BGH · Ia ZR 144/63 vom 21.10.1965
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Der Rechtsstreit auf Unterlassung von Patentverletzungen wird durch den Kqnkurs des Beklagten einheitlich, mithin auch insoweit unterbrochen, als die konkursfreie Rechtsstellung deb\Boklagten betroffen ist. Per Ia-Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 28» September 1965 unter Mitwirkung der Bundesrichter Pro BockP Pro Spreng, Br«, Löscher, Glaßen und Schneider für Recht erkannt: November I960 insoweit aufgehoben, als die Beklagten zur Unterlassung (Ziffo I der Urteilsformel) und zur Tragung der gesamten Kosten des Rechtsstreits (Ziffo IV der Urteilsformel) verurteilt worden sind* Im vorliegenden Rechtsstreit hat das Landgericht durch Endurteil vom 220 November i960 die Beklagten wegen Verletzung des für die Klägerin eingetragenen Gebrauchsmusters Nr» BW betreffend nichtmetallische Wechselrahmen für Diapositive zur Unterlassung der Herstellung und des Vertriebs bestimmter Dia-Rähmchen (Ziff, I der Urteilsformel) und zur Rechnungslegung (Ziffo III aaO,) verurteilt sowie festgestellt9 daß die Beklagten verpflichtet seien* der Klägerin den aus den Verletzungshandlungen seit Io Juli 1959 entstandenen und künftig entstehenden Schaden zu ersetzen (Ziffo II aa0,)o Das Landgericht hat ferner den Beklagten als Gesamtschuldnern die Kosten des Rechtsstreits überbürdet (Ziff, IV aaO»)» Gegen diese Entscheidung haben die Beklagten Berufung eingelegt. In der Berufungsinstanz hat die Klägerin die Ansprüche auf Rechnungslegung und Feststellung der Schadensersatzpflicht der Beklagten für die Zeit ab ?0 Oktober 1961 zusätzlich auf-ihre am 10, August 1961 durch die Auslege-schrift Nr, W bekanntgemachte Patentanmeldung ge- stützt „ die im wesentlichen mit dem Klagegebrauchsmuster übereinstimmto Den Unterlassungsanspruch hat die Klägerin nunmehr ausschließlich aus dem vorläufigen Schutzrecht hergeleitet, Das Oberlandesgericht hat alsdann durch Teilurteil vom 17o April 1962 das Rechtsmittel der Beklagten* soweit es gegen die Verurteilung zur Unterlassung gerichtet war* zurückgewiesen. nachdem inzwischen der hier in Betracht kommende Schutzanspruch des Klage-gebrauchsmusters auf die u0a* von der jetzigen Beklagten zu 1 durchgeführte Löschungsklage mangels Erfindungshöhe gelöscht worden war, der Berufung der drei Beklagten teilweise stattgegeben, indem es unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Klage insoweit abgewiesen hat, al3 sie sich auf die Verpflichtung der Beklagten zu dem Schadenersatz und zur Rechnungslegung für die Zeit vom Io Juli 1959 bis Io Oktober ^961 beziehto Das Oberlandes-gericht hat in dem letztgenannten feilurteil die Entscheidung über die auf die Patentanmeldung gestützten Ansprüche der Klägerin auf Rechnungslegung und Feststellung der Schadensersatzpflicht der Beklagten für die Zeit nach dem Io Oktober 1961 dem SchluIBurteil ebenso Vorbehalten wie die ebenfalls noch offene Entscheidung über die Kosten des Rechtsstreitsc Die von den Beklagten am 15® Mai 1962 eingelegte und innerhalb gewährter Fristverlängerung am 80 Februar 1963 begründete Revision wendet sich gegen das erstgenannte Teil urteilo Wahrend des Revisionsverfahrens, nämlich am 30o Januar 1964p ist über das Gesellschaftsverraögen der Beklagten zu 1 und über das Privatvermögen der Beklagten zu 2 und 3 der Konkurs eröffnet wordene Der Konkursverwalter über das Vermögen der drei Beklagten, Rechtsanwalt und Rotar ötBHB in PtfflHBB? hat alsdann am 21«, Februar 1964 für die Konkursmasse der Beklagten zu 1 mit dem Inhaber der Klägerin, der für eine noch zu gründende Firma GmbH, ABHHB gehandelt Der Konkursverwalter hat alsdann mit