BGH · Ia ZR 221/63 vom 04.05.1965
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der Ia-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 4» Mai 1965 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Nastelski und der Bundesrichter Dr» Bock, Dr» Spreng, Dr» Löscher und Schneider für Recht erkannt: Die Berufung der Klägerin gegen das Urteil des 2o Senats (Nichtigkeitssenats II) des Bundespatentgerichts vom 23o Juli 1962 wird mit der Maßgabe zurückgewiesen, daß im Anspruch 1 des deutschen Patents Nr» 0 ^0 zur Klarstellung das Wort "Etagenwagen" (Spalte 4 Zeile 41 und 48 der Patentschrift) jeweils durch das Wort ”Ab-setzwagen" ersetzt wird» "Io Vorrichtung zu dem selbsttätigen Be- und Entladen von mehrschichtigen Etagenwagen aus oder in einen Senkrechtförderer od, dglo mittels eines auf einem stationären Gerüst verfahrbaren Kängegerüstes mit heb-und senkbaren, fi'ei tragenden Auflagern für die keramischen Pormlinge, gekennzeichnet durch die Anordnung des Kängegerüstes (b) zwischen dem Senkrechtförderer (i) und dem Etagenwagen (j) und von einer oder mehreren Reihen fester Auflagen (af) auf dem Gerüst durch die am 26» September 1949 ausgegebene österreichische Patentschrift Kr» 164 083 betreffend eine Anlage für grobkeramische Massenerzeugnisse, ins-besondere Ziegelei, neuheitshindernd vorv/eggenommen gewesene 3)a der Gegenstand des Streitpatents nach der am 24- Januar 1957 erfolgten Bekanntmachung der Anmeldung in unzulässiger Weise geändert und erweitert worden sei, stehe ihm auch das im Ziegeleitechnischen Jahrbuch 1956, S. Bas Bundespatentgerieht hat durch Urteil vom 23o Juli 1962 die Nichtigkeitsklage kostenfällig ab-gewiesene Es ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die erfindungswesentlichen Merkmale des Streitpatents bereits in den Anmeldungsunterlagen hinreichend offen~ hart gewesen seien und daß die eine Kombinationser-findung schützende Lehre gegenüber dem am Anmeldetag vorbekannten Stand der Technik, wie er sich aus den In der mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht hat die Klägerin unter Aufgabe ihrer früheren Anträge lediglich beantragt, unter Abänderung des angefochtenen Urteils das Streitpatent dadurch teilweise für nichtig zu erklären bzw« klai’zus teilen, daß der Patentanspruch nV orrichtung zu dem selbsttätigen Be- und Entladen von mehrschichtigen Ab setzwagen aus oder in einen Senkrechtförderer oder dergleichen mittels eines Hängegerüstes mit heb- und senkbaren, frei tragenden Tragarmen für die keramischen Formlinge, das auf einem neben dem Senkrechtförderen angeordneten stationären Gerüst verfahrbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß das ortsfeste Gerüst (a) doppelseitig feste Auflager (a*) besitzt, deren länge oder Anzahl unter Hinzurechnung der im Senkrechtförderer befindlichen Schichtzahl der Ladekapazität des zu beladenden Absetzwagens entspricht, wobei die Tragarme (c) des als Beladeorgan für den Absetzwagen dienenden Hängegerüstes (b) in an sich bekannter Weise insgesamt für sich heb- und senkbar sind»” IIo Die Ansicht des Beklagten, daß die Nichtigkeitsklage aus den von ihm angeführten, im Tatbestand v/ieder-gegebenen Gründen unzulässig sei, kann nicht geteilt werden» Die Voraussetzungen, unter denen eine Nichtigkeitsklage nach der von dem Beklagten angeführten Entscheidung des erkennenden