BGH · Ia ZR 24/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Ia-Zivil3enat dos Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 17° Februar 1966 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr° Nastolski und der Bundesrichter Dr° Bock5 Dr0 Sprenge Claßen und Schneider für Recht erkannt: Die Beklagte ist ferner Inhaberin des am 290 Dezember ■1951 beim Deutschen Patentamt unter Inanspruchnahme einer schwedischen Priorität vom 15o Juli 1946 zunächst von einer schwedischen Pirma angemeldeten, am ?0 Oktober -952 auf die Beklagte übertragenen PPP (llr« der Patentanmeldung: 0 V/0) betr0 eine "Anordnung an Maschinen zu dem Streuen von Kunstdünger, Samen und derglc. dadurch gekennzeichnet, daß die Tragorgane mehrerer Fördertoller auf einem gemeinschaftlichen, am Streugutbehälter lösbar befestigten Träger angeordnet sind, der um eine waagerechte Achse abwärts klappbar und in der aufwärts geschwenkten Arbeitostellung am Streugut-bohälter verriegelbar iste stellen Düngerstreuer her, deren Konstruktionsmerkmalc nach Auffassung der Beklagten den erfindungswesentlichen Merkmalen des DBF Nr0 entsprochene Die Klägerinnen haben di03 nicht in Abrede gestellt, jedoch die Auffassung vertreten* daß ihnen an diesen Schutzrecht ein Mitbenutzungsrecht entsprechend dem deut3ch-schwedischon Abkommen auf dem Gebiete dos gewerblichen Hechtsschutzes von 20 Februar 1951 (abgedruckt in GRUR 1951, 394) zustehQo Die Beklagte hat beiden Klägerinnen das Recht zur Herstellung und zu dem Vertrieb von Tellerdüngerstreuern entsprechend dem DBP Br. flU W abgestritten* Sie hat weiter die Auffassung vertreten, dieses Patent soi von dem DRP Nr» abhängig, so daß die Konstruktion der Klägerinnen von den Merkmalen dieses älteren Schutzrechtos Gebrauch macheo Die Klägerinnen habon in erster Instanz in gesonderten Rechtsstreiten auf Feststellung ihres Mitbenutzungsrechtes an dem Erf indungsgegenotand der Patentanmeldung MB B PP BP/flB (später DBP Nr0 ^BPB) geklagt, während die Beklagte Widerklage erhoben und die Verurteilung der Klägerinnen zur Unterlassung und Rechnungslegung sowie die Feststellung der Schadensersatzpflicht der Klägerinnen verlangt hato Bas Landgericht hat im Rechtsstreit der Klägerin zu \ (hB^P - Az« 4 0 225/53) entsprechend dem Antrag dieser Klägerin mit Urteil vom 4o November '?954 festgestclltp daß die Klägerin gegenüber der Patentanmeldung Nr» B Pb PBPB/^B ein kostenloses Mitbenutzungsrecht besitzto Die Widerklage der Beklagten hat das Landgericht abgewiesen0 Zur Begründung ihrer Anträge hat sie im wesentlichen geltend gemacht, ein Mitbenutzungsrecht der Klägerinnen werde weiterhin in Zweifel gezogeno Auf jeden Pall mache die angegriffene Konstruktion aber auch von der in dem Y/idorklagepatont Kr« PB PP unter Schutz gestellten Erfindung Gebrauch, und zv/ar bereits unter dem Gesichtspunkt der gegenständlichen Verletzung, mindestens Das Berufungsgericht hat alsdann mit Urteil vom 60 Dezember 1963 die Berufung der Beklagten gegen die beiden rr.it der Berufung angefochtenen Urteile des Landgerichts Düsseldorf auf Kosten der Beklagten zurückge-wieseno Die Beklagte hat gegen dieses Urteil des Oberlandesgerichts Revision eingelegto Sie beantragt? Io Das Berufungsgericht hat in der angefochtenen Entscheidung die in den Urteilen des Landgerichts ausgesprochene PostStellung* den, Klägerinnen stehe gegenüber dem DBP sicht auf das Mitbenutzungsrecht der Klägerinnen an dem BBP Uro W und weil eine Verletzung des BBP fli nicht festzustellen seiP zurUckgewioseno Bie Revision hat gegen die rechtlich zutreffende Feststellung des Berufungsgerichtes9 eine rechtswidrige Verletzung des Widerklagepatentes