Schreiben vom 23o April 1964 dem Bundesgerichtshof sowie der Klägerin und den Beklagten angezeigt* daß er den vorliegenden Rechtsstreit nicht aufnehme* soweit er in der Revisionsinstanz anhängig seio Eine entsprechende Erklärung hatte der Konkursverwalter bereits vorher mit Schreiben vom 2e März 1964 gegenüber den oberlandesgerichtlichen Prozeßbevollmächtigten der Beklagten hinsichtlich des noch in der Berufungsinstanz schwebenden Teils des vorliegenden Rechtsstreits abgegeben« daß sie ihrerseits den Rechtsstreit aufnehmeno Der Konkursverwalter hat anschließend unterm 5° Juni ^964 eine schriftliche Erklärung der Beklagten zu 2 und 3 nachstehenden Inhalts herbeigeführt? IIo Infolge der Eröffnung des Konkurses ist der zwischen den Parteien anhängige Rechtsstreit, wie die Revision zutreffend annimmt, nach § 240 ZPO auch insoweit unterbrochen worden, als er hinsichtlich des von der Klägerin verfolgten Unterlassungsanspruchs in die Revisionsinstanz gelangt isto In der Rechtsprechung wird - wenn auch mit unterschiedlicher Begründung - von jeher die Auffassung vertreten» daß im gewerblichen Rechtsschutz der Unterlassungsanspruch den Konkurs des Verletzers betreffe» weil die Präge» oh der Verletzer die vom Verletzten beanstandete Handlung vornehmen dürfe» für den Gewerbebetrieb des Verletzers ein, unter Umständen sogar erhebliches, Vermögensinteresse darstelle (vglo hierzu Reimer» Kommentar zu dem Patentgesetz und Gebrauchsmustergesetz» 20 Aufl„s § 47 PatG Anm0 74 unter Buchsto a9 So 996 f und die dort gegebene Übersicht über die Rechtsprechung des Reichsgerichts; ferner KG in GRUR ^933, 6379 638)* Der von der Klägerin erhobene und ihr zuerkannte Anspruch auf Unterlassung künftiger Patentverletzungen betrifft jedoch nicht nur den Anteil der Beklagten zu 2 und 3 am Gesellschaftsvermögen der Beklagten zu 1 und ihr Privatvermögen 3 über welches ebenfalls der Konkurs eröffnet worden ist® Br berührt vielmehr nach der Entscheidungsformel und den Entscheidungsgründen des landgerichtlichen Urteils» welches das Oberlandesgericht bestätigt hat» darüber hinaus auch die Rechtsstellung der Beklagten zu 2 und 3 außerhalb des Gesellschaftsund Privatkonkurses und damit ihr konkursfreies Vermögen (vgl® hierzu Urteil des früheren Io Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 10® Januar 196‘? - I ZR I44/59 -)0 Dieser Umstand ändert jedoch nichts daran» daß der in der Revisionsinstanz anhängige Teil des Rechtsstreits einheitlich und damit im gesamten Umfange unterbrochen worden ist (vgl® Jaeger/Lent» Kommentar zur KonkursOrdnung» Der Schriftsatz der Beklagten vom 4* Mai 1964, welcher die Erklärung enthält, den Rechtsstreit aufzunehmen, und welcher der Klägerin am 20* Mai 1964 zugestellt worden ist entspricht der Vorschrift des § 250 ZPO«, Der Aufnahme des Rechtsstreits durch die Beklagte zu ? steht nicht entgegen daß sie durch die Eröffnung des Konkurses über ihr Vermögen nach § 151 Nr, 3 HOB als offene Handelsgesellschaft aufgelöst worden ist0 Trotz der Auflösung besteht die Beklagte zu 1 jedenfalls bis zur Beendigung der Abwicklung weiter (vgl* hierzu Baumbaeh/Duden, Kurzkommentar zu dem Handelsgesetzbuch, ^5o Auflo , § 131 Anal, 1 A bis C; ferner Böhle-Stam-schrader, Kurzkommentar zur KonkursOrdnung, 7o Aufl*, § 209 Amrio 2) und wird in den Angelegenheiten, die nicht zur Konkursmasse und nicht zu dem Pflichtenkreis des Konkursverwalters gehören, von ihren beiden Gesellschafterinnen, den Beklagten zu 2 und 3? Soweit der Unterlassungsanspruch die nicht konkursbefangene Rechtsstellung der Beklagten zu 2 und 3 betrifft, sind diese ohne weiteres berechtigt, den Rechtsstreit weiter] zubetreiben und das ihnen von den Vorinstanzen