BGH · Ib ZR 37/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zum Jahresende I960 lösten die Parteien ihr Vertrags-vorhältnis; über die finanzielle Auseinandersetzung kam es zu dem vorliegenden Rechtsstreit., in dessen Verlauf unstreitig wurde9 daß der Gewinnanteil des Klägers 2* 705?50 DM betrage und daß or hiervon 7 444?75 DM ausgezahlt erhalten habe; die Beklagte wurde ferner durch Teilanerkenntnisurteil verurteiltp dem Kläger weitere 1 902?9t DM zu zahlen0 Nachdem bezüglich von Anträgen auf Herausgabe eines Wechsels und auf Rechnungslegung der Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt worden war, blieb lediglich im Streit9 zu welchem Betrag sich der Kläger die von der Beklagten angekauften Forderungen seiner Gläubiger auf seinen Gewinnanteil anrechnen lassen mußo Der Kläger hat vorgetragen, er habe sein bis Anfang I960 betriebenes Reisebüro wegen seiner Verschuldung in Höhe von 30 000 bis 40 000 DM nicht mehr selbständig weiterführen können, da er habe befürchten müssen? daß von Pfändungen seiner Gläubiger auch verwahrte Gelder seiner Kunden ergriffen würden; deshalb habe er seine Tätigkeit im Rahmen eines Gesellschaftsvor-hältnisses mit der Beklagten fortgeführt9 die insoweit nach außen hin als Reiseunternehmen aufgetreten sei-, während im Innenvorhältnis der Kläger allein alle damit zusammenhängenden Arbeiten erledigt habe« Auf diese Weise sei der Beklagten aus der Tätigkeit des Klägers in elf Monaten ohne eigenes Zutun ein Gewinnanteil von 2'1 705? mit seinen Gläubigern einen Vergleich durchsuführen; deshalb habe er das Rundschreiben vom 3^ <> August I960 abgefaßt und vom damaligen Geschäftsführer der Beklagten unterschreiben lassen; dabei habe zwischen den Parteien Einigkeit darüber bestanden9 daß bei Annahme des Vorgleichsvor- Das Berufungsgericht legt einleitend dar, aus dom eigenen Vortrag des Klägers ergebe sich, daß die Beklagte die in Rede stehenden Forderungen in ihrer vollen Höhe erworben habe; sie habe den G-läubigern des Klägers den Ankauf von deren Forderung zu 40 VoHo dos Nennbetrages angeboten, habe ihnen, nachdem ihr Angebot angenommen v/ordon sei, den Kaufpreis' gezahlt, und habe darauf die Forderungen abgetreten und die Vollstreckungstitol übergeben erhalten« Damit sei die Beklagte an die Stelle der bisherigen Gläubiger getreten« Auch dor Hinweis der Beklagten - so fährt das angefoch-teno Urteil fort -, sie soi mit dem Ankauf der Forderungen ein erhebliches Risiko eingegangen, könne nicht überzeugen; denn da der Kläger in den elf Monaten seiner Tätigkeit für die Beklagte einen Gewinn von 45 411 DM erzielt habe, soi nach sieben Monaten, als die Forderungen angekauft wurden, schon zu überblicken gewesen, daß der dafür aufgewendete Betrag durch die vom Kläger erzielten Gewinne wieder hereingebracht werdeo Diese Erwägungen veranlassen das Berufungsgericht zu dem Schluß, daß durch die Aussagen der Zeugen das Vorbringen dos Klägers, ihm solle der von den Gläubigern gewährte Nachlaß zugute kommen, weder bestätigt noch widerlegt soi; für seine Richtigkeit sprächen jedoch die Lebenserfahrung und die beiderseitige Interesscnlage, vor allem der Umstand, daß die Angebotsschreiben vom 31° August I960 vom Kläger selbst verfaßt worden seien, der wohl kaum eine Regelung habe fördern wollen, nach der seine Gläubiger nur zu 40 VoH„ befriedigt worden sollten, er selbst aber in voller Höhe gegenüber