BGH · Ia ZR 256/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Meßband, das unter Benutzung einer Handkurbel auf eine Trommel aufwickelbar ist, wobei die am Lagerzapfen der Meßbandtrommel ausklappbar gelagerte Handkurbel mit der Trommel drehfest verbunden wird und für das Abziehen des Meßbandes von der Trommel entkuppelt werden kann, versehen mit einer Einrichtung zu dem Sperren der Trommel - und damit dos Bandes - in jeder gewünschten Lage, dadurch gekennzeichnet, daß die Handkurbel (11) an dem einseitig ausladenden Ende eines am Lagerzapfen (6) der Trommel (5) lose drehbaren Lagerkörper3 (12) angelenkt und mit einem Schlitz (13) versehen ist, der zur drehfesten Verbindung der Handkurbel mit der Trommel über einen am freiliegenden Ende des Lagerzapfens vorgesehenen Flachansatz (7) greifen kann« 2o Meßband nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß eine unterhalb des Gelenkes zwischen der Handkurbel und dem Lagerauge angeordnete Blattfeder (14) die Handkurbel in beiden Endlagen festhälto 3o Meßband nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Handgriff (8) der Handkurbel in einer Endlage in eine Aussparung (21) des Stieles (1) des Gerätes eingreift« Die Klägerin hat gegen das Streitpatent die Nichtigke klage erhoben, die sie auf Preislisten der Firma au3 den Jahren 1955 und 1957, auf die deutschen Pate 124 566, 936 536, das Gebrauchsmuster 1 707 624 und die US-patentschrift 2 553 613 stützt« Die Beklagte hat widersprochen« Burch Urteil de3 2« Senats (Uichtigkeitsccnat II des Bundespatentgerichts ist das Streitpatent für nichtig erklärt worden«. Gegen dieses Urteil richtet sich die Berufung der Beklagten, mit der sie beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Nichtigkeitsklage schlechthin oder hilf weise mit der Maßgabe abzuweisen, daß der Patentanspruch 1 folgende Fassung erhält: * klappbar gelagert ist, gekennzeichnet durch die Kombination einer an sich bekannten7:vom Lagerzapfen der Trommel entkuppelbaren.Handkurbel, derart, daß die Handkurbel 11 an dem einseitig ausladenden Ende eines am Lagerzapfen 6 der Trommel 5 l03e drehbaren Lagerkörpers 12 angelenkt und mit einem Schlitz 13 versehen ist, der zur drehfesten Verbindung der Handkurbel mit der Trommel über einen am freiliegenden Ende des Lagerzapfens vorgesehenen Flachansatz greifen kann, mit einem eine Sperreinrichtung bildenden und längs des Kähmenschenkelo beweglichen Schieber, welcher einen seitlichen Anschlag 16 aufweiet, der in der Arbeitslage mit einem exzentrisch an der Trommel vorgesehenen Fingeransatz 9 zusammenarbeiteto Als weiteren Hilfsantrag hat die Beklagte ihren ersten ‘Hilfsantrag mit folgendem Zusatz verlesen: ob die Klägerin ihrerseits keine Produktion.nach der Anweisung des Streitpatents aufnehmen will und ob sie sich weniger durch den Patentschutz als solchen als durch die von der Beklagten veranstelte Werbung beeinträchtigt fühlt« die an dem einen Ende als Lochscheibe ausgebildet ist» Die Buchse trägt eine Trommel und ist in der einen Leiste des an sich bekannten Rahmenträgers der Tremmel gelagert« Dabei ist das dem Kurbelarm gegenüberliegende Ende deh Lägerkopfcs in der anderen Leiste des Rahmenträgers gelagert«. Diese.