BGH · Ib ZR 110/64 vom 02.12.1966
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Kronleuchter Für die Frage, ob die als Geschmacksmuster hinterlegte Abbildung eines Erzeugnisses eine bestimmte, das ästhetische Empfinden ansprechende Form erkenn bar macht, kommt es auf das Anschauungsvermögen eines durchschnittlichen, auf dem betreffenden Gebiet tätigen und mit der Entwicklung des Formenschatzes auf diesem Gebiet vertrauten Modellgestalters an. Der Ib-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 2« Dezember 1966 unter Mitwirkung der Senatspräsidentin Dr« Krüger-Wieland und der Bundesrichter Jungbluth, Pehle, Dr« Sprenkmann und Dr. Simon für Recht erkannt: Anfang 1960 wurde im Schweizer Werk der Klägerin eine Damps mit dreikant-konischem Schirm und drei an diesen Kanten befestigten Standfüßen entwickelt (Abb. GA 36)» Dieses Modell mit entsprechend längeren Püßen als Standlampe meldete die Klägerin unter Nr» 199 am 23« April I960 als Geschmacksmuster beim Amtsgericht Detmold unter Hinter-legung einer fotografischen Abbildung an (7 HR 1094) o Anschließend brachte sie das Modell in den Verkehr (Abb» GA 9)«* Kurze Zeit danach hat der Beklagte seine Standlampe Modell 1008 (Abb, GA 2) erstmals vertrieben« In der Zeit vom 13® his 25» April I960 hinterlegte die Klägerin heim Amtsgericht Detmold vier Kronenleuchter in fotografischer Abbildung als Geschmacksmusters lo 7 MR 1091, Modell 587, festzustellen, daß der Beklagte verpflichtet ist, der Klägerin allen Schaden zu ersetzen, der ihr durch die zu I 1 gekennzeichneten Zuwiderhandlungen entstanden ist und noch entsteht, hilfsweise, den Beklagten zu verurteilen, an die Klägerin den sich aus der ordnungsgemäß erteilten Rechnungslegung ergehenden, vorläufig zunächst mit 3*5 # des Nettofakturenpreises bezüglich der umgesetzten Modelle H bezifferten Betrag zu zahlen. Bas Berufungsgericht führt hinsichtlich der Standlampe aus, ein Vergleich der angegriffenen Form 1008 des Beklagten mit dem Modell Nr. 53 der Klägerin, das im wesentlichen mit dem als Geschmacksmuster hinterlegten Modell 199 übereinstimme, habe ergeben, daß das Modell des Beklagten gegenüber dem der Klägerin als neu im Sinne des ästhetischen Gesamteindrucks anzusehen sei. In bezug auf die Leuchtenarme (Modell Nr. 588 der Klägerin) hält das Berufungsgericht zwar einen Geschmacks-musterschutz (Elementenschutz) für den Leuchtenarm als Teil des in Abbildung hinterlegten Musters für möglich; es verneint den Schutz jedoch mit der Begründung, die hinterlegte Fotografie lasse nicht erkennen, daß der Leuchtenarm neu und eigentümlich sei. ist als Schwarz-weiß-Foto hinterlegt worden» Das ist zulässig (§7 Abs« 1 GeschmMG)» Der. Ge schmacksmust er schütz knüpft an die aus dem hinterlegten Muster oder Modell ersichtliche immaterielle plastische oder flächige Form an? ob der Beklagte durch die Materialvertauschung (Kunststoffkarton statt Schnurband als Stoff für den Schirm) eine auf geschmacklichem Gebiet liegende neue und eigentümliche Leistung erbracht hat» Auf diese vom Berufungsgericht als entscheidend angesehene Stoffvertauschung könnte es nur ankommen, v/enn das an dem hinterlegten Modell Neue und Eigentümliche nur in der Verwendung eines bestimmten Stoffes für den Lampenschirm läge und nicht - was naheliegt - in der Gesamtform? Abbildung aus sich heraus erkennen lasse, daß die ästhetische Wirkung des Modells von dem verwendeten Schirm-material ausgeheo Auf dem dargelegten Rechtsirrtum beruht das ange-fochtene Urteil in diesem Punkte, denn die von dem Beklagten verwendete Form der Standlampe stimmt ersichtlich mit der des hinterlegten Modells . Es kommt vielmehr darauf an, oh durch den Sachvortrag der Part eien 9 insbesondere hinsichtlich des im Zeitpunkt der Hinterlegung des Musters oder Modells gegebenen Entwicklungsstandes auf dem betreffenden Gebiete , die Sachlage als so weit geklärt angesehen werden kann* daß dem Richter eine zuverlässige Beurteilung der hinterlegten Abbildung möglich ist. Ber Fall, daß die hinterlegte Abbildung schon wegen ihrer technischen Qualität unzulänglich ist und nichts Genaueres ersehen läßt, scheidet im vorliegenden Streit aus» Auch geht es hier nicht um die Frage, ob Geschmacksmusterschutz deshalb auszuscheiden hat, weil es sich um gestalterische Feinheiten handelt, die nur ein auf dem gleichen Gebiet arbeitender Sachkenner am körperlichen Erzeugnis he raus zu fühlen vermöchte (vgl. Es ist vielmehr zu bestimmen, welchen rechtlichen Einfluß es auf den Geschmacksmusterschutz hat, wenn ein Modell statt in Natur nur in Abbildung hinterlegt wird und