BGH · Ib ZR 128/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 17o März 1956 kontrollierte Direktor KflIHVdcr Süddeutschen Bank den Lagerbestand in LfimV’ das Ergebnis der Prüfung, wonach in den Silos 6 und 12 je 35 to Malz festgestellt wurden, wurde auf der Rückseite des Lagerseheins festgehalten, wo erst jetzt auch die Freigaben vom August 1955 vermerkt wordene Am 19* März 1956 wurden auf dem Lagerschein - ohne Unterschrift der Beklagten - weitere 25 000 kg Malz abgebuchto Am 20 Juni 1956 teilte die Firma SchflK der Klägerin mit', es seien 25 000 kg Malz von I^BHBl nach BflHBl verlagert worden* Darauf beanstandete die Klägerin mit Schreiben vom 4° Juni 1956, daß die Zustimmung der Bank zu dieser Verlagerung fehle und stellte fest, daß laut Lagerschein noch 45 to Malz vorhanden sein müßten» eine Durchschrift dieses Briefes übersandte sie dem Beklagten DfHIS mit der Bitte, ’’entsprechend den Verpflichtungen als freu-händer für die *are zu verfahren11 und dem Beklagten Sei einen weiter beigefügten Durchschlag zu übergeben* Die Klägerin verlangt von den Beklagten Ersatz für den Schaden, der ihr dadurch entstanden ist, daß sie im Konkurs^ verfahren ihren Aussonderungsanspruch nicht mehr geltend machen konnte o Sie trägt vor, die Beklagten hätten ihre vertraglichen Pflichten, sei es aus einem Treuhand-, einem Garantie- oder einem Schuldmitiibernahmevertrag, dadurch verletzt, daß sie den Abtransport des Lagerguts nicht verhindert hätten? Die Beklagten haben beantragt, die Klage abzuweiseno Sie machen vor allem geltend, sie hätten mit ihrer Unterschrift auf dem Lagerschein, die sie nicht auf Veranlassung der Klägerin, sondern auf Bitten ihres Arbeitgebers geleistet hätten, lediglich bestätigen wollen, daß das von der Klägerin gelieferte Malz in der angegebenen Menge in eingelagert worden sei*, Eine etwaige ver- I* Zu den zahlreichen auf § 286 ZPO gestützten Verfahrens-rügen der Bevision ist vorweg zu bemerken, daß diese Rügen unbegründet sind, soweit damit geltend gemacht wird, es seien Beweise nicht erhoben worden, die in Schriftsätzen des ersten Rechtszuges angetreten gev/esen waren, denn das Berufungsgericht, das solche Beweise nicht erhoben hat, hat in der Regel auch dann, wenn in der Berufungsbegründung allgemein auf das Vorbringen im ersten Rechtszug Bezug genommen worden ist, § 286 ZPO nicht verletzt, falls im zweiten Rechtszuge nicht ausdrücklich gerügt worden ist, daß ein im ersten Rechtszuge angetretener Beweis nicht erhoben worden ist (BGHZ 35 , 103K. a) Bin Vertragsschluß könne - so führt das Oberlandesgericht aus da zwischen den Parteien nicht unmittelbar verhandelt worden sei* allenfalls darin erblickt werden, daß Schrott den Lagerschein mit den Unterschriften der Beklagten der Klägerin Übermittelt habe* doch sei die in der MitunterZeichnung liegende Erklärung der Beklagten nicht bestimmt genug* um daraus den Inhalt einer rechtlichen Verpflichtung zu entnehmet Es könne nicht einmal festgestellt werden, ob die Beklagten überhaupt eine rechtliche Verpflichtung hätten eingehen oder ob sie lediglich die Tatsache der Einlagerung des gelieferten Malzes hätten bestätigen wollen; sei es schon nicht üblich* daß ein Angestellter und ein Arbeiter des Lagerhalters neben diesem mit gleichen Pflichten auftreten wollten, so ließe auch der Inhalt der Urkunde die Möglichkeit offen, daß die Beklagten sich nicht X’echtsgeschäftlich zu einer Leistung verpflichten sondern lediglich die in dem Schriftstück enthaltenen Angaben tatsächlicher Art bestätigen wollten* 20 Die gegen diese Darlegungen gerichteten Angriffe der Revision bleiben im Ergebnis ohne Erfolg* Denn die Auslegung des Berufungsgerichts, die Beklagten hätten mit ihrer Unterschrift keine Haftung für die künftige Entwicklung der Geschäftsbeziehung zwischen der Klägerin und SchflHfeals rechtsgeschäftliche Verpflichtung übernommen, ist aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden* a) Dagegen5 daß die Beklagten jedenfalls nicht selbst als Lagerhalter auf getreten sind,, erhebt auch die Revision keine rechtlichen Bedenken; dagegen spräche schon ihre in der Unterschrift ausdrücklich kenntlich gemachte Eigenschaft als Arbeitnehmer der Firma Sch^^p, Es kann