der Beklagten als neuer Gläubigerin verpflichtet bleiben sollte0 Dio Anwendung dea § 448 ZPO setzt zwar voraus, daß bereits eine gewisse Wahrscheinlichkeit für die Richtigkeit der Behauptungen der zu vornehmenden Partei besteht; aber die Prüfung, ob diese Voraussetzung zutrifft, ist grundsätzlich Sache dos Tatrichters; das Revisionsgericht kann nur nachprüfen, ob der Tatrichter die Grenzen seines Ermessens verkannt oder einen rechtsfehlerhaften Gebrauch von ihm gemacht hat (BGH LM ZPO § 448 Nr» 2 und 4)* a) Soweit die Revision darzulegen sucht, das Berufungsgericht habe nicht aus der Lebenserfahrung und der Interessenlago darauf schließen dürfen, daß die Behauptungen des Klägers richtig seien, lehnt sie sich an den Wortlaut eines Satzes des angefochtenen Urteils an (BU 9 Abs» 2), ohne den Zusammenhang zu berücksichtigen; denn danach wollte der Beru-fungsrichtor nicht zu dem Ausdruck bringen, daß die bestrittene Behauptung keines Beweises bedürfe, weil die Lebenserfahrung dafür spreche; vielmehr können diese Ausführungen zusammen mit den folgenden Absätzen nur bedeuten, daß bei der vom Oberlandesgericht im einzelnen dargelegten Interessenlage eine gewisse, der allgemeinen Lebenserfahrung zu entnehmende Wahrscheinlichkeit dafür spreche, die Parteien seien sich in dem vom Kläger behaupteten Sinne einig gewesene Darin kann koin Rechtsfehler erblickt worden; vor allem hat das Berufungsgericht ersichtlich nicht verkannt - wie ihm die Revision zu dem Vorwurf macht daß es bei der vorliegenden Pallgestaltung nicht um einen typischen Geschehensablauf, sondern um individuelles Handeln geht; denn auch für den Einzelfall kann die Lebenserfahrung eine Möglichkeit wahrscheinlicher erscheinen lassen als die andere» weil sie den Kläger als Mitarbeiter erhalten und einen Gewinn machen wollte3 nicht als dem Vorbringen des Klägers entgegenstehend angesehen hat* Biese Rüge dringt nicht durch* Benn einerseits hat der Tatrichter sich ausdrücklich damit auseinandergesetzt5 was unter "Gewinn" in diesem Zusammenhang zu verstehen sein kann; vor allem aber ergibt die weitere Aussage daß er sich nicht erinnern konnte ? ob und was mit dem Kläger bezüglich der "Frage des Gewinns" erörtert wurde; darauf allein aber kam es für die Würdigung der zwischen den Parteien bestehenden Abmachungen an? 3» Zu Unrecht sieht die Revision den Grundsatz als verletzt an, daß die Partoivernehmung erst nach Erschöpfung der übrigen Beweismittel angeordnet werden darf; sie rügt in diesem Zusammenhang den von der Beklagten angebotenen Beweis als übergangen, für die Beklagte habe zur Zeit der Forderungskäufo noch nicht festgestanden, ob aus der Tätigkeit dos Klägers ein dem Kaufpreis entsprechender Betrag eingehen werde» Biese Rüge hat schon deshalb keinen Erfolg, weil der von der Revision angeführte Beweisantrag im Schriftsatz vom 25o Mai 1962 lediglich dahin gegangen war, zur Zeit der Vereinbarung mit den Gläubigern habe es noch nicht so ausgesehen, "als ob aus der Tätigkeit des Klägers ein Betrag in der Höho eingehen würde, wie es dann tatsächlich geschehen ist”. Damit ist aber nicht behauptet, es sei nicht zu übersehen gewesen, daß der im Verhältnis zu dem in elf Monaten erzielten Gesamtgewinn unbedeutende Kaufpreis von nicht ganz 5 000 DM damals bereits erlöst war; vielmehr verstößt die Annahme, einen so allgemeinen Überblick über den Geschäftsgang habe eine halbwegs