BGH · Ib ZR 53/63
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Da die Klägerin die Räume nicht übergeben erhielt, erhob sie mit Schriftsatz vom 24* Februar I960 Klage auf Zahlung von DM 3*000 als Schadensersatz wegen Nichterfüllung gemäß § 326 BGB„ Im ersten Rechtszug wurde die Klage mit der Begründung abgewiesen, die Klägerin habe nicht bev/iesen, daß das Mietverhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt beginnen sollte, infolgedessen lägen die Voraussetzungen des § 326 BGB nicht vor* In der Berufungsinstanz vor dem Oberlandesgericht schlossen die Parteien am 24* Januar 1961 folgenden Vergleich: sie habe bis heute ein gleichwertiges Objekt in ■■i nicht nachgewiesen und sei daher nach dem Vergleich verpflichtet, der Klägerin am 1» Juli 1961 die Mieträumlichkeiten in ihrem Hause zu übergeben«. ”Mein Mandant hat die Bedingungen des Vergleichs vom 24o Januar 1961 erfüllt» Er hat nicht nur Ihre^Fartei die beiden Geschäftsräume G^p< ■■MB angeboten (April 1961), sondern er hat auch fristgemäß die Ladenräume AflBIBstraße angeboten und Ihre Partei aufgefordert, sich mit der Eigentümerin in Verbindung zu setzen« Wenn Ihre Partei dies nicht getan hat, so geht dies zu Lasten Ihrer Partei» Abschließend darf ich noch auf eines hinweisen; das angebotene Objekt AHHjj^^traßeflP ist nicht etwa ”10 Schritte von GSlBBmB” entfernt, sondern die Entfernung dürfte 100 bis 150 Schritt sein; noch dazu befinden sich diese Räume in einer ganz anderen Straße, aber in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums«” Mit Schreiben vom 28» Juli 1961 ließ die Klägerin der Beklagten zur Erfüllung des Vertrags eine Frist von 10 Tagen setzen mit der Androhung, daß sie nach Ablauf der Frist die Annahme der vertraglichen Leistung ablehnen und Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen werde» ilfi Die Klägerin hat vorgetragen, die Beklagte habe den Vergleich vom 24« Januar 1961 nicht erfüllt; die Angebote im April 1961 seien dem Mietobjekt nicht gleichwertig gewesen. Das Landgericht hat die Klage mit der Begründung abgewiesen, die Beklagte sei ihren Verpflichtungen aus dem Vergleich durch die im Schreiben vom 6. Die Klägerin sei bei der gegebenen Sachlage verpflichtet gewesen, das nachgewiesene Geschäftslokal auf seine Gleichwertigkeit im Sinne des Vergleichs vom 24- Januar 1961 zu überprüfen. Das Oberlandesgericht verneint den von der^Klägerin auf § 326 BGB gestützten Schadensersatzanspruch, weil die Beklagte mit den ihr nach Ziffer 1 des Vergleichs obliegenden Leistungen nicht im Verzüge sei* Im einzelnen führt das Berufungsgericht dazu aus: Es könne dahingestellt bleiben, ob die Erklärungen der Beklagten vom April 1961 als Nachweis im Sinne der Ziffer 1 des Vergleichs anzusehen seien, zu demindest seien die Erklärungen durch die v/eitere Entwicklung, insbesondere durch das Schreiben der Beklagten vom 6. Juni 1961 überholt; die Beklagte habe durch den in diesem Schreiben enthaltenen Hinweis auf das Ladenlokal AlMHp Straße^^ ihre Nachv/eisverpflichtung erfüllte Eine v/eitere Kennzeichnung sei nicht erforderlich gewesen» Ob die Räume den im Vertrag vom 2* Mai 1959 beschriebenen gleichwertig oder ähnlich gewesen seien, unterliege nicht der Prüfung des Gerichts im vorliegenden Rechtsstreit» Hierüber habe nach der Regelung der Ziffer 2 des Vergleichs vielmehr ein Sachverständiger als Schiedsgutachter zu entscheiden» Wenn die Klägerin habe geltend machen wollen, daß die von der Beklagten erbrachte Leistung keine Erfüllung sei, habe sie die Einholung dieses Sachverständigengutachtens veranlassen müssen» Hierzu sei sie nach Ziffer 2 des Vergleichs berechtigt gewesen» Da sie das nicht getan habe, könne sie die mangelnde Erfüllung der Ziffer 1 des Vergleichs nicht einwenden» Die Klägerin sei nach Treu und Glauben verpflichtet gewesen, die bezeichneten Räume auf ihre Eignung für den beabsichtigten Zweck zu überprüfen, da sich ein Zeit- und Kostenaufwand für den Nachweis