Br0 scheide im Hin- um die Förderscheibe alsdann unmittelbar in ungefähr waagerechter Richtung herausnehmen zu können» Diesem Gegenstand der Erfindung sei, so führt das Berufungsgericht im Anschluß hieran weiter aus? die angegriffene Ausführungsform mache von diesem Gegenstand des Patentes Nr» IBP keinen Gebrauch* Hinsichtlich der Verlctzurgs-form geht es dabei ersichtlich von seinen auf Seite 0/01 der Urteilsgründe im Rahmen der Erörterungen zu dom von den Klägerinnen geltend gemachten Mitbenutzungsrecht getroffenen Feststellungen aus» Danach stimmen die angegriffones Tcllerdüngerstreuer der beiden Klägerinnen in ihren Konst ruktionsmerkmalcn im wesentlichen überein und entsprochen dabei den erfindungswesentlichen Merkmalen des DBP flP Hach den im Anschluß hieran getroffenen weiteren tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts sind bei den Düngerstreuern der Klägerinnen die Teller mit ihrem konischen Drohzapfen auf einem Rahmen angeordnot? der um eine etwa unter der Vorderkante des Kastenbodens liegende Drehachse nach unten klappbar und in angehobener Stellung vorriegelbar ist0 Das Berufungsgericht stellt an der angegebenen Stelle dann noch weiter fest., daß die Klägerin die Teller gegen ein Herausfallen durch eine in eine Ringnut eingreifende Madenschraubo befestigt hat,, so daß die Teller zwar gedreht^ aber nicht ohne weitere abgenommen werden können,, Die gleiche konstruktive Maßnahme finde sich bei den Tellern des Düngerstreuers der Klägerin aus den letzten Jahreno Bei dem Erf indungsgegenstand des Patentes Hr» während der ihn tragende Zapfen nach unten gesenkt werde* Bei der angegriffenen Ausführungsform hingegen würden mehrere Teller gleichzeitig mit dem sie tragenden Rahmen und ihren Lagern sowie der unter den Tellern liegenden Antriebswelle vom Düngerkasten entferntP nachdem die Verriegelung zu dem Kastenrahmen gelöst soi0 Die Teller würden also nicht 9 worauf der Sachverständige Profc. Das Berufungsgericht untersucht sodann«, ob die von der Beklagten behauptete Verletzung dos Erfindungsgegenstandes des Patentes Nr» etwa unter dem Gesichts- punkt der Äquivalenz begründet seio Die angegriffene Ausführungsform falle«, so führt das Berufungsgericht auo9 auch dann nicht unter den "Gegenstand" der Erfindung«, wenn man die Glcichwerte d*h* diejenigen Lösungsmöglichkeiten in den Gegenstand des Patentes Ir» einbezieho? die dem Fachmann«, sei es im allgemeinen«, sei es im vorliegenden besonderen Falle«, ohne besondere erfinderische Bemühungen im Prioritätszeitpunkt zur Verfügung gestanden hätten* Die von der Beklagten in Anspruch genommene Äquivalenz könne nicht damit begründet werden*, daß bei der angegriffenen Ausführungsform das gleiche Ergebnis wie boim Widerklage-patent erroicht werde«, nämlich eine leichte Herausnehmbar-keit der Teller5 und zwar dadurch«, daß hier wie dort die Förderschalen auf einem "Tragorgan" aufgesetzt seien* das vom Kastenboden abwärts senkbar sei* Mit diesen Ausführungen der Beklagten sei* so meint das Berufungsgericht«, der Tatbestand ungenau Wiedergegeben und verkannt* daß die Gleichwirkumg derart im Sinne der Lösung einer konkreten Aufgabenstellung liegen müsse? daß davon ausgegangen worden könne«, das Patentamt werde sie bei der Patenterteilung in gleicher Wei30 beurteilt haben* Eine bloße allgemeine Gleichwirkung genüge zur Annahme einer rechtlichen Gleichwertigkeit nicht* Das für den Patentschutz in Anspruch genommene Lösungsmittol der angegriffenen Ausführungsform müsse vielmehr im Sinne des Erfindungsgedankens gleich-wirkond«, von ihm also umfaßt sein* Das Ersatzmittel müsse auf dem Erfindungsgedanken beruhen und sich im Rahmen