BGH · Ib ZR 105/63 vom 25.06.1965
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Der Ib-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 25» Juni 1965 unter Mitwirkung der Bundesrichter Jungbluth, fehle, Dr0 Sprenkmann, Dr» Mösl und AIff für Hecht erkannt: uAls Schlußabrechnung über das Pachtverhältnis bis zu dem 30o 6o 1952” Unterzeichneten Otto O^HUBIB und die Beklagte den Vertrag vom 19 • Juni 1952, der auszugsweise bestimmt : Nach längeren Verhandlungen legte die Beklagte der Klägerin am 7» November 1955 einen Vertragsentwurf vor0 In dem Begleitschreiben von gleichen rage führte Rechtsanwalt Aufträge der Beklagten u0a0 aus : " In Verfolgung unserer Verhandlungen von 28o10o1955 übersende ich Ihnen anliegend in 3 Stücken Entwurf für einG Vereinbarung, durch welche im Sinn des bei den Besprechungen erzielten grundsätzlichen Einvernehmens ein für allemal, für Vergangenheit und Zukunft, die Ansprüche Ihrer Frau Mandantin bzv/o der Eirma Ferdo unter Über- Durch die Kündigungsklausel ist Ihrer Brau Mandantin da3 einseitige Recht eingeräunt, sich für die Zukunft unter Verzicht auf die entsprechenden Zahlungen von den Konkurrenz-beschränkungen frei zu machen0 Entsprechend dex* bisherigen Regelung würde in diesen wohl nui' theoretischen lall die Zahlungcpflicht ein halbes Jahr vor der Wettbewerbsbeschränkung erloschene Selbstverständlich kann diese Kündigung nicht die Folge haben, daß damit die sich auf die Vergangenheit beziehenden Teile des Vertrages ihre Wirksamkeit verlieren; vielmehr bleiben auch dann alle die Zeit vox* dem Kündigungszoitpunkt betreffenden Ansprüche bereinigt und abgegolten0 Daß jede Seite ihre eigenen Kosten trägt, ei'~ gibt sich schon aus der Vereinbarung, daß durch den Vertrag alle nicht genannten gegenwärtigen Ansprüche erledigt sindo Ich darf auch bei dieser Gelegenheit betonen, daß meine Partei ihren Hechtostandpunkt in vollem Umfange auf rocht erhält und keinex'lei Verpflichtungen aus dex* Vergangenheit über die Vereinbarungen vom 19o6d952 / 11 o5«1955 neu begründeten hinaus anex'kennt und daß insbesondere auch der gegenwärtige Vorschlag nicht als solches Anerkenntnis angesehen werden darf, wie auch umgekehrt Ihrer Partei diese Vorbehalte suerkannt werden. Nach den Erfahrungen, die meine Partei gemacht hat, wird Ihre Mandantin Verständnis dafür haben, wenn ich hier noch ausdrücklich fcsthalte, daß für sie Grundlage der vorgeschlagenen Vereinbarung ist, daß dadurch die rechtlichen Beziehungen der beiden feile abschließend geklärt werden sollen and daß nach Auslaufen der Verträge vom 19.6.1952/ 4« Prau ist berechtigt, jederzeit zu dem Endo eines Kalenderhalb jahres mit einer Irist von einem Jahr dio V/ettbewerbsvereinbarung zu kündigen« Mit Ablauf der Kündigungsfrist wird sie dann frei von den Wettbewerbsbeschränkungen der Ziff« 1; der Anspruch auf die weiterhin fällig werdenden halbjährlichen Zahlungen nach Ziffo 2 erlischt ein halbes Jahr vor Ablauf der Kündigungsfrist« Die Klägerin hat mit der Klage zunächst Rate von 60ÖCO0— DM nach Kr0 2 des Vertrages 1956 verlangt und den Anspruch--hilfsv.eise auf der Beklagten zu dem Ersatz des Schadens gestütz Vater durch den nach ihrer Ansicht rechtcwiör griff in dessen Privateigentum auf Grund der eine weitere vom 24oJuli Besatzungsmacht seitens der, wie sie vorträgt, insoweit bösgläubigen Lizenzträger entstanden seio Nachdem das Landgericht nach Beweisaufnahme die Klage abgewiesen hatte, hat die Klägerin im Berufungerecht szug Herausgabe der Nutzungen verlangt, die die Beklagte aus dem Verlagsunternehmen des Vaters der Klägerin gezogen habe» Die mit ihrem Vater geschlossenen IIietr und Pachtverträge, so hat sie geltend gemacht, hätten sich nur auf die Druckerei mit Maschinen