BGH · Ib ZR 30/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Bundesminister für Wirtschaft erteilte am 27o Juli 1957 als KartellaufSichtsbehörde der GELU zur Befreiung von den Vorschriften der Dekartellierungsgeoetze die - bis zu dem Ablauf von 6 Monaten nach dem Inkrafttreton des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen befristete, somit am 300 Juni 1958 erloschene - Erlaubnis, mit den Inhabern literarischer Urheber rechte Wahrnehmungoverträge abzuochließen und zwar unter anderem über Der Notvorstand der GELU hat im Aufträge des Konkursverwalters mit Schreiben von 15«, September 1958 den Vertragspartnern der Berechtigungcverträge mitgcteilt, daß am gleichen Tage das Konkursverfahren eröffnet worden sei und daß damit diese Verträge "gegenstandslos" seien«, Die im Besitz der GELU befindlichen Berechtigungsverträge sind sodann von lfotvor-stand vernichtet wordene Der Kläger beanstandet, daß die beklagten Rundfunkanstalten ohne Zustimmung der GELU urheberrechtlich geschützte Sprachwerko vor deren öffentlicher Wiedergabe durch Hörfunk auf Tonträger übertragen haben, um diese zu erstmaligen Sendungen und zur Aufbewahrung im Archiv sowie zu Wiederholungssendungen zu benutzen«. Er vertritt die Ansicht, daß diese körperliche Festlegung der Wortschöpfungen auf Tonträger durch die von den Urhebern den Sendeunternehmen erteilto Erlaubnis zur Sendung durch Rundfunk nicht gedeckt werde und daher als Akt der Vervielfältigung des Werkes die der GELU von den Wortautoren übertragenen mechanischen Vervielfältigungsrechte verletzeo In einem vorangegangenen Verfahren auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung hatte der Kläger im Juli 1959 beantragt, den Beklagten zu untersagen, mechanische Vervielfältigungen urheberrechtlich geschützter Wortschöpfungen herzustellen oder zu benutzen«. Das Berufungsgericht hat das landgerichtliche Urteil geändert 9 soweit nicht die Berufung durch das feilurteil zurückgewiesen worden ist» Es hat ausgesprochen daß die Klageansprüche aus dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung dem Grunde nach insoweit für gerechtfertigt erklärt werden als sie die Ausstrahlung von sieben, in der Urteilsformel bezcichncten Rundfunksendungen durch den Beklagten zu 1 betreffeno Zur Entscheidung über die Hohe dieser Ansprüche ist der Rechtsstreit an das Landgericht zurüekvcr-v/iesen worden, dem auch die Entscheidung über die Kosten beider Rechtszüge übertragen worden ist* Io Es hat dies damit begründet, daß die GELU auf Grund der mit den Autoren abgeschlossenen Berechtigungsverträge (§ 3) und des in der Satzung (§ 1) niedergelegten Zwecks, die Urheberrechte der Mitglieder treuhänderisch wahrzunehmen, befugt sei, die streitigen urheberrechtlichen Ansprüche im Wege der Drozeßotandschaft im eigenen Namen gerichtlich geltend zu machen* Diese Befugnis sei nunmehr auf den Kläger in dessen Eigenschaft als Konkursverwalter übergegangen (§§ 6, 117 ff K0)o Zwar seien, wie in dem Urteil des Berufungsgerichts in Verfuhren der einstweiligen Verfügung ausgeführt sei (GRUR I960, 634j 636), sämtliche Berechtigungsverträge und damit die übertragenen Wahrnehmungsrechte durch die Ablehnung der weiteren Die Revision beanstandet, daß das Berufungsgericht das Schreiben vom 15° September 1958, mit dem den Mitgliedern der GELU mitgeteilt worden ist, daß die Berechtigungsverträge gegenstandslos oind9 lediglich unter dem Gesichtspunkt des § 17 KO gewürdigt, jedoch nicht geprüft hat, ob in den Schreiben gleichseitig eine Kündigung des Geschäfts-besorgungsverhältnisses zu erblicken ist0 Im Hinblick auf den Inhalt dos Vertrageverhältnisses zwischen der GELU und den Autoren müsse angenommen werden, daß die Befugnis der GELU zur treuhänderischen Wahrnehmung der