Senats vom 14 o Juli 1964 - Ia ZK 195/63 - (in GBÜE 1965, 135 ff - Vanal) auch ohne ausdrückliche Nichtangriffsabrede unzulässig sein Die technischen Vorgänge, deren Ablauf durch Verwendung der erfindungsgemäßen Vorrichtung verbessert werden soll, spielen sich nach dem am Anmeldetag des Streitpatents bekannt gewesenen Stand der Technik wie folgt ab: Die in dem Senkrechtförderer gesammelte Schicht muß sofort aus diesem herausgenommen werden, damit der Platz für die nachfolgende Schicht frei wird» Nach ihrer Herausnahme aus dem Senkrechtförderer wird die Schicht der Trocknereianlage zugeführt und aus ihr nach der Trocknung wieder herausgebracht, um anschließend im Kolonnemiederlaß, Korbniederlaß oder Umlader abgesetzt zu werden» Die Streitpatentschrift stellt in erster Linie darauf ah, daß zu dem Transport der einzelnen Schichten zur Trocknereianlage und aus ihr sog» Absetzwagen verwendet werden (vgl» aaO», Sp, 1 Z» 5 ff)o Unter dieser Fahrzeugart versteht man nach den Erläuterungen des gerichtlichen Sachverständigen ein in der Regel auf Schienen verfahrbares Gerät, das mit frei tragenden, in Fahrtrichtung stehenden Tragarmpaaren ausgestattet ist» Biese Tragarme sind, wie zaJL aus Abb* 2 der Streitpatentschrift ersichtlich ist, an einen gemeinsamen Rahmen fest angeschlossen» rieser Rahmen, welcher in der Patentschrift (Sp» 4 Z» 18) als ’'Tragkorb (k)u bezeichnet wird, ist als Ganzes hob- und senkbar» Die Anzahl und Abstände der übereinander liegenden Tragarmpaare entsprechen ^der Etagenteilung des Senkrechtförderers» Die von Hand bedienten und bewegten Absetzwagen werden bei tiefster Stellung der Tragarme senkrecht an die Breitseite des Senkrechtförderers dicht herangefahren, sobald dort eine Schicht von Formlingen gesammelt worden ist» Die Schicht wird alsdann durch Anheben der Tragarme aus dem Senkrechtförderer entnommen und in Höchststellung der Tragarme in die Trocknereianlage befördert» Bei mit Absetzwagen beschickten Trocknereianlagen handelt es sich, wie der gerichtliche Sachverständige dorgelegt hat, um sog» Einsetztrockner, z»B» Kammertrockner Großraumtrockner, Freilufttrockner usw» Bei dieser besonderen Art von Trocknern werden die belegten Formlingsträger schichtweise abgesetzt und nicht mehr bewegt, bis sie nach Beendigung des Trocknungsvorganges 17 ff) ausgeführt, allgemein so gestaltet, daß der einschichtige zehnetagige Absetz-wagen mit 120 Normalziegeln Passungsvemögen den Weg vom Senkrechtförderer bis in die Trockenkammer, ferner das Absetzen der Formlinge in dieser sowie den Rückweg bis zu dem Fördergerät in der Zeit bewältigen muß, in welcher die Formgebungsmaschine 120 Steine hergestellt hat o Legt man, so fährt die Patentschrift fort, eine zur Zeit normale Leistung von 6 000 Vollziegein in der Stunde zugrunde, dann stehen für den vorstehend geschilderten Arbeitsgang nur 72 Sekunden zur Verfügung* Pieses Zeitmaß muß unbedingt eingehalten werden, weil sonst die kontinuierliche Fertigung unterbrochen und dadurch die Leistung der Oesamtanlage entsprechend vermindert wirdo In vielen Werken ist im Hinblick auf die Lage und Größe der Trocknerei diese Zeit zur Purchführung des Arbeitsganges zu kurz* Hm eine Geschwindigkeit serhöhung zu erreichen, werden daher E1ektroschiebebühnon - mit oder ohne Prehscheibe, wie der gerichtliche Sachverständige ergänzt