BGH · Ia ZR 37/64 vom 06.07.1965
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Nach der noch im September 1955 erfolgten Auflösung seines Vertragsverhältnisses mit HopPIBP hat der Beklagte den Betrieb wieder selbst übernommen und der Firma Carl SSB in XpiBB/DeflPBl im Oktober des gleichen Jahres die Herstellung der Wand-schiebetafel ohne Kontergewicht, wie diese zu dem Patent angemeldet worden war, in Lizenz übertragen. Der Beklagte habe jahrelang unter Heranziehung mehrerer Betriebsangehöriger vergeblich versucht, eine V/andschiebetafel ohne Gegengewicht zu schaffen,, Erst als der Beklagte ihn, den Kläger, ab Frühjahr 1954 zu den Arbeiten zugezogen habe, sei es auf Grund seines erfinderischen Mitwirkens gelungen, die gewünschte Wandschiebetafel-Konstruktion zu schaffen, bei der es darum gegangen sei, die wachsende Kraft einer Feder durch eine Seilkurvenscheibe von der Form einer bestimmten Kreisevolute auszugleichen0 Als Entschädigung für seine Mitarbeit und als Ersatz dafür, daß die Wandschiebetafel ohne ihn zu dem Patent angemeldet worden sei, habe ihm der Beklagte im Vertrag vom 21 „ April 1955 50 $ der Lizenzgebühr zugesagt« Aus dem Sinn und Zweck dieser Zusage ergebe sich, daß sich die Verpflichtung des Beklagten nicht auf die damals von erwarteten Lizenzen beschränken, sondern alle zukünftigen Lizenzzahlungen an den Beklagten habe umfassen sollen«, Das habe der Beklagte 1955 in Anwesenheit anderer Betriebsangehöriger auch dadurch zu dem Ausdruck gebracht, daß er erklärt habe, die Auflösung der vertraglichen Beziehungen mit HofBBIM berühre den Vertrag vom 21p April 1955 nichto Der Beklagte hat Klagabweisung beantragt,, Er hat in Abrede gestellt, daß der Kläger erfinderisch an der Herstellung der Wandschiebetafel mitgewirkt habe„ Der ab Frühjahr 1954 zu den Arbeiten an der Tafel hinzugezogene Kläger habe nur handwerkliche Arbeiten nach seinen Anweisungen verrichtet» Wenn er dem Kläger dennoch im Vertrag vom 21„ April 1955 Im übrigen gebe der Vertrag vom 21» April 1955, der von einer Schreibkraft niedergeschrieben worden sei, die Vereinbarung der Parteien, die sich ausdrücklich auf eine Beteiligung an den Lizenzzahlungen von HoflBB bezogen habe, nicht richtig wieder» Schließlich hat der Beklagte noch geltend gemacht, bei der von der Firma SflB hergestellten Tafel handele es sich im Prinzip nicht um das dem Vertrag vom 21» April 1955 zugrundeliegende Modell, die Wandschiebetafel werde von der Firma SflÜ veränderter Form hergestellt» Zur Begründung seiner gegen dieses Urteil eingelegten Berufung, mit der der Beklagte die Aufhebung des Urteils und die Abweisung der Klage begehrte, hat der Beklagte neben seinem früheren Vorbringen noch geltend gemacht, der Vertrag vom 21» April 1955 sei wegen bestehenden Mißverhältnisses zwischen Leistung und Gegenleistung sittenwidrig und ferner wucherisch» Per Kläger habe nämlich seine, des Beklagten, schwierige finanzielle und gesundheit Schlußurteil an, mit denen der Berufungsrichter unter übernähme und Billigung seiner Ausführungen im Grundurteil zu der Behauptung des Beklagten Stellung nimmt, die Firma SflB stelle etwas anderes her als das, woran der Kläger mitgearbeitet habe» Die Revision will damit im Ergebnis die im Grundurteil getroffene ergänzende Vertragsauslegung in Frage stellen» IIo 1» Bas Berufungsgericht hat den zwischen den Parteien am 210 April 1955 geschlossenen Vertrag ergänzend ausgelegt und ist hierbei im Grundurteil zu dem Ergebnis gelangt, daß dem Kläger auch eine Beteiligung an den Lizenzzahlungen der Firma S(B zusteheo Im Rahmen seiner einschlägigen Erörterungen hat das Berufungsgericht u»a<> die Auffassung vertreten, es komme auf die Beantwortung der Frage, ob die vom Kläger