daher auch uner-örtert bleiben, ob es sich bei der Einlagerung des Malzes um ein Lagergeschäft im Sinne der §§ 4t 6 ff HUB handelte odei nur um einen rechtlich unselbständigen Bestandteil des Kaufgeschäfts zwischen der Klägerin und Schflim zur Sicherung der Kaufpreisforderungo b) Zwischen der Klägerin und den Beklagten haben unstreitig keine Vertragsverhandlungen stattgefunden, sondern Scb^HB hat die Beklagten veranlaßt , den Lagerschein zu unterschreiben, und zwar nach seiner vom Berufungsgericht als nicht widerlegt betrachteten Aussage ohne Erörterung darüber, welche Aufgaben die Beklagten mit der Unterzeichnung der Urkunde übernehmen sollten; möglicherweise habe Bch(BB~ nach' seiner Erinnerung - den Beklagten gesagt, sie sollten den Schein unterschreiben, weil die Klägerin die Unterschriften für die Bank benötige* Daß bei diesem Sachverhalt selbst dann, wenn von einem rechtlichen Verpflichtungswillen der Beklagten ausgegangen werden müßte und nicht nur eine Bestätigung der im Lagerschein enthaltenen tatsächlichen -Angaben vorläge* der Inhalt der von den Beklagten versprochenen Leistung nicht bestimmbar wäre* hat das Oberlandesgericht rechtsfehlerfrei angenommen« Da eine wirksame Bürgschaftserklärung schon mangels der erforderlichen Form nicht vorliegen kann* könnte die Unterschrift der Beklagten zugunsten der Klägerin äußerstenfalls dahin ausgelegt werden* daß die Beklagten durch Vertrag mit Schrott dessen Schuld gegenüber der Klägerin mit übernommen haben* und zwar nicht die Verpflichtung zur Zahlung des Kaufpreises* sondern lediglich die bezüglich der Behandlung des in dem Lagerschein bezeichneten Malzes bestehenden Pflichten« Denn der Schuldbeitritt (Schuldmitübernahme) kann durch Vertrag zwischen dem Beitretenden und dem ursprünglichen Schuldner ohne Mitwirkung des Gläubigers geschehen (BGH WM 1959* 16* Selbst wenn es sich so verhielte* wäre die Büge der Revision unbegründet* das Berufungsgericht habe den Widerspruch zwischen dem Lagerschein und dem Schlußschein bei der Auslegung der Erklärung der Beklagten nicht berücksichtigen dürfen* da die Beklagten nach ihrem eigenen Vortrag den Schlußschein nicht gekannt hätten; denn auch wenn die Beklagten die Schuld Sch^B übernommen hätten* dann hätten sie damit nicht mehr Verpflichtungen auf sich nehmen können* als Schfl|0 selbst gegenüber der Klägerin oblagen; war also SchBBder Klägerin gegenüber nicht verpflichtet* die Klausel des Lagerscheins einzuhalten* wonach Ware nur gegen Rückgabe des Lagerscheins ausgeliefert werden durfte* so konnten auch die Beklagten nicht aus einem Schuldbeitritt dufch ihre Unterschrift zur Einhaltung dieser Klausel verpflichtet werden« a) Die Klägerin war, wie nach dem Tatbestand des angefochtenen Urteils zwischen den Parteien unstreitig ist, damit einverstanden, daß SchMM aus der Lieferung der Klägerin Malz entnahm und weiter veräußertes sofern er die entnommene Menge anderweit ersetzte; er brauchte die entnommene Menge nicht zu ersetzen* wenn die Klägerin - oder die Bank - vorher die Freigabe erklärte^ Danach ist es rechtlich nicht zu beanstanden* wenn das Berufungsgericht davon ausgeht, die Beklagten seien vertraglich nicht verpflichtet gewesen* b) Dafür* daß die Beklagten keine vertragliche Verpflichtung verletzt haben* nimmt das Berufungsgericht - wenn auch im Rahmen einer Hilfserwägung zur Verschuldensfrage -Bezug auf die Feststellungen des landgerichtlichen Urteils , wonach die Klägerin und die Bank die Freigabe der zu veräußernden Mengen niemals gegenüber den Beklagten erklärten* sondern nur gegenüber SchMMl dem sie es überließen* seinerseits die Beklagten davon in Kenntnis zu setzen» Da die Klägerin, so führt das landgerichtliche Urteil aus, dies für ausreichend gehalten habe, seien auch die Beklagten weder verpflichtet gewesen, bei der Klägerin oder bei deren Bank Rückfrage zu halten, noch sei ihnen zuzu demuten gewesen, ihren Arbeitgeber SchJJHpzur Vorlage einer schriftlichen Freigabeerklärung aufzufordern, zu demal ihnen sowohl aus dem Schreiben vom 19« August 1955 wie aus dem Gespräch mit Bankdirektor KflHP anläßlich dessen Kontrolle vom März 1956 bekannt gewesen sei, daß die Freigabe auch fernmündlich erklärt werden