hat - verwendete Auch benutzt man zwecks Zeitgewinnung, so heißt es in der PatentbeSchreibung weiter, zwei Absetzwagen, die abwechselnd die Arbeit durchführen* Wenn auch hierdurch in gewissem Umfange sichergestellt werden kann, daß jeweils ein Absetzwagen zur Übernahme am Senkrechtförderer zur Verfügung steht, so sind auch diese Maßnahmen nach Ansicht der beiden Erfinder des Streit- Wie in der Patentschrift (Sp» 1 Z» 48 bis 54) weiter ausgeführt wird, sind auch Vorrichtungen zu dem Be- und Entladen von Trocknereiwagen bekannt, bei denen hinter dem Trocknereiwagen ein fahrbares Gerüst mit durch die Wagen hindurchgreifenden frei tragenden Armen angeordnet ist, wobei das Gerüst sowie die Schienenanlage, auf dem es sich bewegt 9 gehoben und gesenkt werden kann» Bei den Trocknereiwagen handelt es sich nach den Ausführungen des gerichtlichen Sachverständigen um Transportfahrzeuge, die im allgemeinen zur Beschickung von Durchlauftrocknern, z» Bo Tunnel-trocknern usw» verwendet werden und die im beladenen Zustand während des Trocknungsvorganges einen Kanal durchlaufen» Der Trocknereiwagen ist in der Regel auf Schienen verfahrbar und mit einer Anzahl (z, p» 13 mit zehn) Auflagern ausgestattet, die in ihren Abständen der Etagenteilung des Senkrechtförderers entsprechen und - im Gegensatz zu dem Absetzwagen -quer zur Fahrtrichtung stehen0 Diese Auflager sind nicht heb- und senkbar» Der Trocknereiwagen besitzt sonach - wiederum im Gegensatz zu dem Absetzwagen -keine Be- und Entladevorriehtungo Die von der Trocknereianlage kommenden Trocknereiwagen fahren, wie der gerichtliche Sachverständige geschildert hat, üblicherweise auf einem an der Breitseite des Senkrechtförderers vorbeiführenden Gleis leer an den Senkrechtförderer heran und nach Beladung ohne Änderung der Fahrtrichtung zur Trocknereianlage zurück» Es können infolgedessen mehrere Fahrzeuge ohne gegenseitige Behinderung im Kreisverkehr eingesetzt werden» Der Nachteil dieser Vorrichtungen besteht nach Auffassung der Erfinder neben der großen unhandlichen Bauweise und der Notwendigkeit des Hebens des gesamten Apparates darin, daß nur dann ein Übernehmen möglich ist, wenn ein Absetzwagen bereitsteht (vgl» hierzu Patentbeschreibung, Sp» 2 Z* 17 bis 21)» Eie erfindungsgemäße Vorrichtung arbeitet laut der Patentbeschreibung (vgl« Sp« 2 Z« 26 bis 31) in Verbindung mit dem Senkrechtförderer und unter Verwendung eines zweckmäßig mehrschichtigen, z0?» zweischichtigen Absetzwagens mit einem Fassungsvermögen von 240 Normalziegeln, wie er am Anmeldetag des Streitpatents bereits bekannt war. Nach dem Patentanspruch 1 und der Patentbeschreibung (vglo Spo 2 Zo 32 bis 46, Sp. 3 Z, 14 bis 19) besteht die erfindungsgemäße Vorrichtung;.im wesentlichen aus einem zwischen dem Senkrecht fördere** (i) uhd dem Etagenwagen (j) angeordneten ortsfesten Formstahlgerüst (a) und einem auf dem festen G-erüst ungeordneten hin- und herbeweglichen (horizontal verfahr- baren) Hängegerüst (b)» Beide Gerüste enthalten eine oder mehrere doppelseitige Reihen fester Auflager (Bezugszeichen a’ beim festen Gerüst bzw» c beim Hängegerüst), die zur Aufnahme von einer oder mehreren Formlingsschichten eingerichtet sind. Das Hängegerüst wird zunächst an den Senkrechtförderer herangebrachto Alsdann nehmen die beweglichen Auflager dieses Gerüstes, die an verschiedenen Stellen