Rechte der Autoren für die Zukunft erloschen sei* Bas habe zur Folge, daß die GELU auch die streitigen Ansprüche nicht mehr verfolgen könne„ vcrv/altor über das Vermögen der GELU - vom Zeitpunkt der Vertragobeendigung an bezüglich der zur Wahrnehmung übertragenen Urheberrechte nicht mehr zu dem Abschluß von Nutzungsverträgen berechtigt ist» Dagegen hat der Kläger das Hecht, alle Ansprüche, die während der Dauer der Berechtigungsverträge aus der Auswertung der der G-ELU übertragenen Hechte durch Dritte entstanden sind, auch weiterhin geltend zu macheno Dabei ist es unerheblich, ob die Ansprüche aus den Abschluß von Nutzungsverträgen seitens der G-ELU oder aus ungenehnigten Eingriffen in die der G-ELU übertragenen Re elite erwachsen sind* Aus der treuhänderischen Natur der nur zur Wahrnehmung erfolgten Rechtsübertragung kann aus dem Grunde nichts Gegenteiliges gefolgert werden, weil die übertragenen Rechte "als gemeinsame Rechte" der Beteiligten wanrgenommen werden (vgl® die Präambel der von der GELU dem Bundesminister für Wirtschaft nit Schreiben vom 28„ Mai 1957 überreichten neuen Satzung, BA I B 5 - d 87 - 1624/57 des Bundesministero für Wirtschaft) und weil die eingehenden Entgelte, wie auch bei anderen urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften, nach einem Verteilungoplan zu verteilen sind, der nicht ausschließlich eine individuelle Abführung der jeweils für die ausgewerteten Werke eines Autors eingegangenen Tantiemen vorsieht, sondern im wesentlichen auf einem pauschal crrechnetcn Punktsystem beruhte Hierdurch unterscheidet sich das zwischen der Verwcrtungsgeoollsehaft und den Berechtigten bestehende Rechtsverhältnis - entgegen der Auffassung der Revision - von einer normalen Inkassovollmacht, bei der der für den Auftraggeber vereinnahmte Betrag an diesen abzuführen ist 0 Sonach ist es unter der Voraussetzung, daß die hier strittigen Rechte der GELU übertragen worden waren, rechtlich nicht zu beanstanden, daß das Berufungsgericht die Sachbefug-nis des Klägers bejaht hat, obwohl der Notvorstand der GELU 1. In der Sache selbst geht das Berufungsgericht davon aus, daß die sieben Schriftsteller, deren in der Urteilsformel genannte Werke von den Beklagten gesendet worden seien, bereits mit der GBLU Berechtigungsverträge abgeschlossen gehabt hätten, bevor sie bezüglich dieser 'Werke mit Rundfunkanstalten vertragliche Vereinbarungen über die Berechtigung zur Funksendung sowie über das Recht zur Herstellung von Tonträgern für Sendezwecke und zur Archivierung der Bandaufnahmen getroffen hätten. Sodann legt das Berufungsgericht dar, es halte seinen im Verfahren der einstweiligen Verfügung eingenommenen Standpunkt nicht mehr aufrecht, daß die Übertragung der Rechte zur mechanischen Vervielfältigung seitens der Autoren auf die GELU gemäß § 1 Buchst, e des Berechtigungs-Vertrages nicht die von den Sendeunternehmen mit eigenen Mitteln für Sendezwecke hergestellten Bandaufnahmen umfasse, weil der Kläger in jenem Verfahren nicht hinreichend glaubhaft gemacht habe, daß die Autoren der GELU auch die Rechte zu derartigen zweckgebundenen Eigenaufnahmen der Sendeunternehmen übertragen hätten. sichtobehörde ergebe sich eindeutig die Absicht der GELU, auf den Gebiet der literarischen Urheberrechte die Schwester gesellschaft der GEMA zu werden0 Eo sei ihr V/ille gewesen, sich alle einschlägigen Nutzungsbefugnisse übertragen zu lassen;, um in Rechtsverkehr mit der gleichen Wirksamkeit wie die GEMA auf treten zu können 0 Ebenso wie diese habe sie die kleinen Rechte sowie - mit Ausnahme der ephemeren Aufnahmen der Sendeunternehmen - die mechanischen Verviel-fältigungsrechte wahrnehmen wollen„ Das sei gemeinsamer Vertragszweck gewesen« Die Zusammenfassung dieser Rechte in der Hand