bei der Herstellung des Modells einer V/andschiebetafel ohne Gegengewicht erbrachte Mithilfe erfinderischer Art war, schon deshalb nicht entscheidend an, weil dem Beklagten der Umfang der Mitarbeit des Klägers bei VertragsSchluß bekannt gewesen sei» Auch eine sonstige maßgebliche Mithilfe des Klägers rechtfertige die im Vertrag zugesagte Beteiligung an erwarteten zukünftigen Lizenzen» Zwar seien die erfinderischen Überlegungen zur Herstellung einer Wandschiebetafel ohne Gegengewicht nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme vom Beklagten ausgegangen, es habe sich aber ergeben, daß - nach jahrelangen vergeblichen Versuchen -der erst im Frühjahr 1954 zu den Arbeiten hinzugezogene Kläger entscheidenden Anteil an der Herstellung des ersten funktionierenden Modells einer derartigen Tafel gehabt habe« Dies lasse es gerechtfertigt erscheinen, den Kläger auch zukünftig an den Fruchten der Arbeit und daher an den Lizenzen zu beteiligen, die nunmehr von der Firma gezahlt würden, sofern diese Zahlungen für eine Erfindung erfolgten, an deren praktischer Nutzbarmachung der Kläger maßgeblichen Anteil habe« gerieht in den Entscheidungsgründen des Grundurteils die Frage, ob nach VertragsSchluß eingetretene Umstande bei der ergänzenden Vertragsauslegung etwa dazu führen könnten, die laufende Beteiligung des Klägers an den Lizenzzahlungen der Firma SflBB nicht auf die Hälfte sondern auf einen geringeren Bruchteil anzusetzen» Derartige Umstände können nach Auffassung des Berufungsgericht in der späteren Stillegung des Betriebes des Beklagten und der dadurch bedingten Verhinderung des Klägers, mit dem Beklagten zusammen an der Weiterentwicklung der V/andschiebetafel zu arbeiten, gegeben sein» Wenn auch die Weiterbeschäftigung des Klägers im Betriebe des Beklagten nicht der Grund für die eingegangene Verpflichtung gewesen sei, so seien dennoch, so fuhrt das Berufungsgericht aus, beide Parteien anläßlich der getroffenen Vereinbarung davon ausgegangen, daß der Kläger weiterhin an der Entwicklung der Wandschiebetafel mitwirken könne und solle«. Hinweises am Ende des Grundurteils keinen hinreichend spezifizierten Sachvortrag an die Hand gegeben, der es rechtfertige, im Rahmen der richterlichen Vertragsergänzung Feststellungen dahin zu treffen, welche Bedeutung die Parteien bei Abschluß des Vertrages vom 21P April 1955 dem Umstand beigemessen haben würden, daß es zu einer Stillegung des Betriebes des Beklagten und zu einem Ausscheiden des Klägers mit der Folge gekommen sei, daß dieser nicht mehr in der Lage war, an der weiteren Entwicklung der Erfindung sich zu beteiligen, Nach Erörterung anderen Vorbringens des Beklagten hält es das Berufungsgericht nicht für möglich, im Wege der Vertragsergänzung anstelle der vereinbarten 50 $ eine andere Quote der Lizenzbeteiligung -des Klägers als dem Willen der Parteien entsprechend einzusetzen. Anschließend geht das Berufungsgericht noch auf das Vorbringen des Beklagten ein, der Kläger habe an der Entwicklung der Tafel nur in geringem Maße mitgearbeitettund die Firma stelle überdies etwas anderes her als das, an dem der Kläger mitgearbeitet habe, Der Beklagte habe, so führt das Berufungsgericht hierzu aus, insoweit lediglich sein früheres Vorbringen wiederholt. Betrag des Anspruchs nicht vor» Bas Grundurteil sei mithin unzulässig» Ein unzulässiges Grundurteil aber binde ohne Rücksicht darauf, ob es angefochten worden sei, da3 Gericht für den weiteren Gang des Verfahrens nicht» Bas Gericht müsse vielmehr im weiteren Verfahren den Rechtsstreit vollständig, gegebenenfalls erneut, erörtern» Bas Berufungsgericht habe, wie die Begründung des Schlußurteils ergebe, diese Erkenntnis offenbar selbst gewonnen» Benn es