BGH · Ib ZR 1/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die (Beklagte) verpflichtet sich, an (Br« KflBB SB|und die Klägerin) vom 1« Juli 1959 ab für die Zeit bis zu dem 51« Dezember 1959 einen monatlichen Betrag von 2.000,— B$ zu zahlen, der innerhalb der ersten fünf Tage eines jeden luona zp. Die Klägerin meint, daß sie als Gesamtgläubigerin die Zahlung der vereinbarten Beträge in voller Höhe an sich verlangen könne und für die etwaige Nichterfüllung der allein ihrem Ehemann obliegenden Verpflichtungen nicht einzustehen brauche« Sie hat mit der Klage die Zahlung eines (Teilbetrages von 28«000,— DM nebst 5 v» H, Zinsen seit dem 13« August 1959 Sie behauptet, die Klägerin sei, wie ein Schreiben des Rechtsanwalts IlflP an Dr, vom 16° Juli 1959 zeige, nur aus formellen Erwägungen in den Vergleich einbezogen worden; deshalb habe die Klägerin, so meint sie, keinen selbständigen Anspruch, Jedenfalls müsse sich die Klägerin als Sesamtgläubigerin die Nichterfüllung des Vertrags durch ihren Ehemann entgegenhalten lassen. Das Kämmen Stiebt hat die dagegen gerichtete Berufung der Klägerin zurückgewiesen xmä auf die, Anschluß-fcerufung der Beklagten das Urteil dahin-ahgeändert, daß die Beklagte Zug um Zug gegen Erfüllung der genannten Verpflichtungen zur Zahlung von 27,000,-— DM verurteilt worden ist o ein selbständiges Forderungsreeht zustehe und daß sie nicht, wie die Beklagte meinte, dem Vergleich nur formell beigetreten sei, ohne daß für sie neben den für ihren Ehemann in dem Vergleich festgelegten Ansprüchen eigene Ansprüche gegen die Beklagte begründet werden sollten0 Diese Auffassung, die die Revision als ihr günstig nicht angreift, begegnet keinen rechtlichen Bedenken«, IX» I» Das angefochtene Urteil führt weiter aus, die Klägerin und ihr Ehemann seien Teilgläubiger der nach dem Vergleich zu erbringenden Leistungen der Beklagten gemäß { 420 BGB« Weder aus dem Inhalt des Vergleichs noch aus den Umständen lasse eich entnehmen, in welcher Weise die Beteiligten das Verhältnis der beiden Gläubiger untereinander geregelt haben wollten; daraus, daß Dr. die llsupttätigkeit für die Beklagte ausgeübt habe, könne nichts hergeleitet werden, da diö Aufteilung der von der Beklagten zu zahlenden Beträge den Eheleuten habe überlassen werden können und daher keiner Regelung in .dem Vergleich bedurft habeo Pür die Baklogte sei es nur darauf angekommen, was sie an die beiden Eheleute zusammen zu zahlen gehabt habe 6 Auch aus der Interessenlage ergebe sich nichts dafür, ob die Parteien Teilgläubigerschaft (§ 420 BGB) oder Gesamtgläubigerschaft (§ 428 BGB) gewollt hätten; denn die Interessen der einzelnen Beteiligten seien insofern durchaus verschieden gewesen» Daß die Parteien im Verlaufe des Rechtsstreits beiderseits Ausführungen zu den Vorschriften über die Gesamtgläubigerschaft gemacht hätten, sei für die Auslegung des Vergleichs ebenfalls unerheblich, da es sich dabei nicht um eine verbindliche, den Vergleich abändernde oder ergänzende Vereinbarung gehandelt habe« Daher sei der Anspruch der Klägerin nur in Höhe der Hälfte der im Vergleich festgesetzten Summen schlüssig, also wegen 2»000,— DM aus den noch offenen Raten gemäß Nr o VI und wegen 25 «>000,— DM bezüglich der in Nr „ VII ■".es Vergleichs festgesetzten Zahlungo a) Sie raeint, der Berufungsrichter habe ubersehen, daß der vergleich vom 13* August 1959 an die Stelle des Rücker-stattungevergleichs von 1951 getreten sei, wobei die Eheleute in diesem festgelegte Rechte aufgegeben und dafür neue Forderungen erworben hätten; schon im Rückerstattungs-Vergleich sei aber für die Klägerin eine Witwenrente in der Weise vorgesehen gewesen, daß ihr ein unmittelbar gegen die Beklagte gerichteter Anspruch zustehen sollte» Baß das Oberlandesgericht das überseheti^&efe'e, ist cem Urteil nicht zu entnehmen° Dem von der Revision angeführten Gesichtspunkt hat das Oberlandesgericht vielmehr in seiner Auslegung des Vergleichs dadurch Rechnung getragen, daß der Klägerin ein in ihrer Person^begründeter,-unmittelbar gegen die Beklagte gerichteter Anspruch ziugesprochen wird (so oben I); daß dieser Gesichtspunkt zwingend ergäbe, die Klägerin kpnne eine dem. Vergleich vom 13« August 1959 andererseits zustehenden ^ecfcf: weder unter diesem noch einem der anderen von der Revision hervorgehobenen Gesichtspunkte unberücksichtigt bleiben, daß es zu dem Abschluß des zweiten Vergleichs erst gekommen ist; nachdem die Gesellschafterin der Beklagten gegen die Geschäft-lührung Br0 