der technischen Anwendung dos betreffenden Einzolmerkmalo halten» Der Erfindung3gedanke betreffe,, so führt das Berufungsgericht hierzu weiter aus, nach dem Gesamtinhalt der Patentschrift 9 wie er sich insbesondere aus der Beschreibung und der Zeichnung ergebe9 den Gedanken., Wenn os dann noch zweckmäßig oder notwendig erscheinen dio Scheiben einzeln in die Hand zu nehmen* könnten sie - unter Umständen nach dem Lösen einer Madenschraube - von ihrem Zapfen abgenommen worden; es würden also nicht die Zapfen aus der Scheibe herausgoführt <> Der Sachverständige Prof0 Drö KM kak° öaher mit Hecht fostgestellt5 daß dio angegriffene Ausführungsform gegenüber dem Gegenstand des Widerklagepatentes Nr0 zu einer völlig anderen Lösung geführt habe5 bei der weder eine technische noch eino patentrechtliehe Äquivalenz vorliegöo Auch das Deutsche Patentamt habe in seinem gemäß § 2$ PatG eingeholten Obergutachten bei den "voneinander wesentlich verschiedenartigen Konstruktionen" das Vorliegen einer technischen oder glatten patontrechtlichen Äquivalenz verneinte Da sonach9 so führt das Berufungsgericht insoweit abschließend ausp eine gegenständliche Verletzung des Wider-klagepatentes Nr0 bereits aus den voi’stohend daß nach dem Widerklagepatent das Tragorgan des Tellers als kegeliger Zapfen ausgebildet ist und die innere kegelig ausgebohrtc Nabe des Fördertellers umschließt? während bei der angegriffenen Konstruktion das Tragorgan als kegelige Lagerbüchse ausgebildet ist9 in die ein fest mit dem Förderteller verbundener kegeliger Zapfen lose eingesetzt istG daß die in der Revisions-instanz zur Entscheidung stehende Widerklage lediglich auf das DRP Nr* CB der Beklagten gestützt ist und daß sich diese Klage ausschließlich gegen die behaupteten Patent-Verletzungen durch die angegriffene Ausführungsform der Klägerinnen richtete Streitgegenstand ist sonach nicht das Abhängigkeitsverhältnis zwischen zwei Patenten? jeden Förderteller lose drehbar auf einem Tragoi'gan aufzulegen., das am Düngerkasten vom Kastenboden abwärts senkbar angeordnet und in seiner der Arbeitsstellung der Fördertoller entsprechenden Lage mit dom Dünger-kaston verriegelbar isto Dann hätte sich? so macht dio Revision weiter geltend, auch für das Berufungsgericht die schon gegenständliche Verletzung des Widerklagcpatentes ergebene Die Rüge der Revision greift nicht durch o daß dem Berufungsgericht bei der Bestimmung des Gegenstandes der Erfindung ein Rechts-fehler unterlaufen sei und daß es die von der Rechtsprechung für die Ermittlung des Gegenstandes einer Erfindung im Sinne der sogo ''Dreiteilungslehre” entwickelten Grundsätze, die die Revision verletzt glaubt«, nicht beachtet habe« tlit Recht ist das Berufungsgericht insbesondere davon ausge-gangonj, daß entscheidend für die Bestimmung des Gegenstandes eines patentes in erster Linie der Patentanspruch isto In Anspruch 1 dos Widerklagepatentes aber ist eindeutig gelehrt daß jede Förderscheibe lose auf dem aufwärts gerichteten Ende eines senkrechten Tragzapfons aufgesetzt und daß jeder Trag zapf on senkbar in seinem Lager vorgesehen sein solle, Aus der Patentbeschreibung und aus den Zeichnungen ist nichts zu entnehmen«) was dieser klaren Angabe entgegon-stohen und zu einer anderen Bestimmung des Gegenstandes der Erfindung führon könntGo Die Auffassung der Beklagten, das Berufungsgericht hätte ohne weiteres den von ihr formulierten - oben wiedergegebenen - Gegenstand ermitteln können? den Prüfungobeseheid des Patentamtes vom 12« November 1938 bei der Bestimmung dos Gegenstandes des Patentes heranzuziehen <> Inwiefern die von der Revision herangezogene Wendung aus diesem Prüfungsbescheid