BGH · Ib ZR 32/65 vom 22.02.1967
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UWG § 1 Gesunder Genuß Für Spirituosen, die als alkoholisches Genußmittel an-geboten werden, darf auch dann nicht mit allgemein gehaltenen Hinweisen auf eine gesundheitsfördernde oder gesundheitlich unbedenkliche Wirkung (hier: ,rEin gesunder Genuß” für einen Kräuterlikör mit 32 # Alkoholgehalt) geworben werden, wenn das Getränk der Gesundheit dienende Zusätse (hier: Heidelbeerextrakt) enthält <> der Beklagten sei irreführend, weil sie den Eindruck erwecke, daß der angehötene Kräuterlikör nicht nur nicht gesundheitsschädlich, sonder sogar gesundheitsfördernd sei, obwohl Spirituosen v/eder heilend noch gesundheitsfördernd, sondern eher gesundheitsschädlich seien«, Zudem sei die Werbung unvereinbar mit den Begriffsbestimmungen für Spirituosen, wonach Hinweise auf heilende oder vorbeugende Wirkungen einer Spirituose unzulässig seieno Der Kläger hat beantragt, der Beklagten die Werbebehauptung zu verbieten, daß der Konsum des f,Echt Stonsdorfer,f der Gesundheit diene«, Die Beklagte hat Klagabweisung beantragt und vorgetra-gen, die beanstandete Werbung enthalte keine Hinweise auf eine heilende oder vorbeugende Wirkung ihres Kräuterlikörs; zudem habe der beweispflichtige Kläger die Unrichtigkeit eines dahingehenden Eindruckes nicht dargetan» Andere Her-steilez* entsprechender Spirituosen hielten sich nicht an die Regelung in den Begriffsbestimmungen, so daß sie, die Beklagte, sich nicht in unlauterer Weise einen Vorsprung vor gesetzestreuen Mitbev/erbern verschaffe» X* Das Berufungsgericht hält die beanstandete Werbung für irreführend im Sinne des § 3 IJWG* Re entspreche der Bebens erfahrung, daß der Kräuterlikör der Beklagten mit einem Alkoholgehalt von etwa 32 $ dann, wenn er in größeren Mengen genossen werde, wegen seines Alkoholgehaltes der Gesundheit ebenso schaden könne wie jedes andere Getränk mit entsprechendem Alkoholgehalt* Dabei wisse der normale.Verbraucher, daß Spirituosen etwa 30 # und mehr Alkohol enthielten und daß der Genuß von Alkohol im allgemeinen nicht gesundheitsfördernd, sondern schädlich sei» IIo 1« Die Revision bemängelt in erster Pinie, daß eine Unrichtigkeit des angegriffenen Werbe Spruchs, so wie sie vom Berufungsgericht festgestellt werde, nicht einmal vom Kläger selbst behauptet worden sei« Während das Berufungsgericht den Vorwurf der Unrichtigkeit mit den sohädl^chen Folgen beim Genuß größerer Mengen des "Echt Stonsdorfer" begründe, habe der Kläger seinerseits die Frage etwaiger schädlicher Auswirkungen des Alkoholgenusses ausdrücklich offen gelassen und nur geltend gemacht, daß der Verkehr aufgrund der beanstandeten Werbung eine gesundheitafördernde Wirkung annehme, daß aber Alkohol jedenfalls keine solche Wirkung habe und für bestimmte Personen sogar gesundheitsgefährdend sei« Nur im Rahmen dieser gemäß § 286 ZF0 zu wür- 2. Biese Angriffe können das angefochtene Urteil nach Meinung des Klägers und Revisionsbeklagten schon deshalb nicht zu Ball bringen, weil das Berufungsgericht fehlerfrei festgestellt habe, daß der Werbespruch auch den Eindruck erwecke, "der Genuß von Echt schlechthin ge- sund ** und der Verbraucher Mtue in jedem Balle etwas für seine Gesundheit, wenn er Echt Stonsdorfer trinke11; diese allgemeinen Feststellungen müßten auch