auferlegte , Unterlassungsgebot zu bekämpfen* Im übrigen ergibt sich die Befugnis der drei Beklagten, den vorliegenden Rechtsstreit aufzunehmen, aus § 10 Abs* 2 KO* Nach dieser Vorschrift kann der Gemeinschuldner Rechtsstreitigkeiten über das zur Konkursmasse gehörige Vermögen, welche zur Zeit der Eröffnung des Verfahrens für ihn anhängig waren, aufnehmen* wenn der Verwalter die Aufnahme des Rechtsstreits ablehnt0 Wie das Reichsgericht zuletzt in ständiger Rechtsprechung entschieden hat (vgl0 RGZ 134, 377, 379 imwoHinwo), ist der gegen den nachmaligen Gemeinschuldner geltend gemachte Rechtsstreit auf Unterlassung als ein Aktivprozeß im Sinne von § 1 0 KO anzuseheno Die Ablehnung der Aufnahme des Rechtsstreits;, für welche das Gesetz keine Form kennt (vgl* Bohlest ams ehr äders aaOc, § 1 0 Arniio. 7) , liegt hier in der im Schreiben des Konkursverwalters vom 23* April 1964 gegenüber dem Bundesgerichtshof und den Parteien abgegebenen Erklärung, daß er den Rechtsstreit nicht aufnehmeö Aber auch wenn man mit Jaeger/Lent (aaO, § 10 Anm<> 18) und BÖhle-Stamschrader (aaO, § 10 Anim 4) den vorliegenden Unterlassungsrechtsstreit als Passivprozeß im Sinne des § 11 KO betrachten würde, weil sich die Beklagten in den Vorinstanzen gegenüber dem Unterlassungsanspruch lediglich einredeweise auf ein Gegenrecht in Gestalt eines Vorbenutzungsrechts nach § 7 Abs0 1 PatG berufen haben,, wären die Beklagten zur Aufnahme des Rechtsstreits befugte Die Erklärung des Konkursverwalters, den Rechtsstreit nicht aufzunehmen, muß bei Berücksichtigung der gesetzlichen Ausiegungsregeln der §§ 133, 157 BGB dahingehend aufgefaßt werden, daß er den vorliegenden Rechtsstreit den Beklagten freigebe, ihnen also dessen Fortsetzung üherlasse0 Damit haben die Beklagten hinsichtlich dieses Rechtsstreits die Prozeßführungsgewalt, die sie durch die Eröffnung des Konkurses über ihr Vermögen zugunsten des Konkursverwalters verloren haben (vglo § 6 KO; ferner RGZ 45, 323, 329), wiedergewonneno Sie können daher den Rechtsstreit von sieh aus aufnehmen (vgle Jaeger/lent, aaO, § 11 Anim 9 und Böhle-Stamschräder, aaO, § 11 Anim 2)0 Eine verfahrensrechtliche Einrede gegen die Zulässigkeit der Aufnahme des Rechtsstreits durch die Beklagten hat die Klägerin im fermin zur mündlichen Verhandlung? nicht erhobene Die Ausführungen in den vorbereitenden Schriftsätzen der Klägerin vom 2T* Oktober ^964 und 13* September 1965? der Aufnahme des Rechtsstreits stünden der zwischen ihrem Inhaber und dem Konkursverwalter am 210 Februar 1964 zustande gekommene Vertrag und die Erklärung der Beklagten zu 2 und 3 vom 5o Juni 1964 entgegen? V* Ba sonach gegen die Zulässigkeit der Revision und der Fortführung des Rechtsstreits durch die Beklagten keine von Amts wegen zu berücksichtigenden Bedenken bestehen? Die Hevision der Beklagten mußte zu dem Erfolg führenc Die Klägerin hat ihren Unterlassungsanspruch zuletzt ausschließlich auf die mit der Auslegeschrift Nr» (S Wb bekanntgemachte Patentanmeldung gestützt» Das nachgesuchte Patent ist jedoch durch rechtskräftigen Beschluß des Bundespatentgerichts vom 27o Februar 1964 endgültig versagt worden» Dieser Umstand ist vom Revisionsgericht zu beachten9 obwohl die Entscheidung des Bundespatentgerichts nach der letzten mündlichen Verhandlung in der Berufungsinstanz» welche am 1» März 1962 siattgefunden hat, ergangen ist (vgl» hierzu RU GRUR 1935? VIIo Es kann mithin auch nicht über die gesamten Kosten des Rechtsstreitsp sondern nur über die der Revisionsinstanz entschieden werden* Diese fallen nach § 91 Abs« 1 und 2 ZPO der Klägerin zur Laste Die Anordnung der vorläufigen Vollstreckbarkeit de5 Urteils beruht auf § 706 Nr* 3 ZPO*