-Aufgabe wird gemäß Anspruch 1 des Streitpatents dadurch gelöst* daß die Handkurbel an dem einseitig ausladenden Ende eines am Lagerzapfen der Trommel lose drehbaren Lagerkörpers angelenkt und mit einem Schlitz versehen ist* der zur drehfesten Verbindung der Handkurbel mit der Trommel über einen am freiliegenden Ende des Lagerzapfens vorgesehenen Flachansats greifen kann, Demgemäß vermittelt das Streitpatent dem Fachmann durchschnittlichen Könnens die technische Lehre* daß man eine drehsteife* einund aucrUck-baro KUpplung zwischen der Antriebskurbel für das Aufrollen eines Meßbandes und der Trommelachse erhält* wenn man das abgeflaöhte Ende des Lagerzapfens als Riegel in eine rechteckige 'Aussparung im Kurbelarm eingreifen läßt« Dabei kommt das Einlegen und Lösen des Kupplungsriegels durch einfaches Umlegen des Kurhelarmes zustande« Zwischen dieser Antriebskurbel und der Bandwalzo ist keine lösbare Kupplung vorgesehen Infolgedessen macht die Kurbel beim Abwickeln des Bandes die Umdrehungen der Welle mit0 Jedoch wird eine Gefährdung der Bedienungshand weitgehend dadurch ausgeschaltet, daß die Handkurbel derart zusammenklappbar ist* daß der Kurbel zapfen bei zusammengeklappter Kurbel in der Mittelachse nach einwärts gerichtet zu liegen kommtö Der Srfindungsgedanke dieser Entgegenhaltung bezieht sich auf ein Sperrwerk;, bestehend aus Sperrad 8 und Sperr« hebel 10, das dem Herausziehen des Bandes in jeder Stellun entgegenwirkt, sofern und solange nicht der Sjjerrhebol durch Kingerdruck auf einen aus dem Gehäuse herausragenden Stift 12 außer Eingriff mit dem Sperrad gebracht wirdo klappbaren Kurbelarm in einer an dem einen Ende al3 Lochscheibe ausgebildeten, die Trommel tragenden und in der einen Leiste des an sich bekanntem Rahmenträgers der Trommel gelagerten Buchse geführt ist, daß sein dem Kurbelarm gegenüberliegendes Ende in der anderen Leiste des Rahmenträgers gelagert ist und daß das Kupplungselement aus einem Stift besteht, der bei dem Umlegen der Handkurbel in die Arbeitsstellung in eines dei* Löcher der Lochscheibe eingreifto" Auch der Erfinder dieses Schutzrechts hat sich die Aufgabe gestellt, ein Mitlaufen der Kurbel beim Ausziehen des Bandes zu verhindern und zugleich die bekannten Ausführungen mit lösbarer Kupplung wegen ihres komplizierten Aufbaus und ihrer Störungsanfälligkcit zu verbessern* Gelöst wird diese Aufgabe durch Anwendung einer Freilaufkupplung, doho einer selbsttätigen Schaltkupplung, welche in der einen Richtung, nämlich beim Aufrollen des Bandes, eine drehfeste Verbindung zwischen Kurbel und Trommelwello herstellt, in der anderen Drehrichtung, also beim Abrollen des Bandes, aber das Drehen der Trommelwello ohne Mitnahme der Kurbel gestattete Diese Entgegenhaltung unterscheidet sich also dadurch vom Streitpatent, daß die klappbare Kurbel nicht in einem ausladenden, lose drehbaren Lagerkörper gelagert ist0 Auch fehlt es an einem Schlitz im Kurbelgriff und einem Flachansatz des Lagerzapfens, über den dieser Schlitz greifen könnteo Stattdessen rastet der Kurbelarm zwecks Herstellung einer einseitigen Drehverbindung in einen Ausschnitt (k) einer drehbaren Buchse (d) ein0 Als, Vorzug gegenüber DBB 936 536 ist mit dem gerichtlichen Sachverständigen (S* 5) hervorzuheben, daß die Kuppelung des Streitpatents aus weniger Einzelteilen zusammengesetzt, leichter herstellbar und weniger, störungsanfällig ist* Einen Fortschritt gegenüber dem Gebrauchsmuster 1 707 624 verkörpert das Streitpatent insofern, als es einfacher im Aufbau ist und die Verbindung seiner Kupplungsteile beim Aufspulen weniger leicht löslich