und Gebäuden bezogen, nicht aber auf das Verlagsunternehmen als solches; die Beklagte habe den eingerichteten und funktionierenden Gewerbebetrieb des Verlages in Besitz genommen und genutzt, ohne daß sie hierzu berechtigt gewesen wäre; sie sei verpflichtet, Rechenschaft abzulegen und die aus dem Verlag gezogenen Nutzungen an die Klägerin herauszugeben» Die Auskunft werde gefordert für die Zeit von der Währungsreform bis zu dem Auszug der Beklagten aus den Räumen der 0^/^^ sehen Buchdruckerei; fUr diese Zeit verlange sie auch einen Teilbetrag der Nutzungen» Vater der Klägerin über die mit ihm geschlossenen Verträge hinaus Ansprüche auf NutsungsentSchädigung zugestanden hätten, und hat sich vor allem darauf berufen, daß die Parteien in Kr» 5 des Vertrages vom 24» Juli 1956 ausdrücklich vereinbart hätten, es bestünden zwischen ihnen keine Ansprüche mit Ausnahme der durch die Verträge von 1952, 1953 und 1956 begründeten» Die der Klägerin offen gehaltene Kündigungsmöglichkeit habe sich nur auf das . Die Klägerin ist demgegenüber der Meinung, Kr« 5 des Vertrages vom 24° Juli 1956 sei mit der Kündigung gegenstandslos geworden; ein etwa darin liegendes neg> tives Schuldanerkenntnis könne sic, nachdem die Beklagte ihre Zahlungen wegen der Kündigung nicht erbracht habe, aus dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigter Bereicherung zurückforderno - ' Io Das Berufungsgericht hat zunächst ausgeführt, daß die Klägerin entgegen ihrer ursprünglichen Klagohegründv.ng keine Ratenzahlung aus dem Vertrage vom 24, Juli 1956 mehr verlangen könne; denn auu Nr, 4 dieses Vertrages ergebe sich eindeutig, daß die Beklagte wegen der 2um 51o Dezember i960 ausgesprochenen Kündigung der Klägerin ab 10 Juli i960 von der Pflicht zur Ratenzahlung frei geworden sei» Gegen diese von der Revision nicht angegriffenen Darlegungen bestehen keine rechtlichen Bedenken o Daß die Beklagte ihren Zahlungsverpflichtungen bis zu dem 5oo Juni i960 nachgekomnen ist, ergibt sich aus dem unstreitigen Tatbestand, II0 Das Oberlandesgericht führt weiter aus, daß sich - entgegen der Auffassung der Klägerin - die Vereinbarung in Kr, 5 des Vertrages, wonach außer den in den Verträgen vom 19« Juni 1952, 11, Mai 1955 und 24o Juli 1956 begründeten Ansprüchen "zwischen den beiden Parteien keine irgendwie gearteten Ansprüche bestehen", nicht nur auf das Wettbewex^bsverbot beziehe und daher auch von der Kündigung der b'ettbewerbsklausel nicht berührt werde, Im Schreiben vom 25° Dezember 1954 habe Rechtcan-walt Auftrag der Klägerin weitere Ansprüche gegen die Beklagte angekündigt, da dem Unternehmen der Klägerin "ab 1945 durch in Ausnutzung der damaligen Verhältnisse erfolgte Kingriffe Vermogenseinbußen von ganz außerordentlichem Umfang entstanden" seien0 Die danach von den Parteien aufgenommenen Verhandlungen hätten demnach die außervertredlichen Ersatzansprüche zu dem Gegenstand gehabt, deren sich die Klägerin wegen der Einweisung der Beklagten (genauer: der jetzigen Geschäftsführer der Beklagten) in das Unternehmen des Erblassers berühmte0 Laß die Beklagte in diesen Verhandlungen erkennbar eine endgültige Regelung sämtlicher von der Klägerin geltend gemachten Kotierungen angestrebt habe, ergebe sich eindeutig auö dem Begleitschreiben des Rechtsanwalts vom 7* November 1955 zu dem von der Beklagten vorgelegten Vertragsentwurf; im Schreiben vom 19„ Dezember 1955 habe Rechtsanwalt L^P für die Beklagte nochmals erklärt, daß durch das Vertragsangebot keine Rechtspflicht der Beklagten anerkannt werde und daß lediglich die rechtlichen Beziehung«:., Lueb vorgeschlagen, das bereits im Vertrag vom 19° Juni 1952 enthaltene Wettbev/erbsverbot zu verlängern und der Klägerin dafür Geld anzubieten; die Beklagte