der Patentschrift ( vgl» Sp» 3 L 18, 43, 44 und 54) auch Arme bzw, doppelseitige Arme genannt werden, die in dem Senkrechtforderer gesammelte Formlingsschicht aus diesem heraus und setzen sie anschließend auf den "Etagenwagen”, wie das Transportfahrzeug im Patentanspruch 1 und in Sp» 1 2» 3, Sp» 2 2» 32, 40 und 53 der Patentbeschreibung bezeichnet wird, ab» Wenn dieser Wagen nicht zur Verfügung steht, also noch nicht zu dem Senkrechtförderer zurückgekehrt ist, werden die belegten Formlingsträger auf den festen Auflagern des stehenden Gerüstes abgesetzt und dort zur Abholung*: bereit gehalten» Dies bedeutet, daß der Wagen nicht nach jeder einzelnen Förderleistung des Senkrechtförderers zwecks Übernahme der hast zur Verfügung stehen muß, der Senkrechtförderer vielmehr auch in Abwesenheit des Wagens entleert werden kann. Der Patentanspruch 2 beschreibt eine weitere Ausbildung des Erfindungsgegenstandes .dahingehend, daß der Senkrechtförderer mit Elementen auszurüsten ist«, welche die Steuerung bzw„ die Arbeitsbewegung des Hängegerüstes und damit den Be- bzw«, Entladevorgang auslösen, sobald der Absetzwagen beim Einfahren eine bestimmte Stellung erreicht hat (vgl„ hierzu Patentbeschreibung , Spo 2 Z. IVo I o a) Wie die Klägerin in der mündlichen Verhandlung erläutert hat, ist ihr Begehren, das im Oberbegriff und im kennzeichnenden Teil des Patentanspruchs 1 in der erteilten Passung (vglo Sp* 4 Z„ 41 und 48) enthaltene Wort "Etagenwagen” jeweils durch das Wort "Absetzwagen” zu ersetzen, auf eine Beschränkung und damit auf eine Teilvernichtung des Streitpatentes gerichtete Die Voraussetzungen des § 13 AbSo 1 Nr. 1, AbSo 2 PatG, unter denen das Streitpatent teilweise für nichtig erklärt werden könnte, sind jedoch nicht erfüllto Der Ausdruck "Etagenwagen", gegen welchen die Klägerin sich wendet, ist nach den Darlegungen des gerichtlichen Sachverständigen ein Sammelbegriff für bestimmte, in der Ziegelindustrie eingesetzte Transport fahr zeuge, die etagenweise Übereinander angeordnete Auflager (in Gestalt von frei tragenden Armen) habeno Dieser Begriff umfaßt sonach zunächst die daß die Zwischenablagerung der Formlinge auf den Auflagern des festen Gerüstes im Zusammenwirken mit den insgesamt für sich heb- und senkbaren Auflagern des Hängegerüstos es gestattet, die Formlinge während des nur 7,2 Sekunden dauernden Stillstandes des Senkrechtförderers aus diesem auszuheben» Der erwähnte Vorteil bleibt auch beim Einsatz von Transport fahrzeugen mit starren Tragarmpaaren gewährleistet, wenn die beiderseitigen Auflager des festen Gerüstes nach länge bzv/o Anzahl so bemessen werden, daß auf ihnen jeweils mehrere Formlingsschichten gelagert werden können» Im übrigen läßt sich bei Verwendung der genannten Transportfahrzeuge ein Zeitverlust beim Ausladen der Formlinge jedenfalls von vornherein dadurch vermeiden, daß in der Trocknereianlage ein besonderes Entladegerät zur Verfügung gestellt wirdo Die von der Klägerin angestrebte Teilvernichtung wegen mangelnden Fortschritts scheidet sonach aus» zugrunde gelegt und schließlich in die Patentschrift aufgenommen worden» Soweit in der Patentbeschrcibung vom "Etagenwagen1' gesprochen wird, ist dies, wie die Eingabe des Anmelders vom 4o März 1959 (Bl« 87 der Erteilungsakten) und der Patenterteilungsbeschluß erkennen lassen, darauf zurückzuführen, daß der Anmelder auf Ersuchen des Deutschen Patentamts in den Ooa» FrUfungsbescheid einige Stellen der Auslegeschrift ergänzt bzw» geändert hat, um die Schilderung des Standes der Technik zu vervollständigen und insbesondere auf die Vorrichtungen zu dem Be- und Entladen von Trock-nereiwagen hinzuweisen, wie sie u.a» in den Anmeldungsunterlagen des Patents Nr«, 926 778 offenbart waren. 