ist* Bei den übrigen Entgegenhaltungen erübrigt sich eine Begründung des technischen Fortschritts, weil sie sich entweder nicht die gleiche Aufgabe wie das Streitpatent gestellt haben oder gar zu einer .anderen Sparte der Technik (Filmkameras) ge- / Eei DRP 124 566 und bei dem Stahlband des Katalogs 19f der Klägerin hat man auf die Möglichkeit, die Antriebskurbc eines Bandmaßes zu entkuppeln, noch gänzlich verzichtet0 Bei DKP 936 536, US-Fatent 2 553 613 und DGM 1 707 624 sine zwar bereits Freilaufkupplungen vorgesehen, jedoch wird die Umschaltung von der Freilaufstellung in die Arbeitsstellun* nach anderen Prinzipien vorgenommen, die die Lösung des ötreitpatents noch nicht nahegelegt haben«, Es kommt also für die Frage der Erfindungshöhe aussch] gebend darauf an, ob zu dem Stande der Technik auch die vorstehend behandelten Kataloge gezählt werden dürfen, die zw wesensmäßig dieselbe Fr eilauf kupp elung wie das Streitpatcir aufweisen, jedoch nicht in der Anwendung bei Meßbändern, sondern bei Filmkameras«, Sähe man im vorliegenden Falle aL den für die Beurteilung der Erfindungshöhe maßgeblichen Durchschnittsfachmann einen Techniker an, der sich ausschließlich mit der Herstellung, von Bandmaßen beschäftigt, so könnte von ihm wohl mit Sicherheit nicht ein Eurückgrei: auf Lösungen aus der Kamera-Indus trie erwartet werden«. Den; Filmkameras sind ein Fertigungszweig mit anderen ^konstfukt Bedingungen und Verhältnissen als Meßbänder«, Indessen weis-der gerichtliche Sachverständige mit Recht darauf hin, daß die Herstellung von Meßwerkzeugen ebenso wie die der mocha' nischen Teile von Filmkameras dem Fachgebiet der Feinwerktechnik angehörto Das spricht dagegen, die Vorveröffentlichungen betreffend Kameras mit der Begründung außer Betracht zu lassen, sie gehörten nicht demselben technischen-Sondergebiet wie Meßbänder an«, Vielmehr ist der Grundsatz zu beachten, daß bei allgemeinen technologischen Aufgaben, die in gleicher Wei3e und mit gleichen Lösungsmitteln den verschiedensten Zwecken dienen, die Grundlagen trotz Verschiedenheit der Einzolzwecke als allgemein bekannt und naheliegend anzusehen sind» Über solche Grundsatzprobleme muß sich der Fachmann des Einzelgebietes quer über die verschiedenen Fachzweige hinweg auf dem übergreifenden Gesamtgebiet der Technik unterrichten und auf dem laufenden halten» In der mündlichen Verhandlung ist der gerichtliche Sachverständige einen Schritt weitergegangen und hat sich auf den Standpunkt gestellt, die im Anspruch 1 des Streitpatents vorgeschlagenen konstruktiven Kupplungsmittol, nämlich Flachänsatz und Schlitz in Verbindung mit einem drehbaren Lagerkcrper, seien so zuverlässig im allgemeinen Formengedächtnis des Konstrukteurs verankert, daß sie ihm sogar ohne Kenntnis der Kamera-Kupplung von Fflflli^P-BoflP, also allein auf Grund seiner allgemeinen Konstruktionserfahr ung, ohne weiteres zur Verfügung gestanden hätten» Cb dem Sachverständigen in diesem Funkt gefolgt werden kann, mag offen bleiben» Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang immerhin, daß das ebenfalls sachverständige Bundespatentgericht dem in Betracht kommenden Durchschnitts-Fachmann nicht soviel präsentes Fachwissen zugobilligt hat und daß - wie die Beklagte hervorhebt - sowohl die Klägerin als auch eine weitere fachkundige Konkurrentin noch in den Jahren 1953 {EBP 936 536) und 1955 (DEGM 1 707 624) andersartige