RflHHHIB schwerwiegende, im Laufe des Rechtsstreits. Auch damit kann die Auslegung des Berufungsrichters nicht entkräftet werden«» Wäre nämlich im Vergleich bereits festgelegt, welcher Teil der Forderung jedem Shegatten zustehen soll, dann könnte der "Zweifel", der zur Anwendung des § 420 BGB führt, gar nicht erst entstehen; damit kann also die Notwendigkeit einer Jesamtgläubigerschaft gerade nicht begründet werden» Auch die Ungewißheit darüber, welchem Ehegatten die Zahlung von 50»000,— DM zugute kommt, wenn sie in eine Monatsrente umgerechnet und als Altersversorgung vorgesehen wird, zwingt zu keiner anderen Eeurteilung; die Revision greift insoweit in einer im Vergleich nicht vorgesehenen Weiss auf den Inhalt des Rücker-stattungsvergl>ichs zurück und übersieht dabei., daß dort die Versorgung beider Ehegatten auf Lebenszeit gesichert werden sollte, vährend nach dem hier streitigen Vergleich unter völlig veränderter Sachlage alle Ansprüche mit einer festen Summe abgegolten werden sollten«» Daß unter diesen Umständen die zur Entkräftung der gesetzlichen Vermutung des § 420 BGB erforderlichen greifbaren Anhaltspunkte für die Annahme eines Gesa altgläubiger Verhältnisses aufgrund Parteivereinbarung (vgl» BGB-RGRK 11» Aufl» Anmv 4 zu § 428) vom Berufungsgericht übersehen worden wären., III0 Io Das Berufungsgericht hat ausgeführt, die Beklagte könne die Befriedigung der Ansprüche der Klägerin davon abhängig machen, daß die dem Ehemann der Klägerin nach Nr«IV des Vergleichs obliegenden Verpflichtungen erfüllt werden (§ 520 Abs» 1 Satz 2 BGB)» Es handle sich insoweit um -Leistungen, die im Verhältnis der Gegenseitigkeit stünden. da die Veräußerung der in Nr«, IV erwähnten Rechte der BekLagfcen durch Er«, RflHIHHfe an die Firma Le^|0 einen Hauptgegenstand des durch den Vergleich beendeten Streites zwischen den Parteien gebildet hätte und die Beklagte ohne die in Nr» IV getroffene Regelung zur .Abwendung der Folgen dieser Veräußerung nicht zu den in Nr* VI und VII vorgesehenen Abfindungsleistungen bereit gewesen wäre „ Da der Vergleich als einheitliches Rechtsgeschäft abgeschlossen worden sei, könne sich die Klägerin nicht darauf berufen, daß nur ihr Ehemann die in Nr» IV des Vergleichs bezeichnete Verpflichtung übernommen habe» Pflicht der Beklagten einerseits und den von Br in Nr«, IV des Vergleichs übernommenen Pflichten andererseits angenommen«, Daraus, daß ein Vergleich geschlossen wurde, könne die Gegenseitigkeit noch nichrfT.hergeleitet werden, da es auch Var^leiche gebe,, die sich nicht. nicht vorgesehen ist» Es kommt daher nicht darauf an, ob im Rückerstattungsvergleich der darin vorgesehene Versorgungsanspruch der Klägerin nach dem Tode ihres Ehemannes an eine Gegenleistung gebunden war, sondern das Berufungsgericht hat den unter veränderten Verhältnissen mit neuem Leistungsinhalt geschlossenen Vergleich vom 13o August 1959 ohne Rechtsfehlor aus sich selbst ausge-legto Daß es im Rahmen dieser Auslegung die Gegenseitigkeit zwischen der Zahlungspflicht der Beklagten und der in Kr* IV von Dr0 übernommenen Verpflichtung bejaht hat, ist rechtlich ebenfalls nicht zu beanstanden* Dem Zusammenhang der Ürteilsgründe ist zu entnehmen, daß es insoweit eine Garantieverpflichtung Dr0 RflHHHHB für die Rückübertragung der von ihm - nach der Behauptung der Beklagten treuwidrig -an die Firma Le^|P veräußerten Rechte der Beklagten angenommen hat, die für den Fall, daß die Rückübertragung unterbleibt, die Zahlung von Schadencersatz umfaßt* daß unter diesen Umständen das in Kr* IV des Vergleichs vereinbarte "Einstehen" Dr* RfllHHBi flickt als selbständige, unabhängige Leistung, sondern als eine das Abhängigkeitsverhältnis im Sinne der §§ 320 ff BGB begründende Gege «Leistung für die von der Beklagten Übernommendn Zahlung^flichten angesehen wird (vgl* RGRK aaQ Anm* 6 vor §320), ist eine mögliche, aus Rechtsgründen nicht angreifbare Auslegung * Damit gehen die Erwägungen der Revision ins Leere, ob die Klägerin in ihrer Person in der Lage wäre, für die Verpflichtungen ihres Ehemannes einzustehen * Denn § 320 Abs* 1 Satz 2 BGB betrifft gerade den hier gegebenen Fall, daß sich der Schuldner einer Hehrheit von Gläubigern gegenübersieht, von denen einer die ihm obliegende Gegenleistung noch nicht-erbracht hat; bei einer solchen Sachlage kann der von einem l'orderungsberechtigten anteilig in -Anspruch genommene Schuldner die Teilleistung bis zur Bewirkung der ganzen Gegenleistung verweigern (RGRK aaO Anm«, 14 zu § 520) *