BGH · Ib ZR 98/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Ib Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 9° Juli 196$ unter Mitwirkung der Bundesrichter Jungbluth, Pehle, Dr* Sprenkmann, Dr* Mösl und Alff für Hecht erkannt: großhandlung, und Si®MHB~Werke Ludwig FdBHHHB®, beide in RHHH’ erworben* Rach dem Kriege machte Igo der ebenfalls im Laufe des Rechtsstreits verstorben und von den Beklagten beerbt worden ist, Ansprüche auf Rückerstattung der beiden entzogenen Betriebe geltend* Am 3» März 1950 kam vor der Wiedergutmaehungsbehörde ein Vergleich zustande, wonach die entzogenen Betriebe samt Aktiven und Passiven mit Wirkung vom 1* Januar 1950 zurückerstattet wurden, wäh- Nach dem Inkrafttreten des Lastenausgleichsgesetzes vom 14* August 1952 (LAG) wurde er im Jahre 1958 von der Vermögensabgabe vorläufig befreit; die Beklagten wurden als seine Erben im Jahre 1963 mit Rücksicht auf die für rassisch Verfolgte vorgesehene Freigrenze des § 26 Abs» 2 LAG von der Vermögensabgabe endgültig freigestellt *Von den geleisteten Söf orthilf eabgaben , die Igo schon im Jahre 1958 ergibt die genannten Beträge von 94 540 DM und 2 025 DM» Mit Bescheid des Finanzamts vom 20« Juli 1954 wurde das Betriebsvermögen bei der Einheitsbewertung dem Kläger und seinen Schwestern als Rückerstattungsverpflichteten fö Per Kläger ist der Meinung, die Erstattungspflicht des Igo H^^für die von ihm, dem Kläger, bezahlte Vermögensabgabe ergebe sich aus Ziffer 9 Satz 2 des Vergleiches vom 3» März 1950 in Verbindung mit § 52 Abs» 3 Satz 1 der StPVO-SHG vom 8» August 1949 (WiGBl S» 214); gerade so wie nach dem klaren Wortlaut Xgo IfBl die volle Soforthilfeabgabe habe zahlen sollen, sei er verpflichtet , die Vermögensabgabe nach dem PAG zu tragen, die an die Stelle der Soforthilfeabgabe getreten sei» Zwar sei das LAG bei Vertragsabschluß noch nicht ergangen gewesen, wohl aber habe man dessen Verkündung erwartet und deshalb'in Ziffer 9 des Vergleichs ausdrücklich auf das kommende LAG Bezug genommen» Paß schon dem Wortlaut des Vergleichs diese Bedeutung zukomme, habe Igo nueh dadurch anerkannt, daß er von den Steuerrückvergütungen für das Jahr 1949 für sich drei Fünftel in Anspruch genommen habe» Im übrigen seien sich die Parteien bei Abschluß des Vergleiches einig gewesen, daß ihm, dem Kläger, der Betrag von 250 000 DM netto zukommen solle, um ihn in die Lage zu versetzen, ein ihm verbliebenes * kriegszerstörtes Geschäft wieder aufzu-baueno Der Kläger hat zuletzt beantragt, zu erkennen: Die Beklagten haben um Klagabweisung gebeten und dazu ausgeführts In Ziffer 9 des Vergleiches vom 3» März 1950 sei durch die Bezugnahme auf § 52 der StDVO-SHO vom 8» August 1949 vorgesehen gewesen, daß Igo L^p die Soforthilfeabgabe so zu tragen haben solle, als seien die fraglichen gesehen gewesen seien, sei er persönlich von der Vermögensabgabe befreit worden» Der Kläger hätte normalerweise keine Vermögensabgabe für die rückerstatteten Betriebe zu zahlen brauchen; wohl aber.hätte er die als Gegenleistung ihm zugeflossenen 250 000 DM als Veräußerungsgewinn der Brtragssteuer unterwerfen müssen» Eine solche Steuer, die sofort fällig gewesen sei, habe die Rückerat attungspflichtigen hart getroffen und ihnen die Möglichkeit , sich eine