habe die Zahlungsverpflichtung für den Wettbewerbs verzieht der Klägerin nur übernommen, um ihre zukünftigen Leistungen rechtlich begründen zu können; ein anderer Anlaß habe dafür nicht bestanden, da die Beklagte im Raume eine fast unangreifbare Monopolstellung besitze und keine Konkurrenz der Klägerin zu fürchten brauche«, Auch diese Verhältnisse und die daraus folgende Interessenlage der Parteien bev/iesen, so fährt das angefoehtene Urteil fort, daß durch die erheblichen Zahlungen, zu denen die Beklagte sich verpflichtete, nicht nur "ein ohnehin problematischer Wettbewerbsverzicht" abgegolten, sondern die Erledigung sämtlicher von der Klägerin geltend gemachten Ansprüche erzielt werden sollte,, c) Auch der Wortlaut der Hr. 5 des Vertrages sei weder unklar noch mehrdeutig; angesichts der Formulierung, es bestehe "Einigkeit unter den Vertragschließenden, daß zwischen den beiden Seiten keine irgendwie gearteten Ansprüche bestehen, mit Ausnahme solcher, die durch den Vertrag vom 19- Juni 1952 / 11. läai 1953 und den gegenwärtigen Vertrag neu begründet sind", sei für eine Auslegung kein Raum; danach stehe der Ansicht der Klägerin, die Hr* 5 des Vertrages betreffo lediglich die Frage des Wettbewerbsverbotes, der Umstand entgegen, daß sich die Bestimmung gerade mit dem Ausschluß solcher Ansprüche befaßt, die mit den darin genannten Verträgen nicht neu begründet worden sind. Juli 1956 sich nur auf das Yiettbevverbsverbot beziehe und schon aus diesem Gx'und nach der Kündigung der Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen nicht im Wege stehe, oder ob - entsprechend der Auffassung des Berufungsgerichts -die Nr. 5 des Vertrages sich nicht auf die Präge des V/ettbewerbsverbotes beschränke» Denn jedenfalls, so meint die Revision, habe dos in Hr. 5 enthaltene negative Schuldanerker.ntnis mit der Ausübung des in Kr.-4 Dem wiederholt und mit seltener Binär inglichkeit vorgetragenen Verlangen der Beklagten nach einei' abschließenden, für Vergangenheit und Zukunft gel-tenden Regelung aller Fragen habe die Klägerin nicht widersprochen; sie habe vielmehr die Vereinbarung in Nr. 5 des Vertrages aus der Vorstellurg der ixistenz Vergeltend gemachten Forderung mit dem Yd-len ihrer künftigen Bereinigung getroffen» b) Die von der Klägerin ausgesprochene Kündigung habe den Bestand des negativen Schuldanerkenntnisses nicht berührt« Nr« 4 des Vertrages habe eine Kündigung nur für die Wettbewerbsvereinbarung, nicht aber für das ganze Vertragswerk vorgesehen; mit Ablauf der Kündigungsfrist sei zwar die Klägerin von der Wettbewerbsbeschränkung frei geworden und habe den Anspruch auf weiterhin fällig werdende halbjährliche Zahlungen verloren, dagegen habe die Kündigung nicht zurück gewirkt und die bis zu dem 3o. Juni i960 geleisteten Zahlungen seien der Klägerin verblieben; auch daraus folge, daß die Nr. 5 des Vertrages von der Kündigung nicht betroffen worden sei. Daß dieses Ergebnis auch der ganzen Zielsetzung des Vertrages entspreche, ergebe sich auch aus folgendem von der Klägerin unwidersprochen hingenommenon Satz im Schreiben des Rechtsanwalts lueb vom 7* November 1955 '‘Selbstverständlich kann die.se Kündigung nicht zur Pol ge haben, daß damit die sich auf die Vergangenheit beziehenden Teile des Vertrages ihre Wirksamkeit verlieren, vielmehr bleiben auch dann alle die Zeit vor dem Kündigungszeitpunkt betreffenden Ansprüche bereinigt und abgegolten. im Zusammenhang mit den übrigen Vertragsbestimmungen ausgelegt werden müsse und daß eine solche, das Gesamtbild der Vertragsbeziehungen berücksichtigende Auslegung zu dem Ergebnis führen müsse, die Kündigung der Klägerin habe auch die Nr. 5 dos Vertrages dahin beeinflußt, daß die Klägerin ihr negatives Schuldanerkenntnis