BGH · Ib ZR 20/66 vom 05.07.1967
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Ber klagende "Verein zur Förderung des lauteren ■ Wettbewerbs im Einzelhandel der Stadt Hannover und Umgebung" bezeichnet sich als eine Vereinigung von Gewerbetreibenden, die sich zu dem Ziele gesetzt habe, die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der linzelhandelskaufleute im Regierungsbezirk Hannover in jeder Weise zu wahren und zu fördern. Die Beklagte zu 1, deren persönlich haftende Gesellschafterin die Beklagte zu 2 ist, eröffnete zunächst in Bochum und in Münster und dann bei Hannöver einen Selbstbedienungsgroßhandel für Bebens- und Genußmittel zur Belieferung von Lebensmitteleinzelhändlern und bestimmt er Großabnehmer (11 R^|^-Großmarkt") und ferner einen Selbstbedienungseinzelhandelsbetrieb ( "R^(J-Markt") in dem Waren, die nicht zu dem Sortiment des Ratio-Großmarktes gehören, angeboten werden und in dem auch Letztverbraucher kaufen können« Die Letztverbraueher benötigen für Käufe im R^^-Markt Kauf karten« Diese werden von der Beklagten ausschließlich an solche Lehensmitteleinzelhändler zur Weitergabe an deren Kunden ausgegeben, die sich ihrerseits eine Kaufberechtigung für den R^^-Großmarkt haben ausstellen lassen und mit der Beklagten einen "Vertreter im Hebenberuf-Vertrag" abgeschlossen haben« Auf Grund dieses Vertrages erhalten die Einzelhändler 4 $> auf diejenigen Einkäufe, die ihre Kunden unter Vorlage der Kauf karten bei der Beklagten getätigt haben« Die Beklagte bezeichnet ihr Unternehmen als "größte Selbstbedienungsgroßhandlung der Welt" (Anlage 3 zur Klageschrift)« Hach ihren Angaben erreicht der Jahresumsatz des RJB^-Marktes in Hannover 42 Millionen DM« Hach Ansicht des Klägers bezwecken die Beklagten in wettbewerbswidriger Weise, daß Lebensmitteleinzelhändler Kunden in ihrem R^pfc-Großmarkt werden, um den eigenen Kunden Kaufkarten aushändigen und einen zusätzlichen Gewinn durch die Vergütung von 4 $ erzielen zu August 1965 auf 5 Millionen DM festgesetzt* Gegen dieses Urteil hat der Kläger Revision eingelegt und ferner gebeten, den Streitv/ert für alle Instanzen niedriger festzusetzen* Klagen mehrere Kläger oder eine wirtschaftliche Interessenvereinigung bestimmter Gewerbetreibender, dann ist nach allgemeiner Ansicht die Summe der Interessen aller Kläger oder Mitglieder zusammenzurechnen, wobei gegebenenfalls der Streitwert noch erhöht werden teaxm9 wenn durch die Rechtsverfolgung die Je lange von Nichtmitgliedern mit wührgenommen werden (vgl* RG GRUR 1911, Anm* 6 zu § 27; fetzner, OTG, 2* Auf!*, S* 30; Hillach, Streitwert, 2* Auf 1 *, S* 371; Gerold, Streitwert, S* 277, vgl* auch Schramm, GRUR 1955, 104, sich jedoch wie im Streitfall um gemeinnützige Verbände, wie z*B* Vereine zur Börderung des lauterenWettbewerbs, die keine eigenen unmittelbaren wirtsohaftlichen Interessen verfolgen und denen vielfach Gewerbetreibende verschiedener Branchen angehören, dann wollen Hillach, Gerold, Baumbaeh/Hefermehl und insbesondere das OLG Düsseldorf (JOT 1966, 987) von dieser Art der Streitwertberechnung abweichen* Dem ist zuzustimmen. 606 - Heilmittelvertrieb; 1938, 32 - Haferschleim; BGHZ 41, 314, 317 - Lavamat; vgl* auch GRUR I960, 379 -Zentrale)* Von diesem Interesse her gesehen, erscheint es nicht zwingend geboten, bei der Streitwertfestsetzung generell von der Mitglieder zahl des Verbandes oder davon auszugehen, welcher Teil der Mitglieder jeweils von dem behaupteten Wettbewerbsverstoß betroffen ist und in welchem Umfang Vermögensverschiebungen zugunsten der Mitglieder im Palle eines Verbotes eintreten könnten* Vielmehr kann in Pallen der vorliegenden Art das Interesse der Allgemeinheit an der Beseitigung des bekämpften Zustandes als wesentlicher Paktor für die nach freiem Ermessen vorzunehmende Streitwertfestsetzung in den Vordergrund treten* Baß die Bekämpfung von Wettbewerbsverstößen sich zugleich zugunsten aller von diesen Verstößen Betroffenen auswirkt, ist keine Besonderheit von Verbandsklagen und wird für die Streitwertbemessung beispielsweise erst dann ausschlaggebend sein, wenn der Verband im Einzelfall mit Ermächtigung bestimmter Verletzter oder im wesentlichen zu dem Schutz von Individualinteressen vorgeht* Bas im Streitfall maßgebliche Interesse der All« gerneinheit kann nun allerdings nicht danach bewertet werden, wie leistungsfähig der Verband ist und ob für ihn das mit dem Prozeß verbundene Kostenrisiko tragbar ist, zu demal der G-esetzgeber inzwischen in § 23 a UWG die Möglichkeit der Herabsetzung des Streitwertes geschaffen hat, die am 22, Juli 1965 in Kraft getreten ist und nach der Übergangsregelung auch auf den vorliegen* den Hechtsstreit anwendbar wäre. Abgesehen davon, daß andernfalls ein Vorschieben leistungsschwacher gemeinnütziger Verbände zu lasten der beteiligten Anwälte und der Gerichtskasse befürchtet werden müßte, ist die Bewertung des maßgeblichen Interesses nicht vom Kostenrisiko, sondern von sachbezogenen Kriterien abhängig zu machen© Wesentlich erscheint nach der insoweit zutreffenden Ansicht des Oberlandesgerichts Düsseldorf insbesondere die allgemeine Bedeutung der beanstandeten Wettbewerbshandlung nach Art und gebietlicher Auswirkung, ferner die Gefahr der Nachahmung, die Größe des verletzenden Unternehmens und der Umfang, in dem seine Handlungen nach außen in Erscheinung treten. Berücksichtigt man im Streitfall, daß es um die Ausübung eines Wirtschaftlichs bedeutsamen neuartigen Vertriebssystems durch einen Großhandelsbetrieb geht, das sich nach Ansicht des Klägers sowohl auf den lebensmittelgroßhandel als auch für den Einzelhandel mit Nicht-lebensmitteln auswirkt, dann erscheint die