für den Genuß kleinerer Mengen gelten» Der Kläger übersieht indessen, daß das Berufungsgericht insoweit keine Unrichtigkeit der Werbung, also einen Widerspruch zwischen dem her vor gerufenen Eindruck einerseits und den tatsächlichen Eigenschaften des angepriesenen Erzeugnisses andererseits, annimmt» Vielmehr unterstellt es am Ende seiner Erwägungen zugunsten der Beklagten, deren Kräuterlikör gehöre zu den besten Magenbittern und könne aufgrund seines hohen Anteils an Heidelbeerex-trakt und des damit verbundenen hohen Vitamingehalt es tatsächlich echte Heilwirkung ausüben» Es gebt also davon aus, daß der Kräuterlikör wegen seiner sonstigen Zusätze tatsächlich gesundheitsfördernd 'ist, so daß eine Irreführung erst dann in Betracht kommen könnte, wenn sich demgegenüber der v/eitere Alkoholbestandteil nachteilig auswirken würde» Insoweit findet sich aber an keiner Stelle des angefochtenen Urteils eine tatrichterliche PestStellung darüber, daß der Kräuterlikör der Beklagten unbeschadet der Heilwirkung der sonstigen Bestandteile allein wegen seines Alkoholgehaltes auch und schon beim Genuß Vortrages geben müsse (RG Recht 1918 Nr„ 256; Wieczorek aaO Anm«, B III b 2 zu § 139 unter Hinweis auf eine weitere unveröffentlichte Entscheidung des Reichsgerichts vom 2o November 1906)«, Im vorliegenden Falle macht die Beklagte geltend, sie hätte, wenn sie auf die Beurteilung des Berufungsgerichts hingev/iesen worden wäre, unter Beweis gestellt, daß die vom Berufungsgericht angenommene Vorstellung Über den Inhalt des Werbespruchs nicht zu befürchten sei und daß es ferner überhaupt nicht üblich sei, Kräuterliköre wie "Underberg" und "Echt SflHBf1 in solchen schädlichen Mengen wie anderen Alkohol zu sich zu nehmen«, Unterstellt man diese Behauptung als richtig, dann wäre der Beurteilung des Berufungsgerichts, die Werbung sei für einen nicht unerheblichen feil des Verkehrs wegen der mit einem übermäßigen Alkoholgenuß verbundenen Nachteile irreführend, die Grundlage entzogen«, das Ergebnis v/eiterer Aufklärungen ausgeschlossen v/ird (und zwar auch bei denjenigen, die den ”Echt bislang nicht als einen Kräuterlikör konsumiert und dadurch kennengelernt haben), dann könnte gleichwohl eine Unrichtigkeit des beanstandeten Werbespruches unter anderen Gesichtspunkten in Betracht zu ziehen seine So wäre beispielsweise zu prüfen, ob derjenige Teil der Verbraucher, für den der Alfcoholgenuß aus speziellen gesundheitlichen Gründen schon bei geringeren Mengen oder überhaupt nachteilig ist, durch die Wendung "Ein gesünder Genuß” über die für ihn geltenden Nachteile eines geringen« Alkoholgenusses irregeleitet werden könnte* Berner wäre aufzuklären, ob. die angepriesene Werbung entsprechend den Behauptungen des Klägers den Eindrücke erweckt, der ”Echt Stonsdorfer” sei im Vergleich zu anderen hochprozentigen Erzeugnissen gesundheitsfördernd oder jedenfalls gesundheitlich zuträglicher als andere Magehbitter-Babrikate und ob dieser Eindruck tatsächlich unrichtig ist oder ob dieses Erzeugnis entsprechend den unter Beweis gestellten und vom Berufungsgericht bislang nur als richtig unterstellten Behauptungen der Beklagten wegen seines hohen Gehalts an Heidelbeerex-trakten und des damit verbundenen hohen Vitamingehalts tatsächlich eine echte Heilwirkung ausübt und ob aus diesem Grunde - selbst