neue Existenz aus den Gegenleistungen der Rückerstattungsberechtigten aufzubauen, erheblich erschwert» Deshalb habe der Gesetzgeber als Rechtswohltat in § 27 Abs» 2 LAG für die Fälle der Rückerstattung von Betriebsvermögen vorgesehen, daß die Rückerstattungspflichtigen sich - statt die Gegenleistung der Ertragssteuer zu unterwerfen - das Rückerstattungsobjekt selbst mit dem Wert am WährungsStichtag zur Vermögensabgabe hätten zurechnen lassen können» Alsdann habe die Rückerstat- pflichtigen, der auf diese Weise der Ertragssteuer habe entgehen können» Wenn der Kläger diese steuerliche Möglichkeit für sich ausgenutzt habe, so könne er die ihm nunmehr obliegende Verpflichtung, Vermögensabgabe zu zahlen, nicht auf Igo B^bvmlzen und ihm damit auf einem Umweg die steuerliche Belastung aus den empfangenen 250 000 DM auf bürden» Daran ändere auch der Umstand nichts, daß der Kläger auf Grund der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs als vorsichtig bilanzierender Kaufmann verpflichtet gewesen sei, die Rückerstattungsverpflichtung in der DM-Eröffnungsbilanz, möglicherweise sogar in votier Höhe des Betriebsvermögens, zu passivieren» Hätte sich der Kläger entsprechend dieser Rechtsprechung verhalten, die im Ergebnis das Wahlrecht des § 27 Abs» 2 LAG allerdings in erheblichem Umfang eingeschränkt habe, so hätte er überhaupt keine Vermögensabgabe zu zahlen brauchen, aber statt dessen die 250 000 DM in voller Höhe als Veräußerungsgewinn der Ertragssteuer unterworfen müssen» Wenn es dem Kläger gleichwohl gelungen sei, wenigstens teilweise statt der Ertragssteuer die Vermögensabgabe zu wählen, so könne er hieraus keine Rechte gegen Igo ableiten» Im übrigen sei sich der Kläger, wie sich aus seinem Schreiben vom 24» März 1958 ergebe, der steuerlichen Zusammenhänge und damit der Auswirkungen einer nachträglichen Berichtigung der DM-ErÖffnungsbilanz sehr wohl bewußt gewesen» Daß dem Kläger die 250 000 DM in jedem Palle netto verbleiben sollten, sei zu keinem Zeitpunkt vorgesehen gewesen» Io Io Das Berufungsgericht führt aus, daß die Beklagten weder nach dem Wortlaut der Ziffer 9 des Vergleiches vom 3» März 1950 in Verbindung mit der Zusatzvereinbarung von demselben 2?age noch nach dem Sinn dieser Vereinbarungen verpflichtet seien, die mit der Klage geltend gemachten Beträge zu erstatten« Der Wortlaut der Ziffer 9 des Vergleiches, insbesondere die Bezugnahme auf {k 52 der StDVO-SHG vom 8* August 1949, bringe nur zu dem Ausdruck, daß das abgabepflichtige Betriebsvermögen zu dem Währungsstichtag dem Igo IM® habe zugerechnet werden sollen, nachdem die Ungewißheit Über, die Inhaberschaft des Vermögens beseitigt worden sei .und die nunmehrige Inhaberschaft des Igo LMM festgestanden habe• Dies habe im Zeitpunkt des Vergleichsabschlusses für die Soforthilfeabgabe ohnedies der bestehenden Rechtslage entsprochen« Durch den Satzs ’’Dieselben Bestimmungen sollen maßgebend sein für die Verpflichtungen aus dem künftigen lastenausgleioh” sei klärgestellt worden, daß auch für die kommende Vermögensabgabe nach dem LAG, einerlei, welche gesetzliche Regelung im LAG vorgesehen werden würde, der Wert der rückerstatt et en Betriebe zu dem Währungsstichtag Igo Lfl® zugerechnet werden sollte« Hierin erschöpfe sieh nach