BGH · Ib ZR 131/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Von Rechts wegen Tatbestands Die Beklagte betreibt den Großhandel mit Möbeln und dabei auch das sogenannte Unterkundengeschäft, indem sic Kunden von Unternehmen, mit denen sie in Geschäftsverbindung steht, nämlich Einzelhandels- und Handwerksbetrieben sowie Kaufscheinorganisationen und Einkaufsringen, gegen Vorlage eines von diesen Unternehmen ausgestellten "Einkauf sscheines", "Berechtigungsnachv/eises", "Besuchsaus-v/eises,f usw0 Zutritt zu ihren Geschäftsräumen gewährt, ihnen dort ihr Sortiment vorführt und namens und für Rechnung der bezeichneten Unternehmen auch an sie verkaufte Als der Kläger dies durch eine Testkäuferin erfuhr, erwirkte er eine einstweilige Verfügung, durch die der Beklagten unter Strafandrohung verboten wurde, sogenannten Testkäufern, die zur Feststellung von Wettbewerbsund/oder Rabattverstößen bei ihr einen Einkauf tätigen und zu diesem Zweck ihre Geschäftsräume betreten wollen, das Betreten dieser Räume zu verbieten und/oder solchen Testkäufern Strafverfolgung wegen Hausfriedensbruchs anzudrohen, insbesondere durch Anbringen eines Schildes mit dem oben wiedergege-benen Inhalt an der Eingangs- oder einer Durchgangstür MIHifl Q 167/62 DG München I)* Die einstweilige Verfügung wurde durch Ürteil aufrechterhalten, die dagegen gerichtete Berufung der Beklagten wurde zurückgewiesen» werbs- und Rabattverstöße begangen und sei schon mehrfach in Auseinandersetzungen mit ihm sov/ie mit dem Möbelfachverband und verschiedenen Möbeleinzelhändlern verwickelt gewesen» Daher hätten der Möbelfachverband und dann auch er, Kläger, Anlaß zur Prüfung gehabt, ob die Beklagte derartige Verstöße nach wie vor ausübe» Diese Prüfung sei aber nur dui^ch den Einsatz von Testkäufern möglich» Da dieser Einsatz wegen des begründeten Verdachts von Gesetzesverlet-zungen auch zulässig sei, handele die Beklagte durch die Anbringung des beanstandeten Schildes wettbewerbswidrig» Durch Urteil des Landgerichts ist der Beklagten unter 'Strafandrohung verboten worden, sog» Testkäufern, welche zur Peststellung von Wettbewerbsund/oder Rabattverstößen bei der Beklagten einen Einkauf tätigen und zu diesem Zweck die Geschäftsräume der Beklagten betreten wollen, das Betreten ihrer Geschäftsräume zu verbieten und/oder diesen Testkäufern Strafverfolgung wegen Hausfriedensbruchs anzudrohen, insbesondere durch Anbringung eines Schildes an der Eingangs- oder einer Durchgangstür ihrer Geschäftsräume mit folgendem Inhalt: I* Bas Berufungsgericht geht davon aus* daß zu Geschäftsräumen, die bestimmungsgemäß dem Publikum zugänglich sind, an sich jeder Zutritt hat, der sie zu einem mit dem Geschäftsbetrieb übereinstimmenden Zweck betritto Auch wenn angenommen werde, so fährt es fort, daß ein Testkauf noch einen solchen Zweck verfolge, so stehe es dem Geschäftsinhaber gleichwohl frei, bestimmte oder bestimmbare Personen in allgemeiner oder besonderer Weise mit der Polge auszuschließen, daß mit einem gegen seinen Willen erfolgenden Eintritt oder Verbleiben in den Räumen ein Hausfriedensbruch begangen werde• Daher komme es darauf an, ob in dem Interessenwiderstreit zwischen den Belangen des Geschäftsinhabers und den Interessen derjenigen, die meinen, ihn überwachen zu müssen, dem Hausrecht des einen oder den Interessen der anderen der Vorrang gebühre» Da die Mitbewerber Testkäufe aber nicht zu dem Zv/eck durchführten, die Interessen der Allgemeinheit an der Sauberhaltung des Geschäftsverkehrs zu wahren, sondern deshalb, um den eigenen Geschäftserfolg zu sichern, müsse ihr Interesse hinter dem Hausrecht zurtickstehen, dem die Rechtsordnung einen hohen Rang zu demesseo Entscheidend sei, daß die Geschäftsräume der Beklagten bestimmungsgemäß dem Publikum gar nicht allgemein zugänglich seien» Denn die Beklagte habe den Zugang nur ihren Großhandelskunden und den von diesen ausgewählten und mit entsprechenden Ausweisen versehenen letztverbrauehern eröffnet» Wer nicht zu diesem begrenzten Kreis gehöre, könne sich schon deshalb nicht auf einen Umstand berufen, dem das beanstandete Häusverbot entgegenstünde, er könne sich in der Regel den Eintritt auch nur auf ordnungswidrige Weise verschaffen» 564 f - Hausvex'bot)» Auch in Pallen, in denen nicht Waren feilgehalten, sondern gewerbliche Leistungen angeboten werden, ist es grundsätzlich zulässig, daß ein Wettbewerber durch Überwachungspersonen feststellt, ob der Verdacht rechtswidrigen Handelns berechtigt ist (BGH GRTJR 1965, 607, 609 - Funkmietwagen)» Solche Überwachungsmaßnahmen, insbesondere Testkäufe, entsprechen den verschiedensten Bedürfnisseno In vielen Fällen sollen sie dem Beweis von Rechtsverletzungen dienen» Baß sie ohne Angabe ihres Zweckes vorgenoramen werden, entspricht allgemein anerkannter