erörtere erneut die Frage, ob die von Ho^BI zu zahlenden Gebühren echte Lizenzgebühren seien oder einen anderen rechtlichen Charakter hätten, ob es sich um ein nur vorläufiges Abkommen gehandelt habe und ob die Firma etwas anderes herstelle als dasjenige, woran der Kläger mitgearbeitet habe» AnmQ III 2 zu § 304 ZPO)» Der Revision kann nämlich nicht zugegeben werden, der eingeklagte Betrag sei der Höhe nach unstreitig gewesene Unstreitig war allerdings nach dem Tatbestand des Grundurteils und dem des Schlußurteils die Höhe des Betrages (DM 16o043,86), den der Beklagte von der Firma erhalten hat» Daraus folgt aber noch nicht, daß auch der eingeklagte Betrag von DM 8»021 ,93 der Höhe nach unstreitig gewesen wäre* Das Gegenteil ergibt sich z.B. aus den Ausführungen des Beklagten im Schriftsatz vom 11<> Hovember 1961, mit denen der Beklagte die Berücksichtigung von Aufwendungen für das Patenterteilüngsverfahren erstrebt hat o 20 Die Revision macht weiter geltend, das Grundurteil sei auch deshalb unzulässig gewesen und habe daher keine Bindewirkung entfalten können, weil das Berufungsgericht im Grundurteil einen im wesentlichen zu dem Grund des Anspruchs gehörigen Punkt unentschieden gelassen habe« Die Revision führt hierzu aus: Das Berufungsgericht habe im Grundurteil festgestellt, daß alle erfinderischen ‘Verlegungen zu dem Gegenstand der Patentanmeldung vom Beklagten ausgegangen seien, daß aber der Kläger einen entscheidenden Anteil an der Herstellung des ersten funktionierenden Modells einer Tafel nach dem Erfindungsgegenstand gehabt habe* In ergänzender Vertragsauslegung habe das Berufungsgericht deshalb die Verpflichtung zur Abgabe von 50 % Lizenzgebühren Gleichwohl habe das Berufungsgericht nicht zur Zahlung des an sich unstreitigen Betrages verurteilt, sondern die Frage einer späteren Entscheidung Vorbehalten, ob infolge des Ausscheidens des Klägers aus der Tätigkeit bei dem Beklagten mit der Folge, daß der Kläger nicht weiterhin an der Entwicklung der Wandschiebetafel mit-wirken könne, und aus der späteren Stillegung des Betriebes des Beklagten die Zusage einer Beteiligung an den Lizenzen überhaupt berührt worden sei und gegebenenfalls zu einem geringeren Bruchteil.1: führen könneo Damit, so meint die Revision, habe das Berufungsgericht einen im wesentlichen zu dem Grund des Anspruchs gehörenden Sachverhalt unentschieden gelassen» Die Rechtsprechung habe zwar gestattet, daß bei Schadensersatzprozessen die an sich zu dem Grunde gehörige Frage eines Mitverschuldens des Klägers erst im Betragsverfahren geklärt zu werden brauche; sie habe auch zugelassen, daß ein Einwand der Aufrechnung noch nicht im Grundurteil beschieden zu werden brauche* Davon abgesehen müsse der Grund des Klageanspruchs jedoch vollständig im Grundurteil beschieden werden* Das schließe ein Verfahren aus, wie es das Berufungsgericht im Grundurteil beobachtet habe, nämlich eine ergänzende Vertragsauslegung in ihren Wirkungen nur teilweise vorzunehmen» IVo Aus dem Bargelegten ergibt sich, daß die Angriffe der Revision gegen das Schlußurteil, mit denen sie Verfahrensverstöße und Verletzungen des materiellen Rechtes rügt, nicht durchgreifen können. des Beklagten, die Firma SflB stelle etv/as anderes her als das, woran der Kläger mitgearbeitet habe, unter Hinweis auf seine Beurteilung im Grundurteil beiseite geschoben; dies sei sachlich und verfahrensrechtlich rechtsirrig gewesen* Hach der Feststellung im Grundurteil sei der Kläger nicht Miterfinder des Anmeldegegenstandes, sondern habe nur nach Art eines normalen Fachmannes an der praktischen Ausgestaltung und Verwendbarkeit der Erfindung mitgearbeitet* billigen seien, habe es daher nicht entscheidend darauf ankommen können, ob