und weit kompliziertere Konstruktionen für Meßbänder als Schutzrechte angemeldet haben». ln diesem Zusammenhang hebt das Bundespatentgericht 1 Recht hervor, daß es sich gerade bei Filmkameras nicht um einen Gegenstand handelt, von dessen Ausgestaltung und $01 entwicklung nur die auf diesem speziellen Fachgebiet täti* Techniker Kenntnis zu haben pflegten und Kenntnis nehmen konnten« Vielmehr konnten sich breiteste Kreise anhand de] im FrioritätsZeitpunkt bereits auf dem Markt befindlichen Filmkameras, sowie anhand von Prospekten und Ausstellungsstücken in Schaufenstern o»dgl» von den mechanischen Einrichtungen dieser Kameras unterrichten» Dabei kommt es - : Gegensatz zu der vom Eundespatentgericht vertretenen Auffassung - letztlich nicht darauf an, ob die mit der Weite] entwicklung von Meßbändern befaßten Konstrukteure 1957 wirklich bereits Filmkameras von FflHIR-BotB oder eine der Druckschriften aus den Jahren 1952 und 1955> Um diesen Anforderungen der Hechtsprechung an eine -schutzfähige Kombinationserfindung Genüge zu tun, hat di Beklagte in ihren zweiten Hilfsantrag das Merkmal aufgen men, daß der verriegelte Sperrschieber bei einer Drehung Trommel in Aufwickelrichtung selbsttätig vom Bingeransat der Trommel geöffnet werden soll® Die Aufnahme dieser Ei: schränkung in den ursprünglichen Anspruch 4 ist statthaf' weil in der Patentbeschreibung stets der Satz gestanden 1 Auch gegenüber dieser Bormulierung des neuen Hauptan-Spruchs wendet die Klägerin ein, es fehle an einem Kombinationseffekt, weil eino selbstlösende Sperre, bestehend aus Schieber und Anschlag, mit einem Bingeransatz jeglich« Bin Eingehen auf dieses Bedenken erübrigt sich* Denn wenn man zugunsten der Beklagten davon ausgeht, daß eine an sich schützbare Kombination vorliege, so kann das Streit-patent dennoch nicht mit einem Hauptanspruch in der Passung des Hllfsantrages 2 aufrechterhalten werden«, weil es auch hierfür an der notwendigen Erfindungshöhe fehlt* andererseits einen landläufigen Sperrschieber anzubringen und schließlich bei der Anbringung dieses Sperrschiebers darauf bedacht zu sein;, daß er nur in der Abwickelrichtung wirksam wird, während er in Aufwickelrichtung selbstlösend sein«, doh* sich ohne Handbo-tätigung öffnen solle In diesem Punkte vermag sich der Senat also nicht der Würdigung des gerichtlichen Sachverständigen anzuschließen«, der die zusamnengefaßte Gedankenkomzeption nach Ansprüchen 1 und 4 als "originell in der Durchführung" ansieht und ihr einen "klaren Abstand gegenüber dem Stand der Technik zur Zeit der Anmeldung" zubilligt* Bei dieser Beurteilung ist der Sachverständige, wie sich in der mündlichen Verhandlung zeigte, von der Vorstellung ausgegangen, daß es unbefriedigend wäre, wenn eine so gefällige und geglückte Konstruktion am Ende nicht durch ein ßchutzrccht belohnt würde* Er hat dabei aber nicht genügend beachtet, daß auch handwerkliche Leistungen in ihrer Art vollendet sein können, ohne damit gleich die Anwartschaft auf ein ge- Im vorliegenden Fall kann es offen bleiben, ob eine Vorrichtung mit den vereinigten Merkmalen der Ansprüche und 4 wenigstens das geringere Maß an Erfindungshöhe, welches zur Erlangung eines Gebrauchsmusters erforderlich und ausreichend ist, besitzen mag* Dagegen stellt die geschickte Verwendung und Vereinigung bekannter Lösungsmittel keine Leistung dar, die die Erteilung eines Patents rechtfertigen könnte* ■