BGH · Ib ZR 35/66 vom 08.11.1967
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Die Revision gegen das Urteil des 6« Zivilsenats des Hanseatischen Oberlandesgerichts zu Hamburg vom 17o Februar 1966 wird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen« GmbH & Co« zu dem Export bestimmt« Per Transport erfolgte am 31« Juli 1963» Bei der Verladung wurden die Kisten von Leuten der Firma Hi|^BP & mit Hilfe eines Krans auf den dreiachsigen Tiefladeranhänger des Schwergutzuges der Beklagten zu 1) gehievt und von dem Fahrer verkeilt« Per Anhänger verfügte außer über 1 m hohe Rungen über keine weiteren Aufbauten• Sie haben vorgetragen, nach ihrer Ansicht treffe den Fahrer des Lastzuges kein Verschulden an dem Schadeno Bas sei schon deshalb zu verneinen, v/eil ihr Fahrer mit der Verladung und Verstauung nichts zu tun gehabt habe» IIo Io Dazu führt das Berufungsgericht aus, die Beklagte zu 1) habe nach § 429 HGB für den während des Transports an dem Druckregler entstandenen Schaden einzustehen o Die Beklagte zu 1) habe nicht den Beweis erbracht, daß sie kein Verschulden treffe, die angebotenen Beweise seien insoweit ungeeigneto 2o Entgegen der Auffassung der Beklagten sei es nicht Sache des Absenders gewesen, auf dem Tiefladeranhänger für die ausreichende Befestigung der 2470 kg schweren Kiste, in der sich der Druckkühler befunden habe, zu sorgen• Mangels gesetzlicher Regelung und ausdrücklicher vertraglicher Abmachungen sei den Umständen zu entnehmen, was hinsichtlich der Verladung gelten sollteo Es sei allerdings nicht Aufgabe der Beklagten gewesen, den ersten Teil des Verladevorgangs, nämlich das Herausschaffen der Kiste aus den Bagerräumen der Birma und das Auf setzen dieses Trans- an die Verladung in jeder Beziehung durchzuführen, sie fachgerecht zu leiten und die Kiste auf dem Fahrzeug ausreichend zu sichern und zu befestigen» Maßgebend für diese Annahme sei der Umstand, daß sich der Absender eines Spezialtransports mittels eines eigens hierfür vorgesehenen Transportmittels gerade deshalb an den Schv/ergut- und Spezial transport Unternehmer wende, weil dieser auf Grund seiner Sachkenntnisse und Erfahrungen bei derartigen Schwerguttransporten am besten beurteilen könne, was für den standsicheren Transport einer solchen Maschine erforderlich sei Q Babei sei es Sache des Unternehmers bzw0 seines von ihm hierzu besonders geschulten Fahrers, zu beurteilen, ob die zu transportierende Maschine von sich aus bereits eine genügende Standfestigkeit habe, die auch in den zu erwartenden Straßenkurvon bei der hierbei üblichen Geschwindigkeit ausreiche, oder ob evtlo "Kippmomente” vorlägen, die vorher beseitigt werden müßten» Der Fahrer hätte auch unschwer feststellen können, daß der Brucktemperierer Füße gehabt habe, sein Schwerpunkt daher nicht im unteren Bereich der Kiste gelegen habe, sondern daß sich der Schwerpunkt des außen an der Kiste ablesbaren Gewichts von 2470 kg in einem etwas höheren Bereich habe befinden müssen» Es sei ferner für den geschulten Fahrer eines solchen Spezialfahrzeugs sogleich ersichtlich gewesen, daß die innen neben die Füße der Maschine gelegten Kanthölzer unter Umständen noch zu einer Verschmälerung der Auflagefläche führen mußten, was der Fahrer womöglich auch gesehen und deshalb die Kiste verkeilt habe» Biese Maßnahme habe aber nicht ausgereicht;'Xum eine genügende Standfestigkeit zu erzielen» Nach allem treffe den Fahrer der Beklagten zu 1) ein Verschulden; andererseits seien keine Umstände festzustellen, nach denen ein Mitverschulden der Auftraggeber Io Der Hauptangriff der Revision richtet sich gegen