BGH · Ia ZR 148/63 vom 01.12.1966
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BGHZ: nein PatG § 42; GKG.§ 36 Pahrzeugaufbau Auch im Hiehtigkeits-Berufungsverfahren endet die Möglichkeit, durch Zurücknahme der Berufung oder der Klage den in § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG bezeichneten Gebührenvorteil zu erlangen, erst mit der Bestimmung des Termins zur mündlichen Verhandlung und nicht schon mit der Bestellung oder Beauftragung des gerichtlichen Sachverständigen oder der Erstattung seines schriftlichen Gutachtens. 1. Hach § 42 Abs. 2 PatG werden.im Berufungsverfahren in Patentnichtigkeitssachen vor dem Bundesgerichtshof Gebühren und Auslagen nach den Vorschriften des. Zu den danach im Nichtigkeits-Berufungsverfahren anzuwendenden koetenrechtlichen Vorschriften gehört auch die hier streitige Vorschrift des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG, nach der sich die Prozeßgebühr für die Rechtsmittelinstanz (§ 2$ Abs, 1 Nr« 1, § 34 GKG) auf die Hälfte der vollen Gebühr ermäßigt, wenn das Rechtsmittel vor Bestimmung des Termins zur mündlichen Verhandlung zurückgenommen wird. Ist diese Vorschrift auch im Nichtigkeits-Berufungs verfehlten ihrem Wortlaut gemäß anzuwenden, so hat der Kostenbeamte im vorliegenden Pall mit Recht nur eine halbe Prozeßgebühr angesetzt, da in dem Zeitpunkt, als die Klägerin ihre Berufung zurücknahm, ein Termin zur mündlichen Verhandlung noch nicht bestimmt war. Die Erinnerung dagegen möchte diese Vorschrift im Nichtigkeita-Berufungsverfahren, weil hier - anders als nach der Zivilprozeßordnung in bürgerlichen Rechtsstreitig-keiten - gemäß § 42e PatG Beweis auch ohne vorherige mündliche Verhandlung erhoben wird, dahin angewendet wissen, daß der Bestimmung des Termins zur mündlichen Verhandlung hier eine Beweisanordnung nach § 42e PatG gleichgestellt wird, daß also die in § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG vorgesehene Ermäßigung der Prozeßgebühr hier namentlich auch dann nicht eintritt, wenn - wie im vorliegenden Pall - die Berufung erst zurückgenommen wird, nachdem ein gerichtlicher Sachverständiger ernannt und mit der Erstattung eines schriftlichen Gutachtens beauftragt worden ist. So hat gerade bei der Anwendung des jetzt auch hier in Hede stehenden § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG - und übrigens ebenfalls in einem Hich-tigkeits-Berufungsverfahren schon der Erste Zivilsenat in dem Beschluß I ZH 28/60 vom 2. 1132 Nr. 10) hatte der Erste Zivilsenat zwar in erster Linie auf den als eindeutig bezeichneten Wortlaut dieser Vorschrift abgestellt, dann aber doch zusätzlich ausgeführt, daß es auch innerlich berechtigt sei, also dem Sinn und Zweck der Vorschrift entspreche, sie dahin anzuwenden, daß jegliche zu dem Zwecke der mündlichen Verhandlung vorgenommene Termins-anberaumung die Gebührenermäßigung ausschließt, gleichgültig, ob hernach der Termin aufgehoben oder verlegt wird oder nicht. Die danach an sich zulässige und gegebenenfalls gebotene Auslegung und Anwendung kostenrechtlicher Vorschriften nach ihrem Sinn und Zweck kann hier jedoch nicht dazu führen, eine im Nichtigke its-Beruf ungs verfahren ohne vorherige mündliche Verhandlung erfolgende Beweisanordnung nach § 42e PatG der Bestimmung des Termine zur mündlichen Verhandlung im Sinne und mit der folge des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG gleichzusetzen. Es mag zwar sein, daß die durch den Wortlaut des § 42e PatG und seine Stellung in der Paragraphenfolge des Patentgesetzes ausdrücklich bestätigte Möglichkeit, schon vor der Bestimmung eines Termins zur mündlichen Verhandlung die zur Aufklärung der Sache erforderlichen Verfügungen zu treffen, also insbesondere ein schriftliches Gutachten eines technischen Sachverständigen einzuholen oder andere Beweise zu erheben, eine Besonderheit des Nichtigkeits-BerufungsVerfahrens darstellt, der die auf das Regelverfahren nach der Zivilprozeßordnung (Bestimmung des Termins zur mündlichen Verhandlung alsbald nach der Prüfung der Zulässigkeit des Rechtsmittels, §§ 520, 555 ZPO) zugeschnittene Vorschrift