BGH · Ib ZB 6/64 vom 23.01.1964
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die sofortige Beschwerde des Beklagten gegen den Beschluß des 4° Zivilsenats des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 6e Februar 1964 wird auf Kosten des Beklagten zurückge-wiesen« Der Beklagte hat gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 21, November 1963 am 20» Januar 1964 Berufung eingelegt und mit Schriftsatz vom 22, Januar 1964-, bei Gericht eingegangen am 23. Das Berufungsgericht hat den Antrag auf Wiedereinsetzung gegen die Versäumnis der Berufungsfrist zurückgewieson, weil den Prozoßbevollmächtigten des Beklagten an der Versäumung der Berufungsfrist ein eigenes Verschulden treffe« Die gegen diesen Beschluß eingelegte sofortige Beschwerde ist zulässig (BGIIZ 21 P 142, T47), aber sachlich nicht begründete Der Bundesgerichtshof hat im Anschluß an die Rechtsprechung des Reichsgerichts (RG HRR 1937* 1552; JW 1936p 3313) schon mehrfach ausgesprochen;, daß der Rechtsanwalt5 dem ein Urteil zugestellt wird,, entweder selbst den Tag der Zustellung in seinen Handakten oder Registern vermerken muß (EGH LM ZPO § 233 Nr« 34),0 oder daß er zu demindest, wenn er dies nicht tut, zu ganz besonderer Sorgfalt verpflichtet ist und selbst alles Notwendige zu veranlassen hat, damit die alsbaldige Vorlage der Akten mit dem zugestellten Urteil durch sein Büro gesichert ist (BGH LU ZPO § 232 Nr« 275 § 233 Nr« 63)» Daß nach dem iJaßstab dieser Rechtsprechung, der sich der beschließende Senat anschließt, das Erforderliche geschehen sei, um ein Verschulden des Prozeßbevollmüchtigtcn auszuschließen, läßt sich weder dem Wiedereinsetzungo-gesuch noch der Beschwerdeschrift entnehmen« Der Prozeß-bevollmächtigte hat, als er am 11« Dezember 1963 das iänpfangsbekenntnis für das zugestellte Urteil Unterzeichnete,, den Tag der Zustellung nicht vermerkt« obwohl« wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, dazu besonderer Anlaß bestanden hätte, nachdem die Zustellung 8 Tage unerledigt liegen geblieben war und der Gegner bereits gemahnt hatte* Auch nachdem der Prozeßbevollmächtigte durch diese Umstände darauf hingewiesen sein mußtep daß sein Büro mindestens in diesem Palle nicht ordnungsgemäß gearbeitet hatte9 hat er nach dem Vortrag des Beschwerdeführers nichts veranlaßt«, um nunmehr sichcrzustellenn daß alsbald die Berufungsfrist in den Handakten und im Pristenkalender eingetragen wurde und damit die Gewähr für eine Überwachung des Pristablaufs gegeben war (vgl., EGH LM ZPO § 232 Nr«, 2^)« Damit hat er die Sorgfaltspflicht verletzt«, die ihm nach der Annahme einer die Berufungsfrist in Lauf setzenden Zustellung oblag; denn die von dom Prozeßbevollmächtigten nach seiner eigenen Darstellung getroffenen Maßnahmen«, die sich auf ’‘allgemein gegebene Instruktionen und die immer wieder erfolgte Überwachung” beschränktenP reichten im vorliegenden Pall selbst dann nicht aus«, wenn zu seinen Gunsten unterstellt würdeP daß an der Fristenüberwachung nur geschultes und zuverlässiges Büropersonal beteiligt war (BGH LI!