eines weiteren Ladens dann möglicherweise erübrigt: hättec Hätte das im Streitfälle einzuholende Gutachten ergeben, daß die nachgewiesenen Räume dem im Vertrag vom 2. Mai 1959 beschriebenen Mietgegenstand nicht gleichwertig oder v/irtschaftlich ähnlich waren, so wäre die Beklagte berechtigt gewesen, der Klägerin ein weiteres Objekt anzubieteno Anders wäre es nur, wenn die Eigentümerin des Grundstücks nicht bereit gewesen wäre, ihre Räume zu dem Betrieb einer Gaststätte zu vermieten, oder wenn die Räume von vornherein für die Zwecke der Klägerin augenscheinlich ungeeignet gewesen wären. Auch die Klägerin habe die Verpflichtung gehabt, zu dem Gelingen des Vergleichs beizutragen, da der Vergleich die Beklagte nicht nur verpflichtet, sondern ihr auch das Recht gegeben habe, zu verlangen, daß die Klägerin sich an Stelle des ihr durch den Vertrag vom 2« Mai 1959 vermieteten Ladenlokals mit anderen Räumlichkeiten begnüge, sofern diese den Erfordernissen der Ziffer 1 des Vergleichs entsprächen. Abschluß des Vergleichs vom 24* Januar 1961 habe der Nachweis eines gleichwertigen oder wirtschaftlich ähnlichen Objekts im Sinne der Ziffer 1 des Vergleichs die Beibringung eines Vermietungsangebots mit "näheren Angaben" über das Objekt erfordert, seien demgegenüber für die Entscheidung unerheblich, zu demal die Klägerin nicht substantiiert vorgetragen habe, die Parteien hätten die behaupteten Vorstellungen auch zu dem Ausdruck gebracht und zu dem Gegenstand des Vertrags gemacht; dem Beweisantritt sei daher nicht stattzugeben«, lo a) Die Revision wendet sich gegen diese Auslegung des Vergleichs; nach dem Vortrag der Klägerin sei die Bestimmung der Ziffer 1 in dem Sinne zu verstehen, daß die Beklagte ein Verraietungsangebot eines gleichwertigen oder wirtschaftlich ähnlichen Objekts bis zu dem 15«, Juni 1961 beizubringen hatte, das heiße, von ihrer Verpflichtung nur durch ein Vermietungsangebot eines gleichwertigen Objekts-mit näheren Angaben über das Objekt frei werde; dafür habe die Klägerin Beweis durch Vizepräsident Br* 1HH als Zeugen angetreten* Die Erfahrung lehre, daß der beiderseitige Parteiwille häufig in der Vertragsurkunde nur unzureichend zu dem Ausdruck komme, dagegen sich aus den Umständen klar ergebe«, Biese durch Br. RlHHHI unter Beweis gestellten Umstände habe das Berufungsgericht nicht berücksichtigt und damit § 133 BGB verletzt; die Nichterhebung des Beweises verstoße damit gegen § 286 ZPO* Lie Beklagte ist mit ihrer nach Ziffer 3 geschuldeten Leistung in Verzug gekommen, wenn sie, ohne ein Objekt im Sinne der Ziffer 1 naehgewiesen zu haben, die ihr nach Ziffer 3 obliegende Leistung nicht erbracht hat. Mai 1959 vorgesehenen Räume nicht zur Verfügung gestellt; infolgedessen hat das Oberlandesgericht sich zu Recht mit der frage befaßt, ob die Beklagte bis zu dem 15. Juni 1961 auf das Ladenlokal AflHBI^Straße^pelne ausreichende Konkretisierung der angebotenen Ersatzräume erblickt, ist dies rechtlich bedenkenfrei« Es stellt insbesondere keinen Rechtsverstoß dar, daß das Berufungsgericht die in das Wissen des Vizepräsidenten Br« RflHHHP gestellte Behauptung der Beklagten für unerheblich hält, nach den Vorstellungen der Parteien habe der Nachweis gemäß Ziffer 1 des Vergleichs nähere Angaben über das angetretene Mietobjekt erfordert, als sie in dem Schreiben vom 6. Juni 1961 enthalten gewesen seien« Aus der Besonderheit der vertraglichen Beziehungen,die nicht dem Verhältnis des Maklers zu seinem Auftraggeber ähnlich seien, entnimmt das Berufungsgericht unter Anwendung der Grundsätze von Treu und Glauben, daß die Klägerin gehalten gewesen sei, sich aufgrund der in dem Schreiben vom 6„ Juni 1961 gemachten Angaben in eine Prüfung einzulassen, sich an die Grundstückseigentümerin zu wenden und die erforderlichen Erkundigungen einzuziehen0 Das Ergebnis des Berufungsgerichts, daß der in dem Schreiben vom 60 Juni 1961 enthaltene Hinweis auf die Räume Straße4®als Nachweis im Sinne