unter Berücksichtigung des hohen Alkoholgehalts - eine gesundheitsfördernde Wirkung zu bejahen ist0 Alle diese Möglichkeiten einer Irreführung im Sinne des § 3 UWG brauchen indessen nicht näher aufgeklärt zu werden, da das angefochtene Urteil jedenfalls deshalb aufrecht zu erhalten ist, weil die angegriffene Werbemaßnahme gegen § 1 UWG verstößt* rufungsgerichts ist davon auszugehen, daß die Werbung »Echt SflHMHB” »»» "Ein-gesunder- Genuß" zu demindest von einem nicht unerheblichen Teil der Verbrauchers oha ft wörtlich genommen wird» Seinem Wortsinn nach vermittelt diese Werbung - wie das Berufungsgericht ohne Rechtsoder Verfahrensverstoß weiter ausgeführt hat - ganz allgemein die Vorstellung, man könne durch den Genuß dieser Spirituose etwas für seine Gesundheit tun, ohne daß diese gesundheitsfördernde Wirkung dem Verbraucher durch bestimmte nachprüfbare Angaben erläutert wird» Selbst v/enn - wie das Landgericht gemeint hat - das Attribut "gesund” lediglich die mit dem Begriff "Genuß” verbundenen Assoziationen von gesundheitlichen Wachteilen entkräften würde, dann v/ird jedenfalls mit einer gesundheitlichen Unbedenklichkeit der Spirituose geworben» ben will, aus Übergeordneten Interessen eine stärkere Begrenzung seiner Werbung als auf anderen Gebieten auferlegene So beschränkt das Gesetz über die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens vom 11«, Juli 1965 Werbemaßnahmen für bestimmte Erzeugnisse und außerhalb der Fachkreise, um zu verhindern, daß die Werbung zu einer mißbräuchlichen Anwendung von Arzneimitteln verleitet (vgl«, Amtliche Begründung zu diesem Gesetz im Kommentar von Kern&'l - Marcetus So 55 ff)o Bas Lehensraittelgesetz verbietet nicht nur in seinen §§ 3 und 4 Herstellung und Vertrieb gesundheitsschädlicher Lebensmittel und irreführende Angaben Über gesundheitliche Wirkungen, sondern ermächtigt ferner in § 5 zu verbindlichen Festsetzungen darüber, welche Angaben als irreführend anzusehen sind* Itri wesentlichen gestützt auf diese Ermächtigung wurden namentlich auf dem Gebiet der Genußmittel, auf dem ein ÜJeil der Verbraucher besonders leicht verleitbar ist und auf dem im Interesse der Gesundheit auch in anderen freiheitlichen Rechtsordnungen strenge Maßnahmen ergriffen werden, mehrere Verordnungen erlassen, die sich gegen Verbehinweiae auf heilende, stärkende oder vorbeugende Wirku ngen richten* In § 6 der Kaff ever Ordnung vom 10* Mai 1930 (abgedruckt bei Hoithöfer - Juckenack - Nüse, Deutsches Lebensraitteirecht, 4* Aufl*, Bd* IV, 47) werden allerdings nur solche Angaben als irreführend beanstandet, die einem Kaffee “entgegen den Tatsachen eine besondere diätetische öder gesundheitliche Wirkung“ zuschreiben* In anderen Verordnungen werden aber derartige Anpreisungen ohne Rücksicht auf ihre Richtigkeit und unter Ausschluß'des Gegenbeweises untersagt (vgl* Zipfel, Lebensraittelrecht, Anm«, 154 zu § 4 LMG; Hieronimi, Lebensmittelgesetz, 2* Aufl* S«, 140 und 150 f), so zu dem Beispiel in § 5 der leeverordnung vom 12« Dezember 1942 Hinweise auf eine “diätetische oder gesundheitliche Wirkung“ (abgedruckt bei Hoithöfer - Juckenack -Hüse, aaO S* 576), in § 4 der Verordnung über nikotinfreien Wenn für Spirituosen bislang eine entsprechende Verordnung nicht ergangen ist, dann mag sich das daraus erklären, daß insoweit eine ausdrückliche