BGH · Ib ZR 48/66 vom 31.01.1968
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UWG § Ij HandwerksOrdnung v, 280 Dezember 1965 (BGBl 1966 X 1) § 1 Abs.2; ÜWG § 3 Spez ialreinigung Betriebe des Reinigungsgewerbes sind nicht schon deshalb als Handwerksbetriebe anzusehen, weil sie die angenommenen Stucke im Anschluß an eine maschinelle Reinigung ergänzend von Hand nachreinigen und bügeln,. Per Ib-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 31» Januar 1968 unter Mitwirkung der Senatspräsidentin Pr, Krüger-Nieland und der Bundesrichter Pehle, Pr. Mösl, Alff und Pr, Simon für Hecht erkannt: es werde eine chemische Reinigung im Sinne der vom Ausschuß für Lieferbedingungen und Gütesicherung herausgegebenen Begriffsbestimmungen für die Chemische Reinigung (H9 9 I) geboteno Dazu gehört, daß das Reinigungsgut nach der Grundbehandlung einer Nachbehandlung zur Entfernung der verbliebenen Flecken unterzogen wird* Liese als Betachur bezeichnete Tätigkeit, so behauptet der Kläger, erbringe die Beklagte nicht, könne das auch nicht v/eil sie keine fachlich vorgebildeten Kräfte eingestellt habe* So seien mehrere der Beklagten probeweise zur Spezi alreinigung übergebene Kleidungsstücke in völlig unzureichendem Zustand zurückgeliefert worden* 2, ihm, dem Kläger, die Befugnis zuzusprechen, den verfügenden Teil des Urteils innerhalb einer Frist von einem Monat auf Kosten der Beklagten in der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung in Rendsburg bekanntzugeben * Die Beklagte hat Abweisung der Klage beantragt und bestritten, daß das Publikum durch ihre Werbung irre geführt werde* Sie verfüge über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse auch für die Detachur<, Mangelhafte Arbeit In Übereinstimmung mit dem Gutachten eines gerichtlichen Sachverständigen hat das Landgericht die Auffassung vertreten, die Beklagte verfüge nicht über die für eine sachgemäße chemische Reinigung erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse; ihre.Werbung sei deshalb irreführend» Io Das Berufungsgericht stellt fest, mit der Ankündigung "Spezial-Reinigung11 werde eine über das bloße Kleiderbad hinausgehende Leistung, nämlich die Vollreinigung oder chemische Reinigung versprochen» Sine solche erfordere, worüber die Parteien sich einig seien, entsprechend der Begriffsbestimmung R0 Nr* ^®Äeine individuelle Nachbehandlung zur Entfernung der verbliebenen flecken (detachieren), zur Beseitigung der farblosen Stellen (retouchieren) und das gebrauchsmäßige Aufarbeiten wie Dämpfen, Bügeln usw». a) Dem kann nicht gefolgt werden c Indem das Berufungsgericht ausführt, die Beklagte "verspreche" mit ihrer Ankündigung einer Spezialreinigung die den RA Nr »^p ( entsprechende Tätigkeit, will es ersichtlich zu dem Ausdruck bringen, daß diesder durch die fragliche Yferbeangabe hervorgerufenen Vorstellung der angesprochenen Verkehrskreise entspreche» Das Berufungsgericht hat daher eine auf dem Gebiet der tatrichterlichen Würdigung liegende feststellung über den Inhalt der Verbraucher erwart ungen getroffene b) Diese Feststellung entsprach auch dem eigenen Vorbringen des Klägers; sie wird von der Revision, wie deren weitere Ausführungen ergeben, jedenfalls insoweit nicht be- mangelt, als auch die Revision davon ausgeht, daß das Publikum dio Erfüllung der zu dem Leistungsbild der Voll-reinigung oder Spezialreinigung gehörenden Tätigkeiten von Hand erwarte» In diesem Umfange ist die Feststellung des Berufungsgerlchts Uber den Inhalt der Verbrauchervorstellungen daher fUr das Revisionsverfahren bindende c) Die Revision vertritt