die Annahme des Berufungsgerichts, das Verladen der Kiste sei vom Augenblick des Absetzens auf den Tieflader an Pflicht der Beklagten zu 1) gewesene Bas Berufungsgericht stellt zutreffend die Frage voran, wem die Pflicht zutn Verladen obgelegen habe, dem Absender oder der Beklagten zu 1) als Unternehmer * Denn die Haftung des Unternehmers im Sinne des § 429 HUB beginnt mit der Annahme des Gutes; diese ist gegeben oder beginnt jedenfalls mit der Verladung des Gutes, wenn der Beförderer zu verladen hat (RGRK HGB 2o Auflo Anm0 7 zu § 429); denn in diesem Zeitpunkt erhält der Unternehmer Besitz an dem Gut zu dem Zwecke der Beförderung* Auf den Beginn der Beförderung kommt es für die Begründung des Haftungstatbestandes nicht an (Schlegelberger, 4o Auflo Anim 6 zu § 429)» Im Streitfall handelt es sich nach den insoweit auch von der Revision nicht angegriffenen, rechtsirrturns-freien Feststellungen des Berufungsgerichts um eine Güter beförderung im Rahmen des Güternahverkehrs, für den keine gesetzlich vorgeschriebenen Beförderungsbedingungen erlas sen sindo Bie Parteien haben auch nicht vorgetragen, daß die Anwendung der allgemeinen Beförderungsbedingungen für den gewerblichen Güternahverkehr mit Kraftfahrzeugen Die Revision gibt zu erwägen, ob nicht die gesetzlichen oder in Porra von Allgemeinen Geschäftsbedingungen getroffenen Regelungen im Gütertransport bei gleichartiger Sachund Interessenlage entsprechend für den nicht geregelten Interessenbereich heranzuziehen seien, insbesondere bei der Vertragsausfüllung durch Auslegung«, Hach § 17 Abs<> 1 KVO, § 17 AbSo 4 Buchst c CMR, § 83 AbSo 1 Buchst c EVO, § 7 BGH (Beförderungsbedingungen der Deutschen Bundesbahn für den Güternahverkehr mit Kraftfahrzeugen) sei Dadungsgut, um das es sich hier handle, vom Absender zu verladene Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werdeno Angesichts der differenzierten Regelung in den einzelnen Sparten des Prachtverkehrs scheidet eine solche entsprechende Anwendung aus» Es kommt hinzu, daß die gesetzlichen und die in der Form von allgemeinen Geschäftsbedingungen getroffenen Regelungen jede für sich eine Einheit bilden, wobei Rechte und Pflichten individuell gerade für die betreffende Sparte gegeneinander abgewogen sind und es auch aus diesem Grund nicht zulässig erscheint, eine einzelne Bestimmung in eine andere Sparte zu übernehmen, für die keine entsprechende Regelung besteht» bedingungen für den gewerblichen Güternahverkehr mit Kraftfahrzeugen (AGNB) vorgesehene Regelung spricht für eine Pflicht des Unternehmers, die Ladung auf dem Tieflader fachgemäß zu befestigen und zu sicherne Denn nach § 6 AbSo 1 AGUB ist das Beladen, soweit nicht nach Vereinbarung oder örtlicher Übung etwas anderes gilt, zwar vom Absender vorzunehmen; hierbei ist aber unter Beladen nur die Bewegung des Gutes bis zu dem Wagen*-boden zu verstehen, während nach § 6 Abs* 3 AGNB die Ladearbeit auf dem Fahrzeug, soweit hierüber nichts anderes vereinbart ist, dem Unternehmer obliegte Abgesehen davon, fehlt es aber insoweit an einem entsprechenden unter Beweis gestellten Vortrag der Beklagteno Die Beklagten haben zv/ar in der Berufungs-schrift vortragen lassen, es sei hier so, daß die Beklagte zu 1) entsprechend der allgemeinen Praxis nicht die Verladetätigkeit übernommen habe; die Beklagten haben für diese Behauptung aber trotz der Stellungnahme der Klägerin, es sei der Behauptung der Beklagten ganz entschieden zu widersprechen, daß es allgemeiner Praxis entspreche, daß der GüternahverkehrsUnternehmer die Verladung nicht übernehme, die Übernahme der Verladung durch den