konnte. Danach ist es rechtlich nicht zu beanstanden, wenn keine Verletzung vertraglicher Verpfliehtungen durch die Beklagten darin erblickt wird, daß sie sich jeweils mit der Versicherung SchflHB®begnügten, die Klägerin sei mit der Veräußerung der in Betracht kommenden Partie Malz einverstanden* Daß SchflBi den Beklagten der Wahrheit zuwider dieses Einverständnis auch in den Fällen versichert hat, in denen es nicht erklärt worden war, also bei den hier in Betracht kommenden letzten 45 to Malz, hat der fatrichter festgestellt; gegen diese Feststellung sind beachtliche Verfahrensrügen der Revision nicht erhoben* Eine Haftung aus § 823 Abs» 2 oder § 826 BGB käme danach, wie das Landgericht rechtlich fehlerfrei dargelegt hat, nur in Betracht, wenn die Beklagten ihren Arbeitgeber Sch^^bei den diesem zur Last gelegten Straftaten der Unterschlagung (§ 246 StGB), des Betruges (§ 263 StGB) oder der Untreue (§ 266 StGB) als Mittäter oder Gehilfen unterstützt hätten; da diese Straftaten nur vorsätzlich begangen werden können, müßte den Beklagten - ebenso wie für die Begründung der Haftung nach § 826 BGB - nachgewiesen werden, daß sie vorsätzlich zu dem Nachteil der Klägerin gehandelt haben0 Dazu hat das Landgericht festgestelltp daß der in dieser Richtung gehende Tatsachenvortrag der Klägerin teils nicht erwiesenp teils widerlegt sei; insbesondere hat es auf das Ergebnis des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens verwiesenp das nicht ausgereicht habe, um die Beklagten auch nur in einem für die Anklageerhöbuqg - geschweige denn für die Verurteilung - ausreichenden Grade überführt erscheinen zu lassen,. Das Berufungsgericht fügt diesen von ihm übernommenen Darlegungen hinzu, die Klägerin übersehe bei ihren Angriffen gegen das erstinstanzliche Urteil, daß den Beklagten nicht schon daraus ein Vorwurf gemacht werden könne, sie hätten geduldetp daß das ursprünglich eingelagerte Malz alsbald weiter veräußert und durch andere Ware ersetzt worden sei; auch sei den Beklagten nicht zu widerlegen, daß sie den Erklärungen Sch(BJ^über die von der Klägerin angeblich erteilten Genehmigungen jeweils geglaubt hätten? Soweit die in diesem Zusammenhang erhobenen Verfahrensrügen nicht schon aus dem zu I angeführten Grunde unbeachtlich sind, wenden sie sich dagegen3 daß das Berufungsgericht angeblich die Akten des Ermittlungsverfahrens nicht verwertet und ferner die in einem Schriftsatz der Klägerin vom 20c September 1962 angebotenen Beweise nicht erhoben habe0 Im übrigen ist bei den Angriffen der Revision durchwegs darauf abgestellt, daß es sich bei den von den Beklagten im August 1955 als vorhanden gemeldeten und im März 1956 dem kontrollierenden Bankdirektor KflHB vorgezeigten Malzmengen nicht mehr um das Malz gehandelt habe, das von der Klägerin geliefert und zur Einlagerung übergeben worden seio Darauf kommt es aber nicht an; denn das Berufungsgericht hat ohne Rechts fehl er dargelegt, daß Sch^^ befugt war, im Rahmen eines ordnungsmäßigen Geschäftsverkehrs das Malz der Klägerin auszutauschen, und es war Sache der Klägerin, in diesem Falle ihre Rechte aus dem verlängerten Eigentums-Vorbehalt geltend zu machen» Baß die Beklagten gewußt und gebilligt hätten, Schrott habe die in Betracht kommenden Mengen nicht ordnungsgemäß, sondern unter Begehung strafbarer Handlungen veräußert, ist weder bewiesen noch in dem hier in Rede stehenden Schriftsatz unter Beweis gestellt; es ist vielmehr nicht rechtsfehlerhaft, wenn das Berufungsgericht die in diesem Schriftsatz unter Beweis gestellten Tatsachen dahin gewürdigt hat, es handle sich um Hilfstatsachen, die auch dann, wenn sie bewiesen würden, allenfalls einen Verdacht gegen die Beklagten begründen, aber keinen Beweis für ein haftungsbegründendes Verschulden erbringen könnten» In diesem Zusammenhang ist auch die Feststellung der Vorinstanzen bedeutsam, daß die einen strafrechtlichen Vorwurf begründenden Handlungen SchflHB und seines Angestellten Wetstein - Binbau von Zwisehenböden, mit denen ein höherer Malzbestand vorgetäuscht wurde - sämtlich im Hauptbetrieb in begangen worden sind, während in dem Zweigbetrieb in dem die Beklagten tätig waren, solche Unregelmäßigkeiten nicht festgestellt wurden»