allerdings weiter den Standpunkt, der Verbraucher erwarte bei einer "Spezialreinigung” darüber hinaus, daß die Reinigung in dem hierdurch feetgelegten Tätigkeitsbereich nunter höchstmöglicher Leistung und mit höchstmöglichem Erfolg*1 bewirkt werde; der Verbraucher erwarte eine uuneingeschränkte handwerksmäßige Leistung’1, zu der die Fähigkeit gehöre, auch schwierigere Leistungen zu erbringen, die notwendige Prüfung der Gegenstände für die durchzuführenden Maßnahmen vorzunehmen und entsprechenden Rat zu erteilen» In diesem Zusammenhang rügt die Revision Übergehung des mit Schriftsatz des Klägers vom 29» März 1969 angebotenen Sachverständigenbeweises und meint, das Berufungsgericht hätte schon nach allgemeinen Erfahrungsgrundsätzen zu einer Bejahung dieser we it ergehenden Verbrauchervorstellungen gelangen mussetio Mit diesem Vorbringen geht die Revision jedoch in revisions rechtlich unzulässiger V/eise über den Inhalt des bisherigen Vorbringens des Klägers hinsichtlich der Verbrauchervorstellungen hinaus» Auch in dem von der Revision angeführten Schriftsatz hat der Kläger nur vorgebracht, die Beklagte könne die in den erwähnten Begriffsbestimmungen ihrer Art nach beschriebenen Tätigkeiten nicht erbringen» Dagegen ist nicht behauptet worden, die Erwartung der Kunden gehe dahin, eine Spezialreinigung setze die Erfüllung die- Betachur überhaupt durchzuführen«» Überdies ging auch dort das Berufungsgericht - wie das hier angefochten e Urteil - davon aus, daß sich das Publikum unter dem Begriff uVollreinigung11 dasselbe vorstelle, was der Begriff "chemische Reinigung" im hergebrachten Sinne bedeute; es erwarte deshalb neben der Grundbehandlung der zu reinigenden Stücke in Maschinen mit bestimmten Lösungsmitteln eine spezielle Fleckenentfernung mit individueller Bearbeitung von Hand, und zwar nach fachgerechter Prüfung der Beschaffenheit von Stoff und Art der Verschmutzung,, Wenn es dort weiter heißt, der Kunde.rechne also nicht nur mit einer Maschinenleistung, sondern mit einer handwerklichen Leistung, so bedeutet das nicht mehr, als daß der Kunde über die dort allein erbrachte Maschinenleistung hinaus eine sachgemäße Betachur von Hand erwarte? Hiernach läßt sich der auf dem Gebiet der tatrichterlichen Würdigung liegende Ausgangspunkt des Berufungsgerichts hinsichtlich der Verbrauchervorstellungen aus Rechtsgründen nicht beanstanden» Er wird durch die Erwägung gestützt, daß es, wenn die Vorstellungen des Publikums Uber den Inhalt einer in der Werbung angebotenen Leistung mit der dafür gewählten Bezeichnung ("Spezial”) nur undeutlich angesprochen werden, hinsichtlich der tatsächlich hervorgerufenen Verbrauchervorstellungen ganz auf die jeweiligen Umstände ankommt. Wenn, wie im Streitfall, für den Begi'iff der "chemischen Reinigung” von den verarbeitenden Gev/erbetrei-benden im Zusammenwirken mit den beteiligten Verkehrskreisen bestimmte Normen aufgestellt sind und diese seit langem gelten, ist es im allgemeinen nicht rechtsfehlerhaft, wenn der Tatrichter davon ausgeht, daß die Verbrauchervorstellung mit der Zeit von solchen Normen gesteuert wird oder daß die Verbraucher doch wenigstens, soweit sie begreiflicherweise keine bestimmte Vorstellung vom Inhalt der Leistung haben, darauf vertrauen, daß die Leistung im tatsächlichen Ergebnis nach Maßgabe der dafür erlassenen Normen erbracht wird» Pur die Präge, ob die Vorstellung der In dem vom Kläger weiter vorgetragenen, den Gegenstand des Urteils des Verwaltungsgerichis Ansbach vom 28« Oktober 1965 (9752 - V/64) bildenden Fall war Mfachmännische” Ausführung der Reinigung angeböten; das