BGH · Ib ZB 24/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Ao Die Hechtsbeschwerdegegnerin ist Inhaberin der für eine große Zahl von Waxen am 30* December 1953 hinterlegten Internationalen Marke Nr«, 173 716, deren hervorgehobenen Wortbestandteil das Wort "POLYMER" bildet* Die Rechtsbeschwerdeführerin hat auf Grund des älteren Wortzeichens Nr«, 641 210 "Polymar" gegen die Anerkennung inländischen Zeichenschutzes der IH-Marke Widerspruch erhoben» Das Deutsche Patentamt hat daraufhin mit Datum vom 16» Juli 1954 dem Internationalen Büro in Bern die vorläufige Versagung des inländischen Zeichenschutzes mitgeteilt* Mit Beschluß vom 10» November 1955 hat das Patentamt sodann die Übereinstimmung der IR-Marke mit dem Widerspruchs Zeichen in bezug auf eine Reihe von Waren bejaht und ihr insoweit den Schutz in der Bundesrepublik Deutschland vorsagt; im übrigen hat es die Portsetzung des Ver~ fahrens Vorbehalten* Im Laufe des von der Markeninhaberin hiergegen in Gang gesetzten Beschwerdeverfahrens hat sie auf Inlandsschutz für eine Reihe von Waren verzichtet; der Streit geht seitdem nur noch um den Schutz für die Waren Webstoffe aus Wolle, Haar* Roßhaar» Seide» Kunstseide, Jute» Hanf * Flachs, Baumwolle und anderen . Über eine hiergegen erhobene Anfechtungsklage» deren Zulässigkeit durch Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs anerkannt worden ist» ist sachlich nicht abschließend entschieden worden; das Verfahren ist daher nach dem 6o Überleitungsgesetz aut das Bundespatentgericht übergegangen; dieses hat durch den angefochtenen Beschluß auf die Beschwerde der Markeninhaberin den Beschluß des Besohwerdeaenats ctes Patentamts aufgehoben» die Übereinstimmung der *eiohen verneint und die Kosten des Verfahrene vor den Vsrw<ungegerichten der V/iderspr&cheK-aeu auferlegt» Mit der zugelaseenen Rechtsfeeschwerde erstrebt die Widersprechende die Aufhebung dieser Entscheidung» Die Aarkeniuhaberin bittet um Zurückweisung Rechtsmittels» Bas Bundespatentgericht bejaht die Gleichartigkeit der in Frage stehenden Waren und die Verwechselbarkeit der in Vergleich au seienden Zeichen nach ihrem Klang und Schriftbild; es nimmt ferner an, das in der IR-Marke enthaltene Y/ort "POLYMER” sei zeichenmäßig heraus ge st eilt und werde von beachtlichen Vorkehrskreisen nicht als (sohutzunfähig^,) beschreibende Angabeei erkannt« Gleichwohl hält das Bundes-patentgericht den Y/iderspruch für unbegründet, weil der Schutaberoich des Widerspruchszeichens sich nicht auf das Jüngere Zeichen "POLYMER" erstrecke; Zeichen, die sich, v/ie das Widerspruchszoichen, erkennbar an eine kraft gesetz» liehen Verbots ( § 4 Abs« 2. Pie Rechtsbeschwerde läßt dahingestellt, ob für den Regelfall von dom dargelegten Grundsatz auszugehen sei; sie hält ihn jedenfalls dann nicht für anwendbar, wenn das jüngere Zeichen, wie hier, von beachtlichen Verkehrskreisen nicht als schutzunfähigebeschreibende Angabe erkannt werde, und wenn deshalb ein warenzeichenmäßiger Gebrauch gegeben sei. Abstandslehre auf den Fall der Verwendung eines an eine schaffenheitsangabe angelehnten Zeichens; die in BGH GBlfö 1959* 134 ~ Oalciduran - offengelassene Frage, ob Zeichenbestandteile, die der Fachsprache entnommen seien und in konkurrierenden Zeichen auftreten, allein zur Begründung der Verwechslungsgefahr ausreichen, sei mit dem an» gefochtenen Beschluß und der neueren Praxis des Patentamt« zu verneinen«. apruch nachträglich rechtskräftig beseitigt, so gelten die Folgen der vorläufigen Schutzversagung, ,§oweit sie sioh auf diesen Widerspruch stützt, als nicht einge-treten (Baumbaeh/Hefermehl, Wettbewerbsund Warenzeichen-recht, 8« Auflo Annu 4 zu Art« 5 MMA)» Bas auch für das Widerspruchsverfahren erforderliche allgemeine Hechts-Schutzinteresse kann daher nicht bezweifelt werden» IIo Bie Rechtsbeschwerde steht auf dem Standpunkt, im Widerspruchsverfahren sei zu prüfen, ob das in der IR-Marke enthaltene Wort «POLYMER* eine nach § 4 Abs» 2 Kr» 1 WZG eintragungsunfähige beschreibende Angabe sei; sio vermißt eine entsprechende Prüfung in dem angefoch-tenerx Beschluß und will diese Frage verneint wissen, da das Wort hier von den in Betracht kommenden Verkehrskreisen nicht als Beschaffenheitsangabe aufgefaßt werde» Bieser Angriff der Rechtsbeschwerde ist nicht begründet» Es ist zu unterscheiden zwischen der Frage, ob der IRMarke im Hinblick auf § 4 Abs» 2 Kr« 1 WZG in Verbindung mit Art« 5 Abs« 1 MMA in der Bundesrepublik Schutz gewährt werden kann und der Frage,, ob das Wort "POLYMER1 11 in der IR-Marke zeichenaäßig verwendet wird« schwerdesenats des Deutschen Patentamts - überhaupt nicht entschieden worden« Bas ist nicht zu beanstanden, denn Ziel und Gegenstand des Widerspruchsverfahrenenaoh § 5 Abs» 4 WZG ist nur die Erledigung des auf das private Recht des Widersprechenden gestützten Widerspruchs und daher auch nur die Feststellung oder Verneinung der ZeichonUbereinstimmung (Reimer, Wettbewerbe- und Waren- 2 eichen recht, 3o Aufl» Kap* 11 Rdz» 20; Baumbaoh/Hefermehl aaO § 4 Annu 1; § 5 Anm» 35; Tetzner, Warenzeichengesotz § 5 Anmo 20 und 45; Busse, Warenzeichengesetz 3» Aufl* § 5 Annu 7 B a)»Die von der Rechtsbesehwerde angeführte Feststellung des Bundespatentgerichts, das in der IR-Marke enthaltene Wort "POLYMER" werde von "beachtlichen Vor-kehrskreisen" nicht als (schutzunfähige) beechrbibende Angabe erkannt, bezieht sich erkennbar nicht auf die Frage, ob die IR-Marke nach § 4 Abs» 2 Hr» 1 WZG eintragungsunfähig und ihr deshalb die Anerkennung zu versagen wäre; würde es hierauf ankommen, so hätte überdies die weitere Frage gestellt werden müssen, ob andere, gleichfalls beachtliche Teile der in Betracht kommenden Verkehrskreise das Wort polymer als Beschaffenheitsangabe auffassen (Baum» bach-Kefermehl aaO Annu 36 und 40au & 4 ; denn schon dann, wenn dies der Fall ist, fordert das durch die genannte Vorschrift geschützte Freihaltebedürfnis die Versagung der Eintragung» Bas .gilt insbesondere für Worte der Fachsprache, sofern diese den in Betracht kommenden Verkehrskreisen bekannt sind» 2) Die erwähnte Feststellung der angefochtenen Entscheidung will vielmehr nur sagen, daß das Wort "POLYMER” in der IR^Marke nicht etwa lediglich nicht 2eichenmäßig verwendet ist und daß es deshalb "kollisionsbegründend" wirkt; für diese Feststellung genügt es in der Tat, daß ein nicht unerheblicher Teil der in Betracht kommenden Verkehrskreise in diesem Wort nicht eine beschreibende Angabe, send einen Hinweis auf die Herkunft der damit bezeichneten Ware aus einem bestimmten Betrieb erblickt» Insoweit kann die fragliche Feststellung aus Rechtsgründen auch nicht beanst aet werden». Die angefochtene Entscheidung verneint die Übereinstimmung beider Zeichen aber aus einem anderen Grunde; sie hält den «Schutzbereich« des **ider spruchszeichens durch das in der angegriffenen Märke enthaltene Wort nicht für berührt. Wenn vom Schutzbereich eines Warenzeichens gesprochen wird, so kann dies zweierlei bedeuten* es kann damit zu dem Ausdruck gebracht sein9 daß der Verkehr nicht bei jedem Zeichen in gleichemürafange der Gefahr von Verwechslungen unt liegtp wofür es namentlich auf die Kennzeichnungskraft des Zeichens ankommt; insoweit handelt es sich um die Frage, ob mit Rücksicht auf eine Kennzeichnungsschwäche des Zeichens ernstlich von einer Verwechslungsgefahr gesprochen werden kann, ln diesem Sinne ist der Begriff des Schutzu demfanges im Zeicherirecht bisher verstanden worden. Gefahr von Verwechslungen mit einem anderen Zeichen allein mit der Begründung versagen, der Zweck des § 4 Abs. 2 Kr. 1 F2G, das Freihaltebedürfnis der Allgemeinheit, fordere diese Einschränkung bei einem im Verkehr nicht durchgesetzten Zeichen, das eine gemeinfreie Angabe lediglich «geringfügig abwandle«; die Verwechslungsgefahr sei dann «in Kauf zu nehmen«. Die Begründung der angefochtenen Entscheidung kann insoweit nicht etwa dahin gedeutet