zu einer anderon Bestimmung des Gegenstandes der Erfindung führen könnte? ist überdies nicht ersichtlich« Die dort erwähnte “freie Drehbarkeit der Scheibe“ ist sachlich nichts andoros als das lose Aufsetzen des Tellers auf seinem Tragzapfen0 Das Berufungsgericht hat sonach ohne Rechtsvorstoß am Inhalt des Anspruchs festgehalteno Die Formulierung des Erfindungs-gegonstandes im Sinne der Auffassung der Beklagten würde auf eine Umdeutung des Gegenstandes der Erfindung in einen allgemeinen Erfindungsgedanken unter Ausscheidung einzelner Merkmale hinauslaufen? daß sich eine Verletzung dos Widerklagopatcntes Nr« durch die angegriffene Ausführungsform auch nicht bei Heranziehung des Äquivalenzgedankens feststollen läßt o IIIo Io Das Schwergewicht des Berufungsurteils liegt in der Untersuchung* ob die Klägerinnen mit ihrer Aus-führungsform einen schutzfähigen allgemeinen Erfindungo-gedankon des Y/ider klagepatent es Nr « flP verlötzon0 Das Berufungsgericht führt hierzu im wesentlichen folgendes aus: Die angegriffene Ausführungsform mache von keinem patentwürdigen allgemeinen -Erfindungsgedanken* der in der V/ider-klagcpatentschrift offenbart sein könnte* Gebrauch» Denn dem* was diesem Schutzrecht über den zuvor feotgestellt on Gegenstand der Erfindung hinaus zu entnehmen sein möge an Aufgabe und Lösungswegen* die bei der angegriffenen Ausführungsform gleichfalls vorliegen* fehle jedenfalls die erforderliche Erfindungshöhe<> Dies gelte sowohl für den von der Beklagten goltend gemachten allgemeinen Gedanken* uüen Zwischenraum zwischen fellorrand und Kastenboden zwecks Reinigung des Fordertellerrandes und der darüber liegenden Unterflache des Kastenbodens zugängig zu machen1* * als auch für den von der Beklagten weiter goltend gemachten allgemeinen Gedanken* "die Förderteller aus ihrem bisher festen Zusammenhang mit dem starren feil des Kastenbodens lösbar zu machen11» von und KflP in Verbindung mit dem Vortrag der Parteien fest* daß die Aufgabe* die sich der Erfinder des Widerklagepatentes nach der Darstellung der Beklagten speziell bei 1ellerdUngerStreuern gesetzt habe* nämlich auch don Baum zwischen Tellerrand und Kastenboden zugänglich und die Förderteller leicht löslich doho abnehmbar zu machen* der Fachwelt zur Zeit der Anmeldung dieses patentes als eine Aufgabe für die Anordnung der bewegten Teile der Streuvorrichtung aller Düngerstreuer bekannt gewesen seio Des weiteren wird vom Berufungsgericht festgestellt * daß der Fachwelt Lösungen dieser allen Düngerstreuern gestellten Aufgabe geläufig gewesen seieno Es könne nun* so meint das Berufungsgericht * nicht angenommen werden* daß die Fachwelt zwar die Notwendigkeit erkannt gehabt habe* bei Düngerstreuern (jeglicher Art und Gattung) alle mit dem Dünger in Berührung kommenden Teile* insbesondere die der Streuvorrichtung gut zugänglich und leicht abnehmbar zu machen* daß sie jedoch bei Tellerdüngerstreuern mit Förderteil er n unterhalb des Kastenbodens den einer Verkittung besonders ausgesetzten Zwischenraum zwischen Kastenboden und Forderteilerrand sowie die Förderteller übersehen und die Vorteile* auch hier Eeinigungsmöglichkeiten zu schaffen oder zu verbessern* nicht habe erkennen könneno Sonach könne weder in der Aufgabenstellung des Widerklagepatentee Fr o flp ^och in der von ihm offenbarten ganz allgemeinen Lehre* nämlich bei Tellerdüngerstreuern die unterhalb de3 Kastenbodens gelagerten und einen Teil dos Kastenbodens bildenden Förderteller aus ihrem bisher schwer lösbaren raatische Umkehrung der Erfindung nach dem Streitpatent gesehen» Auch der Sachverständige Prof» Pr» FflBP~Sch^^^ habe jedenfalls eine °entfernte