ordentlich geführte Firma auch während des Geschäftsjahres und vor Erstellung der Jahresbilanz gehabt, weder gegen die Lebenserfahrung noch gegen die Denk-gesetzo o 1 o Was die Würdigung des hiernach zulässigen Beweises betrifft9 so führt das angefochtene Urteil aus, der Kläger habe in seiner Vernehmung die Entwicklung seiner Beziehungen zu der Beklagten geschildert und dabei bestätigt, daß er schon zu Beginn seines Vertragsverhältni3sos mit ihr die Absicht 1 gehabt habe, seinen Gewinnanteil bis auf die von ihm benötigten Vorschüsse zu horten und am Jahresschluß zur Befriedigung seiner j übrigen Gläubiger zu verwenden* Ferner habe er dargelegt, was j er mit RflHBuber den mit den Gläubigern zu schließenden Vergleich besprochen und daß Rittler ihm dabei ausdrücklich erklärt habe, er v/erde ihm den durch den Vergleich ersparten Betrag zur Verfügung stellen; auf besondere Frage habe der Kläger angegeben, er sei sich bei der Abfassung der Kaufangebote an die Gläubiger darüber klar gewesen, daß die Beklagte in deren Rechte eintreten v/erde, habe sich aber auf die Absprache verlassen, nach der ihm der Gewinn aus dem Vergleich in Höhe von 60 v*H* der Gläubigerforderungen zustehen solle* 2* Die Revision versucht diese dem fatrichtor vorbehaltene Würdigung der vom Kläger gemachten Aussage damit zu erschüttern, daß sie angebliche Widersprüche im gesamten Parteivortrag des Klägers während des Rechtsstreits hervorkehrt mit dem Ziel darzutun, das Berufungsgericht habe die Angaben des Klägers zu Un- : recht als "in sich geschlossen und folgerichtig” angesehen* don gesamten Parteivortrag, sondern lediglich auf die Partoivernehmung des Klägers bezieht; insoweit aber vermag die Hevision keine Unklarheiten oder Widersprüche aufzu-zeigene Im übrigen wäre dieses Vorbringen der Hevision allenfalls geeignet«, eine Verletzung der Wahrheitspflicht (§ 138 Abs« 1 ZPO) durch den Kläger darzutun und damit wiederum, wie die Hevision in der mündlichen Verhandlung besonders horvorgehoben hat, die Zulässigkeit seiner Partoivernohmung in Zweifel zu ziehen (vglo Wieczorok, ZPO § 448 Anm» B II b)» Auch damit kapn die Revision jedoch keinen Erfolg haben» Bor Parteivortrag des Klägers in den zu dem Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemachten Schriftsätzen ist immer einheitlich gewesen» Die von der Hevision angeführten mündlichen Äußerungen des Klägers persönlich in den Terminen vom 4o Juni 1962 (GA 37 R), vom 2» Oktober 1962 (GA 50) und vom 13» Dezember *963 (GA 90 R) ergeben übereinstimmend, daß der Kläger jeweils erklärt hat, beide Parteien seien davon ausgegangon, er werde am Jahresende von seinem Gewinnanteil seine Gläubiger befriedigen; allerdings war auch davon die Redo, daß zwischen dom Kläger und R^I^HPnachträglich über eine Teilung des aus dom Porderungskauf erzielten Gewinnes von 60 v»H0 der Forderungen gesprochen worden sei» Insbesondere ging eine Äußerung des Klägers im Termin vom 2» Oktober 1962 dahin, daß er sich mit R€HH®über eine solche Teilung geeinigt habe» Bas hat aber das Berufungsgericht, wie die Niederschrift über die Partei-vornehmung dos Klägers ergibt, nicht übersehen; denn der Kläger hat auf ausdrückliche Frage seine Angabe dahin erläutert, daß er nachträglich, als die Beklagte nicht habe zahlen wollen, von sich aus den von R^H^nicht angenommenen Vorschlag gemacht habe, den Restbetrag zu teilen, falls die Beklagte