BGH · Ia ZB 11/65
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
a) Dom Erfordernis eigenhändiger Unterschrift ist nicht genügt j> wenn die Beschwerdeschrift nur mit dem Firmennamen einer juristischen Person unterzeichnet ist0 Die Rechtsbeschwerde der Anmelderin gegen den Beschluß des 5* Senats (Gebrauchsmuster-Beschwerdesenate) des Bundespatentgerichts vom 25o Februar 1965 wird zurückgewiesen» Mit Beschluß vom 25» Februar 1965 hat der 5» Senat (Gebrauchsrauster-Beschwerdeoenat) des Bundespatentgericht die Beschwerde der Anmolderia gegen den Beschluß der Gebrauchsmust erst eile des Deutschen Patentamts als unzulässig verworfen* weil die Beschwerde nicht ordnurgegcnäfl eingelegt sei» Gleichzeitig hat er dio Rechtsbeschwerde z gelassen» 1o Das Bundespatentgericht ist zutreffend zu dem Ergebnis gelangt, daß die mit Fernschreiben eingelegte Beschwerde der Anmolderin deshalb unzulässig ist, weil aus dem Fernschreiben nicht ersehen werden kann, welche natürliche Person für dio Anmelderin die in dem Fernschreiben enthaltene Erklärung abgegeben hat* a) Die Beschwerde gegen Entscheidungen der Gebrauchs« musterst eile ist gemäß § 36 I Abs0 2 Satz 1 PatG in Verbindung mit § 10 Abs® 3 GebrMG schriftlich beim Patentamt einzulegeiio Wie der erkennende Senat in der Entscheidung vom i3o Mai 1965 (la ZB 27/64, JTJW 1965, 1862 « B1PMZ 1965, 311 - Hinterachse) eingehend dargelegt hat, bedeutet das, daß die Beschwerdeerklärung im Patenterteilung&verfahren grundsätzlich ebenso wie eine Hechtsmittelschrift im Zivilprozoß handschriftlich unterzeichnet sein muß«, Für die Beschwerde im Gebrauchsmustereintragungsverfahren gilt nichts anderes* Ausnahmen sind nur zugolassen für die tolografi3Che und fernschriftliche Rechtsmitteloinlegung, und zwar selbst dann, wenn die Aufgabe des Telegramms durch den Fernsprecher erfolgt, weil die Abgabe prozessualer Erklärungen mit Hilfe dieser moderen Nachrichtenmittel nicht ausgeschlossen worden kann, diese Nachrichtenmittel aber die Übermittlung der eigenhändigen Unterschriften nicht zulassen (RGZ 139» 45$ 1*51, £82, u86; ;BGB GRUR r12.55 Zwar bietet die bloße telegrafische oder fernschriftliche Mitteilung des Namens des Erklärenden an sic) geringere Sicherheit gegen etwaige Fälschungen als eine eigenhändige Unterschrift, Trotzdem ist nicht zu übersehe] daß die Nennung des Absendernamens alle vorgenannten PrUfi gen erheblich erleichtert, “Die Möglichkeit telegrafische; Rechtsmitteleinlegung befreit nicht von dem Erfordernis der Unterschrift« sondern sie entbindet lediglich von deren Eigenhändigkeit” (BVerwGE 3« 56 = NJW 1936« 605; vg RGZ 151, 82« 86), b) Die Mitteilung der üblichen Kurzform der Firma de: Anmelderin und Beschwerdeführerin mit dem Zusatz "Patente am Schluß des Beschwerdefernschreibens genügt nicht als Unterschrift« ebensowenig wie eine in dieser Form von ein vertretungsberechtigten Person handschriftlich vorgenomme nen Unterzeichnung eines maschinengeschriebenen Beschwert Schriftsatzes ausreichen würde. Schriften in gerichtlichen Verfahren die bloße handschriftliche Zeichnung der Firma ohne Beifügung des eigenen Namens des Unterzeichnenden als ausreichende eigenhändige Unterschrift gelten zu lassen<, Denn auch in diesem Zusammenhang sind die Gründe von ausschlaggebender Bedeutung, die dazu geführt haben, daß überhaupt an einer eigenhändigen Unterzeichnung von Hechtsmittelschriften festgehalten werden muß (vglo Wiezorek*, ZPO, 1957, § 129 Anfflo A II a 6} HG JW 1929, 96; HGZ 15H » 82» 84/85) o Die handschriftliche Zeichnung der bloßen Firma einer juristic schon Person läßt in der Regel keinen Schluß darauf zu, von welcher natürlichen Person diese Unterschrift stammt <> Der Kreis der Vorstandsmitglieder (Mitglieder der Verwaltung) , Prokuristen, Handlungsbevollmächtigten und etwaigen SpeziaIbevollmächtigten ist - namentlich bei größeren Aktiengesellschaften - groß und