des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG keine Rechnung trägt. Für eine ganze Anzahl von Verfahren, bei denen ähnlich wie beim Nichtigkeits-Berufungsverfahren die nach außen in Erscheinung tretende Tätigkeit des Gerichts nicht notwendig mitr*der Bestimmung eines Termins zur mündlichen Verhandlung beginnt, hat das Gesetz selbst besondere Regelungen getroffen, von welchem anderen prozessualen Ereignis ab die Möglichkeit,’durch Zurücknahme eines Antrags, einer Klage oder eines Rechtsmittels einen Gebührenvorteil zu erlangen, ebenfalls nicht mehr gegeben sein soll, - so z.B. in §§ 37 Abs. 2 Satz 3, 39 Abs. 1 Satz 2, 40 Abs. 2, März 1939 (BR 1939» 670 Nr. 43) bemerkt hat, eine die Besonderheiten des Nichtigkeits-Berufungsverfahrens berücksichtigende ”entsprechende” Anwendung der Vorschriften des Gerichtßkostengesetzee, sondern deren unmittelbare Anwendung angeordnet und es somit dabei belassen, daß hier erst die Bestimmung des Termins zur mündlichen Verhandlung den Parteien die Möglichkeit nimmt, durch Zurücknahme des Hechtsmittele (oder der nage) den in § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG bezeichnten Gebührenvorteil zu erlangen. Bas Gericht seinerseits könnte daher für den hier in Rede stehenden Fall eine im Hinblick auf Sinn und 2week der Vorschrift von ihrem Wortlaut abweichende Anwendung des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG, wenn überhaupt, so nur dann in Erwägung ziehen, wenn anzunehmen wäre, daß das Gesetz diesen Pall nicht bedacht hat; und es könnte dies eher dann tun, wenn die vom Wortlaut abweichende Anwendung der Vorschrift zu Gunsten des Kostenschuldners als wenn sie zu seinen Lasten geht* So liegen die Binge hier indessen nicht. März 1962 würde hier die von der Erinnerung für richtig gehaltene, vom Wortlaut abweichende Anwendung des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG nicht zu einer Begünstigung, sondern zu einer Belastung des Kostenschuldners führen. Bie Vorschriften des § 42 Abs. 2 Satz 1 und 2 PatG gelten mit ihrem jetzigen Inhalt seit dem Gesetz betreffend die patentamtlichen Gebühren vom 6. Bie Vorschrift des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG gilt mit ihrem jetzigen Inhalt seit der Verordnung über das Verfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten vom 13. gilt, und zwar sowohl mit ihrem Inhalt als auch in ihrer Stellung in der Paragraphenfolge, sogar schon seit der Verordnung betreffend das Berufungsverfahren beim Reichsgericht in Patentsachen vom 6. Beim Bundesgerichtshof ist, wie eine stichprobenartige Überprüfung bestätigt hat, die Vorschrift des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG auch im Nichtigkeits-Berufungaverfahren ihrem Wortlaut gemäß unangefochten immer dahin angewendet worden, daß erst die Bestimmung des Termins zur mündlichen Verhandlung, nicht schon die Bestellung oder Beauftragung des gerichtlichen Sachverständigen oder die Erstattung seines schriftlichen Gutachtens als dasjenige prozessuale Ereig-nis angesehen worden ist, mit dem die Möglichkeit endet, durch Zurücknahme der Berufung (oder - seit dem Beschluß vom 2. Ist aber danach, obwohl Fälle wie der vorliegende sich beim Bundesgerichtshof häufig und vermutlich auch beim Reichsgericht wiederholt ereignet haben, die Vorschrift des § 36 Abs, 1 Satz 2 GKG in dem hier in Rede stehenden Punkt immer ihrem Wortlaut gemäß angewendet worden, und hat auch der Gesetzgeber, obwohl ihm diese Fälle bekannt sein mußten, keinen Anlaß genommen, bei einer der seit 1921 und 1924 erfolgten Änderungen oder Neufassungen des Patentgesetzes oder des Gerichtskostengesetzes eine den Besonderheiten des Nichtigkeits-Berufungsverfahrens Rechnung tragende Änderung Hb der Vorschrift vorzusehen» so besteht für das Gericht keine rechtliche Handhabe, die Vorschrift des § 36 Abs. 1 Satz 2 GKG, obwohl weder im Nichtigkeits-Verfahrensrecht noch im Kostenrecht eine Änderung der Sachlage Gingetreten ist, nunmehr entgegen der bisherigen Praxis abweichend vom Wortlaut zu lasten des Kostensehuldners in dem von der Erinnerung gewünschten Sinne anzuwenden.