Unternehmer sei vielmehr die Regel, keinen Beweis angetreten0 Auslegung eines IndividualVertrages ist entgegen der Auffassung der Revision aus Rechts gründen nicht zu beanstandeno Daß das Berufungsgericht in diesem Zusammenhang ohne Rechtsverstoß nicht die für andere Sparten oder bei besonderer vertraglicher Einbeziehung (A&EB) geltenden Regeln berücksichtigt hat, ist bereits dargelegt worden» Es ist auch nicht ersichtlich, daß das Berufungs gericht für die Auslegung erheblichen Tat Sachen vor trag außer Betracht gelassen hatte» Ferner stellt es keine Verletzung eines Erfahrungssatzes dar, wenn das Berufungsgericht annimmt, der Absender eines Gutes besonderer Art wende sich gerade deshalb an ein Spezialunternehmen, weil er mit dessen besonderen Kenntnissen auch hinsichtlich einer standsicheren Verladung rechne» Dem stehen auch nicht die von der Revision herangesogenen Ausführungen des Bundesgerichtshofs entgegen (BGHZ 32, 194, 198)» Das Berufungsgericht hat diese Entscheidung berücksichtigt und sieh mit ihrer Begründung auseinander gesetzt» Die maßgebliche Erwägung des Berufungsgerichts, im Streitfall rechtfertige der anders gelagerte Sachverhalt die hier getroffene Auslegung, ist aus Rechtsgrün-den nicht zu beanstanden» 3« Nicht zu beanstanden ist auch die weitere Peststellung des Berufungsgerichts, die Beklagten hätten nicht den nach § 429 HOB ihnen obliegenden Beweis erbracht, daß die Beschädigung der Maschine auf Umständen beruhe, die durch die Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns nicht hätten abgewendet v/erden können» Angesichts der Pest st eil ungen zur Pflicht der Beklagten zu 1), die Maschine zu verladen, und der die Beklagten insoweit treffenden Verantwortlichkeit, durfte das Berufungsgericht ohne Rechtsverstoß die weitere Frage offen lassen, oh das Verschulden des Fahrers der Beklagten zu 1) auch darin liegen konnte, daß der Fahrer mit zu hoher Geschwindigkeit in die Kurve gefahren sei* IVo 1* Hinsichtlich der von den Beklagten nach § 54 Buchst* a Nr» 2 ADSp (Beschränkung der Haftungs-sutnme auf DM 1*500,—) erhobenen Einwendung führt das Berufungsgericht aus, es sei durchaus möglich, daß der Vortrag der Beklagten die Anwendung der ADSp recht-fertige o Im vorliegenden Fall sei die haftungsbeschränkende Bestimmung des § 54 ADSp indessen durch § 85 AbSo 1, § 26 GüKG ausgeschlossene Revision behaupteten programmatischen Charakter hat, sondern es dem Güternahverkehrs Unternehmer schon Jetzt verbietet, die ihm nach gesetzlichen Vorschriften obliegende Haftung "auszuschließen"0 In dieser Entscheidung hat der Senat offen gelassen, welche Bedeutung es hat, daß § 85 Abs0 1 GüKG von einem Verbot des Haftungs- ausschlusses spricht, zugleich aber auf § 26 GüKG verweist, der nicht nur von einem Haftungsausschluß9 sondern auch von einer Haftungsbeschränkung handelta Soweit die Revision insoweit unter Hinweis auf die Ausführungen von Liebert in Versicherungswirt-schaft 1962, 86 ausführt, unter Haftungsausschluß sei eine Einengung der Haftung zu dem Grund des Anspruchs zu verstehen, während im Rail der Haftungsbeschränkung der Haftungsgrund unangetastet bleibe und nur der Umfang der Haftung sumraenmäßig begrenzt werde, kann dem nicht gefolgt werden» Aus alledem folgt, daß die ADSp im Rahmen des zwischen den Beteiligten bestehenden Vertragsverhältnisses insoweit k§ine Anwendung finden können, als sie gegen das Verbot des Haftungsausschlusses nach den §§ 85 Abs* 1, 26 GüKG verstoßen* Die hier in Betracht kommende Vorschrift des § 54 ADSp beschränkt die Haftung des Unternehmers der Höhe nach über das nach den Vorschriften