2o Bas Verlangen der Klägerin, das kennzeichnende Merkmal B des Patentanspruchs 1 ("Anordnung von einer oder mehreren Reihen fester Auflager af auf dem festen Gerüst a”) dahin zu ergänzen, daß die länge oder Anzahl der festen Auflager auf dem stationären Gerüst unter Hinzurechnung der Im Senkrechtförderer befindlichen Schicht zahl - os ist nicht nur die Verwendung eines einschichtigen, sondern auch eines zwei- oder mehrschichtigen Senkrechtförderers möglich - der Ladekapazität des zu beladenden Absetzwagens entspricht, zielt nach der Erläuterung der Klägerin ebenfalls auf eine Beschränkung und damit auf eine Teilvernichtung des Streitpatents» Die Klägerin hat hierzu im wesentlichen vorgetragen: Damit das Gerät, welches den Gegenstand des Streitpatents bilde, der gestellten Aufgabe genügen könne, müßten Länge oder Anzahl der am ortsfesten Gerüst vorgesehenen doppelseitigen Auflager auf die Mehrschichtigkeit des zu beladenden einzigen Absetzwagens abgestimmt sein» Auch dieses Klagebegehren ist unbegründet0 Die Klägerin beruft sich zu Unrecht darauf, daß der in Redo stehende Teil der Patentlehre technisch nicht ausführbar, jedenfalls aber nicht fortschrittlich sei» Sie übersieht nämlich, daß an der von ihr in Bezug genommenen Stelle der Patentschrift nur ein Ausführungsbeispiel gegeben wird (vgl«, Patentbeschreibung, Sp. 3 Zo 1 und 2 )o Demgegenüber erteilt der Patentanspruch 2 die allgemeine Lehre, den Senkrechtförderer (i) mit Elementen auszurüsten, die in Verbindung mit dem Absetzwagen (j) die Steuerung bzwo die Arbeitsbewegung des Hängegerüstes (b) aus-losen (vglo hierzu ferner Patentbeschreibung, Sp« 2 Zo 51 und 54)o Es ist daher ohne weiteres möglich, die im Ausführungsbeispiel beschriebene Automatik durch konstruktive Maßnahmen zu ändern und dadurch den jeweiligen Verhältnissen Rechnung zu tragen« Im übrigen bedarf der Fachmann - wie der Beklagte und die Hebenintervenientin zutreffend betont haben -keines besonderen Hinweises, daß es zur Ausnutzung sämtlicher erfindungswesentlichen Vorteile des Streitpatents und damit zur Vermeidung des von der Klägerin in zweifacher Hinsicht aufgezeigten Leerlaufs und der damit zusammenhängenden Schwierigkeiten notwendig ist, entweder die Anzahl bzw«, Länge der festen Formlingslager auf dem stationären Gerüst unter Berücksichtigung der im Senkrechtförderer befindlichen Schichtzahl in Übereinstimmung mit der Aufnahmefähigkeit des Absetzwagens zu bringen oder aber - was naheliegender erscheint - einen Absetzwagen zu verwenden, dessen Aufnahmefähigkeit dem a) So kann jeder Fachmann unschwer erkennen, daß die beweglichen Auflager (c) des Hängegerü3tes (b), von denen im Oberbegriff und im kennzeichnenden Teil des Patentanspruchs 1 die Rede ist, als Tragarme für die belegten Formlingsträger dienen» Lies gilt um so mehr, als diese Auflager, wie bereits erwähnt, an verschiedenen Stellen der Patentbeschreibung (vgl» 3po 3 Zo 18, 43? b) Aus Gründen der