dem Wortlaut des Vergleiches seine Bedeutung« Auch nach dem Sinn des Vergleiches sei Igo I®| nicht verpflichtet gewesen, dem Kläger die diesem nunmehr auferlegte Vermögensabgabe zu erstatten« Das? In jedem Fall habe der Kläger nach der ihm vorbehaltenen Rechts Wohltat des § 27 Abs» 2 LAG' für die Gegenleistung von 250 000 DM in dem Maße Ertrags st eu e rn gespart, in welchem er die Rückerstattungsverpflichtung nicht passiviert habe und deshalb zur Vermögensabgabe herangezogen worden sei» Es könne nicht Sinn und Zweck des Vergleiches gewesen sein, den Kläger auf diese Weise im Ergebnis von den Ertragssteuern zu befreien, die er für die erhaltenen 250 000 DM an sich hätte bezahlen müssen« Die Revision hat nicht darzulegen vermocht, daß die von ihr angegriffene Auslegung denkgesetzlich unmöglich oder erfahrungswidrig sei oder daß das Berufungsgericht wesentliche Umstände zur Auslegung nicht herangezogen habe* Tatsächlich ist die Auslegung des Berufungsgerichts, wonach die Bedeutung der Ziffer 9 des Vergleichs sich darin erschöpft, daß der Wert der rtickerstatteten Betriebe dem Rückerstattungsberechtigten Igo WährungsStichtag im Sinne des § 11 StAnpGr zugerechnet werden sollte, nach dem Wortlaut nicht nur möglich und deshalb aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, sondern sie liegt sogar wesentlich näher als diejenige Auslegung, welche die Revision an:die Stelle der tatrichterlichen Würdigung setzen will» Denn der Ziffer 9 des Vergleiches kann, ohne daß besondere, in diese Richtung weisende Umstände vorliegen, nicht entnommen werden, daß Igo sich verpflichtet hätte, einen Betrag in Höhe der Soforthilfeabgabe weiterhin zu zahlen, einerlei, ob die Vermögensabgabe in seiner Person oder in der des Klägers entstehen werde. Ohne Rechtsirrtum hat das Berufungsgericht angenommen, der Kläger habe die ihn treffende Ertragasteuer aus den erhaltenen 250 000 DM abgewendet, indem er die durch das LAGer öffnete Möglichkeit der Umwandlung dieser Ertragssteuer in eine --ratenweise zu zahlende - Vermögensabgabe gewählt habe; es sei aber nicht Sinn und Zweck des Vergleichs gewesen, den Kläger von der steuerlichen Belastung für die erhaltenen 250 000 DM freizustelleno Das Berufungsgericht hat zwar nicht festgestellt, daß der von dem Kläger gewählte Weg für ihn günstiger war« Darauf kommt es indessen auch nicht an« Denn dem Kläger war nach den Vorschriften des LAG die Möglichkeit gegeben, sich von der Vermögensabgabe völlig zu befreieno Wenn er einen anderen Weg wählte, so war es - wie das Berufungsgericht rechtlich zutreffend festgestellt hat - nicht Zweck des Vergleiches, die allein hierdurch-in der Person des Klägers entstandene Vermögens--abgabe auf die Beklagten abzuwälzen« des § 52 Abs» 3 StDVO-SHG und damit des § 27 Abs» 1 LAG belassen hätten mit der Folge, daß allein Igo L^^ die Vermögensabgabe aus den zurückerstatteten Betriebsvermögen abzüglich der geschuldeten Gegenleistung hätte zahlen sollen, vorbehaltlich einer den Kläger nicht berührenden Abgabefreiheit des Igo L^p, und daß der Kläger (und seine Schwertern) diejenigen allgemeinen Steuern hätten zahlen sollen, die sich ab 1 « Januar 1950 unter Berücksichtigung der empfangenen Gegenleistung und des Wertes des rückerstatteten Vermögens