BGH · Ib ZR 49/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
GÜterkraftverkehrsG (GüKG) § 35 Der Abfertigungsspediteur hat auch dann Anspruch auf die Ab f ertigungsVergütung, wenn er einen Fuhrunternehmer beauftragt, der nicht die Genehmigung für den Güterfernverkehr besitzt und der Abfertigungsspediteur von dem Pehlen der Genehmigung ohne sein Verschulden keine Kenntnis hat« Die Klägerin, die Bundesanstalt für den Güterfernverkehr, leitete wegen dieses Sachverhalts im Februar 1962 ein Frachtausgleichsverfahren (§23 Abs» 3 GüKG) ein; sie ging davon aus, daß der Beklagten für die Zeit, in der die Firma BflHHD den Güterfernverkehr ohne Genehmigung betrieben hat, keine Abfertigungsvergütung zugestanden habe, so daß durch die Einbehaltung von 2 «301,30 DM die der Firma BflHM zustehende Tariffrächt unzulässig verkürzt worden sei; da sie in dem Verhalten der Firma IHB einen vorsätzlichen farifverstoß erblickte, leitete sie deren angeblichen Hach for der ungsan-spruch auf sich über und machte ihn gegen die Beklagte geltend« Diese zahlte darauf, um einen Streit mit der Klägerin zu vermeiden, an die Klägerin — nach Abzug einer anerkannten Gegenforderung - den Betrag von 1 «356,60 DM; gleichzeitig schrieb sie am 5« Juni 1962 an die Firma B^- * Als die Klägerin hiervon bei einer neuen Früfung Kenntnis erhielt, leitete sie ein neues Frachtausgleichs-verfahren ein« Sie ist der Ansicht, die Firma BflHB habe dadurch, daß sie sich mit der Kürzung einer Forderung um 1.356,60 DM einverstanden erklärte, einen neuen vorsätzlichen Tsrifverstoß begangen, indem sie den rechtswidrigen Zustand, der zu dem ersten Fracht aus gleich ever fahren geführt hätte, wieder hergestellt habe; einem Tarifverstoß Io Das Berufungsgericht geht davon aus* daß der Beklagten kein Anspruch auf Abfertigungsvergütung gegen die Birma BM||Pzugestanden habe, da sich ein solcher Anspruch nach § 35 GÜKG nur gegen den Unternehmer des Güterfernverkehrs” richte; als solcher könne aber nur ein Unternehmer angesehen werden, der sich im Besitz der nach § 8 GüKG erforderlichen Genehmigung befinde. Die Beklagte habe jedoch* so führt das angefoehtene Urteil fort, dadurch einen Schaden erlitten* daß ihr die Birma BflHHPden Verlust ihrer Güterfernverkehrsgenehmi-gung verschwiegen habe; hätte sie ihr nämlich davon Mitteilung gemacht, so hätte die Beklagte einen anderen, im Besitz einer Genehmigung befindlichen Buhrunternehmer beauftragt und von diesem zu Recht ihre Abfertigungsvergütung fordern können* Es könne dahingestellt bleiben, ob die Klägerin im ersten Erachtausgleichsverfahren die -angebliche - Borderung der Birma BflflB auf Rückzahlung der Abfertigungsvergütung v/irksam auf sich über ge leitet habe; jedenfalls könne der Beklagten weder ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß sie bei der zweifelhaften Rechtslage den von der Klägerin geltend gemachten Anspruch erfüllt habe, noch daraus, daß sie von der Birma BflMHp nicht bei Abschluß eines jeden BrachtVertrages die Vorlage der Genehmigungsurkunde (§ 28 GÜKG) verlangt habe» Die Abfertigungsvergütung vermindert das tarifmäßige Entgelt des Fuhrunternehmers, gleichgültig, ob sie von dem Tarifentgelt abgezogen oder vom Unternehmer bar bezahlt oder gutgeschrieben wird (Hein/Bichhoff/Fukal 1 / Krien, GÜKG § 35 An. 2 a); sie erweist sich damit als ein Bestandteil der tariflichen Regelung des Frachtentgelts (vgl. beauftragt, schlechthin den Anspruch auf die Abfertigungsvergütung zu versagen o Soll nämlich einerseits die Tarif-bindung des nicht genehmigten