ist im vorliegenden Fall nicht geschehen, so daß die dort '('S* 12) vertretene Auffassung, ein solches Angebot rufe beim Kunden die Erwartung einer durch fachlich vorgebildete Kräfte erbrachten handwei’klichen Leistung hervor, für den vorliegenden Fall der Werbung mit der Angabe ”Spezialreinigung” keiner Erörterung bedarf.Es ist nicht zu verkennen, daß Handwerksbetriebe ein schutzwürdiges Interesse daran haben können,das Publikum darüber aufzuklären, in welchen Betrieben es mit der Betreuung und Überwachung der Reinigungsarbeiten durch Handwerksmeister rechnen kann, was namentlich bei der Reinigung wertvoller Stücke von Bedeutung sein kann« Zur Erreichung dieses Zieles wäre es aber nicht gerechtfertigt , Reinigungsbetrieben, die keine Handwerksbetriebe sind, jede Fleckenentfernung von Hand zu untersagen, nachdem - wie das Berufungsgericht feststellt - die Entwicklung gezeigt hat, daß für den Normalfall eine kurze Aus- bildung genügt, um diese Aufgabe sachgemäß zu erledigen« Ist das aber der Fall, dann muß solchen Reinigungsbetrieben auch die Möglichkeit gegeben sein, durch Bezeichnungen wie Spezial- oder Vollreinigung auf den Unterschied zu dem rein maschinell ohne Rachbehandlung (Fleckenentfernung von Hand, Bügeln usw«) durchgeführten sogo Kleiderbad hinzuweisen« Ben Handwerksbetrieben bleibt es unbenommen, durch Hervorhebung ihrer Hanwerks-eigenschaft in der Werbung diejenigen Interessenten, die sichergehen wollen, in geeigneter Weise darauf hinzuweisen ? 2, Hach dem somit unangreifbaren Ausgangspunkt des Berufungsgerichts kam es für die Anwendung des § 3 UWG darauf an, ob die Beklagte tatsächlich die nach ihrer Werbung mit der Angabe "Spezialreinigung’* vom Publikum erwartete Leistung erbringt« Dies hat das Berufungsgericht auf Grund einer Besichtigung des Betriebes der Beklagten und der Anhörung eines Sachverständigen in dem Sinne bejaht, daß die Beklagte mit Ausnahme der Appretur eine Vollreinigung mittlerer Art und Güte gewährleiste« Ob die Beklagte in einem früheren Zeitpunkt mangelhaft gearbeitet habe, könne dahingestellt bleiben« Bine Appretur sei nur dann erforderlich, wenn eine Haßnachbehandlung stattgefunden habe; diese nehme die Beklagte aber nicht vor« Gegen diese Feststellungen erhebt die Revision keine Angriffe« Sie führt jedoch einen neuen Gesichtspunkt an, aus dem sich ihrer Ansicht nach ergibt, daß die Beklagte nicht die von den Kunden erwartete Leistung erbringe« auch das für den Kunden in der Regel noch wichtigere Bügeln, Die Revision behauptet überdies selbst nicht? IIo Das Berufungsgericht hat die Klage auch nicht unter dem vom Kläger angeführten Gesichtspunkt der gegen § 1 UWG verstoßenden Erzielung eines Vorsprungs durch Rechtsbruch für begründet erachtet« Es kommt auf Grund der Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, daß die Beklagte mit dem Betrieb der Vollreinigung nicht gegen §§ 1, 117 der Handv/erksordnung verstoße, wonach der selbständige Betrieb eines Handwerks nur den in der Handwerksrolle eingetragenen Handwerkern gestattet und ein Gewerbebetrieb dann Handwerksbetrieb ist, wenn er handwerksmäßig betrieben wird und vollständig oder in wesentlichen Tätigkeiten ein Gewerbe umfaßt, das in der Anlage A der Handwerksordnung aufgeführt ist» Das Färber- und Ohemisch-Keiniger-Handwex’k sei zwar in dieser Anlage unter Nr* 96 enthalten» Die Beklagte betreibe die Nachbehandlung der zur Spezialreinigung gegebenen Stücke aber nicht handwerksmäßig<> Das führt das Berufungsgericht auf Grund der von ihm veranstalteten Beweisaufnahme eingehend aus« Entscheidend stellt es dabei