BGH · Ib ZR 130/64
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigte: Rechtsa und Br, Bor IB-Zivilsenat dos Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 20«, Oktober 1965 unter Mitwirkung der Senatopräsidentin Br„ Krüger-Nieland und der Bundesrichter Pohle, Br«, Sprenkmann, Alff und Br«, Simon für Recht ei’kannt: Auf die Revision des Beklagten wird das den Parteien anstelle der Verkündung am 14» Juli 1964 zugestellte Urteil des 6«, Zivilsenats dos Oberlandesgerichts Frankfurt (Main) und das ihm zugrundeliegende Verfahren aufgehoben. Der Beklagte hat die Herausgabe des Fornlehrgangs zurückgestellt und auf entsprechende Anfragen dos Klägers schließlich am 5* Januar 1962 erklärt, er könne sich nicht auf einen verbindlichen Veröffentlichungstermin Der Kläger fordert mit der vorliegenden Klage unter dem Gesichtspunkt des Verzuges und des Schadensersatzes wegen Nichterfüllung des Verlagovortrageo Zahlung eines Betrages, dessen Höhe er in das Ermessen des Gerichts stellt, sowie Herausgabe von 14 Lehrbriefmanuskripteno Der Beklagte hat bestritten, zur Veröffentlichung der Dohrbriefe bereits verpflichtet zu sein, und Abweisung der Klage beantragt» August 1964 der Geschäfts-vertoilungsplan dahin geändert worden, daß die mit Verwaltungssachen befaßten Oberlandesgerichtsräte den Senaten nicht mehr als Beisitzer, sondern nur noch als Vertreter zugeteilt werden* Eez ember 1963 zugrunde, so war der erkennende Senat des OBerlandesgerichts mit einem Senatspräsidenten als Vorsitzenden und 6 weiteren ordentlichen Mitgliedern in einem Maße überbesetzt, das es gestattete, in zwei DRiZ 1965, 164), der sich der erkennende Senat bereits angcschlosson hat, ein Verstoß gegen Art« 101 Abs« 1 Satz 2 00, wonach niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden darf« In einem Solchen Verstoß liegt regelmäßig zugleich eine nicht vorschriftsmäßige Besetzung des erkennenden Gerichts im Sinne von § 551 Nr« 1 ZPO, ohne daß es darauf ankämo, ob der Vorsitzende des Spruchkörpers im linzelfall die mitwirkenden Richter in einer den Vorschriften des Gorichtsverfassungsgesetzes zuwiderlaufenden Weise berufen hat« Denn zu den Vorochrif ten, deren Verletzung die Annahme begründen kann, ein Gericht sei nicht vorschriftsmäßig besetzt, gehören auch die Normen, die bei der Geschäftsverteilung vom Präsidium des Gerichts zu beachten sind (RGSt 37 > 591 BGHSt 3«, 353, 355i 9, 107? verstorben ist, welcher der nach § 128 Abs* 2 ZPO ergangenen Entscheidung zugrundeliegt* Es kann jedoch im Streitfall dahinstehen, ob der in der ursprünglich im Gesehäftsvorteilungsplan vorgesehenen Überbeoetzung liegende Verstoß gegen Art» 101 Abs» 1 Satz 2 GO als geheilt betrachtet werden kann* wenn sich die Zahl der Senatsmitglieder noch vor dem für die konkrete Entscheidung maßgebenden Zeitpunkt auf das noch zulässige Maß verringert hat $ denn auch dann, wenn der verstorbene Richter nicht mitgerechnet wird, bleibt eine unzulässige Überbesetzung des Senats bestehen, es sei denn, man hätte auch das Senatsmitglied nicht mitzuzählen, das nach der Auskunft des Oberlandesgerichtspräsidenten während des ganzen Geschäftsjahres nur mit Verv/altungsaufgaben beschäftigt worden ist» Das ist jedoch nicht angängig; denn der Umstand, daß ein Senatsmitglied nur mit Vcrwaltungsaufgaben befaßt worden ist, schloß nicht die 1.1 ö g 1 i c h k eit aus, daß der Senat in zv/ci personell voneinander verschiedenen Sitz-gruppen Recht sprach; auf diese Möglichkeit kommt es aber nach der bereits erwähnten Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts an* Es ist auch nicht möglich, dieses Senatsmitglied nur als Vertreter anzusehen* Is muß vielmehr angenom- ., men werden, daß der Geschäftsverteilungsplan Richter, die einem Senat nur als Vertreter angehören sollen, auch als solche bezeichnet; hinsichtlich des hier in Betracht kommenden Richters ist das erst nach Erlaß des angefochtenen Urteils durch besonderen Beschluß des Präsidiums geschehen; es ist deshalb nicht angängig, ihn schon für die vorhergehende Zeit als Vertreter anzusehen* 294; BEiZ 1965, 164, 165)« Aus demselben Grunde kann es auch nicht von der tatsächlichen Heranziehung dos Senatsmitglieds abhängig gemacht v/erden, ob er dem Spruchkörper als ordentliches Mitglied angehört oder nichto Da das angefochtene Urteil nach § 551 ZPO als auf dem Verfahr ensfehlor beruhend anzusehen ist, war es einschließlich des Verfahrens, soweit dieses durch den Verfahrensmangel betroffen ist, aufzuhobon (§ 564 Abs« 1 und 2 ZPO) und die Sache zur anderweiton Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückzuverweiseno Die Hiederochlagung von Kosten und Auslagen in dem aus der Urteilsformel ersichtlichen Umfang beruht auf § 7 GKG (vgl, BGHZ 27, 163?