ergeben würden» Die jetzige Regelung durch den Kläger bedeute im praktischen Ergebnis, daß der beim Kläger für die Berechnung seiner Vermögensabgabe herangezogene Anteil des Betriebsvermögens, nämlich das Aktivvermögen abzüglich der Rückstellung, wirtschaftlich nur einen Ersatz für die Besteuerung eines'-entsprechenden Teiles der empfangenen Gegenleistung darstelle» Keinesfalls habe Igo L^p eine Vermögensabgabe des Klägers übernehmen wollen, die auf Grund einer Zurechnung des Betriebsvermögens an den Kläger von diesem geschuldet werde o Möge igo 10^ auch nicht an seine Freistellung von der Vermögensabgabe gedacht haben, so könne daraus nicht gefolgert werden, daß er unabhängig von sonstigen Umständen dem Kläger dessen Abgabe erstatten müsse» Wenn Igo L^^vorausgesehen hätte, daß er trotz der Zurechnung auf Grund seines, persönlichen Schicksals abgabenfrei bleiben werde, wäre er gleichwohl nicht bereit gewesen, diese persönliche Vergünstigung dem Kläger zukommen ■ zulassen * , oder Erfahrungs s ät z e „ Angesichts der rechtsirrtumsfreien Feststellung des Berufungsgerichts, Igo 10 sei nicht verpflichtet und nicht bereit gewesen, eine ihm persönlich zustehende Vergünstigung dem Kläger zukommen zu lassen, können die weiteren Erwägungen des Berufungsgerichts, ob das Finanzamt Igo Iiflp mit Hecht von der Vermögensabgabe vollständig freigestellt habe, auf sich beruhen» Rechtlich einwandfrei ist auch die weitere Erwägung des Berufungsgerichts, der Umstand, daß der Kläger auf Grund ganz anderer, im Vergleich nicht vorgesehener Tatsachen eine Vermögensabgabe zu entrichten habe, könne nicht dazu führen, daß die Beklagten dem Kläger diese Abgabe abzunehmen oder zu erstatten hätten<> Auch aus der in WM 1958, 1227 abgedruckten Entscheidung des Bundesgerichtshofs ergibt sich nichts zu Gunsten der Klägerin» Diese Entscheidung betrifft einen schon insoweit anders gelagerten Fall, als dort nach den Feststellungen des Berufungsgerichts der Rücker-stattungsberechtigte u.a. alle bereits bestehenden oder künftigen Verpflichtungen aus dem Lastenausgleich tragen sollte, ferner der Rückerstattungsverpflichtete die Rückerstattung zur Minderung seiner Ertragssteuern ausnutzen sollte und dieser Umstand Geschaftsgrundlage des Vergleichs war, während nach den Feststellungen des Berufungsgerichts im Streitfall eine solche Bevorzugung des Klägers gerade nicht beabsichtigt war, die Parteien dem Rückerstattungsvergleich auch keine bestimmten Vorstellungen über die für den Lastenausgleich zu erwartende Regelung zugrunde gelegt hatten» Bei dieser Sachlage ist hier auch für die Anwendung des § 779 BGB kein Raum» Ohne Rechtsverstoß fuhrt das Berufungsgericht weiter aus, der Kläger könne für sieh auch daraus nichts ableiten, daß Igo von den Steuerrückvergütungen, die der Kläger durch die Anerkennung eines Veräußerungs-Verlustes auf die Einkommensteuer 1949 erhalten habe, drei Fünftel unter Berufung auf die Zusatzvereinbarung vom 3° März 1950 verlangt und auch erhalten habe«, Denn diese Ausgleichszahlungen bezogen sich auf Steuern oder sonstige Abgaben vom Betriebsvermögen in der Zeit vor dem 1 * Januar 1950« Der Klageanspruch aber betrifft ausschließlich die Vermögensabgabe, die der Kläger für eine spätere Zeit zu leisten hatte« '