BGH · Ia ZB 1/67
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Anmelderin hat Beschwerde eingelegt» Die am 9» November 1965 beim Patentamt eingegangene Beschwerdeschrift ist von dem Verfahrensbevollmächtigten der Anmelderin, Patentanwalt Dr» Ypsilon *), handschriftlich mit der Buchstabenfolgo "Dr» Yp" unterzeichnet worden0 Darunter befinden sich in Maschinenschrift die Worte "Patentanwalt Dr» Ypsilon"» Das Bundespatentgericht hat Patentanwalt Dr» Y darauf hingewieson, daß nach seiner Ansicht die Beschwerdeschrift nicht ordnungsmäßig unterzeichnet sei, und ihn Gelegenheit gegeben, "der Anforderung der schrift- Das Bundespatentgericht hat durch den angefochtenen Beschluß die Beschwerde als unzulässig verworfen« Es hat die Rechtsbeschwerde zugelassen wegen der Frage, ob eine abgekürzte, nur au3 den Anfangsbuchstaben des Namens des Beschwerdeführers oder seines Vertreters bestehende Unterzeichnung der Beschwerdeschrift dem Erfordernis der Schriftlichkeit genüge« Beschwerden in Patenterteilungssachen bedürften der eigenhändigen Unterzeichnung» Darunter sei ein Namenszug zu verstehen, der zwar undeutlich sein und Verstümmelungen aufweisen dürfe, jedoch einen individuellen Schriftzug mit charakteristischen Merkmalen erkennen lassen müsse, aus dem der Name des.Unterzeichnenden für einen Dritten, der diesen Namen kenne, noch herausgelesen werden könne, und der Nachahmungen mindestens wesentlich erschwere» Diesen Anforderungen genüge die Beschwerdeschrift nicht0 Patentanwalt Dr0 Y habe nicht mit seinem vollen, wenn auch verstümmelten oder unleserlichen Namenszug unterschrieben, sondern mit einer gewollten Abkürzung seines Namens, einer sogenannten Paraphe, wie sie sich als bloße "Abzeichnung" eines Schriftstücks im Gegensatz zur "Unterzeichnung" eingebürgert habe» Die nachgcrcichte notarielle Urkunde habe den Mangel schon deshalb nicht heilen können, weil damit das auf der Beschwerdeschrift selbst befindliche Handzeichen nicht beglaubigt worden sei» 2» Die Hechtsbeschwerde führt hiergegen aus: Die Buchstabenfolge "Br« Yp" sei keine bewußte und gewollte Abkürzung, sondern das nach Hunderttausenden von Unterzeichnungen immer stärker gekürzte "Schriftbild des vollen Namens", wie es sich im laufe von Jahrzehnten ergeben habe» Dr» Y pflege seit Jahren im privaten und behördlichen Rechtsverkehr, insbesondere auch im Bankverkehr, seinen Namen in dieser Weise zu zeichnen» Jeder Zweifel über die Identität des Unterzeichnenden sei ausgeschlossen, weil Dr» Y unter der Unterschrift, wie dies seiner Gepflogenheit entspreche, seinen vollen Namen in Maschinenschrift habe anbringen lassen» Das Bundespatentgericht sei fälschlich davon ausgegangen, Dr» Y habe lediglich mit den Anfangsbuchstaben seines Namens unterzeichnet» Es habe übersehen, daß sehr häufig bei Unterschriften nur die ersten Buchstaben lesbar seien und. weise demgegenüber nur die Besonderheit auf, daß der hinter dem “Y“ befindliche Schriftzug einem “p“ gleiche und aus diesem entwickelt seio Das ändere nichts daran, daß Dr0 Y eine “komprimierte Schreibweise“ des Namens gewollt habe0 Es könne nicht darauf ankommen, ob sich hinter dem "Y“ ein “p“ oder etwa ein etwas länger gezogener Schnörkel befindeo Darüber hinaus müßten selbst unleserliche Zeichen oder einzelne Buchstaben als ausreichende Unterschrift