der Ziffer 1 des Vergleichs jedenfalls nicht deshalb von vornherein ungeeignet gewesen sei, weil er keine ausreichenden Angaben über das angebotene Mietobjekt enthalten habe, ist daher aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden» 2o a) Dagegen ist die Revision begründet, soweit sie geltend macht, das Berufungsgericht habe zu Unrecht die unter Beweis gestellte Behauptung der Klägerin nicht für ontscheidungserheblich gehalten, wonach die Räume AflBHM®Straße€®für die Einrichtung einer Gaststätte ungeeignet gewesen seien» Wie bereits dargelegt, (vgl» I 1 b aa), konnte sich die Beklagte nach dem Wortlaut und Sinn des Vergleichs von ihrer Leistungspflicht gemäß Ziffer 3 des Vergleichs nur durch den Nachweis eines geeigneten Objekts im Sinne der Ziffer 1 des Vergleichs befreien» Offenbar geht das Berufungsgericht davon aus, daß die Klägerin die Ungeeignetheit der ihr durch Schreiben vom 6» Juni 1961 nachgewiesenen .Räume für den nach dem Vergleich vorgesehenen Zweck deshalb nicht mehr geltend machen könne, weil sie raums zwischen dem Hinweis vom 6» Juni 1961 und dem Ablauf der Hachweisfrist am 15» Juni 1961 handelte es sich insoweit nur um eine Obliegenheit der Klägerin im eigenen Interesse; denn sie traf der Nachteil, falls eine spätere Prüfung ergab, daß sie die Bäume zu Unrecht als ungeeignet angesehen hatte» Bei dieser Sachlage kann nicht etwa angenommen werden, die Klägerin könne sich im vorliegenden Rechtsstreit deshalb nicht darauf berufen, daß die Bäume AMi Straße® nicht den in Ziffer 1 des Vergleichs niedergelegten Erfordernissen entsprochen hätten, weil sie diesen Vorschlag der Beklagten ohne nähere Prüfung abgelehnt hat» Vielmehr konnte die Klägerin gemäß Ziffer 3 des Vergleichs die Übergabe der Räumlichkeiten des Vertrages vom 20 Mai 1959 verlangen oder nach Ablauf des 1, Juli 1961 aus § 326 BGB gegen die Beklagte Vorgehen, falls die Räume AflHl Straße ^^tatsächlich nicht den ursprünglich gemieteten Räumen gleidhwertig waren» Die Begründetheit des mit der Klage geltend gemachten Scha-densersatsarispruches hängt also von dieser Vorfrage ab* Es ist nun zwar richtig, wenn das Berufungsgericht davon ausgeht, daß über die Gleichwertigkeit oder Ähnlichkeit der angebotenen Räume nach Ziffer 2 des Vergleichs ein Schiedsgutachten entscheiden sollte und daß über die nach dem Vergleich dem SPhiedsgutachter zu unterbreitenden Tatsachen dem Gericht grundsätzlich eine Feststellung verwehrt ist« Da aber im vorliegenden Rechtsstreit sich beide Parteien (Beklagte im Schriftsatz vom 22o November 1962 - GA 108) hinsichtlich der Frage der Gleichwertigkeit des Objekts StraßeOauf das Gutachten eines vom Gericht zu bestellenden Sachverständigen berufen haben, bestand Anlaß zur Prüfung, ob die Schiedsgutachterabrede in Ziffer 2 des Vergleichs nach der übereinstimmenden Vorstellung der Parteien etwa nur so lange Geltung haben sollte, als dem Ergebnis der Prüfung durch einen Schiedsgutachter noch für die Präge Bedeutung zukam, ob die Beklagte sich in eigenem Interesse um den Nachweis eines v/eiteren Srsatzmietobjektes bemühen mußte, falls sie von ihren Verpflichtungen aus Ziffer 3 des Vergleichs freigestellt sein wollte, eine Bedeutung, die nach Ablauf der Nachweisfrist entfiele Sollte die Erörterung der Ziffer 2 des Vergleichs unter diesem Gesichtspunkt ergeben, daß? die Frage, ob die Bäume Altonaer Straße 3 den in Ziffer 1 des Vergleichs niedergelegten Voraussetzungen entsprachen, nach dem übereinstimmenden Parteiwillen auch nach Ablauf der Nachweis-frist im Streitfall nicht durch das ordentliche Gericht, sondern durch ein von den Parteien einzuholendes Schieds-gutachten geklärt werden sollte, so wird weiterhin zu prüfen sein, ob die Parteien nicht - was ihnen freisteht -diese Schiedsgutachterabrede aufgehoben haben, indem sie im vorliegenden Rechtsstreit übereinstimmend beantragt haben, zu der strittigen Frage einen vom Gericht zu bestellenden Sachverständigen zu hören*