kondizieren könne. her zu diesem Ergebnis führende enge Zusammenhang ergebe sich, so meint die Revision, vor allen aus den Peststellungen dos Berufungsgerichts dazu, daß die Entschädigung für den V/ettbev/erbsverzieht angesichts der fast unangreifbaren Monopolstellung der Beklagten nur ein Vorwand für deren Leistungen gewesen sei (oben II 1 b)„ Daraus folge, daß das negative Schuldanerkenntnis lediglich im Hinblick auf die von der Beklagten zu erbringenden Leistungen, also in Tilgungserwartung abgegeben worden sei; infolge der Kündigung seien die Leistungen der Beklagten weggefallen, die erwartete Tilgung der Ansprüche der Klägerin sei nicht eingetreten; ein in Tilgungserwartung abgegebenes negatives Schuldanerkonntnis könne aber nach § 812 BGB zurückgefordert werden, wenn die Tilgung ausblöibt. 3o Dieser Angriff der Revision kann die auf tatrichterlicher Würdigung beruhende .Auslegung des Vertrages durch das Berufungsgericht nicht aus Rechtn-gründen in Präge stellen. § 397 Ann. 14), steht der anläßlich der besonderen Umstände des Balles hier gefundenen Auslegung rechtlich nicht entgegen; denn das Berufungsgericht konnte bei seiner Auslegung berücksichtigen, daß der teilweise Wegfall der vertragsgemäß von der Beklagten zu erbringenden Leistungen nicht auf Umständen beruht, die im Einflußbereich der Beklagten liegen, sondern daß allein die Klägerin es kraft des einsaitig ihr, nicht aber der Beklagten eingeräumten Kündigungsrechts in der Hand hatte, das Wettbewerbsverbot und damit auch die noch nicht fälligen Zahlungspflichten der Beklagten zu dem Erlöschen zu bringen» Damit entfällt aber der innere Grund dafür, den Gläubiger, der ein negatives Schuldanerkenntnis abgegeben hat, dagegen zu schützen, daß die dafür erwartete Tilgung aus Gründen lunterbleibt, die in der Person des Schuld ners liegen; vielmehr konnte der Berufungorichter nach der hier gegebenen Interessenlage in Ergebnis die Beklagte als Schuldnerin dagegen schützen, daß die Klägerin einen Großteil der geschuldeten Zahlungen entgegennahm und sodann durch eine Kündigun zwar den mit dem Vertrag erstrebten Zweck der endgültigen Bereinigung der beiderseitigen Ansprüche beseitigen konnte, ihrerseits aber die bereits empfangenen Leistungen richt zurückzugewähren brauchte. seien ’’die Leistungen der Beklagten in Portfall gckom-men’S übersieht die Revision, daß die Klägerin die bis zu einem halben Jahr vor Ablauf der Kündigungsfrist fällig gewordenen Zahlungen beanspruchen konnte, daß sie also theoretisch, wenn man der Auffassung der Revision folgen würde, erst zu dem I* Juli 1965 hätte kündigen und dann unter Einbuße lediglich der letzten beiden Raten von je 3 000 IM gleichwohl das Anerkenntnis hätte zurückfordern können. b) Danach kann die Revision auch nichts aus dem Umstand für sich herleiten, daß die iZahltwigen der Beklagten rechtlich als Gegenleistung für das von der Klägerin übernommene Wettbewerbsverbot ausgcsthltetc wurden, auch wenn es nach den tatsächlichen Umständen unwahrscheinlich war, daß diesem Wettbewerbsverbot jo praktische Bedeutung zukommen konnte. Für die rechtliche Beurteilung ist es auch unerheblich, ob die Klägerin aus dem Wegfall des Wettbewerbs verboten Vorteile gezogen hat, die ihr einen Ausgleich für die an die Beklagte zurückgezahlten Beträge gewährten, oder ob sie die Kündigung lediglich in der irrigen Erwartung ausgesprochen hat, sie könne danach noch weitergehende Ansprüche gegen die Beklagte mit Erfolg geltend machen« Denn daß die Voraussetzungen für eine Unwirksamkeit des mit dem Vortrag vom 24« Juli 1956 zwischen den Parteien geschlossenen Vergleiches gemäß § 7?9 BGB keinesfalls vorliegen, hat das Berufungs goricht ebenfalls ohne RechtsIrrtum dargelegt»