, sie hat»© -die beiden für die beanstandeten Äußerungen in Betracht kommenden Fahrer, und Stdfe, entlassen» Erst in der Beweisaufnahme vor dem Oberlandesgericht hat sich, wie den Urteilsgründen zu entnehmen ist, ergeben, daß nur ZflHBHHfc, nicht auch StflD entlassen wurde« Andererseits ist nur bezüglich des ZMHHHP« nicht aug^des festgestellt worden, daß er sich jener Äußerungen bedient hat« Jedenfalls aber hat die Beklagte bis zuletzt bestritten, daß sie konnte vielmehr nach §§ 936, 927 ZPD beantragen, die einstweilige Verfügung wegen veränderter Umstände aufzuheben, und sie brauchte die Klägerin nicht in Has Verfahren zur Hauptsache zu zwingen, um ihr erst nach Klagerhebung die veränderten Umstände mitzutei-Ion, Dabei ist noch außer Betracht gelassen, daß die Angaben der Beklagten über diese veränderten Umstände, wie sich erst in der Berufungsinstanz herausstellte, nur zu dem Teil, nämlich nur auf den Fahrer zuträfen« Mit dem Bestreben, im Prozeßwege klären zu lassen, ob die Fahrer sich tatsächlich wettbewerbswidrig verhalten hatten, war es zudem unvereinbar, daß die Beklagte sich in dem von ihr heraufbeschworenen Hauptprozeß weiterhin damit verteidigte, infolge der Entlassung der Fahrer - in Wahrheit allerdings nur eines von ihnen - fehle es an der Wiederholungsgefahr, und die Klage sei deshalb schon aus d) Die Beklagte beruft sich indessen ohne Erfolg darauf, daß die WiederholungBgefahr weggefallen sei» An die Beseitigung der Wiederholungsgefahr bei W’ettbewei'bsvorstößen sind nach gefestigter Rechtsprechung strenge Anforderungen zu stellen» Bei einer Änderung der tatsächlichen oder rechtlichen Verhältnisse ist namentlich stets zu prüfen, ob nicht der frühere Zustand, der zu den Rechtsverletzungen geführt hat, wieder hergestellt werden kann« Hierfür kann auch das Verhalten der beklagten Partei im Rechtsstreit aufschlußreich sein (BGH GRIJR 1959, 367-, 374 ~ Ernst Abbe) <, Danach bietet aber die Entlassung eines Angestellten, der im Verdacht eines von ihm selbst bestrittenen wettbewerbswidrigen Verhaltens steht, jedenfalls dann keine Gewähr für die endgültige Beseitigung des Zustandes, der den Wettbeworbsverstoß ermöglicht hatte, wenn der Betriebsinhaber nach Erlaß einer gegen ihn gerichteten einstweiligen Verfügung dem Verletzten eine Frist zur Erhebung der Hauptklage setzen läßt una alsdann im Hauptprozeß das beanstandete Verhalten des Angestellten auch seinerseits bestreitet» Dieses Vorgehen legt die Folgerung nahe, der Betriebsinhaber wolle sich die Darstellung des entlassenen Angestellten zu eigen machen und betrachte daher selbst die Entlassung nicht als endgültig. jederzeit, sei es freiwillig, sei es unter dem Druck einer arbeitsgerichtlichen Klage, den entlassenen Angestellten wieder einstellt» Dies gilt erst recht, wonn der Betriebsinhaber - wie hier die Beklagte - im Hauptprozoß zugleich versucht0 aus der fristlosen Kündigung den Wegfall der Wiederholungsgefahr herzuleiten und damit eine Aufklärung des bestrittenen Wettbewerbsverstoßes zu erübrigen» Im Streitfälle kommt hinzu, daß sich die Behauptung der Beklagten, sie habe außer dem Fahrer ■■to auch den Fahrer entlassen, als unrichtig herausgestellt hat, obwohl nach dem eigenen Prozeßvortrag der Beklagten beide Fahrer für die das Ansehen der Klägerin schädigenden Äußerungen in Betracht kamen« Um so mehr war zu demal vom Standpunkt der Klägerin aus die Besorgnis gerechtfertigt, daß es der Beklagten nicht ernstlich genug um die Verhinderung zukünftiger Beeinträchtigungen zu tun sei» Hach alledem ist die Auffassung des Berufungsgerichts, Wiederholungsgefahr liege nach dem Verhalten der Beklagten vor, rechtlich nicht zu beanstanden; diese Gefahr hätte vielmehr unter den gegebenen Umstän- ■ den nur mittels einer durch Vertragsstrafe gesicherten Unterlassungsverpflichtung ausgeräumt werden können»