der Anmeldegegenstand oder auch nur .ein allgemeiner Erfindungsgedanke desselben von der Firma benutzt worden seien, sondern ob die von dieser hergestellten Wandtafeln von dem handwerklichen Beitrag Gebrauch machten, den der Kläger in der Zeit seiner Tätigkeit beim Beklagten für die weitere Ausgestaltung der Tafel geleistet habe* Hierzu vermißt die Bevision ausreichende und in verfahrensrechtlich zulässiger Weise getroffene Feststellungen* Der vom Berufungsgericht im Grundurteil (So 15) angezogene Zeuge Be^Hk sei, so macht die Bevision geltend, vor dem landesarbeits-gericht zu dem jetzigen Gegenstand der Klage nicht vernommen worden* Die Verwendung seiner Aussage ohne ausdrückliches Einverständnis des Beklagten sei daher verfahrensrechtlich unzulässig gewesen (§ 286 ZFO), sie sei vom Berufungsgericht aber auch durchaus unzureichend erfolgt* Hach der Aussage dieses Zeugen habe die Firma weil die Arbeit nach den Zeichnungen des Beklagten nicht befriedigt habe, eine andere Schiebevorrichtung der Tafel ausgearbeitet, also jedenfalls nicht dasjenige, was auf eine Arbeit des Klägers zurück-gehen könne» Nach dem dem Landesarbeitsgericht erstatteten Gutachten des Sachverständigen Hr» KflB habe nur noch eine grundsätzliche ObereinStimmung des Punktionsprinzips mit der Patentanmeldung bestanden» Hiernach sei, so meint die Revision v/eiter, überhaupt nicht ersichtlich, ob bei der Pabrikation der Pirma SflB eine auch nur handwerksmäßige Ausgestaltung benutzt oder auch nur mitbenutzt werde» Erfinderlizenz stehe nach den Festst eil ungen des "Berufungsgerichts dem Kläger nicht zu» Pehle aber auch ein Grund, um aus der Pabrikation der Firma dflBl eine Vergütung für eine sonstige Arbeit des Klägers abzuleiten, dann habe die ergänzende Vertragsauslegung überhaupt nicht auf die Pabrikation der Pirma erstreckt werden können» Hie Revision ist der Auffassung, daß das Schlußurteil demnach keinen Bestand haben könne und daß der Rechtsstreit, da weitere Aufklärung erforderlich sei, zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen sei» Hie Revision verkennt ersichtlich nicht, daß die hier in Rede stehenden Angriffe nur dann durchgreifen können, wenn ihre oben erörterte und als irrig nachgewiesene Auffassung zuträfe, das Berufungsgericht habe wegen Unzulässigkeit des Grundurteils und fehlender Bindungswirkung nach § 318 ZPO den Rechtsstreit ohne Rücksicht auf das Grundurteil Wie sich aus dem fenor des Grundurteils in Verbindung mit den zu seiner Auslegung heranzuziohenden Gründen ergibt, hat das Berufungsgericht das auf den Vertrag vom 21* April 1955 gestützte Begehren des Klägers, an den von der Firma eingehenden Lizenzzahlungen mit 50 # beteiligt zu werden, dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt* Nur die Frage, ob wegen eines bestimmten Sachverhaltes (Stillegung des Betriebes des Beklagten und dadurch bedingte Verhinderung an weiterer Entwicklungsarbeit) die ergänzende Vertragsauslegung zu einer geringeren prozentualen"Beteiligung des Klägers führen könne, ist dem Nachvarfahren Vorbehalten worden* Daraus folgt, daß die ein Element für die Entscheidung über den Grund bildende, vom Berufungsgericht im Grundurteil erörterte und bejahte Frage, ob die Lizenzen der Firma SflB für den Anmeldegegenstand gezahlt werden, an dem der Kläger mitgearbeitet hat, im Nachverfahren nicht nochmals zur Entscheidung gestellt werden konnte* Daher geht die Rüge der Revision fehl, das Berufungsgericht habe im Schlußurteil das Vorbringen des Beklagten, die Firma Sf|^ stelle etwes anderes her, rechtsfehlerhaft unter Auf das weitere Vorbringen der Revision, mit dem sie die Erwägungen und Feststellungen des Grundurteils angreift, kann daher nicht eingegangen werden»