gelten, wenn sie als solche gewollt seien, insbesondere, wenn sich der Unterzeichnende noch innerhalb der Rechts-mittelfriöt ausdrücklich zu dieser Unterschrift bekenne, wie dies hier geschehen seio menhang mit der Schrift gelösten willkürlichen Zeichen die Bedeutung einer Unterschrift zuerkennen müßte, wenn nur der "Unterzeichnende" zu dem Ausdruck bringt, daß er mittels eines solchen Zeichens die Verantwortung für das Schriftstück zu übernehmen beabsichtigt (so auch BGHSt 12, 317)° Es ist daher daran festzuhalten, daß die Unterzeichnung eines bestimmenden Schriftsatzes mit einer Buchstabenfolge, die sich als bewußte und gewollte Abkürzung darstellt, den Erfordernissen nicht genügt <> Um eine solche willkürliche Abkürzung handelt es sich aber bei der Unterschrift des Patentanwalts Pro Y unter der Beschwerdeschrift0 Pie Versuche der Rechtsbeschwerde, diese Paraphe als die im häufe der Jahre immer weiter fortgeschrittene Verstümmelung des vollen Namens darzustellen, werden angesichts des äußeren Erscheinungsbildes der Paraphe zunichteo Pabei ist darauf hinzuweisen, daß eine Verstümmelung des Namens durch flüchtige Schreibweise regelmäßig mit der Unleserlichkeit der niedergeschriebenen Zeichen einhergeht0 Je flüchtiger und damit je undeutlicher ein Namenszug geschrieben wird, desto eher unterläuft die Auflösung einzelner Buchstaben in nicht mehr identifizierbare Zeichen oder Pinien oder gar die gänzliche Weglassung einzelner Buchstabeno Von einer solchen flüchtigen Schreibweise, die die Weglassung einzelner Buchstaben allenfalls zu erklären vermöchte, kann aber bei der von Patentanwalt Pr0 Y geleisteten "Unterschrift1' nicht die Rede sein» Pic von ihm niedergeschriebene Buchstabenfolge ist offensichtlich nicht flüchtig, sondern mit Sorgfalt geschrieben worden» Sie beginnt mit einem großen "Y" und bricht mit dem darauffolgenden kleinen "p" gänzlich ab und läßt so erkennen, daß der Zeichnende nicht mehr als "Br0 Yp" hat schreiben wollen und daß er die weiteren Buchstaben seines Namens bewußt weggelassen hat0 Pieser zweite Buchstabe gleicht nicht etwa, wie die Rechtsbeschwerde behauptet, einem "p" Daß möglicherweise aus anderen Umständen - Benutzung eines gedruckten Geschäftsbogcno, maschinenschriftliche Hinzufügung des vollen Namens, ausdrückliche Bestätigung, daß er stets so zeichne - geschlossen werden kann, daß Dr0 Y die Verantwortung für die Beschwerdeschrift hat übernehmen wollen, ist unbeachtlich, da die Beurteilung, ob eine Unterschrift vorliegt, wie dargelegt, nicht von der Willkür des Unterzeichnenden abhängig sein kann0 Aus diesem Grunde war es dem Patentgericht auch verwehrt, zur Aufklärung von Zweifeln Patentanwalt Dr„ Y zu der Präge, ob die Paraphe nach seinem Willen die Stolle der Unterschrift vertreten sollte, anzuhöreno Sofern Patentanwalt Dr0 Y durch die Einsendung der notariellen Beglaubigung den Erfordernissen des § 126 BGB hat genügen wollen, hat das Bundespatentgericht zu Recht ausgeführt, daß der Eangel der Unterschrift dadurch nicht geheilt werde0 Dem ist schon deshalb zuzustimmen, weil, wie der erkennende Senat in seiner Entscheidung vom 27o April 1967 - la ZB 19/66 - Rohrhalterung - ausgeführt hat, diese Vorschrift auf den Privatrechtsverkehr zuge-□chnitten ist und auf Prozeßerklärungen nicht angewendet werden kann«