BGH · I ZR 98/84 vom 06.02.1986
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Der fotomechanische Nachdruck von Noten gemeinfreier Musikwerke verstößt jedenfalls dann nicht gegen § 1 UWG, wenn seit Herstellung der Druckvorlagen für diese Notenbilder fünfzig Jahre verstrichen sind und keine anderweiten unlauterkeitsbegründenden Umstände vorliegen. Auf die Revision der Klägerin wird das Urteil des 6. August 1982 dahingehend abgeändert, daß festgestellt wird, daß der Beklagten kein Anspruch gegen die Klägerin zusteht, ihr zu untersagen, fotomechanische Nachdrucke der nachfolgend aufgeführten Werke aus dem Verlagsprogramm der Beklagten feilzuhalten und/oder zu vertreiben: 9. ) Grieg, Peer Gynt Suite Nr. 1, Opus 46, für Klavier zu zwei Händen. Die Beklagte hält sich als Erstverlegerin aus wettbewerbsrechtlichen Gründen für berechtigt, der Klägerin zu verbieten, gemeinfreie Werke aus ihrem Verlagsprogramm fotomechanisch nachzudrucken und im Inland zu vertreiben. Die Klägerin, die ihr Verhalten für rechtmäßig ansieht, hat Feststellungsklage erhoben, mit der sie hinsichtlich 13 gemeinfreier Musikwerke aus dem Verlagsprogramm der Beklagten die Feststellung begehrt, daß die Beklagte nicht berechtigt sei, aus dem Gesichtspunkt der unmittelbaren Leistungsübernahme gem. Die Beklagte hat Widerklage auf Unterlassung des Vertriebs fotomechanischer Nachdrucke von bestimmten weiteren Musikwerken aus ihrem Verlagsprogramm erhoben. Auf die Widerklage hat es die Klägerin verurteilt, es zu unterlassen, 124 einzeln aufgeführte Musiktitel in der Bundesrepublik Deutschland einschließlich Berlin (West) feilzuhalten und/oder zu vertreiben und/oder vertreiben zu lassen, sofern die Ausgaben durch fotomechanischen Nachdruck von im Verlag der Beklagten erschienenen Ausgaben hergestellt sind und solange die Beklagte die in ihrem Verlag erschienenen Ausgaben noch vertreibt. Mit der Berufung hat die Klägerin ihre ursprünglichen Anträge weiterverfolgt und hat hilfsweise die Feststellung begehrt, daß der Vertrieb der fotomechanischen Nachdrucke von Notenstichen, die die Beklagte ihrerseits noch vertreibt, gegen Zahlung einer angemessenen Lizenz zulässig sei. Das Berufungsgericht hat ausgeführt: Die Beklagte dürfe der Klägerin verbieten, von den streitbefangenen Notenwerken fotomechanische Nachdrucke feilzuhalten und zu vertreiben, weil darin eine nach § 1 UWG unzulässige unmittelbare Ausnutzung eines fremden Arbeitsergebnisses liege, die die Beklagte unbilligerweise um die Früchte ihrer Arbeit als Erstverlegerin bringen würde. Dem stehe nicht entgegen, daß die Erstdrucke Jahrzehnte zurücklägen und die Kosten für die Druckvorlagen sich bereits amortisiert hätten; denn die Beklagte müsse die Einnahmen aus derartigen Werken, die erst über längere Zeit und jeweils in wenigen Exemplaren abgesetzt würden, weiterhin unbehelligt ziehen können, um ihren weiteren Aufgaben als traditioneller Musikverlag, wie Förderung und Betreuung neuer zeitgenössischer Komponisten sowie Drucken und Bereithalten seltener Notenwerke, nachkommen zu können. Klägerin, die bereits über 100 Notenwerke der Beklagten auf diesem Wege nachgedruckt habe, zulässig, würde das Interesse der MusikVerleger an der aufwendigen Herstellung von Druckvorlagen, die der Schaffung eines umfassenden Notenangebots und der Förderung zeitgenössischer Komponisten diene, erlahmen. Dem ständen keine vorrangigen Interessen der Allgemeinheit oder der Klägerin gegenüber; denn die Beklagte biete diese Werke nach wie vor an, und die Klägerin könne, wenn sie dazu in Wettbewerb treten wolle, sich selbst eigene Druckvorlagen schaffen, anstatt die mit Hilfe kostspieliger Qualitätsnotenstiche der Beklagten hergestellten Notenwerke fotomechanisch nachzudrucken. Die Klägerin könne auch nicht verlangen, daß ihr der fotomechanische Nachdruck von Notenstichen, die die Beklagte noch vertreibe, gegen Zahlung einer angemessenen Lizenz gestattet werde; denn die Klägerin sei auf den Nachdruck gerade dieser Notenstiche nicht angewiesen, und die Beklagte könne nicht gezwungen werden, dem Wettbewerber, der sich auf unlautere Weise einen Wettbewerbsvorsprung auf ihre Kosten verschaffen wolle, eine Lizenz einzuräumen. Die hiergegen gerichtete Revision der Klägerin hat Erfolg; denn die Beklagte ist nicht berechtigt, der Klägerin das Anbieten und Vertreiben von fotomechanischen Nachdrucken der streitigen Notendrücke zu verbieten. Da die betreffenden Musikwerke inzwischen gemeinfrei sind und auch für die Notenstichbilder kein Sonderrechtsschutz geltend gemacht wird, ist die fotomechanische Über- - Reprint; BGH, Urt. v. 1. Die Annahme des Berufungsgerichts, daß die Klägerin die Beklagte unbilligerweise um die Früchte ihrer Arbeit als Erstverleger in bringe, ist in bezug auf die hier streitigen Noten nicht gerechtfertigt. Sie hat die Noten in dieser Zeit auch vertrieben, und es ist inzwischen zu demindest eine Amortisation der Herstellungskosten erfolgt. Das Berufungsgericht hat der Beklagten einen weitergehenden Schutz gewährt, weil diese die geringen, aber stetigen Einnahmen aus den Notendrücken über Jahrzehnte unbehelligt müsse erzielen können, um ihrer Aufgabe als traditioneller Musikverlag, der Allgemeinheit ein ständig zu erweiterndes Programm klassischer und zeitgenössischer Musikkultur anzubieten, gerecht werden zu können. lange Zeitraum ist nämlich auch mit Rücksicht darauf, daß Notendrücke meist nur allmählich abgesetzt werden und die Beklagte die hier betroffenen Noten weiterhin anbietet, als ausreichend anzusehen. Angesichts dieser gesetzlichen Entscheidungen erscheint es trotz der Besonderheiten des Musikverlagswesens nicht gerechtfertigt, bei dem dort allein in Betracht kommenden ergänzenden wettbewerbsrechtlichen Schutz den Zeitraum für die ungestörte Auswertung von Notendrücken auf mehr als 50 Jahre und damit auf über die doppelte Frist auszudehnen (vgl. Die Tatsache, daß der fotomechanische Nachdruck eine unmittelbare Ausnutzung des fremden Leistungsergebnisses ohne eigene nachschaffende Arbeit darstellt, reicht für sich allein nicht aus, um die Leistungsübernahme als unlauter erscheinen zu lassen (BGHZ 51, 41, 45 f.