Klarstellung ist es auch nicht geboten, das dem kennzeichnenden Teil des Patentanspruchs 1 zu entnehmende Merkmal A ("Anordnung des Hängegerüstes b zwischen dem Senkrechtforderer i und dem Etagenwagen j, soll heißen: Absetzwagen j") dahin zu fassen, daß das stationäre Gerüst und damit auch das auf ihm verfahrbare Hängegerüst neben dem Senkrecht* förderen angeordnet ist» Wie der gerichtliche Sachverständige in der mündlichen Verhandlung erklärt hat, wird der Fachmann bei Heranziehung der Patentbeschreibung und insbesondere der Abbildung 3 die Bedeutung Der Klägerin ist auch nicht darin beizutreten, daß das Merkmal A zwecks Klarstellung von dem kennzeichnenden Teil des Patentanspruchs in dessen Oberbegriff übergeführt werden müsse, da es nicht auf einem erfinderischen Gedanken beruhe» Denn es ist in der Rechtsprechung anerkannt , daß bei einer Kombinationserfindung, wie sie im vorliegenden Fall unstreitig in Betracht kommt, die Erfindung in dev Vereinigung verschiedener Merkmale liegt, die einzelnen alle bekannt sein können und demgemäß nicht erfinderisch zu sein brauchen, und daß es infolgedessen für den Gegenstand eines Patents, um den es sich in Nichtigkeitsstreif-allein handelt, völlig unerheblich ist, ob einzelne Merkmale der Kombination im Oberbegriff des Patentanspruchs oder im kennzeichnenden Teil desselben aufgeführt sind» Durch die Aufnahme des Merkmals A in den Oberbegriff wäre sonach lediglich ausgesprochen, daß dieses Merkmal vorbekannt oder nicht erinderisch gewesen ist und innerhalb der Vereinigung der drei Merkmale, die in ihi*em untrennbaren Zusammenwirken erst die geschützte Patentlehre ausmachen, keinen Sonderschutz genießt» Für eine derartige Klarstellung ist im Nichtigkeitsverfahren kein Raum, sie muß vielmehr dem Verletzungsprozeß Vorbehalten bleiben (vgl» hierzu u.a, RG GRUR 1931, 512 und 1942, 204, 206)» bei dem kennzeichnenden Merkmal C des Patentanspruchs in der erteilten Passung ("Die Auflager c des Hängegerüstes b sind insgesamt für sich heb- und senkbar”) im Hinblick auf die entgegengehaltene ^österreichische Patentschrift Nr0 d) Gründe der Klarstellung gebieten es schließlich auch nicht, den von der Klägerin vorgeschlagenen Hinweis in den Patentanspruch 1 aufzunehmen, daß die Tragarme bzw* Auflager (c) des Hängegerüstes (b) das Streitpatent in vollem Umfange für nichtig zu erklären, während des Rechtsmittelverfahrens hat fallen lassen und da auch ihr zuletzt verfolgter Antrag nach den Ausführungen unter XV 1 und 2 nicht zu einer Teilvernichtung im Sinne des § 15 Abs * 1 Nr, 1, Abs* 2 PatG führt, stellt sich für das Berufungsgericht, das an den Antrag der Klägerin gebunden bleibt (vgl• hierzu RG GRUR 1955, 758, 740? patents, wie sie sich aus dem nunmehr klargestellten Hauptanspruch ergibt, patentwürdig, also insbesondere neu, fortschrittlich und erfindei'isch ist» Damit ist auch eine Prüfung der Präge entbehrlich, ob die Schutzfähigkeit des Streitpatents - wie das Bundes-Patentgericht angenommen hat * nach dem am Anmeldetag bekannten Stand der Technik zu beurteilen ist oder ob hierfür wegen nachträglicher Änderung des Anrae1-dungsgegenstandes ein späteres Prioritätsdatum in Betracht gezogen werden muß» Es hat vielmehr bei der vom Bundespatentgerieht ausgesprochenen Abweisung der Klage sein Bewenden, ohne daß es noch auf weiteres anzukommen hätte*