diese Abbildung - was nicht selten der Fall sein wird - die Wirklichkeit nicht vollkommen wiedergibt. Nach Ansicht des Senats muß hierbei für die Frage, ob die Abbildung eine bestimmte, das ästhetische Empfinden ansprechende Form erkenn bar macht, auf das Anschauungsvermögen eines durchschnittlichen, auf dem betreffenden Gebiete tätigen Modellgestalters abgestellt werden, der aus der Abbildung häufig mehr entnehmen wird, als der in solchen Fragen weniger erfahrene Richter. werden« Recht und billig erscheint es deshalb, den Offenbarungsgehalt der Hinterlegung danach zu bestimmen was im Zeitpunkt der Hinterlegung ein durchschnittlicher Modellgestalter ohne besondere Bemühung bei Berücksichtigung des Standes der Entwicklung auf dem in Präge stehenden Gebiet aus der hinterlegten Abbildung entnehmen konnte« Dies hat das Berufungsgericht nicht beachtet o Im vorliegenden Pall beruht es ferner auf einem Verstoß gegen § 286 ZPO, wenn das Berufungsgericht auf Grund seines eigenen Anschauungsvermögens die Präge verneinte, daß den hinterlegten Abbildungen die von der Klägerin in Anspruch genommenen Pormmerkmale zu entnehmen seien« Das Landgericht hatte auf Grund eige-ner Sachkunde dem Standpunkt der Klägerin beigestimmt; die Klägerin hatte in der Berufungsinstanz auch Sachverständigenbeweis für ihre Behauptung angeboten (GA 103, 104p Schriftsatz vom 27* Mai 1963, S« 11, 12)« Nachbildung im Sinne des § 3 GeschmMG liegt objektiv vor, wenn die für den ästhetischen Gesamteindruck des hinterlegten Modells wesentlichen, d« h« die seine Neuheit und Eigentümlichkeit begründenden Pormmerkmale ganz oder teilweise übernommen sind (RGZ 154p 321, 325; BGHZ 5p 1, 3 - Huroöielfiguren I)« Dabei ist von den Übereinstimmungen, nicht von den Abweichungen auszugehen (BGH GRUR 1965p 198, 201 - Küchenmaschine)« Ist objektiv die Nach- 4); der Tatrichter steht deshalb gegenüber einem derartigen Einwand vor der Schwierigkeit, eine hinreichend bestimmte Anschauung davon zu gewinnen, wie das dem inneren Auge des Gestalters vorschwebende Bild der angegriffenen Form ausgesehen hat» Es ist insoweit eine ähnliche Lage gegeben, wie wenn der Beklagte im Geschmacksmusterstreit den Einwand mangelnder Neuheit des Klagemusters erhebt und sich dabei auf Vorläuferformen beruft, die er nicht körperlich oder in Abbildung vorlegen kann, sondern anhand von Zeugenaussagen zu beschreiben versucht» Für diesen Ball hat der erkennende Senat bereits ausgesprochen (Urteil vom 9* Fe-; bruar 1966, Ib ZR 13/64 - lat emenflasche), daß die Neuheit des Klagemusters in der Regel nicht durch Formgebungen in Frage .gestellt werden kann, deren einzelne Gestaltungselemente dem Gericht nicht dargelegt werden können, und daß diese vor allem dann gilt, wenn ein Laie auf dem Gebiet der Formgestaltung nur eine "Ähnlichkeit" der zu vergleichenden Modelle zu bezeugen vermag» Bei einer derartigen Sachlage fehlt dem Gericht jede Möglichkeit, von sich aus zu prüfen, ob die Abweichungen der Formgebungen ausreichen, um die Frage der Neuheit zu verneinen» Entsprechendes gilt, wenn durch Zeugen bewiesen werden soll9 das nur geplante Modell habe man sich in seinen Formen so "ähnlich" vorgestellt, wie das hinterlegte Geschmacksmuster, oder es sei "in der Art" des hinterlegten Musters gestaltet (Aussage des Zeugen W^^P), oder es habe "etwa die Größe, Ausmaß und Form" wie dieses gehabt oder haben sollen (Aussage des Zeugen M^BB), ohne daß eine ganz genaue Übereinstimmung bekundet werden kann (derselbe Zeuge)» Hätte der Beklagte schließlich, wie das Berufungsgericht annimmt, durch Verwendung von Kunststoffkarton in einer zur Begründung eigenen Geschmacksmusterschutzes ausreichenden, also schöpferischen Weise eine vom Stoff ausgehende neue und eigentümliche ästhetische Wirkung erzielt (hierzu vgl„ BGH GRUB. 98 - Gartensessel), so würde auch das es nicht ausschließen können, daß seine Gestaltung in das auf der Form des von der Klägerin hinterlegten Modells beruhende Geschmacksmusterrecht eingriffe» Werden in einem Muster schutzfähige Teile eines früheren Musters nachbildend übernommen, andere Teile dagegen schöpferisch umgestaltet, so liegt eine Bearbeitung des früheren Musters vor, die als solche Grundlage eines neuen Geschmacksmusterrechtes bilden kann, die aber wegen der unfrei gestalteten, also nachgebildeten Teile von dem früheren Muster abhängig isto Auch durch die Verbreitung einer solchen abhängigen Bearbeitung gegen den Willen des Inhabers des Rechtes an dem früheren Muster kann der Tatbestand der Geschmacksmusterverletzung erfüllt sein (Furier, Geschmacksmustergesetz 2.