Güterfernverkehrs verhindern, daß durch die Beauftragung solcher Unternehmer die Tarifvorschriften umgangen werden, so ist es andererseits nicht der Sinn dieser Vorschriften, den Unternehmer, der unge-nehmigten Güterfernverkehr betreibt, gegenüber dem gesetzestreuen Unternehmer besserzustellen (so bereits das erwähnte Urteil des Senats vom 21„ Oktober 1966). Auf eine Besserstellung liefe es aber hinaus, wollte man es (entsprechend der Auffassung von Hein/Eichhoff/Pukall/Krien, aaO § 34 Anm« 1 c, § 35 Anm0 7 b) dem Abfertigungsspediteur in jedem Ball verwehren, gegenüber dem Unternehmer eines nicht genehmigten Güterfernverkehrs die Abfertigungsvergütung vom Tarifentgelt abzuziehen; denn dann hätte dieser Unternehmer Anspruch auf eine höhere Vergütung als der mit einer Genehmigung ausgestattete Güterfernverkehrsunter -nehmer* Die Abfertigungsvergütung kann jedenfalls dann beansprucht werden, wenn, wie im vorliegenden Balle, der Ab-fertigungsspediteur ohne Verschulden keine Kenntnis davon hat, daß der von ihm beauftragte Unternehmer nicht im Besitz einer Fernverkehrsgenehmigung ist» Bas Berufungsgericht hat ohne Rechtsirrtum festgestellt, daß die Beklagte angesichts der langjährigen Geschäftsbeziehung mit der Firma ÜHHD habe darauf vertrauen können, diese Firma betreibe auch weiterhin genehmigten Fernverkehr; etwas anderes ergibt sich auch nicht aus § 28 GüXG, da aus dieser Vorschrift zwar die Pflicht des Unternehmers zu entnehmen ist, die Genehmigungsurkunde auf allen Fahrten mitzuführen, nicht aber eine Pflicht des Auftraggebers, sich bei Abschluß eines jeden Frachtvertrages, die Genehmigungsurkunde vorlegen zu lassen; das Oberlandesgericht hat daher zutreffend angenommen, daß es eine Überspannung der Sorgfaltspflicht bedeutete, hätte man von der Beklagten verlangt, auch im Rahmen einer langjährigen Geschäftsverbindung sich vor Antritt einer jeden Fahrt die Genehmigungsurkunde vorlegen su lassen« Damit entfällt für den vorliegenden Fall auch der von Hein/Eichhoff/Pukall/Krien (aaO § 34 Anm» 1 b) zur Begründung ihrer Ansicht angeführte Gesichtspunkt, die Abfertigung eines ohne Genehmigung fahrenden Unternehmers sei als Teilnahme (Beihilfe, Anstiftung, Mittäterschaft) am ungenehmigten Güterverkehr verboten und als Ordnungswidrigkeit mit Geldbuße zu belegen (§ 99 Abs« 1 Nr« 1 GÜKG); denn auch die Verfolgung als Ordnungswidrig-keit setzt ein Verschulden voraus (§ H.pWiG, § 99 Abs« 2 GÜKG)» 2. Danach hat die Firma B^m^keinen farifverstoß dadurch begangen, daß sie von der Beklagten nicht die Entrichtung des unverkürzten farifentgelte verlangte; die Klägerin war sonach auch nicht berechtigt, ein farifaus-gleichsverfahren durchzuführen, ohne daß es noch darauf ankäme, ob der Firma BflUP vorsätzliches Verhalten zur Last fiel, wobei sich der Vorsatz nicht auf die Durchführung des ungenehmigten Güterfernverkehrs, sondern im besonderen auf die Begehung eines farifVerstoßes durch Gewährung der Abferti gangs Vergütung hätte beziehen müssen 0 Dadurch, daß die Beklagte gleichwohl an die Klägerin den von dieser geforderten Betrag bezahlte, ist ihr ein Schaden entstanden, den sie sich von der Firma erset- Darauf, daß die Firma BflHB die AbfertlgungsVergütung im Ergebnis zweimal bezahlt hat, sowie auf die Frage, ob und gegebenenfalls an wen die Klägerin den zu Unrecht im ersten Frachtausgleichsverfahren empfangenen Betrag von Io356,60 DH zurückzuzahlen hat, ist im vorliegenden Rechtsstreit, in dem es lediglich um einen erneuten Zahlungsanspruch der Klägerin geht, nicht einzugehen«