auch bei kleineren Gesellschaften oft nicht leicht zu Uberblickeno Die Ermittlung, von welcher der in Betracht kommenden vertretungs berechtigten Personen eine solche Zeichnung stammt, würde durch das Pehlen des Namens des Unterschreibenden erheblich erschwert und verzögert und im Palle des Bestreitens fast ganz ausgeschlossen; da mehrere Personen als Unterzeichner, in Betracht kommen, könnte eine Fälschung kaum nachgowiescr werdeno Danach ist es durchaus sinnvoll und gebotene, bei Rechtsmittelschriften Juristischer Personen in gerichtliche-Verfahron an dem Erfordernis der eigenhändisehen Unterzeichnung durch die vertretungsberechtigto(n) natürlioho(n) Person (eh) mit deren Namen festzuhalten (ebenso BVerv/G 5, 56 - NJW 1956,. 930 stehen mit der hier vorliegenden Frage in keinem Zusammenhang o Es handelte sich vielmehr bei dem Beschluß dos' Bundesgerichtshofs um eine ordnungsgemäß von einem Rechtsanwalt unterschriebene Berufungsschrift; der Bundesgerichtshof hat die Verwerfung der Berufung als unzulässig deshalb gebilligte, weil in dieser Berufungsschrift zwar die Namen der Parteien genannt und das angefochtene Urteil bezeichnet worden waren, aber nicht daraus zu ersehen war, für v/olcho der Parteien das Rechtsmittel eingelegt werden sollte.. Der gleicho Sachverhalt lag dem Urteil des OLG Stuttgart zugrunde, nur daß dio Berufung dort mittels Fernschreibens durch einen Rechtsanwalt eingelegt worden war, der seinen Namen ordnungsgemäß am Schluß des Fernschreibens angegeben hatte {vglo dazu auch die Entscheidung des Senats vom 16o Juli 1965, la ZR 261/63, NJW 1965, 1865 = B1PHZ 1965, 3H)o 2o Zu Unrecht wendet sich die Rechtebeschwerde auch dagegen, daß das Patentgericht die innerhalb der Boschwerde-frist beim Deutschen Patentamt eingegangene, von Patentanwalt Dr0 Unterzeichnete Eingabe, mit der er die Bcsehr/erdegebühr in Gebührenmarken bezahlte, nicht als ordnungogoräße Beschwerdeschrift hat gelten lassono Der erkennende Senat hat in dem Beschluß vom 13o Mai 1965 (la ZB 27/64, HJYI 1965, 1862 = B1PMZ 1965, 311 - Hinterachse) entschieden, daß die bloße Angabe des Verwendungszwecks auf dem Gutschriftträger für die Überweisung der Beschwordegebühr keine ausreichende Beschwerdeerklärung darstellt und daß es sich in einem solchen Palle nicht um eine an sich zulässige Verbindung von Beschwerdeein« legung und Gebührenzahlung handelte Das gleiche trifft aber auch - wie das Patentgericht im Ergebnis zutreffend angenommen hat - auf einen Pall wie den vorliegenden zu, in den ein Patentanwalt auf vorbereitetem Formular lediglich unter dem Betreff “Beschwerde” und unter Angabe des Aktenzeichens und des Verfahrensbeteiligten Gebührenmarken an das Patentamt Übersendete Der Normalfall der Zahlung von BeschwerdegebUhren durch Übersendung von Gebührenmarken ist der* daß diese Marken auf den Beschwerde Schriftsatz aufgeklebt werden (§ 4 der Bekanntmachung über die Einführun von Gebührenmarken bei dem Deutschen Patentamt vom 22o März 1955« BGBl IIIS 424 3 )<> Werden die Gebührenmarken dagegen gerade nicht auf den Beschwerdeschriftsatz aufgeklebt, sondern auf einem besonderen Blatt an das Patentamt übersandt , so kann dieses Blatt nicht deshalb«, weil die Gebühren marken - notwendigerweise unter Angabe des Aktenzeichens und dos Verwendungszwecks - darauf aufgeklebt sind, in einen öeschwerdesohriftsatz umgedeutet werden* und zwar auch dann nicht, wenn dieses Blatt von einem Patentanwalt unterzeichnet ist, für den die Beschwerdeführerin oine Generalvollmacht beim Deutschen Patentamt hinterlegt hat „ Bei der vorliegenden Sache kommt hinzu, daß es in dem Beschwerdefernschreiben ausdrücklich heißt: “Bezahlung der Gebühr gleichzeitig durch Patentanwalt daß also die Anmolderin von der V/irksamkeit ihrer eigenen Beschwerdeeinlegung ausging und Patentanwalt Dr0 Sommerfeld daher weder nochmals Beschwerde einlegen sollte noch wollte.