werden, es sei nur ein praktisch unerheblicher «Rest* von Verwechslungsgefahr in Kauf zu nehmen. Die boidert erstgenannten Entscheidungen betreffen jedoch andere Fälle; im ersten Fall handelte es sich um die Kollision eines aus zwei Buchstaben bestehenden Widerspruchszeichens» das nur als Bildzeichen eingetragen worden war» mit einem als Fhantasiozeichen wirkenden Wortzeichen» das aus den ausgeschriebenen beiden Buchstaben bestand« Im zweiten Fall («Foinröstung«) wurde das beanstandete Wort nach den getroffenen Feststellungen nur als rein beschreibende Angabe im Hahmen eines Gesamtzeichens aufgefaßt* Eine neuere Entscheidung des 26» Senats des Bundespatentgerlohts (Mitto 1962» 170, 171) bejaht dagegen den Schutz des Widerspruche-Zeichens Mfwin Works« gegenüber dem angemeldeten Zeichen "Tv/en Club«» obwohl auch sie annimmt, daß die Angabe «Tv/en« für Bekleidungsstücke als freizuhaltende Bcstimmunge-oder Beschaffenheitsangabe anzusehen sei; diese Entscheidung geht daher offenbar von einem anderen Rechtsstandpunkt aus als der angefoohtene Beschluß« Auch der erkennende Senat vermag diesem Beschluß, jedenfalls für Fälle der hier gegebenen Art, nicht beizu-treten» Ist im Einzelfall die Verwechslungsgefahr zu bejahen, so kann gegenüber einem eingetragenen Zeichen das Freihaltobedürfnis nicht mit der Wirkung geltend gemacht werden» daß die aus dem Gesetz folgenden Rechte des Zoichon-inhabers zu entfallen hätten» Im Widerspruchsverfahren kann der Anmelder daher nicht mit dem Einwand gehört werden. der Widersprechende müsse die Gefahr einer Herkunftstäuschung wegen eines Freihaltebedürfnisses der Allgemeinheit hiimehmen» Dies ergibt sich auch aus dem Zusammenhang der Vorschriften des Warenzeiohengesetzes® das dem *iderspruchsverfähren die Prüfung nur der Zeichenübereinstimmung® nicht auch eines Freiheit ob edürfnissö* der Allgemeinheit zuweisto Der in der angefochtenen Entscheidung zugelassene Einwand des Freiheitebedürfnisses gegenüber dem Widerapruchszeichen als Ganzem« mit dem die Hechtsbeständigkeit dieses Zeichens mindestens für einen bestimmten Warenbereich geleugnet wird® ist daher im Widerspruchsverfahren nicht statthaft; seine Berücksichtig gung würde bedeuten, daß im Hahnen eines späteren Eintrag^-Verfahrens die einmal anerkannte Schutzfähigkeit eines eingetragenen Zeichens erneut in Frage gestellt werden I könnte (Miosga® Mitte i960® 41® 43)/Der in der ange- I fochtenen Entscheidung beschrittene Weg® die Schutzfähig- I keit des Widerspruchszeichens für bestimmte Waren® obwohl I diese vom gesetzlichen Schutzbereich umfaßt werden® unter I dem Gesichtspunkt des Freihaltebedürfnisses zu verneinen I und insoweit die Gefahr von Verwechslungen in Kauf zu nehme» ist daher nicht gangbar«, I Im Streitfall handelt es sich nun allerdings um die I Versagung des Schutzes gegenüber der Verwendung eines ver- I wochseibaren Zeichens für gleichartige Waren« Mit der Be- I grün dung, die Prüfung auf das Vorliegen eines Eintragung- I hindernisses nach § 4 Abs« 2 Nr» 1 WZG habe sieh bei der I Eintragung des ^iderspruchszeiohens nur auf die für dieses I angemeldeten® dagegen nicht auf die mit diesem nur gleich- I artigen *'aren erstreckt® wird teilweise die Auffassung ver-| treten® insoweit könne eine entsprechende Prüfung vorge- I nommen werden; der Zeicheninhaber müsse sich daher® wenn I er gegen eine Benutzung seines Zeichens für nur gleichartig*! Pie Entscheidung über die übrigen Kosten des Verfahrens einschließlich der vor dem Verv/altungsgericht dun geführten Klage war der abschließenden Entscheidung des Bundespatentgeriohts vorzubehalten« Auf die Angriffe, die die Rechtabeschv/erde gegen die in der angefochtenen Ent_ Scheidung angeordnete Kostenverteilung gerichtet hat» braucht nicht eingegangen zu werden, da die Sache tu Sinne des Widerspruchs zur Entscheidung reif und deshalb keine Grundlage mehr für eine gegen die Widersprechende gerichtete KostenentScheidung gegeben ist«