einer Urheberverwertungsgesellschaft sei auch notwendige Voraussetzung für die wirksame Verwaltung dieser Rechteo Im Hinblick auf den bedeutsamen Bereich der Rundfunksendung von Sprechwerken und auf die Zielsetzung der GELU wäre es auch schwerlich gerechtfertigt gewesen, gerade die nicht ephemeren Bandaufnahmen für Funksendungen, um die eo sich im Streitfall handele, von der Wahrnehmung der mechanischen Vcrvielfältigungsrechte auszurebnen, Die Übertragung auch dieser Rechte sei für den von den Autoren und der GE LU erstrebten Zweck unzweideutig erforderlich gewesen« Diesem Vertragszweck sei besonderes Gewicht einzuräumen« Er habe die Bedeutung eines objektiven Maßetabes für die Ermittlung des Vertragsinhalts, selbst wenn sich die Vertragsschließenden der Tragweite dieses Umstandes nicht bewußt gewesen sein sollteno Demnach habe die GELU die mechanischen Vervielfal-tigungsrechte im erwähnten Umfange durch die genannten sicher. liegt im wesentlichen darinp daß sich das Berufungsgericht zu starr an den 7/ort-laut der Bestimmung des § 1 Buchst0 e geklammert und einseitig die Interessen der GSLU berücksichtigt hato Es hat dabei für die Ermittlung des Vertragszwecks wesentliche Umstände außer acht gelassene Unstreitig sollten sich die Wahrnehmungsbefugnissc der GELLT nicht auf das Recht des Urheberberechtigten erstrecken, seinerseits Sendcunternehmen die Sendung seiner Werke durch Rundfunk- octer Fernsehanstalten zu gestatten«, Sowohl bei Gründung der GELU als auch zur Zeit des Abschlusses der die Klagcgrundlagc bildenden Berechtigungcverträgc war es ferner allgemein üblich? daß die Rundfunk- und Fernsehanstalten sich bei Abschluß eines Sendevertragec mit Schriftstellern zugleich das Recht zur Herstellung von Ton-und Bildträgern für Sendezwecko und für Archivzwecke einräumen ließens wie die zu den Gerichtcakten überreichten Honorarvereinbarungen der Rundfunk- und Fernsehanstolten aueweisen« Bei dieser Sachlage hatte cs für die Urheberberechtigten aber nur dann einen Sinn, sich das Senderecht zur freien Verfügung vorzubehalten, wenn ihnen das zu dessen unbeeinträchtigter Auswertung weiter erforderliche Verviol-fültigungsrecht bezüglich der Vervielfältigungsstücke für Sendezwecko verblieb«. Da die Bestimmung des § i 'Buchst«, e des Berechtigungsvertrages insoweit nicht eindeutig ist, als sie nicht ausdrücklich besagt3 daß sämtliche Rechte zur mechanischen Vervielfältigung auf die GELU übertragen werden, ißt bei Auslegung des Vertrages von dem Grundsatz auszugehen, daß der Urheber im Zweifel keine weiter-gehenden Rechte überträgt, als es der Zweck des Vertrages erfordert (BGHZ 9, 263? Gegenüber diesen für die Ermittlung der Willensrichtung beider Partner der Berechtigungoverträge wesentlichen Umständen ist es rechtlich verfehlt, wenn das Berufungsgericht aus allgemeinen Erklärungen von an der Gründung der GELU beteiligten Personen entnimmt, die GELU habe die Schwestcrgc-sellschaft der GEMA werden und umfassende Nutzungsrechte auf sich vereinigen wollen und wenn es hieraus rechtliche Folgerungen für die Auslegung des Berechtigungsvertrages ziehto Eine dieser Erklärungen geht überdies noch davon aus, daß der GELU das Senderecht übertragen werden würde, was jedoch, wie dargelegt, nicht der Fall gewesen ist» Da sonach hinsichtlich der den Streitgegenstand bildenden Werke die Rechte zur mechanischen Vervielfältigung, soweit sie durch Rundfunk- oder Pernsehanstalten für Sendezwecke geschieht, der GRLU durch die mit den Schriftstellern geschlossenen Berechtigungsverträge nicht übertragen worden sind, stehen dem Kläger als Konkursverwalter über das Vermögen der GKLU Ansprüche gegen die beklagten Rundfunkanstalten wegen der Herstellung und Benutzung der Bandaufnahmen zu Sendezwecken nicht zu0