Ähnlichkeit mit dem Streit-patent0 angenommen» Diese Vorveröffentlichung habe., so heißt es im angefochtenen Urteil weiter* in Verbindung mit dem übrigen Stand der Technik, insbesondere in Verbindung mit den Ausführungen von Kühne in seinem "Handbuch der Landmaochinontechnik" (Berlin 1930 S» 263) den Gedanken* die Förderteller irgenwie auf einem unterhalb des Kastenbodens gelegenen Tragorgan anzubringen und dieses Tragorgan nach unten abzuklappen oder irgonwie abzusenken? in Übereinstimmung mit den Gutachten der gerichtlichen Sachverständigen Profo Lr» von 8^10 und Prof o Lr» sowie mit dem Obergutachten dos Patentamt So Wenn Prof 0 Lr» F0|0P-Sch09 eine andere Auffassung vertreten habe? Ihre Angriffe richten sich gegen die Feststellung des Berufungsgericht es 9 es könne dem allgemeinen Gedanken«, “die Fördertoller eines Tellordüngerstreuers auf einem “Tragorgsn“ anzubringon«, das vom Kastenboden getrennt werden könne? und zwar nach unten“, keine Erfindungshöhe zugesprochon werdcn0 Die Revision macht geltend, die Beklagte habe im Schriftsatz vom 210 Februar 1961 eine umfangreiche Schilderung der besonderen A.ufgabo der Förderteller des Tellerdüngcrstroucrs als “schalenförmige Verschlußorgane“ gewidmet- und schon damals unter nachdrücklichem Hinweis auf die Erteilungo-akten betreffend das Patent Nr0 auf die besonderen Roinigungoprobleme gerade dieser Konstruktionsart hinge-wiesen* Die Beklagte habe auch vorgetragen«, daß in einem 30jährigen Zeitraum vor der Anmeldung des Patentes Nr«, die Fachwelt in keinem einzigen bekanntgewordenen Falle für die Reinigung von Tellerdüngerstreuern Anregungen aus dem Stande der Technik für andere Gattungen gezogen habe«, Hätte aber das Berufungsgericht«, so meint die Revision, diesem Vorträge folgend die Erteilungsakt on des Patentes Nr0 herangezogen«, dann hätte es schon im Erteilungs- das Berufungsgericht, sich lediglich konditional mit dieser von der Beklagten behaupteten allgemeinen Lehre befaßt und der Bache nach ausgeführt hat? daß das Berufungsgericht die Darlegungen der Beklagten zur besonderen Aufgabe der Fördertellcr des Tellerdungorstroucrs und zu don besonderen Reinigungs-Problemen dieser Konstruktionsart übersehen habe, liegen keine Anhaltspunkte vor» Don Ausführungen in der angegriffenen Entscheidung, insbesondere auf S» 15 if der Urtoilsgründe, ist im Gegenteil zu entnehmen, daß sich das Berufungsgericht der bei fellerdüngcrstrouern mit schalenförmigen Fördertellern gegebenen besonderen Umstande bewußt gewesen i-st c Ebensowenig liegen Anhaltspunkte dafür vor, das Berufungsgericht habe den Vortrag der Beklagton übersehen, die Fachwelt habe während eines längeren Zeitraumes keine Anregungen für die Reinigung von Tollcrdümger-Streuern aus dem Stande der Technik anderer Gattungen gezogen o Wenn das Berufungsgericht darauf kein Gewicht gelegt hat, so kann darin angesichts des von ihm gewürdigten, Materials und der hier einschlägigen Ausführungen des Sachverständigen Piof,» Br» °^n Hecht airr-t um nicht erblickt worden.» Ein Verfahrensvorstoß kann auch nicht darin erblickt werden, daß das Berufungsgericht den Erteilungcbeschluß betr» Patent Nr» sowie die in der gleichen Sache ergangene Beschwerdeentschcidung vom 13» November 1956 nicht herangezogen und gewürdigt hat» Bei der Prüfung der Frage, ob die angegriffene Ausführungsform von der Lehro des V/iderklagepatento Kr« f|0 Gebrauch macht9 brauchte das Berufungsgericht die Unterlagen des jüngeren Patentes nicht zu berücksichtigen® das Berufungsgericht habe bei der Prüfung des allgemeinen Erfindungsgedankens auf Erfindungshöho zu Unrecht aus dem Gegenstand der Technik auch Düngerstreuer anderer