Regelung nicht dringlich erschieno Denn schon im Jahre 1939 batte der Werberat der deutschen Wirtschaft im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Inneren, der als die ermächtigte Behörde im Sinne des erwähnten § 5 IMG in besonderem Maße zuständig war, sowie im Einvernehmen mit dem Präsidenten des Reichsgesundheits-amtes und nach Anhörung der beteiligten Wirtschaftsverbände entsprechende Richtlinien für die Werbung für Trinkbranntweinerzeugnisse erlassen (abgedruckt bei HolthÖfer - Juckenack - Nüse Bdo III So 373), und zwar mit der Begründung, daß die Werbung häufig zu Beanstandungen Anlaß gegeben habe, weil von diesen als Genußmittel anzusehenden Getränken oft behauptet werde, daß ihnen wesentliche gesundheitsfördernde und heilende Wirkungen zukämen, während derartige Wirkungen nach den Erkenntnissen der ärztlichen Wissenschaft bei alkoholischen Getränken im allgemeinen nicht zu erwarten seien» Hach diesen Richtlinien durfte in der Werbung für Trinkbranntweinerzeugnisse aller Art nicht auf gesundheitliche Wirkungen hingewiesen oder eine Bezeichnung oder Abbildung gebraucht werden, ,fdie auf gesundheitliche Wirkungen schließen lassen», lediglich bei Bitterlikören, die einen genügend hohen Gehalt an Kräuterauszügen und Bitterstoffen aufweisen und dadurch eine günstige Wirkung auf Magen und Darm ausüben können, Das gilt auch in Fällen wie dem vorliegenden, in dem die Beklagte die Richtigkeit ihrer Werbung damit begründen will, daß dem Getränk gesundheitsfördernde Zusätze, nämlich Hei-delbeerextrakte, beigegeben seien* Würde man in derartigen Fällen eine Gesundheitswerbung zulassen, dann könnte das dazu führen, bei Spirituosen durch Beigabe gewisser Zusätze die Voraussetzungen für die besonders werbewirksame allgemeine Bezugnahme auf die Gesundheit zu schaffen, obwohl das Getränk in erster Linie wegen seines gesundheitlich bedenklichen Alkoholgehaltes und nicht wegen seiner auch anderwärts erhältlichen Zusätze angeboten und genossen wird» Es besteht in derartigen Fällen jedenfalls kein Anlaß, eine Gesundheitswerbung zuzulassen, die sich nicht auf nachprüfbare, unmißverständliche Informationen über bestimmte Vorteile der Beimischungen beschränkt, sondern nach Art des beanstandeten Werbespruchs ganz allgemein die gesundheitsfördernde oder gesundheitlich unbedenkliche Wirkung der Spirituose anpreist, obwohl mit einem solchen Getränk verschiedene, auch bedenkliche und nicht leicht feststellbare Wirkungen für die einzelnen Verbraucher verbunden sein können* Selbst wenn Anpreisungen dieser Art wegen ihrer allgemein gehaltenen Fassung keine nachweisbar unrichtigen Behauptungen tatsächlicher Art enthalten, besteht mindestens die Gefahr, daß sie - wie das Berufungsgericht zutreffend zu dem Ausdruck bringt - den Verbraucher zur Hinderung seiner Vorsicht gegenüber Alkohol-genuß verleiten* Indem sie an den Sinn für gesundheitliche Rücksichtnahme appellieren, erleichtern sie es einem nicht unerheblichen Teil der Verbraucher, der Neigung zu dem Verbrauch derartiger Genußmittel nachzugeben und die Augen vor den an sich bestehenden Bedenken zu verschließen* Im Hinblick auf diese Gefahren ist es durchaus gerechtfertigt, daß die Begriffsbestimmungen für Spirituosen eine Gesundheitswerbung unabhängig vom Nachweis der Irreführung im Einzelfall mißbilligen*