darauf ab, daß die Beklagte ohne Handwerker eine zu demindest durchschnittlichen Anforderungen entsprechende Fleckenbehandlung von Hand durchführen könne; insbesondere habe ihr Sohn sich ohne langjährige Ausbildung schon auf Grund eines kurzfristigen Kursus bei der Herstellerin der Schrankmaschine als fähig gezeigt, die Detachur sachgerecht durchzuführen » Nach den vom Bundesverwaltungsgericht (Gewerbearchiv 1964, 108 ff) aufgestellten zutreffenden Grundsätzen sei ein handwerksmäßiger Betrieb aber nicht mehr gegeben, wenn nur die Bedienung einer Maschine erlernt werden müsse und die Arbeit auch durch ungelernte oder kurzfristig angelernte Arbeitskräfte sachgemäß vorgenommen werden könne, einen Verstoß gegen § 1 UWG unter dem Gesichtspunkt der Erzielung eines v/ettbewerblichen Vorsprungs durch bewußte GesetzesVerletzung zu begründen» Wie der erkennende Senat für die Verletzung der Anmeldepflicht des Gewerbetreibenden (§14 Gewerbeordnung) angenommen hat (BGH GRUR 1963? Dem kann nicht gefolgt werden» Zwar hatte das Oberlandesgericht Hamm in dem bereits erwähnten Urteil die Auffassung vertreten, für die Ausführung der Detachur sei eine lange handwerkliche Berufsausbildung erforderlich (vgl» GRUR 1965j 203, 205)» Da in dem dort entschiedenen Falle eine Detachur überhaupt nicht vorgenommen worden war, kam es für die damalige Entscheidung auf diese Frage jedoch nicht an; der Bundesgerichtshof hatte deshalb zu dieser Frage dort nicht Stellung zu nehmen» Der Revision mag zuzugeben sein, daß die Handwerksordnung, indem sie die Tätigkeit des Färbens und Ohemisehreinigens in ihrer Gesamtheit als Handwerk qualifiziert, grundsätzlich davon ausgeht, daß diese Tätigkeit in der Regel sachgemäß nur auf Grund einer handwerklichen Ausbildung ausgeführt werden könne» Das schließt jedoch nicht aus, daß bestimmte einzelne, zu diesem Tätigkeitsbereich gehörende Leistungen auch dann, wenn sie von Hand aus ge führt werden, ihrer Art nach nicht notwendig eine handwerkliche Ausbildung voraus- keit jetzt noch eine langjährige handwerkliche Ausbildung erfordert» Solche Umstände können auf dem Gebiete der Entwicklung heuer Maschinen oder sonstiger technischer Hilfsmittel liegen» Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 6» Dezember 1963 (Gewerbearchiv 1964? 108) bezieht sich allerdings nur auf die Schnellreinigung mittels einer Maschine der auch von der Beklagten verwendeten Art, dagegen nicht auf die Detaehur von Hand» Aber auch eine solche ergänzende Reinigung von Hand kann nach den vom Berufungsgericht getroffenen Beststellungen auf Grund der heute gegebenen technischen Hilfsmittel von einem handwerklich durchschnittlich Begabten auf Grund eines kurzen Ausbildungslehrgangs zufriedenstellend ausgeführt werden» Bas Berufungsgericht ist bei seinen Feststellungen von den dargelegten Rechtsgrundsätzen ausgegangen» Insbesondere hat das Berufungsgericht hinsichtlich der Erforderlichkeit handwerklicher Ausbildung nicht auf die individuelle handwerkliche Befähigung des Sohnes der Beklagten abgestellt, was deshalb nicht richtig wäre, weil der Begriff der Erforderlichkeit sich insoweit nach dem Durchschnittsmaßstab bestimmt» Da das Berufungsgericht ferner den Betrieb der Beklagten unter Beiziehung eines Sachverständigen besichtigt hat? kann es nicht als rechtsfehlerhaft bezeichnet werden, daß es für die angegriffene Tätigkeit nach ihrer Art eine handwerksmäßige Ausbildung nicht als erforderlich erachtet hat, zu demal die Grenze zwischen handwerksmäßigem und nicht handwerksmäßigem Betrieb im Einzelfall oft fließend ist (BVerwG Gewerbeärchiv 1964?