Ifot-wendigkeit» Der Einzelhändler muß sie hinnehmen, weil er durch die Eröffnung der Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr zu erkennen gegeben hat, daß er zu dem Verkauf der darin ausgelegten Waren ohne Rücksicht darauf bereit ist, welohe Zwecke der Käufer mit dem Erwerb der Ware verfolgt« Auch der Umstand, daß solche Überv/achungsmaßnahtaen der Mitbewerber dem Schutz von deren eigenen geschäftlichen Interessen dienen, steht ihrer Zulässigkeit nicht entgegen (BGHZ aaO 568)» : Es sind nun keine Gründe ersichtlich, welche die Vornahme von Kontrollkäufen bei einem Unternehmen, das neben dem Großhandel in der dargelegten Weise das Unterkundenge-schäft auaübt, grundsätzlich als sittenwidrig oder solche (jberwachungsmaßnahmen nur unter erschwerenden Voraussetzungen als rechtlich zulässig erscheinen ließen» Vielmehr führen die gleichen Gründe, die zur Zulassung von Kontrollkäu-fen bei Einzelhändlern geführt haben, die ihre Geschäfte für den allgemeinen Verkehr eröffnet haben, dazu, daß mit den gleichen Einschränkungen v/ie bei diesen, auch im Geschäftsverkehr der Beklagten solche Probekäufc allgemein rechtlich nicht mißbilligt v/erden können, die von einem Testkäufer durchgeführt v/erden, der sich von einem der "Hauptkunden" der Beklagten eine entsprechende Bescheinigung ordnungsgemäß hat ausstellen lassen» V/ie es zulässig int, daß ein Testkäufer den für das Publikum allgemein zugänglichen Geschäftsraum eines Einzelhändlers betritt und dort den Probekauf ohne Angabe des Kaufzwecks vornimmt, so int es auch zulässig, daß sich ein Testkäufer ohne Angabe des Zweckes seines Kaufs bei einem "Hauptkunden" der Beklagten einen Einkaufsschein ausstellen läßt und unter dessen Vor-läge die Geschäftsräume der Beklagten betritt» Soweit den Ausführungen des Berufungsgerichts zu entnehmen ist, daß der Testkäufer sich in diesem Palle den Eintritt auf ordnungswidrige Weise verschafft, kann dem daher nicht gefolgt werden» a) Nach dem Inhalt des Schildes verbietet die Beklagte nicht etwa den Zutritt zu ihren Geschäftsräumen denjenigen Besuchern, welche nicht im Besitze eines KaufScheines sind« Vielmehr besagt das Schild, daß die Verkäufer der Beklagten grundsätzlich keine Rabattgespräche führen,und daß derjenige wegen Hausfriedensbruchs belangt werde, der versuche, im Aufträge anderer Interessengruppen sogenannte Testkäufe, Spitzeidienste oder Verwicklungen in Rabattgespräche durchzuführen« Pas Verbot richtet sich daher auch an solche Testkäufer, die im Besitz eines Kauf sch eines sind« Pie Beklagte bringt mit diesem Verbot zu dem Ausdruck, daß sie grundsätzlich ihren Mitbewerbern das Recht zur Purchfüh-rung von Überwaohungsmaßnahmen absprecho« Penn dies muß der unbefangene Xeser dem Aufdruck entnehmen« Pie von der Beklagten im Rechtsstreit vertretene Auffassung, das Verbotsschild richte sich nicht gegen jeden Testkäufer, sondern nur gegen solche Personen, welche die Verkäufer in Rabattgespräche verwickeln und Spitzeldienste leisten wollten, sich also nicht wie ein normaler Käufer verhielten, trifft daher nicht zu. Ob unter diesem rechtlichen Gesichtspunkt schon der erste Satz des Aufdrucks auf dem Schild für sich allein zu beanstanden wäre, kann dahingestellt bleiben« Denn der einleitende Satz "Unsere Verkäufer führen grundsätzlich keine Rabattgespräche" steht ersichtlich im Zusammenhang mit der unmittelbar nachfolgenden Ankündigung, daß derjenige wegen Hausfriedensbruchs belangt werde, der versuche, im Auftrag anderer Interessentengruppen Testkäufe durchzufüh-ren« Angesichts dieser sich aus dem Sinnzusammonhang ergebenden engen Verbindung beider Sätze bestehen keine rechtlichen Bedenken dagegen, daß das Landgericht den Gecamt-inhalt des Aufdrucks in das Vex^bot aufgenommen hat., b) Da schon hiernach das Unter las sungsbegehreii des Klägers gerechtfertigt ist, bedurfte es keiner Prüfung, ob dieses auch aus anderen rechtlichen Gesichtspunkten begründet ist» Hier käme in Betracht, daß der Inhalt des Schildes v/egen seiner etwaigen werbenden Wirkung auf die angesprochenen letztverbraucher zu beanstanden sein könnte (vglo BGHZ 43, 364 ff)» So wäre es denkbar, daß der die Geschäftsräume der Beklagten aufsuchende Betztverbraucher dem Inhalt des Schildes, insbesondere dem Hinweis auf Rabattgespräche entnehmen könnte, die Beklagte gewähre Rabatte, die die rechtlich zulässige Höhe überschritten» Wäre diese Ankündigung richtig, so läge eine Verletzung des § 1 UWG vor, da eine Werbung sittenwidrig ist, mit welcher der Werbende seinen Willen zu einer planmäßigen Verletzung gesetzlicher Vorschriften kundgibt» Wäre aber die Ankündigung unrichtig, v/eil die Beklagte tatsächlich keine Verstöße gegen das Rabattgesetz begeht, so wäre sie nach § 3 UWG unzulässig, da die Kunden in irreführender Weise angelockt würden»