Gattung herangezogen, wie z®B® den Düngerstreuer mit Sternfingerstreurädern gemäß DRP Er® 239 018® Dem kann jedoch nicht zugestimmt werden® Das Berufungsgericht konnte, weil es sich um das gleiche technische Gebiet handelt, ohne Rechtsverstoß bei der Prüfung der Frage, ob der vom ihm erörterte allgemeine Erfindungsgedanke durch den Stand der Technik nahegolegt war, auch Streuer zu dem Ausstreuen von Kunstdünger, Samen o®äo heranziehen, die nicht als Tellerdüngerstreuer mit schalenförmigen Fördoxtellern ausgebildet sind® Vom Durchschnitt sf achmann* der sich mit der Behebung der bei Teller-düngerStreuern auftretenden Reinigungsprobleme dux’ch konstruktive Maßnahmen beschäftigt» muß dio Kenntnis dos Entwicklungsstandes bei sonstigen Vorrichtungen zu dem Streuen von Kunstdünger vorausgesetzt werden® Selbst wenn man aber annehmen wollte, es handle sich insoweit nur um Hach“ hargobiete, wäre eine andere Beurteilung nicht gerechtfertigt o Soweit die gleiche oder eine ähnliche technische Aufgabe auf einem Bachbargebiet gelöst worden ist, stellt sich jedenfalls die Frage, ob durch solche Entgegenhaltungen der Erfindungsgedankc nahegologt worden ist® Mit Recht hat Daß sich der Fachwelt bei Düngerstreuern jeglicher Art und Gattung die Aufgabe gestellt hatte, alle mit dem Dünger in Berührung kommenden Teile, insbesondere die der Streu-Vorrichtung, leieht zugänglich und leicht abnehmbar zu machen, und daß der Fachwelt dafür auch verschiedene LÖcungs-möglichkeiten bekannt waren, hat das Berufungsgericht (So 22 ff der Urteilsgrundo) auf Grund eingehender Würdigung der in Frage kommenden Entgegenhaltungen sowie verschiedener Litera-turctellen und der Gerichtsgutachten festgestellt» Diese tat-richterlichen Feststellungen lassen einen Hechtsfehler nicht erkennen» Dies gilt auch von der weiteren Feststellung des Berufungsgerichtes (S» 24 der Urteilsgründe}, durch die Düngerstreumaschine nach dem DBF Kr» 239 018 sei in Verbindung mit dem übrigen Stand der Technik, insbesondere in Verbindung mit den Ausführungen von Kühne im "Handbuch der Landmaschinentechnik" der Gedanke, die Förderteller irgendwie auf einem unterhalb des Kastenbodens gelegenen Tragorgan anzubringen und dieses Tragorgan irgendwie nach unten zu entfernen, so nahegelegt gewesen, daß in dieser allgemeinen Idee keine höhere geistige Leistung erblickt worden könne» Auch diese Feststellung ist, wie die Urteilsbegründung zeigt, vom Berufungsgericht auf Grund eingehender Überlegungen ur.d in Auseinandersetzung mit den Gutachten der gerichtlichen daß das Berufungsgericht Folgerungen aus der entgegengohaltonen deutschen Patentschrift 239 018 gezogen hato Biese Patentschrift ist nach dem oben Dargelegten vom Berufungsgericht mit Recht herangezogen wordene Sic offenbart die Lehre (vgl» Beschreibung Z« 3 Sp» 28 - 36}? daß die das Streurad tragende Welle b (vgl* Figo 6 der Patent-Zeichnung) mit dem am oberen Ende der Wolle befindlichen Schneckenrad hochgehoben wird«, bis das am unteren Endo der Welle befindliche Vierkantteil die viereckige Öffnung in der Mitte des Streurades (vgl* Figo 8) freigibt» Ob darin eine "kinematische Dmkehrung,, der Erfindung nach dem Wider * klagepatent gesehen werden kann? XV o Da sonach die Revisionsrügen nicht durchgreifon und auch sonst ein entscheidungserheblicher Rechtsirrtum im Berufungsurtoilp soweit es von der Beklagten mit der Revision angegriffen worden istP nicht zu finden ist« war die Revision zurückzuv/eiseno Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 9* a, 97 ZPOo Da nach dem Dargolegten auch die Unterlassungsan-Sprüche unbegründet v/aren, entspricht es dem billigen Brmessen (§ 91 a ZPO) ?